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Märchen & Seele:

in Märchenhaft: 08.06.2010 10:17
von Adamon • Nexar | 13.890 Beiträge

Aus: http://christophbornewasser.online.de/

Kennt ihr die Geschichte von Buddha und den Weisen? Buddha wurde gebeten zwischen mit sich streitenden Weisen zu entscheiden, wer nun recht habe. Er erzählte daraufhin eine Geschichte: Da war ein großer König, der hatte viele Gelehrte, die jedoch alle blind waren. Und immer stritten sie über die wahre Natur der Dinge. Um sie endlich zum Frieden zu bringen ließ der König aus einem fernen Land einen Elefanten herbei schaffen und jeder der Weisen durfte ihn an einer anderen Stelle betasten. Kaum hatten sie das getan stritten sie wieder über die Natur des Elefanten. Die einen, die die Stoßzähne betastet hatten, beschrieben den Elefanten gänzlich anders als jene, die die Beine oder die Ohren betastet hatten. Und obgleich ihre Beschreibungen so verschieden waren, beschrieben sie nur ein und dasselbe Tier.
Ich denke, fast alle, die im Arbeitskreis saßen, haben diese Geschichte gekannt, viele erzählen sie sogar. Aber auf die Frage “Was ist die Seele?” beginnen sie wie die Blinden in der Geschichte zu streiten. Dabei hätten sie besser ihr Teil-Wissen zusammengeworfen. Sie hätten besser getan, die Aussagen der jeweilig anderen, aufzunehmen und sie in Gedanken an die eigenen anzuschließen. Anschlussmöglichkeiten suchen statt sich abzugrenzen… Und womöglich wäre ein ganzer Elefant dabei rumgekommen.


Märchen & Moral
Februar 22nd, 2008 :

Märchen erzählen nicht von Gut und Böse, von Richtig oder Falsch. Sie erzählen von Mangel und Schritten dahinaus. Sie erzählen von Misslingen und Gelingen. Sie variieren die Suche nach Lösung und schauen, was geschieht. Es geht ihnen um Erfolg oder Misserfolg, Glück oder Unglück. Zuweilen ist das Glück unmoralisch. Doch das stört das Märchen nicht. In günstigeren Fällen deckt sich Glück und Moral - doch bedenke: es ist Deine Moral, Deine Sicht auf die Welt! Andere müssen sie nicht teilen. Dem Märchen ist es egal.


Märchen & Seele 2
Februar 12th, 2008 :

Eins ist sicher: Jeder hat eine Seele, oder?
Eine große Runde. Mitten im Raum steht die Frage: Was ist die Seele? Antworten hallen als Echo aus allen möglichen Ecken der Runde wieder. So unterschiedlich und dissonant wie man sich nur vorstellen kann. Naiv, alltäglich, psychologisch, philosophisch, theologisch, spirituell, esoterisch… So widersprüchlich, sich widersprechend, sich gegenseitig verwerfend und kritisierend, sich bekämpfend… Doch eines haben sie alle gemeinsam: Alle sagen, dass sie eine Seele haben.
Dass sie eine Seele HABEN?
Haben? So wie man einen Kugelschreiber, ein Auto, ein Haus, einen Mann / eine Frau, Kinder, einen Job, braune oder blaue Augenfarbe, Haare (oder eben keine) auf dem Kopf hat… Hat man einen Körper? Kann man einen Körper HABEN? Hat man eine Seele? Kann man eine Seele HABEN?
Ich bin… Ich bin ich. Ich bin ein Körper und ich bin eine Seele.
HABEN oder SEIN?
Ist das nur der Widerspruch zwischen Materialismus und Idealismus - auf den es ein Diskussionsteilnehmer verkürzen will? Ist das bloß eine belanglose Verdrehung und Ablenkung? Ist das bloß ein Ausweichen vor den eigentlich wichtigen Fragen? Oder ist es der Kernpunkt einer Psychologie des Menschen?


Märchen bewegen uns.
Irgendwie sind sie Ausdruck von Seelenbewegungen und sie bewegen ihrerseits die Seele. Manchmal mehr, manchmal weniger. Manchmal ist es ein angenehmes Streicheln, manchmal ein leichtes Schubsen und Knuffen, manchmal schlagen sie uns vor den Kopf. Im Alltag ist es absolut normal und hinreichend, dass wir die Märchen lieben, die uns nett bewegen, und die Märchen nicht mögen, die uns irritieren und verstören.
Die Frage, die zuerst zu beantworten ist, ist also: Was will ich von den Märchen, von diesem bestimmten Märchen? Will ich gestreichelt werden oder suche ich Konfrontation mit Störendem.
Was wollen uns Märchen erzählen? Was wollen wir hören?


Die Brüder und das Nullsummenspiel
Dezember 14th, 2007 :



