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#1

Magica Universalis:

in Eigenes Gedankengut: 16.02.2010 21:26
von Atlan • Nexar | 13.573 Beiträge

Von Ly´Zai:



Zitat:

... Und er wünschte sich, er wäre tot.
Augen zu, Lichter aus, einfach alles Sein mit einem Mal verstummt.
Verzweifelt kauerte er in der kleinen Ecke der sanierungsbedürftigen Betonmauer
inmitten der grauen Plattenbausiedlung.

In der Rechten hielt er ein Küchenmesser,
die Linke zitterte beim Umklammern einer löchrigen Decke,
welche er um den abgemagerten Körper geschlungen hatte.
Es war bitterkalt in dieser Winternacht des Jahres 2007
- so kalt, dass ihm die Lunge mit jedem Atemzug mehr und mehr schmerzte.

Wie konnte er nur so tief sinken, dachte er sich
und ein Schauer von Traurigkeit und Verzweiflung überkam ihn.

Was hatte er falsch gemacht im Leben, dass es soweit kommen musste?

Eine Träne unterdrückend presste er die Augenlider zusammen.

Selbst jetzt, in der letzten Stunde, konnte er keinen klaren Gedanken fassen.
Einem wirren Mosaik gleich, schwirrten die Bilder in seinem Kopf umher.
Kaleidoskopische Fetzen, die ihn von hier nach dort trugen
- ohne Struktur, ohne erkennbaren Sinn.

Die klirrende Kälte schmerzte ihm in jedem einzelnen Glied seines wertlosen Körpers.
Es war ein unmenschlicher, stechender Schmerz.
Er atmete ein, behielt die Luft einige Zeit in seinen Lungenflügeln,
um sie dann in einer kristallinen Wolke wieder auszuhauchen.
Wäre es doch so einfach gewesen, dem Leben ein Ende zu setzen.
Einfach den Lebensgeist hinaushauchen und das wäre es dann gewesen.
Statt dessen kauerte er jedoch an diesem unwirtlichen Ort,
zitterte am ganzen Leibe und brachte nicht den Mut hervor, die Klinge anzusetzen ...


2 Jahre zuvor an einem entlegenen Ort am anderen Ende der Welt

"Meister", der Jüngling blickte seinem Gegenüber direkt in die azurblauen Augen.
Es waren Augen, so tief, als schienen sie die Ewigkeit selbst widerzuspiegeln.
Als beinhalteten sie die absolute Reinheit.

Der alte Mann erwiederte seinen Blick und senkte sein Haupt nahezu unmerklich
um eine Daumesbreite herab.

"Du erklärtest mir Sinn und Zweck des Daseins auf dieser Welt".

Der Jüngling strich sich durch das goldgelbe, gelockte Haar.
"Du lehrtest mich die universellen Gesetze - die Art und Weise,
wie Alles Was Ist zusammengesetzt ist."

Er hielt einen Moment lang inne und hätte schwören können,
ein andeutungsweises Lächeln auf den Lippen des alten Mannes erkennen zu können.

"Sage mir, Meister", fuhr er fort,
"wenn wir doch alle aus einem bestimmten Grunde hier auf Erden sind,
wenn wie allesamt Götter sind", das Lächeln war nun deutlich erkennbar,
"warum ist es dann so, dass Menschen Leid erfahren müssen,
ohne sich dagegen zur Wehr setzen zu können?

Warum muss Gott-Mensch all jene Bürden auf sich nehmen,
wo das Gestalten des eigenen Lebens doch so einfach wäre,
nutze er nur die Kraft der Magica Universalis für seine Zwecke?"

Der Alte schloss einen Moment die Augen.
Dann geschah etwas, womit der Jüngling in der Tat als Letztes gerechnet hätte.

Ein lautes Lachen ertönte in den steinernen Gemäuern der alten Kathedrale.
Ungläubig schlug der Jüngling seine Stirn in Falten.
Bevor er jedoch etwas sagen konnte, öffnete der Alte seine Augen wieder
und räusperte sich lauthals.

"Mein Sohn", begann er, immernoch leicht jauchzend intoniert,
"stell Dir einmal vor, ein Jeder wüsste um die Macht,
welche tief in seinem Inneren wohnt.

Was glaubst Du, hätte diese Welt mit all ihrer Vielfalt, all ihren Spielereien",
er hob seine linke Hand und ballte sie zur Faust,
"all ihren Zänkereien und Liebeleien für einen Sinn?"

Der hypnotisierende Blick wirkte bohrend, jedoch nicht unangenehm.
"Alle Mühe, welche sich das Menschengeschlecht bisher machte,
all jener Einfallsreichtum - all Dies wäre umsonst gewesen."

