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#1

Re-Inkarnation:

in Das Erlöschen, - Trennung / Vereinigung: 21.06.2010 23:30
von Adamon • Nexar | 15.947 Beiträge

Aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Reinkarnati...ationsforschung

Der Begriff Reinkarnation [ˌreːɪnkarnaˈtsi̯oːn] (lateinisch Wiederfleischwerdung oder Wiederverkörperung),
auch Palingenese (altgriechisch, aus πάλιν, pálin „wiederum“, „abermals“ und γένεσις,
génesis „Erzeugung“, „Geburt“) bezeichnet Vorstellungen der Art, dass eine (zumeist nur menschliche) Seele
oder fortbestehende mentale Prozesse (so oft im Buddhismus verstanden) sich nach dem Tod
– der „Exkarnation“ – erneut in anderen empfindenden Wesen manifestieren.

Vergleichbare Konzepte werden etwa auch als Metempsychose, Transmigration,
Seelenwanderung oder Wiedergeburt bezeichnet.
„Außerkörperliche Erfahrungen“ werden oft in Zusammenhang mit dem Begriff Reinkarnation gebracht.
In einigen, aber keineswegs in allen Reinkarnationslehren ist auch die Karmalehre integriert.

Der Begriff „Reinkarnation“ bezeichnet keine bestimmte Lehre,
sondern fasst eine Vielzahl verschiedener Lehren zusammen.
Geprägt wurde er durch den französischen Spiritisten Allan Kardec in dessen Buch der Geister
(Livre des esprits, 1857, deutsch 1868). Davor waren Synonyme wie Palingenesia (Wiederentstehung),
Metempsychose (Wiederverseelung, Seelenwechsel) und Metemsomatose (Wiederverkörperung,
Körperwechsel) gebräuchlich, die bereits in der Antike Verwendung fanden.[1]
Die im 18. und 19. Jahrhundert geläufigste Bezeichnung war Metempsychose,
im Deutschen auch Seelenwanderung. Die Bezeichnung Wiedergeburt erwies sich als problematisch,
weil sie in einem abweichenden Sinn im Christentum im Zusammenhang mit der Taufe
oder Bekehrung verwendet wird (siehe Wiedergeburt (Christentum)).[2] I
m 20. Jahrhundert setzte sich Reinkarnation als die geläufigste Bezeichnung durch.

*

Die zahlenmäßig bedeutendsten Glaubensrichtungen, in denen Reinkarnation eine zentrale Rolle
spielt, sind der Hinduismus mit weltweit etwa 900 Mio. und der Buddhismus mit 400–500 Mio. Anhängern.

In diversen europäischen Staaten und den USA werden seit den 1960er Jahren statistische Erhebungen
über die Verbreitung des Glaubens an Reinkarnation in der Bevölkerung durchgeführt.[3]
Sie ergaben Zustimmungsraten zwischen 10 und 30 %, wobei anscheinend die genaue Fragestellung
das Ergebnis stark beeinflusste, während sich sonst kaum irgendwelche Trends ableiten lassen.
Wesentlich höher ist mit 45 % das Ergebnis einer Umfrage in Brasilien, was damit zusammenhängen könnte,
dass dort der kardecistische Spiritismus weit verbreitet ist.

*


Die am Anfang der klassischen Antike stehenden, um 800 v. Chr. verfassten Epen von Homer
– die Ilias und die Odyssee – kennen keine Reinkarnation.
Der älteste schriftliche Nachweis eines Reinkarnationsglaubens in Europa findet sich in der
Zweiten Olympischen Ode (476 v. Chr.) des griechischen Dichters Pindar.
In später entstandenen Schriften wird auch Pythagoras, der im 6. Jahrhundert lebte,
und seinen Schülern eine Reinkarnationslehre zugeschrieben, und Pythagoras galt daher lange
als der „Ahnherr“ des Seelenwanderungsglaubens in Europa.
Heute gilt es jedoch als wahrscheinlich, dass die Ursprünge derartiger Vorstellungen noch weiter zurückreichen,
zumal sie auch in neuerer Zeit in mündlichen Kulturen (die keine Schriftsprache kannten) weit verbreitet waren.[18]

Weitere bedeutende Vertreter der Reinkarnationslehre innerhalb der griechischen Philosophie waren
Empedokles (ca. 490–435 v. Chr.) und Platon (ca. 428–348 v. Chr.).

Empedokles lehrte, dass die unsterbliche Seele schon vor der Geburt existiert (Präexistenz)
und göttlichen Ursprungs ist. Infolge moralisch schlechter Taten müsse sie sich in zahlreichen
Verkörperungen reinigen, um ihren göttlichen Status wieder zu erlangen.

Dem liegt der Gegensatz der metaphysischen Prinzipien der Liebe und des Hasses zugrunde.
Der Hass verleitet Menschen zu Gewalttaten, derentwegen sie sich erneut in menschlichen,
tierischen oder pflanzlichen Körpern inkarnieren müssen.