Eine Idee, die hinter dem Mondheld steckt, stecken könnte, ist, dass die Menschen die Verbundenheit von Brüdern in einem Schicksal erfahren haben und dass sie die Erfahrung gemacht haben, dass des Einen Vorteil zuweilen des Anderen Nachteil ist. In der Wissenschaft nennt man dies ein Nullsummenspiel. Macht einer Gewinn (z.B. + 10,- €) macht der Andere Verlust (z.B. - 10,- €) und beides summiert sich zu 0,- €. Die Welt ist nicht immer so. Es gibt auch Zusammenhänge, in denen Wachstum möglich wird, in denen die Summen aller Gewinne und Verluste nicht gleich Null sind - ebenso ist es möglich, dass es Schwund gibt, dass einfach alle Verlust machen. Aber im Alltag gehen wir spontan davon aus, dass des Einen Vorteil eines Anderen Nachteil ist. So lange wir auf der Vorteilsseite sind, stört uns das ja auch nicht so doll.
In der urtümlichen, recht überschaubaren Lebenswelt der Menschen war dies aber problematisch. Wenn ich Früchte fand und sie benutzte um MEINEN Hunger zu stillen, dann konnte kein Anderer seinen Hunger damit stillen. Wenn ich die Gunst eines anderen Menschen erwarb, dann war diese Möglichkeit einem Anderen verwehrt. Menschen wurden also zu Rivalen, Rivalen um Ressourcen und die Gunst des Schicksals und der Göttlichen. Was also, wenn ich in einer überschaubaren Gemeinschaft eine solche Rivalität erlebte?
Genau dort beginnt der Mondheldmythos: Des Einen Vorteil und des Anderen Nachteil kann nämlich eine einfache Lösung finden, die allerdings aus heutiger Sicht zunächst irritiert. Wenn Einer nämlich den Nachteil für alle auf sich nimmt, dann erhalten ja die Anderen den Vorteil! Die Idee des sich selber opfernden Heldens entsteht. Kein Menschenopfer im heutigen Verständnis - kein Opfern von Unnötigen, Entbehrlichen, Unliebsamen durch die Hand eines Mächtigen, sondern ein freiwilliges, heldenhaftes Sich-selber-Opfern zum Vorteil der Gemeinschaft, die ich liebe und schützen möchte. Wir kennen dieses heroische Motiv aus Hollywoodfilmen und der Literatur. Zwar verlieren wir den Sich-Opfernden schnell aus dem Blick und schauen nur auf die glücklichen Bevorteilten, aber zumindest bei mir regt sich angesichts dieser Opferbereitschaft und dieses Mutes ein seltsames - nicht negatives - Gefühl. Wenn ich sehe, wie Menschen in Katastrophensituationen ihre eigenen Interessen hintan stellen und ihr Leben und Wohlergehen ristkieren, um andere Menschen zu retten, dann überläuft mich ein Schauder… Nicht wohlig aber auch nicht entsetzt…
Was also, wenn die Uridee des Mondhelden genau dort ansetzt: Der eine Bruder opfert sich für das Wohl des Anderen.

Vesta & Ianus
Dezember 4th, 2007 :



Hof Haake im Museumsdorf Cloppenburg
Momentan verirren sich meine Gedanken um den Mondheld abwechselnd in die alten Bauernhäuser des Museumsdorfes in Cloppenburg und die römische Mythologie. Ich war auf der Suche nach Informationen zu dem römischen Zwillingspaar Romulus & Remus. Diese sind mit einiger Sicherheit Mondhelden und in Verbindung mit einer wissenschaftlichen Arbeit von Heino Gehrts öffneten sie den Blick auf weitere Aspekte der Geschichte. Nun, die beiden waren auf jeden Fall die Söhne einer Vestalin namens Rhea Silvia und des Gottes Mars. Mars kennen wir heute nur noch als Kriegsgott, aber urtümlich war er wohl ein Feldgott und Gott des Jahresanfangs. Wie dem auch sei: Als ich so im Umfeld las, stolperte ich über den Satz, dass die beiden zentralen Gottheiten der niederen (d.h. häuslichen) römischen Mythologie Vesta und Ianus seien.
Vesta, die Göttin des Herdfeuers, und Ianus, der zweigesichtige Gott der Schwelle, erinnern in besonderer Weise an die Sonnenbraut und den Mondheld. Die Sonnenbraut ist die im alten Sinne jungfräuliche Hüterin des Hauses und des Herdfeuers - kein Aschenputtel, sondern die souveräne Herrin des lichten Kreises. In Rom hüteten die Vestalinen, die Priesterinnen der Vesta, das Staatsfeuer. Doch stärker noch als dieser große Kult war ihr kleiner Kult in jedem Haus. Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet Rhea Silvia, die Mutter von Romulus und Remus, eine Vestalin war.
Der Mondheld ist ähnlich wie Ianus zweigesichtig. Ein Gesicht wendet sich dem Feuerplatz und damit Vesta zu und eines sucht das Heil in der Fremde. Seit altersher hat den Menschen diese Unentschiedenheit auf der Türschwelle Angst gemacht. Sie bannten den seltsamen Geist, der nicht weiß, wohin er sich wenden soll. Ianus ist uns noch heute als Namensgeber für den Schwellenmonat Januar vertraut. Sein Tor auf dem Forum in Rom zeigte an, ob Krieg oder Frieden herrschte. Ob die Söhne Roms aus der Stadt hinaus ziehen oder in sie zurück kehren durften.
Selbst in den alten Bauernhäusern kommt das Gefühl auf, wie die beiden Gottheiten bis vor wenigen Jahren das Leben der Menschen bestimmt haben… Das Herdfeuer, an welchem man sich auf der Diele erwärmen konnte und die Schwelle, über die man ins Haus oder aus ihm hinaus stolpern konnte…



. - Was Du aufdeckst, - offenbart sich . -

"Die Erlösung kann nicht verdient, nur empfangen werden, - darum ist sie die Erlösung". -

"Es ist alles Illusion, - was nicht aus mir selber spricht,
- denn es ist ein Zusatz, - dieses Eine nicht". -