Das Lachen wich einem bedächtigen Gesichtsausdruck.

"Wo glaubtest Du, wäre die Freude an der Sache
- die Freude, sich auf die bizarrste Art und Weise auszudrücken,
sich selbst zu betrachten und wahrzunehmen ...?"

Der Jüngling neigte den Kopf gen Erdboden.
Erschüttert und beschämt zugleich, dass er diese Erklärung
nicht bereits selbst in Betracht gezogen hatte.

Der Alte schien auf diese Emotionen zu reagieren.

Noch ehe der Jüngling etwas erwiedern konnte,
setzte er mit liebevollem Unterton erneut zu sprechen an.

"Schäme Dich nicht Deiner Aussage wegen."

Der Alte atmete tief ein, behielt die Luft einige Sekunden in der Lunge
und ließ den Atem dann langsam und unhörbar entweichen.

"Du darfst die Tatsache nicht leugnen, dass Du kein anderes Leben kennst
außer hier in diesen Gemäuern unter Deinesgleichen."

Wie recht er doch hatte mit dieser letzten Aussage.

In der Tat konnte der Jüngling kaum von sich behaupten,
er wüsste aus eigener Erfahrung um das Leben,
welches die Menschen "dort draußen" Tag für Tag führten.

Zeit seiner Existenz in jenem Körper verbrachte er nun damit,
die Künste des Seins zu studieren.

Schon in jungen Jahren begann seine Ausbildung mit all ihren Konsequenzen.
Diese Konsequenzen lauteten Abstinenz, Einsamkeit und ewige Stille.
Seit er denken konnte, verbrachte er Stunde um Stunde in dieser alten Klosteranlage,
stets umgeben von Seinesgleichen - "Lehrlingen, Gesellen und Meistern",
wie sie traditionsgemäß ihres Ausbildungsstandes entsprechend genannt wurden.

Er selbst befand sich mit seinen 15 Lebenszyklen in der Position eines Lehrlings.

"Du strotzt nur so vor Wissensdurst, mein Sohn", führte der Alte weiter aus.
"aus diesem Grunde werde ich Dich entsenden,
auf das Du das Menschsein mit all seinen Facetten erforschen kannst."

Der Jüngling erschauderte bei der Vorstellung, diesen sicheren Ort
- den einzigen Ort, den er kannte - mit einem Mal verlassen zu müssen.
Noch ehe er etwas erwidern konnte, fuhr der Alte fort:

"Ohne jenes Wissen, dessen Fehlen Dich quälend
bei Deinem Lernprozess behindern würde, wärest Du nicht in der Lage,
Deine Ausbildung zu vollenden."

Niemals zuvor dachte der Jüngling auch nur daran,
die Worte seines Meisters in Frage zu stellen.
Es waren stets Worte voller Liebe und Weisheit.

Doch was der Alte nun von ihm verlangte, traf ihn sehr hart
- kehrte sein gesamtes Weltbild in ein Chaos.

Mit einem Mal schien der sichere Hafen weit hinter dem Horizont verborgen.
Gut, er interessierte sich nun schon eine geraume Zeit
für das Leben in der Außenwelt, studierte insgeheim mehr oder minder
aufschlussreiche Schriftstücke, doch hätte er nicht einmal im Traum daran gedacht,
selbst einmal in die Rolle eines "Menschen von Draußen" zu schlüpfen.

"Du wirst Dich morgen früh nach dem ersten Hahnenschrei zu Bruder James begeben."
Der Blick des Meisters wirkte versteinernd."
Fortan wird er Dein Lehrmeister sein ..."

Mit diesen Worten wandt sich der Alte ab und ging leise davon.
Der Jüngling blieb fragenden Blickes zurück



. - Was Du aufdeckst, - offenbart sich . -

"Die Erlösung kann nicht verdient, nur empfangen werden, - darum ist sie die Erlösung". -

"Es ist alles Illusion, - was nicht aus mir selber spricht,
- denn es ist ein Zusatz, - dieses Eine nicht". -

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#2

RE: Magica Universalis:

in Eigenes Gedankengut: 21.02.2010 23:36
von Atlan • Nexar | 13.573 Beiträge

Der Palast des Wissenden - I


Der Anblick ließ ihn erstarren.

Ehrfurchtgebietend und imposant thronte der gläserne Palast des Anu Ankh Men-Ra
auf der Spitze des pyramidenförmigen Berges Krogh.
Einer kristallinen Lebensform gleich, schien diese heilige Stätte
funkelnd und blitzend hin und her zu tanzen und sich ganz dem pulsierend
rhythmischen Schwingen Gaias zu ergeben.