Die Reinigung erfolgt durch Gewaltlosigkeit einschließlich einer vegetarischen Ernährung.
Mit den etwa zeitgleichen hinduistischen und buddhistischen Lehren stimmt Empedokles
insofern überein, als die körperliche Existenz als leidvoll betrachtet wird.

Ein wesentlicher Unterschied besteht jedoch darin, dass er in der Verkörperung den Weg
zur Erlösung sieht (durch eine entsprechende Lebensführung),
während nach den indischen Lehren die Erlösung durch besondere,
darauf angelegte Verrichtungen angestrebt wird.[19]
Platon, römische Kopie einer zeitgenössischen Büste

Platon griff die Vorstellungen des Empedokles auf und baute sie weiter aus.
Er war der einflussreichste Vertreter der Seelenwanderungslehre in der europäischen Antike.
Nach seiner Darstellung lebten die menschlichen Seelen ursprünglich im Bereich der
unvergänglichen göttlichen Urbilder oder Ideen.

Aufgrund verschiedener niederer Beweggründe entfremdeten sie sich jedoch diesem Zustand
unvergänglicher Seligkeit, was schließlich zum körperlichen Dasein führte.
Auch im verkörperten Zustand habe die Seele aber noch schwache Erinnerungen an ihr früheres
gottgleiches Dasein, und daher strebe ihr höherer Teil, die Vernunft,
nach der Erlösung aus dem Gefängnis, als welches Platon den materiellen Körper bezeichnete,
während die niederen Begierden die Seele an das Materielle binden wollen.
Der Weg zur Erlösung von der körperlichen Existenz besteht nach Platon in der Verwandlung
niederer Begierden in Tugenden.[20]

Im weiteren Verlauf der Antike lebte der Reinkarnationsgedanke vor allem in den Strömungen
des Pythagoreismus und des Platonismus (Plutarch, Plotin, Porphyrios u. v. a.) weiter,
wobei er auch in die römische Kultur, in der er ursprünglich nicht geläufig war,
Eingang fand. Weitere wichtige Strömungen, in denen die Seelenwanderung gelehrt wurde,
waren der Manichäismus und die Hermetik. Bedeutende Dichter wie Vergil und Ovid griffen
das Thema auf, ohne sich selbst allerdings erkennbar dafür oder dagegen auszusprechen,
während Lukrez und Lukian nur Spott übrig hatten.

Entschiedene Gegner der Reinkarnationslehren waren auch Aristoteles und die Sophisten.
In den Details waren diese Lehren sehr vielgestaltig, selbst innerhalb des Werkes
eines einzelnen Philosophen wie etwa Plutarch finden sich diverse Varianten.

Welche Bedeutung ihnen in den antiken Gesellschaften Europas zukam,
lässt sich nach dem Stand der Forschung nur grob ermessen.
Für eine Breitenwirkung außerhalb gelehrter Kreise gibt es
(abgesehen von der religiösen Bewegung des Manichäismus) keine Indizien;
daher ist anzunehmen, dass es sich hauptsächlich um ein Thema elitärer Diskurse handelte.

Gegen Ende der Antike trat es auch in diesen allmählich zurück,
um schließlich praktisch zu verschwinden.[21]

Im antiken Judentum war Reinkarnation kein Thema, und auch in dem daraus hervorgehenden
Christentum spielte sie zunächst keine Rolle.
Mit dem massenhaften Übertritt von Heiden zum Christentum wurden jedoch auch in diese Kreise
derartige Gedanken hineingetragen.
Dies schlug sich darin nieder, dass in den Schriften der Kirchenväter des Öfteren
Fragen der Wiedergeburt diskutiert wurden, wobei jedoch durchweg die Reinkarnation der Seele
in einem anderen Körper abgewiesen und nur die Auferstehung des ganzen Menschen vertreten wurde.
Namentlich zugeschrieben wurde ein Glaube an Reinkarnation verschiedenen Angehörigen
der christlichen Gnosis, wobei solche Vorstellungen anscheinend aber auch in dieser keine
größere Bedeutung erlangten ...




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#2

RE: Re-Inkarnation:

in Das Erlöschen, - Trennung / Vereinigung: 21.06.2010 23:33
von Adamon • Nexar | 15.947 Beiträge

Im Mittelalter wurden Reinkarnationslehren im christlichen Kulturraum nur ausnahmsweise vertreten.
Sicher belegt sind sie nur bei der „Ketzerbewegung“ der Katharer und bei dem
spät-byzantinischen Philosophen Georgios Gemistos Plethon.[23]

Im Judentum hingegen gibt es reichere Belege und Hinweise für derartige Vorstellungen.
So beschreibt Saadia Gaon in seinen um 930 entstandenen Glaubenslehren und Meinungen
vier verschiedene Reinkarnationslehren, die er jedoch alle zu widerlegen versucht.

Positive Aussagen über Seelenwanderung finden sich dann
– jedenfalls nach der Interpretation durch Gershom Scholem
– in dem um 1200 in Südfrankreich entstandenen Buch Bahir.