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#2

RE: Märchen & Seele:

in Märchenhaft: 08.06.2010 10:51
von Adamon • Nexar | 13.890 Beiträge

Es ist Samhain…

Heute ist ein Tag… die Tore zwischen den Welten sind offen…


Heute ist wieder so ein Tag, ein Tag an dem die Tore zwischen den Welten geöffnet sind.
Auch wenn die Kids gestern abend nur ihr Heil in “Süßes oder Saures” suchten… Und ihre Gruselkostüme nach amerikanischem Vorbild trugen. Und nichts wussten… nichts wussten über das, was das, was sie tun, mit Sankt Martin, mit Allerheiligen zu tun hat. Was es mit Irland und den Kelten… dem Winteranfang und dem Hunger zu tun hat… Was es mit den Megalithgräbern und den alten, längst vergessenen Göttern und den Feen und Elfen zu tun hat…


Für die alten Kelten begann mit Samhain der Winter. Und dies war die schwierigste Zeit im Jahr: Viele Menschen starben da, an Krankheit und Hunger. Darum besann man sich auf die Ahnen und suchte die Verbindung mit ihnen. Wo anders als an ihren Gräbern konnte man Verbindung mit ihnen finden? Aber da waren auch die Gräber der Anderen… Die Gräber jener Kultur, die vor den Kelten da waren: Jene großen Steinmonumente mit Pforten ins Dunkel der Erde, in den Schoß von Mutter Erde, jener Gottheit, die alles gab und alles nahm, die die Mutter aller anderen Götter war. Überall im Land der Kelten gab es diese Steingräber, die an Mutter Erde erinnerten.
Und man erzählte, dass dort drunten die Ahnen der Ahnen lebten. Nicht die eigenen Vorfahren, sondern die Vorfahren derer, die das Land vor ihnen bewohnt haben. Manche nannten diese Ahnen die Götter. Manche die Feen. Was hatten diese mit den Jetzigen zu tun? Nun Mutter Erde, die nun wohltätig zu uns ist, hat sie seiner Zeit ebenso geliebt… In jedem Fall waren diese Steinpforten geheime Pforten in die Anderswelt. Das konnte jeder spüren, der dort eine Weile verbrachte und der womöglich an einem Tag des Übergangs - d.h. Samhain oder Beltaine - dort verweilte… Denn an diesen Tagen, war die Tür zur Anderswelt nur angelehnt… wenn nicht offen…
Durch Opfer und Feiern versuchte man die Wesen der Anderswelt gütlich zu stimmen. Man gab ihnen Süßes - Speis und Trank - damit sie einem nicht Saures - Gespenster und Grusel - brachten. Überall - nicht bloß in Irland -, wo das Land und seine Göttin heilig war, wurden ähnliche Feste gefeiert. Lediglich der Zeitpunkt variierte. Überbleibsel gibt es bis heute: Zu Sankt Martin zogen am Niederrhein die Kinder von Haus zu Haus und forderten Gaben und drohten mit üblen Streichen. In der süddeutschen Fastnacht gegen Ende des Winters zogen Wintergeister Schrecken verbreitend durch die Dörfer, während andernorts zu Karneval Süßes in die Menge geworfen wird. Mancherorts ziehen die Menschen zu Allerheiligen auf den Friedhof und zechen und feiern auf den Gräbern ihrer Vorfahren…
Umgekehrt erzählen die Menschen von der Bedrohung durch die ruhelosen Toten. Sie erzählen von der wilden Jagd, die im Winter - in den Zwölften - durch die Welt jagt und Schrecken bringt. Sie erzählen von Frau Holle, der alte germanische Erdgottheit, die schrecklich anzusehen ist und im Winter die Häuser der Menschen heimsucht: Sie prüft den Eifer und die Gesinnung der Menschen, belohnt die Fleißigen und straft die Faulen. Und nicht von Ungefähr erinnert dies an den heiligen Nikolaus und seinen Knecht Rubrecht. Letzterer stammt eindeutig aus dem Gefolge der Göttin.




Hier wohnt ein reicher Mann,
der uns was geben kann.
Viel soll er geben,
lange soll er leben,
selig soll er sterben,
das Himmelreich erwerben.
Laßt uns nicht so lange stehn,
denn wir müssen weitergehn, weitergehn.

So sangen die Kinder zu Sankt Martin. Und wenn der “reiche Mann” knauserig war, dann gab es Schmählieder.
Mich interessieren ja die alten Pforten mehr als die Erinnerungen im Brauchtum… Ich besuche die Steingräber und schaue in die Pforten zur Anderswelt… Ja, ich weiß auch nicht, was ich da sehen will… Aber etwas zieht mich da hin. Und jedesmal warte ich auf einen Blick hinüber ins andere Reich. Auf den Wink einer Fee. Auf die Ansprache durch Mutter Erde als die Herrin dieses, meines Landes…


Irgendwie verbinden sich zu Samhain die verschiedenen Stränge meines Lebens, die verschiedenen Interessen. Die Geschichten und die Erzählungen, die mich faszinieren und die Dinge und Orte, die ich immer wieder aufsuche, weil sie mir etwas zuflüstern, das ich noch nicht verstehe, aber einst verstehen werde… Hoffentlich…



. - Was Du aufdeckst, - offenbart sich . -

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#3

RE: Märchen & Seele:

in Märchenhaft: 08.06.2010 11:00
von Adamon • Nexar | 13.890 Beiträge

Eine kleine Variation über KHM 1 Der Froschönig:

Also: Da war einmal ein König, der hatte drei Töchter, die waren alle schön, aber die Jüngste war die Schönste von allen. Sie war so schön, dass selbst die Sonne, die ja schon so viel gesehen hat, sich jedes Mal, da sie ihrer ansichtig wurde, wunderte… Und - ich wette - wenn ihr sie sehen könntet, dann stündet ihr mit offenen Maul da und würdet staunen… Und dabei würdet ihr nicht wirklich intelligent aussehen… Ich weiß, wovon ich rede!