Ein Schauspiel, in welches er sich ganz tief hätte versenken können.
Das Farbenspiel, dass ihn umgab, ließ eine
gewisse Vertrautheit in ihm erwachen, die ihn gleichermaßen mit Stolz erfüllte
und in Tränen ausbrechen ließ.
Es war wunderschön.


Ein dünner goldener Dunsthauch umgab den Palast
- schien ihn einer Aura gleich vollkommen einzuhüllen.
Täuschte er sich, oder vernahm er einen lieblichen weiblichen Gesang,
welcher aus der Ferne in seine Ohren drang?

Vorsichtig näherte er sich einem gigantischen Portal.
Es erweckte den Anschein, als sei Dieses nicht etwa das Werk eines
Architekten gewesen, sondern als sei es direkt aus dem gläsernen Palast herausgewachsen.

Im großen und Ganzen erinnerte ihn der gesamte Palast an einen
einen überdimensionalen Bergkristall, in welchem sich das Licht in tausenden
Farben brach und ihn anfunkelte.

Langsam schritt er durch das gewölbte Portal.
Ein leichter Schauer fuhr von oben nach unten durch seinen gesamten Körper
- verursachte ein angenehmes Kribbeln.
Er lächelte. Zu seiner Linken konnte er bunte Verzierungen ausmachen.


Symbole, welche er zwar nicht zu deuten wusste,
ihm aber dennoch irgendwie vertraut erschienen.

Eine bläuliche Linie verlief zunächst waagerecht,
wurde dann von einem silbernen Halbmond gekreuzt und verlief sich anschließend
in eine nicht schätzbare Anzahl goldgelber Linien.
Tief in seinem Inneren wusste er, was dieses Symbol aussagen sollte,
doch irgendetwas hinderte ihn daran, weiter darüber nachzudenken.
Fasziniert von diesem Anblick, blieb er einen kurzen Moment lang stehen,
bevor er im Stande war, weiterzugehen.
Nach wenigen Schritten erreichte er ein nicht minder beeindruckendes Tor,
welches ebenfalls eine schimmernde Transparenz aufwies.

Auch Dieses war tausendfach mit Symbolen überzogen.
Teilweise erinnerten sie ihn an ägyptische Hieroglyphen, wären da nicht
einzelne Linien gewesen, welche eher auf altsumerische Schriftzeichen
hätten schließen lassen.

Und da - war das nicht eines der Sonnenzeichen,
wie es das Volk der Maya einst verwendete?
Er war sich nicht sicher.
Zuviele Gedanken rasten durch seinen Kopf, zuviele Eindrücke,
welche es zu verarbeiten galt.

"Er hat den Ort erreicht ...", Der Bärtige lächelte seinem Gegenüber zu.
Dieser bestätigte es, indem er ein Nicken andeutete.


Eine Stimme beendete den Gedankenfluss so rasch, wie er gekommen war.
Er erschrak.
"Ich weiß, wer Du bist und welche Absicht Dich zu mir führt."
Es war eine durchdringende aber dennoch warme Stimme.
Trotzdem war er plötzlich wie gelähmt. "Es gibt nichts, was Du fürchten musst ..."

Ein leiser Zischlaut ging vom Tor aus.
"Trete ein und ich lasse Dich wissen, was immer Du zu wissen bereit bist."

Er senkte den Kopf, noch immer nicht in der Lage zu atmen.
Der Nebel wich zu beiden Seiten und machte den Weg zum Tor frei.
Er glaubte, seinen Augen nicht trauen zu können.
Das eben noch so massiv erschienene Tor löste sich einfach auf.

Zwar sträubte er sich noch im ersten Moment, doch Irgendetwas drängte ihn geradezu,
in den Palast des Wissenden einzutreten und so ergab er sich dieser inneren Fügung.

Das Innere des Palastes wirkte noch weitaus imposanter als die Außenwände.
Die Einrichtung schien gothisch - irgendwie ein wenig skurril
- und bestand ausschließlich aus einem bunt schimmernden gläsernen Material.

Er ging weiter, sich beständig nach allen Seiten umblickend,
bis er schließlich einen Stuhl erreichte, welcher allem
Anschein nach genau für ihn dort zu stehen schien.

Bevor er sich von der freundlichen Stimme auffordern ließ,

setzte er sich und wagte es endlich wieder, einen tiefen Atemzug zu tätigen.
"Wer bist Du?", fragte er neugierig und noch ein wenig ängstlich.

"Habe ich die Ehre, Anu Ankh Men-Ra als meinen
Gesprächspartner wissen zu dürfen?"

Vor ihm materialisierte sich ein gläserner Tisch wie aus dem Nichts.
Nach und nach erschienen überdies Gefäße mit einer ihm unbekannten Flüssigkeit als Inhalt.

"Trink einen Schluck", forderte ihn die Stimme auf.
"Die Reise zu meinem Palast war lang und anstrengend."

Er tat wie ihm geheißen, nahm eines der Gläser und nippte vorsichtig an der Flüssigkeit.
Zu seiner Überraschung schmeckte sie leicht süßlich - irgendwie
sehr angenehm. Ohne lange zu überlegen, trank er das Glas leer.

"Nun, da Du diesen Weg auf Dich genommen hast, sollst Du auch belohnt werden mit Wissen,
welches anzueignen ich Dich lehren kann. Ich zeige Dir den Weg".

Die Stimme pausierte einen Augenblick, um dann hinzuzufügen:
"Gehen musst Du diesen jedoch ganz allein."



. - Was Du aufdeckst, - offenbart sich . -

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zuletzt bearbeitet 04.04.2014 03:19 | nach oben springen
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#3

RE: Magica Universalis:

in Eigenes Gedankengut: 23.02.2010 11:41
von Atlan - Adamon • Nexar | 13.573 Beiträge

Der Palast des Wissenden II

Allein ... Er stellte das Glas zurück auf die Stelle, von der er es genommen hatte.

Allein - eine Woge der Traurigkeit überkam ihn.
Als hätte ihm der bloße Klang dieses Wortes einen Schlag in die Magengrube versetzt,
senkte er den Kopf nach unten und musste sich enorm anstrengen,
um nicht an Ort und Stelle in Tränen auszubrechen.

Sein gesamtes bisheriges Leben verbrachte er nun schon in trister Einsamkeit.
Zurückgezogen in seiner 2 Zimmer-Wohnung am Rande der Stadt
fristete er nun schon seit er zurückdenken kann,
ein Dasein ohne jedweden zwischenmenschlichen Kontakt.

Die Menschen hassten ihn auf Grund seiner Andersartigkeit
- zumindest glaubte er Dies. Sie mieden ihn, wo sie nur konnten.

Selbst sein Arbeitsplatz hätte passender nicht sein können.
Als Lagerist im tristen Dämmerlicht verbannt, sortierte er Pakete,
regelte den Warenein- und -ausgang und archivierte neue Lieferungen
in meterhohen verstaubten Regalen.

Da er im Besitz des Hallenschlüssels war,
schlich er sich Morgen für Morgen bereits eine halbe Stunde
vor dem eigentlichen Dienstbeginn in sein kleines obligatorisches Büro.

Nur, um die Anderen nicht mit seinem Anblick belästigen
oder gar erschrecken zu müssen.
So arbeitete er fleißig acht Stunden am Tag in weitestgehender Isolation und Stille,
welche ab und an vom veralteten Drucker unterbrochen wurde,
der ihm neue Aufträge ausspuckte.

Da es sich um ein relativ kleines Unternehmen handelte,
war es für ihn kein Problem, das Lager selbst zu verwalten.


"Du bist hier, weil Du wissen möchtest"

Die warme Stimme unterbrach seinen Denkfluss und richtete seine Konzentration
mit einem Mal wieder voll und ganz auf den Raum, in dem er sich hier und jetzt befand.

"Wissen erlangst Du nicht, indem Du stetig in der Vergangenheit verweilst"

Die Stimme pausierte kurz.
Er wischte sich eine Träne aus dem Gesicht.

"Wissen erlangst Du einzig und allein im Zustand des immerwährenden Augenblickes.
All Deine Sorgen, Ängste und Nöte - all Dein bisheriges Verhalten,
die Sichtweise Dir selbst gegenüber - All Dies ist das Ergebnis Deines destruktiven Denkens."

Er schluckte. "Stelle Dich Deinen Dämonen, erkenne sie, verabschiede sie
und schicke sie zurück in die Ewigkeit.
Du kannst ihnen Macht zusprechen - soviel Macht, bis Du vermeintlich davon überzeugt bist,
dass nicht Du König, sondern Untertan bist."

Langsam erkannte er den Sinn hinter diesen Worten.

"Dies jedoch, mein Bruder, ist ein Trugschluss" wieder folgte eine kurze Pause.
"In Wahrheit bist Du gar so mächtig, dass Du alle vergebene Macht
mit einem Mal wieder entziehen kannst.

Lass nicht zu, dass Dich Dein eigener Spiegel verschlingt.
Ändere Dein Gesicht und sei gewiss, dass sich somit auch Dein Spiegelbild verändern wird."