Nun gut, hübsch war sie, das kann keiner leugnen. Aber irgendwie war sie ein komisches Mädchen. Häufig langweilte sie sich und dann ging sie hinunter in den Garten des väterlichen Schlosses, quer über die Wiese zu den Bäumen und dort bog sie dann ab, ging an dem kleinen See entlang in den Wald, der da wuchs. Dann noch ein wenig bergan, dort war ein kleiner Quell, der sprudelte munter vor sich hin. Heute würde sie sicher woanders hin gehen. Heute würde sie shoppen fahren, mit ihren Freundinnen und Kumpels abhängen oder zu Hause bleiben, ihren PC anwerfen, durch die Welt surfen und chatten, was das Zeug hält, oder mit ihrem Gameboy oder irgendeiner anderen Konsole spielen…

Am Quell angekommen, schaute sich das Mädchen sicherheitshalber um, ob ihr nicht irgendjemand gefolgt sei. Dann warf sie ihren goldenen Ball - naja, der war natürlich nicht wirklich aus Gold - ich mein: Überlegt mal, wie schwer so’n Teil wäre. Damit könnte keiner spielen! Das war also nur ein ganz normaler Ball, der halt goldfarben war. Aber ihr war das egal. Sie mochte den Ball leiden. Sie wusste sich nichts Schöneres, als ihren Goldball zu werfen und ihn zu fangen… Das war ihr liebster Zeitvertreib - na, ob das viel besser ist als Spielkonsole, ich weiß nicht…

Nun passierte es aber, dass der Ball einmal so doof hinaufgeworfen und so doof herunter gekommen war, dass sie ihn nicht hätte fangen können, es sei denn, sie wäre mit samt Klamotten in den kleinen Quellteich gesprungen. Na, sie überlegte noch, ob sie es tun sollte, aber da machte es schon »plumps« und das Ding verschwand im kühlen Nass… »Upps«, dachte sie, »wie das jetzt?« Denn der Ball, war doch eigentlich leicht genug zum Werfen und nun fällt er ins Wasser und geht einfach so unter… »Wenn da mal nicht ein böser Zauber im Spiel ist«, denkt sie noch so bei sich und blickt verwundert in den Teich. Im Wasser formiert sich eine Gestalt, die langsam aber stetig zur Wasseroberfläche hinauf kommt. Nein, es ist nicht der Ball, der es sich anders überlegt hat und nun doch schwimmen kann, nein, es ist nicht golden sondern grün. Und es hat kurze Vorder- und große Hinterfüße… Es ist ein Frosch! Und wie der auftaucht, da ist’s so, als wenn auf seinem kleinen Kopf zwischen den Augen eine goldige Blüte kleben würde - sieht fast aus wie ‘ne kleine Krone.

Kaum oben quakt er sie schon an: »Ich glaub es hackt! Was soll’n das? Kannst Du nicht aufpassen? Sitzt man hier nichtsahnend und träumt vor sich hin und dann schmeißt Du mit Goldkugeln nach einem…« »Oh, ‘tschuldigung!«, sagt sie ganz verdattert - nicht, weil der Frosch sie anquakt, sondern, dass er SO sauer ist, »war keine Absicht!« »Das kann man ja immer sagen…«, grummelt der weiter, aber seine Gesichtszüge - soweit man von so was bei einem Frosch reden kann - entspannen sich schon wieder ein Bisschen. »Ach«, denkt er nämlich bei sich, »so von Nahem betrachtet, ist das ja ‘ne dolle Braut…« Fragt mich jetzt nicht, was sich Frösche unter einer »dollen Braut« vorstellen. So viel ich weiß, lassen sich die Froschmännchen - die übrigens meist viel kleiner als die Weibchen sind - von ihren Frauen durch die Gegend tragen. Und so gesehen, wäre die Königstocher natürlich eine echt gute Partie. Königstöchter kommen schließlich weit herum.

Was soll ich euch sagen? Es dauert nicht lange, da sitzen die beiden da am Teich und plaudern, über dies und das. Aller Ärger ist beim Frosch verraucht und die Königstochter hat sich auch wieder beruhigt. Und der Frosch erzählt ihr eine Geschichte, die er mal von einem anderen Frosch gehört hat, dass nämlich hier in der Gegend ein verwunschener Froschkönig sein Leben friste und dass er nur darauf wartete, endlich mal ‘ne echte Königstochter zu treffen und sich von ihr abschleppen zu lassen. Und dann habe das auch irgendwie geklappt. Und er sei mit der Königstochter nach Hause gegangen, habe sich in ihrem Handtäschchen versteckt und habe sich an ihrem Vater vorbei in ihr Schlafgemach geschlichen - wie schleichen Frösche eigentlich? - und dann hätten sie die amüsanteste Nacht gehabt, die man sich vorstellen könne - feucht, fröhlich, so zu sagen. Am andern Morgen sei er noch immer ein Frosch gewesen und die enttäuschte Königstochter hätte ihn genommen und an die Wand geklatscht. »Na ja, er hat’s überlebt. Konnte sich dann wieder zurück in den Teich retten und schwört seit her, sich nicht mehr mit Prinzessinnen einzulassen. Und wenn er nicht gestorben ist, dann quakt er noch heute«, endet der Frosch. Die Königstochter lacht herzlich und erzählt dem Frosch ein anderes Märchen.