...

Die Botschaft des Wissenden I

Wie gerne hätte er den Worten des Wissenden Glauben geschenkt.
Wenn es doch nur so einfach wäre ...

Mit einem Mal alle Probleme, die zehrende Einsamkeit - einfach weg,
als hätte es sie niemals gegeben.

Als hätte Dieser seine Gedanken lesen können,
ließ er erneut seine freundliche Stimme vernehmen:

"Du zweifelst, mein Bruder, und jene Zweifel haben ihre Berechtigung"

Einem gütigen Lehrer mit unendlicher Geduld gleich fuhr er fort:

"Du glaubst Dich sicher, wenn Du alleine bist.
In der Einsamkeit bist Du ungestört, kannst Dein Leben leben,
ohne auch nur den geringsten Widerstand erdulden zu müssen."
Ein zustimmendes "So ist es" entfuhr ihm.

"Nun, mein Bruder", ein nebelartiges Gebilde manifestierte sich direkt an der Stelle,
an der bis vor wenigen Augenblicken noch der gläserne Tisch gestanden hat.

Voll und ganz in die Worte des Wissenden vertieft,
bemerkte er das Verschwinden der Gegenstände im Raum überhaupt nicht.

Er konnte es sich nicht erklären, doch der Nebel wirkte irgendwie organisch
- bewegte sich pulsierend auf und ab, als hätte er ein Eigenleben.

Nicht weniger verblüfft war er, als er plötzlich die Stimme des Wissenden
direkt aus dieser Nebelwolke heraus vernahm:

"Sage mir, was Du hier und jetzt in diesem Augenblick siehst."

Die Stimme klang nunmehr herausfordernd.

Die Kinnlade sank ihm nach unten.

"Ich sehe", begann er zunächst zögernd, "eine transparente Wolke."
Leicht verwirrt fügte er noch ein "die gerade zu mir spricht" hinzu.

"Korrekt", entgegnete der Wissende.
"Doch nun sage mir, was Du bei diesem - meinem - Anblick empfindest."

Wieder zögerte er, da er nicht so recht wusste, was er antworten sollte.
Sprich den ersten Gedanken aus, welcher Dir durch den Kopf geht."
Er hatte einmal davon gehört, dass spontane Ideen und Entscheidungen
zumeist die Besten sein sollten.

Warum sollte er nicht auch in dieser Situation aus dem Bauch heraus sprechen ...?


"Ich empfinde Ehrfurcht" Er neigte den Kopf ein wenig zur Seite.
Ein kaum sichtbares Grinsen manifestierte sich in seinen Mundwinkeln.
"Ehrfurcht und Belustigung" Ein Räuspern.
"Ich bin belustigt auf Grund der Tatsache, dass ich hier an diesem sonderbaren Ort,
bestehend aus sonderbaren Materialien eine höchst sonderbare Substanz getrunken habe
und mich gerade mit einer noch sonderbareren Wolke
über meine Sorgen und Probleme unterhalte."

Er musste lachen.

"Es muss Dir in der Tat äußerst sonderbar erscheinen",
begann der Wissende in beständig ruhigem Tonfall.

"Alles, was Du hier sehen kannst
- ob es nun dieser kristalline Raum ist oder aber mein Erscheinen
in Form einer sprechenden Wolke - all Dies soll Dir und nur Dir allein aufzeigen,
welche Streiche uns die eigene Wahrnehmung bisweilen spielen kann."

Das Lachen verstummte.

"Du siehst Bilder, welche Dich sowohl verblüffen als auch belustigen.
Mein erdachter Palast verblüfft Dich.

Ich hingegen scheine Dich ob meiner Offenbarungsform zu belustigen.
Ich sage Dir, mein Bruder, ich bin Dein Spiegel."

Der letzte Satz verwirrte ihn. Wie kann denn eine Wolke mein Spiegelbild sein?
Noch ehe er diesen Gedanken aussprechen konnte, führte der Wissende weiter aus:

"Fragst Du mich, was ich in dieser Wolke sehe, so entgegne ich Dir,
ich sehe die Herrlichkeit Gottes.
Fragst Du mich, was ich in Dir erkennen kann, so antworte ich Dir,
ich erkenne die Herrlichkeit Gottes."

Sein Blick ließ Skepsis erkennen ...



. - Was Du aufdeckst, - offenbart sich . -

"Die Erlösung kann nicht verdient, nur empfangen werden, - darum ist sie die Erlösung". -

"Es ist alles Illusion, - was nicht aus mir selber spricht,
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