Und die Zeit vergeht, es wird Abend. Es dämmert schon und die beiden plaudern immer noch. Da hört das Mädchen mit einem Mal Rufen und zwei Männer aus der Leibgarde ihres Vaters kommen mit einer Laterne des Weges und suchen sie… Über’s Plaudern mit dem Frosch, hat das Mädchen glatt die Zeit vergessen. Sie verabschiedet sich von dem Frosch und der verschwindet in dem Quell. Zu Hause muss sie sich eine Standpauke von ihrem Vater anhören. Der hatte sich natürlich Sorgen gemacht, als sie zum Abendessen nicht heimgekommen war. Und die blöde Ausrede mit dem sprechenden Frosch fand er gar nicht witzig. An dem Abend musste sie ohne Essen ins Bett und da lag sie, und träumte… von ihrem kleinen Froschkönig…
Anderntags lief sie wieder in den Wald, zu dem Quell. Da lag ihr goldener Ball im Gras daneben, aber vom Frosch mit der goldenen Blüte auf dem Kopf fehlte jede Spur. Sie rief ihn… aber er antwortet nicht. Sie ließ den Ball in den Quell fallen, aber - welch Wunder! - der schwamm und ging nicht unter! Ganz verzweifelt setzte sich die Königstochter an den Quell und weinte, weinte bitterlich, schrie, dass sich die Steine erbarmen. Denn sie hatte sich verliebt, in einen kleinen Wasserpatscher, den kleinen grünen Frosch mit einer goldenen Blüte auf dem Kopf…
Merke:

Froschkönige und Traumprinzen sind wirklich süß
aber das Erwachen am nächsten Morgen
bringt die Wirklichkeit zum Vorschein!




Das Originale Original KHM 1 von 1812 / 1815
Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich:

Es war einmal eine Königstochter, die ging hinaus in den Wald und setzte an einen kühlen Brunnen. Sie hatte eine goldene Kugel, die war ihr liebstes Spielwerk, die warf sie in die Höhe und fing sie wieder in der Luft und hatte ihre Lust daran. Einmal war die Kugel gar hoch geflogen, sie hatte die Hand schon ausgestreckt und die Finger gekrümmt, um sie wieder zufangen, da schlug sie neben vorbei auf die Erde, rollte und rollte und geradezu in das Wasser hinein.
Die Königstochter blickte ihr erschrocken nach, der Brunnen war aber so tief, daß kein Grund zu sehen war. Da fing sie an jämmerlich zu weinen und zu klagen: »ach! wenn ich meine Kugel wieder hätte, da wollt’ ich alles darum geben, meine Kleider, meine Edelgesteine, meine Perlen und was es auf der Welt nur wär’.« Wie sie so klagte, steckte ein Frosch seinen Kopf aus dem Wasser und sprach: »Königstochter, was jammerst du so erbärmlich?« – »Ach, sagte sie, du garstiger Frosch, was kannst du mir helfen! meine goldne Kugel ist mir in den Brunnen gefallen.« – Der Frosch sprach: »deine Perlen, deine Edelgesteine und deine Kleider, die verlang ich nicht, aber wenn du mich zum Gesellen annehmen willst, und ich soll neben dir sitzen und von deinem goldnen Tellerlein essen und in deinem Bettlein schlafen und du willst mich werth und lieb haben, so will ich dir deine Kugel wiederbringen.« Die Königstochter dachte, was schwätzt der einfältige Frosch wohl, der muß doch in seinem Wasser bleiben, vielleicht aber kann er mir meine Kugel holen, da will ich nur ja sagen; und sagte: »ja meinetwegen, schaff mir nur erst die goldne Kugel wieder, es soll dir alles versprochen seyn.« Der Frosch steckte seinen Kopf unter das Wasser und tauchte hinab, es dauerte auch nicht lange, so kam er wieder in die Höhe, hatte die Kugel im Maul und warf sie ans Land. Wie die Königstochter ihre Kugel wieder erblickte, lief sie geschwind darauf zu, hob sie auf und war so froh, sie wieder in ihrer Hand zu halten, daß sie an nichts weiter gedachte, sondern damit nach Haus eilte. Der Frosch rief ihr nach: »warte, Königstochter, und nimm mich mit, wie du versprochen hast;« aber sie hörte nicht darauf.

Am andern Tage saß die Königstochter an der Tafel, da hörte sie etwas die Marmortreppe heraufkommen, plitsch, platsch! plitsch, platsch! bald darauf klopfte es auch an der Thüre und rief: »Königstochter, jüngste, mach mir auf!« Sie lief hin und machte die Thüre auf, da war es der Fresch, an den sie nicht mehr gedacht hatte; ganz erschrocken warf sie die Thüre hastig zu und setzte sich wieder an die Tafel. Der König aber sah, daß ihr das Herz klopfte, und sagte: »warum fürchtest du dich?« – »Da draußen ist ein garstiger Frosch, sagte sie, der hat mir meine goldne Kugel aus dem Wasser geholt, ich versprach ihm dafür, er sollte mein Geselle werden, ich glaubte aber nimmermehr, daß er aus seinem Wasser heraus könnte, nun ist er draußen vor der Thür und will herein.« Indem klopfte es zum zweitenmal und rief:

»Königstochter, jüngste,
mach mir auf,
weiß du nicht was gestern
du zu mir gesagt
bei dem kühlen Brunnenwasser?
Königstochter, jüngste,
mach mir auf.«
Der König sagte: »was du versprochen hast, mußt du halten, geh und mach dem Frosch die Thüre auf.« Sie gehorchte und der Frosch hüpfte herein, und ihr auf dem Fuße immer nach, bis zu ihrem Stuhl, und als sie sich wieder gesetzt hatte, da rief er: »heb mich herauf auf einen Stuhl neben dich.« Die Königstochter wollte nicht, aber der König befahl es ihr. Wie der Frosch oben war, sprach er: »nun schieb dein goldenes Tellerlein näher, ich will mit dir davon essen.« Das mußte sie auch thun. Wie er sich satt gegessen hatte, sagte er: »nun bin ich müd’ und will schlafen, bring mich hinauf in dein Kämmerlein, mach dein Bettlein zurecht, da wollen wir uns hineinlegen.« Die Königstochter erschrack, wie sie das hörte, sie fürchtete sich vor dem kalten Frosch, sie getraute sich nicht ihn anzurühren und nun sollte er bei ihr in ihrem Bett liegen, sie fing an zu weinen und wollte durchaus nicht. Da ward der König zornig und befahl ihr bei seiner Ungnade, zu thun, was sie versprochen habe. Es half nichts, sie mußte thun, wie ihr Vater wollte, aber sie war bitterböse in ihrem Herzen. Sie packte den Frosch mit zwei Fingern und trug ihn hinauf in ihre Kammer, legte sich ins Bett und statt ihn neben sich zu legen, warf sie ihn bratsch! an die Wand; »da nun wirst du mich in Ruh lassen, du garstiger Frosch!«

Aber der Frosch fiel nicht todt herunter, sondern wie er herab auf das Bett kam, da wars ein schöner junger Prinz. Der war nun ihr lieber Geselle, und sie hielt ihn werth wie sie versprochen hatte, und sie schliefen vergnügt zusammen ein. Am Morgen aber kam ein prächtiger Wagen mit acht Pferden bespannt, mit Federn geputzt und goldschimmernd, dabei war der treue Heinrich des Prinzen, der hatte sich so betrübt über die Verwandlung desselben, daß er drei eiserne Bande um sein Herz legen mußte, damit es vor Traurigkeit nicht zerspringe. Der Prinz setzte sich mit der Königstochter in den Wagen, der treue Diener aber stand hinten auf, so wollten sie in sein Reich fahren. Und wie sie ein Stück Weges gefahren waren, hörte der Prinz hinter sich ein lautes Krachen, da drehte er sich um und rief:

»Heinrich, der Wagen bricht!« –
»Nein Herr, der Wagen nicht,
es ist ein Band von meinem Herzen,
das da lag in großen Schmerzen,
als ihr in dem Brunnen saßt,
als ihr eine Fretsche (Frosch) was’t.« (wart)
Noch einmal und noch einmal hörte es der Prinz krachen, und meinte: der Wagen bräche, aber es waren nur die Bande, die vom Herzen des treuen Heinrich absprangen, weil sein Herr erlöst und glücklich war.
Und nun noch letzter Hand KHM 1
Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich
In den alten Zeiten, wo das Wünschen noch geholfen hat, lebte ein König, dessen Töchter waren alle schön, aber die jüngste war so schön, daß die Sonne selber, die doch so vieles gesehen hat, sich verwunderte, sooft sie ihr ins Gesicht schien. Nahe bei dem Schlosse des Königs lag ein großer dunkler Wald, und in dem Walde unter einer alten Linde war ein Brunnen; wenn nun der Tag sehr heiß war, so ging das Königskind hinaus in den Wald und setzte sich an den Rand des kühlen Brunnens: und wenn sie Langeweile hatte, so nahm sie eine goldene Kugel, warf sie in die Höhe und fing sie wieder; und das war ihr liebstes Spielwerk.
Nun trug es sich einmal zu, daß die goldene Kugel der Königstochter nicht in ihr Händchen fiel, das sie in die Höhe gehalten hatte, sondern vorbei auf die Erde schlug und geradezu ins Wasser hineinrollte. Die Königstochter folgte ihr mit den Augen nach, aber die Kugel verschwand, und der Brunnen war tief, so tief, daß man keinen Grund sah. Da fing sie an zu weinen und weinte immer lauter und konnte sich gar nicht trösten. Und wie sie so klagte, rief ihr jemand zu »was hast du vor, Königstochter, du schreist ja daß sich ein Stein erbarmen möchte.« Sie sah sich um, woher die Stimme käme, da erblickte sie einen Frosch, der seinen dicken häßlichen Kopf aus dem Wasser streckte. »Ach, du bists, alter Wasserpatscher,« sagte sie, »ich weine über meine goldene Kugel, die mir in den Brunnen hinabgefallen ist.« »Sei still und weine nicht,« antwortete der Frosch, »ich kann wohl Rat schaffen, aber was gibst du mir, wenn ich dein Spielwerk wieder heraufhole?« »Was du haben willst, lieber Frosch,« sagte sie, »meine Kleider, meine Perlen und Edelsteine, auch noch die goldene Krone, die ich trage.« Der Frosch antwortete »deine Kleider, deine Perlen und Edelsteine und deine goldene Krone, die mag ich nicht: aber wenn du mich lieb haben willst, und ich soll dein Geselle und Spielkamerad sein, an deinem Tischlein neben dir sitzen, von deinem goldenen Tellerlein essen, aus deinem Becherlein trinken, in deinem Bettlein schlafen: wenn du mir das versprichst, so will ich hinuntersteigen und dir die goldene Kugel wieder heraufholen.« »Ach ja,« sagte sie, »ich verspreche dir alles, was du willst, wenn du mir nur die Kugel wiederbringst.« Sie dachte aber »was der einfältige Frosch schwätzt, der sitzt im Wasser bei seinesgleichen und quakt, und kann keines Menschen Geselle sein.«

Der Frosch, als er die Zusage erhalten hatte, tauchte seinen Kopf unter, sank hinab, und über ein Weilchen kam er wieder heraufgerudert; hatte die Kugel im Maul und warf sie ins Gras. Die Königstochter war voll Freude, als sie ihr schönes Spielwerk wieder erblickte, hob es auf und sprang damit fort. »Warte, warte,« rief der Frosch, »nimm mich mit, ich kann nicht so laufen wie du.« Aber was half ihm, daß er ihr sein quak quak so laut nachschrie, als er konnte! Sie hörte nicht darauf, eilte nach Haus und hatte bald den armen Frosch vergessen, der wieder in seinen Brunnen hinabsteigen mußte.

Am andern Tage, als sie mit dem König und allen Hofleuten sich zur Tafel gesetzt hatte und von ihrem goldenen Tellerlein aß, da kam, plitsch platsch, plitsch platsch, etwas die Marmortreppe heraufgekrochen, und als es oben angelangt war, klopfte es an der Tür und rief »Königstochter, jüngste, mach mir auf.« Sie lief und wollte sehen, wer draußen wäre, als sie aber aufmachte, so saß der Frosch davor. Da warf sie die Tür hastig zu, setzte sich wieder an den Tisch, und war ihr ganz angst. Der König sah wohl, daß ihr das Herz gewaltig klopfte, und sprach »mein Kind, was fürchtest du dich, steht etwa ein Riese vor der Tür und will dich holen?« »Ach nein,« antwortete sie, »es ist kein Riese, sondern ein garstiger Frosch.« »Was will der Frosch von dir?« »Ach lieber Vater, als ich gestern im Wald bei dem Brunnen saß und spielte, da fiel meine goldene Kugel ins Wasser. Und weil ich so weinte, hat sie der Frosch wieder heraufgeholt, und weil er es durchaus verlangte, so versprach ich ihm, er sollte mein Geselle werden, ich dachte aber nimmermehr, daß er aus seinem Wasser heraus könnte. Nun ist er draußen und will zu mir herein.« Indem klopfte es zum zweitenmal und rief

»Königstochter, jüngste,
mach mir auf,
weißt du nicht, was gestern
du zu mir gesagt
bei dem kühlen Brunnenwasser?
Königstochter, jüngste,
mach mir auf.«

Da sagte der König »was du versprochen hast, das mußt du auch halten; geh nur und mach ihm auf.« Sie ging und öffnete die Türe, da hüpfte der Frosch herein, ihr immer auf dem Fuße nach, bis zu ihrem Stuhl. Da saß er und rief »heb mich herauf zu dir.« Sie zauderte, bis es endlich der König befahl. Als der Frosch erst auf dem Stuhl war, wollte er auf den Tisch, und als er da saß, sprach er »nun schieb mir dein goldenes Tellerlein näher, damit wir zusammen essen.« Das tat sie zwar, aber man sah wohl, daß sies nicht gerne tat. Der Frosch ließ sichs gut schmecken, aber ihr blieb fast jedes Bißlein im Halse. Endlich sprach er »ich habe mich satt gegessen und bin müde, nun trag mich in dein Kämmerlein und mach dein seiden Bettlein zurecht, da wollen wir uns schlafen legen.« Die Königstochter fing an zu weinen und fürchtete sich vor dem kalten Frosch, den sie nicht anzurühren getraute, und der nun in ihrem schönen reinen Bettlein schlafen sollte. Der König aber ward zornig und sprach »wer dir geholfen hat, als du in der Not warst, den sollst du hernach nicht verachten.« Da packte sie ihn mit zwei Fingern, trug ihn hinauf und setzte ihn in eine Ecke. Als sie aber im Bette lag, kam er gekrochen und sprach »ich bin müde, ich will schlafen so gut wie du: heb mich herauf, oder ich sags deinem Vater.« Da ward sie erst bitterböse, holte ihn herauf und warf ihn aus allen Kräften wider die Wand, »nun wirst du Ruhe haben, du garstiger Frosch.« Als er aber herabfiel, war er kein Frosch, sondern ein Königssohn mit schönen freundlichen Augen. Der war nun nach ihres Vaters Willen ihr lieber Geselle und Gemahl. Da erzählte er ihr, er wäre von einer bösen Hexe verwünscht worden, und niemand hätte ihn aus dem Brunnen erlösen können als sie allein, und morgen wollten sie zusammen in sein Reich gehen. Dann schliefen sie ein, und am andern Morgen, als die Sonne sie aufweckte, kam ein Wagen herangefahren mit acht weißen Pferden bespannt, die hatten weiße Straußfedern auf dem Kopf und gingen in goldenen Ketten, und hinten stand der Diener des jungen Königs, das war der treue Heinrich. Der treue Heinrich hatte sich so betrübt, als sein Herr war in einen Frosch verwandelt worden, daß er drei eiserne Bande hatte um sein Herz legen lassen, damit es ihm nicht vor Weh und Traurigkeit zerspränge. Der Wagen aber sollte den jungen König in sein Reich abholen; der treue Heinrich hob beide hinein, stellte sich wieder hinten auf und war voller Freude über die Erlösung. Und als sie ein Stück Wegs gefahren waren, hörte der Königssohn, daß es hinter ihm krachte, als wäre etwas zerbrochen. Da drehte er sich um und rief

»Heinrich, der Wagen bricht.«
»Nein, Herr, der Wagen nicht,
es ist ein Band von meinem Herzen,
das da lag in großen Schmerzen,
als Ihr in dem Brunnen saßt,
als Ihr eine Fretsche (Frosch) wast (wart).«

Noch einmal und noch einmal krachte es auf dem Weg, und der Königssohn meinte immer, der Wagen bräche, und es waren doch nur die Bande, die vom Herzen des treuen Heinrich absprangen, weil sein Herr erlöst und glücklich war.
Ich liebe Märchen und ich liebe die unsäglich vielen Varianten eines Märchen und freue mich über jedes neue Umspielen der Geschichte… Und dann und wann spiele ich mit…
Bild oben von Otto Ubbelohde aus der digitalen bibliothek - Band 110 - Europäische Märchen und Sagen - von mir leicht bearbeitet und koloriert! *grins*
Bilder vom springenden Frosch aus die “Kinder von Bullerbü”.

Posted in KHM, Froschkönig, Märchen | 3 Comments »
Schatten
Oktober 19th, 2007



Schatten hängen an einem
und das ist gut so !
Stell’ dir vor,
deinen Schatten würde dich verlassen
dein Leben wäre ohne Licht
ohne Widerschein
ohne Anhaftung
ohne Dunkel und ohne Helle…
Alles nur ein grauer Brei
kein Blick
kein Ding
kein Bleiben
aber auch: kein Verändern…

Schatten hängen an uns…
Ophelias Schattentheater heißt eines der hinreißensten Bücher
über Leben und Tod, Sterben und Sich-Verwandeln, welches ich kenne.

Eine alte, unscheinbare Frau mit einer besonders leisen Stimme war ihr Leben lang Souffleuse an dem kleinen Theater ihrer kleinen Stadt. Doch dann wurde das Theater geschlossen und sie wurde auf ihre alten Tage plötzlich nicht mehr gebraucht… Als das letzte Mal der Vorhang gefallen ist, bleibt sie länger als gewöhnlich in ihrem Kasten sitzen. Und plötzlich begegnet sie Schatten, die dort im Theater wohnen und nie sonst zum Vorschein kommen. Sie, die selber von niemand mehr gebraucht wird, nimmt die Schatten, die keiner mehr haben will auf, nimmt sie mit in ihrer Handtasche - denn Schatten brauchen ja nicht viel Platz. Und bald hat es sich rum gesprochen unter den Schatten und immer mehr Schatten kommen zu ihr. Des Nachts spielen sie für sie Schattentheater und sie souffliert ihnen dabei all die großen Stücke… Doch die Menschen finden die alte Frau immer wunderlicher, werfen sie schließlich aus ihrer Wohnung und sie steht da: mit einem Koffer gefüllt mit den wenigen Habseligkeiten eines langen Lebens und einer Handtasche voller Schatten… Doch nun entschließen sich die Schatten, ihrer Gönnerin zu helfen und sie führen das Schattentheater auf einem alten Bettlacken vor anderen Menschen auf. Bald ist Ophelias Schattentheater eine kleine Senstation und Ophelia kann wieder davon leben… Bis ihr in einem Schneesturm der größte aller Schatten, der Tod begegnet. Sie kommt gerne mit ihm… Doch in der anderen Welt wird sie jubelnd von vielen bunten Lichtgestalten begrüßt… Ihre Schatten, die nun erlöst in der anderen Welt Licht und Farbe geworden sind. Und in jener Welt nun ist es Ophelias Lichtbühne, auf der die unscheinbare Frau mit der leisen Stimme ihren Darstellern souffliert, während sie den Bewohnern der anderen Welt die großen Dramen und Komödien der Welt vorspielen…
Michael Ende, Friederich Hechelmann “Ophelias Schattentheater” Thienemann-Verlag


Schatten hängen an uns
und das ist gut so !
Denn jeder Schatten ist
ein in sich gewendete
in sich ge- oder verdrehte Lichtgestalt,
die es gilt zu befreien.
Eine Gestalt, die Teil von uns ist,
auf unserer kleinen Lebensbühne
eine mehr oder weniger große Rolle spielt,
aber sich wie wir
nach Erlösung und Annahme sehnt…
Ein eigenes kleines Schattentheater,
mit all seinen Verzerrungen,
Trandformationen und Kreationen…
In der Verwirrung, in der Not
bringen mir manche Menschen ihre Schatten.
Einige wollen, dass ich
ihre Schatten reparieren,
weil sie Beulen und Ecken haben,
die sie nicht sehen wollen…
Die meisten aber sehen sie gar nicht,
weil sie immer nur ins Licht blinzeln…
Und das Dunkle, welches sie erblicken,
wenn sie es nicht tun,
macht ihnen Angst…
Dann muss man sie bei der Hand nehmen
und ihnen zeigen,
dass der Schattenhund ihrer Hand nicht beißt,
zumindest nicht, wenn sie nicht wollen…
Nur Vampire und Gespenster
haben keine Schatten
weil sie Schatten sind…
Menschen haben schon viel Gesichtichten
Märchen und Sagen erzählt
über Schatten und Licht im Leben,
über nicht hinschauen wollen und umhüllt werden,
über Angst und Not,
über Rettung und Erlösung…




Dateianlage:
. - Was Du aufdeckst, - offenbart sich . -

"Die Erlösung kann nicht verdient, nur empfangen werden, - darum ist sie die Erlösung". -

"Es ist alles Illusion, - was nicht aus mir selber spricht,
- denn es ist ein Zusatz, - dieses Eine nicht". -

http://adamonstasy.weebly.com/
zuletzt bearbeitet 23.10.2014 14:09 | nach oben springen
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