Daran schloss unter anderem die Reinkarnationslehre Isaaks des Blinden (ca. 1165–1235) an,
der in der Provence wirkte und als Chassid verehrt wurde.
Durch Schüler Isaaks gelangte diese Lehre ins benachbarte Katalonien,
wo sie in der Geroneser Kabbalisten-Schule gepflegt,
aber nur in Andeutungen schriftlich dokumentiert wurde.

Von dort aus verbreitete sich dieser Gedanke innerhalb des Judentums,
erfuhr mannigfaltige Variationen und etablierte sich in den folgenden Jahrhunderten
als zumindest bei jüdischen Intellektuellen geläufige Vorstellung.[24]

Bei den christlichen Katharern waren Seelenwanderungsvorstellungen im 13. und 14.
Jahrhundert verbreitet, wobei deren Herkunft unklar ist.

Die Quellen lassen eine Vielfalt im Detail erkennen, etwa bei der Frage,
wie viele Inkarnationen zu durchlaufen seien und welche Tiere als Körper
für reinkarnierende Menschenseelen als Folge eines verwerflichen früheren Lebens
in Frage kämen. Durchgehend vorhanden ist aber die Zielsetzung,
die körperliche Existenz zu überwinden und nicht wiedergeboren zu werden.

Dieses Ziel sei nur für die Katharer erreichbar, indem sie entweder den Status des
„Perfectus“ (im Unterschied zu den nur gläubigen Credentes) erlangen
oder auf dem Sterbebett durch einen freiwilligen Hungertod die Verunreinigung
durch das Materielle überwinden. Die Katharer wurden als Häretiker bekämpft
(daher die Bezeichnung „Ketzer“, abgeleitet von „katharoi“) und schließlich ausgerottet.[25]

Plethon (ca. 1355–1450), der letzte bedeutende Philosoph des untergehenden Byzantinischen Reiches,
vertrat im Rahmen der von ihm betriebenen Wiederbelebung griechisch-antiken Geistesgutes
eine neuplatonisch geprägte Seelenwanderungslehre.
Zu seinen Lebzeiten scheint diese aber nicht außerhalb eines engen Kreises bekannt geworden zu sein,
und nach seinem Tod wurden die Aufzeichnungen, die er zu ihr gemacht hatte, verbrannt.[26]

*

In der Renaissance wurden die Schriften Platons und der Neuplatoniker auch im Westen verfügbar
und die von diesen Philosophen vertretenen Reinkarnationslehren diskutiert.
Da sie als mit dem christlichen Glauben unvereinbar angesehen wurden,
lehnte man sie entweder ab (zum Beispiel Johannes Reuchlin) oder versuchte,
sie allegorisch umzudeuten...

Zu einer an Pythagoras anknüpfenden Reinkarnationslehre bekannte sich Giordano Bruno (1548–1600)
im Rahmen seiner für damalige Verhältnisse revolutionären Kosmologie.
Allerdings kommt sie in seinen Werken nur am Rande zur Sprache und scheint erst im 20. Jahrhundert
ein bedeutendes Interesse auf sich gezogen zu haben.
Auch bei Brunos Verurteilung als Ketzer war sie nicht maßgeblich.[28]

In die öffentliche Diskussion (außerhalb jüdischer Kreise) brachte das Thema Seelenwanderung
erst Franciscus Mercurius van Helmont (1614–1699), der Sohn des berühmten Arztes,
Philosophen und Naturforschers Johan Baptista van Helmont.

Er war an der Vorbereitung der ersten bedeutenden Übersetzung kabbalistischer Texte
ins Lateinische maßgebend beteiligt und hat dabei nach eigenen Angaben veranlasst,
dass die Reinkarnationslehre des Kabbalisten Isaak Luria einbezogen wurde,
obwohl der Herausgeber Christian Knorr von Rosenroth sie ablehnte.

Kurz darauf (1684) publizierte er, der „jüngere van Helmont“, eine eigene,
aus dem Christentum entwickelte Reinkarnationslehre, mit der er zwischen dem Christentum
und dem Judentum zu vermitteln versuchte und die sich erheblich von Luria unterschied.

Damit stieß er allerdings ganz überwiegend auf Ablehnung,
und das Thema blieb noch für weitere fast hundert Jahre eine Randerscheinung
in intellektuellen Kreisen.[29]


Das änderte sich jedoch – jedenfalls für den deutschen Sprachraum
– schlagartig mit Gotthold Ephraim Lessings 1780 erschienener Schrift D
ie Erziehung des Menschengeschlechts. Darin bezog Lessing selbst zwar keine klare Position,
sondern stellte Fragen wie: „Warum sollte ich nicht so oft wiederkommen, als ich neue Kenntnisse,
neue Fertigkeiten zu erlangen geschickt bin?“ oder: „Ist diese Idee denn so lächerlich, weil sie die älteste ist?“

Diese Äußerungen Lessings wurden dann aber vielfach prompt als ein Bekenntnis zur Reinkarnation
interpretiert und zogen jedenfalls ein lebhaftes Interesse auf sich.

Lessing betrachtete wiederholte Erdenleben als mögliches Mittel der Entwicklung und Erziehung
des Menschen und stellte sie auch insofern positiv dar, als er Inkarnationen in Tierkörpern ausschloss.
Dieser Ansatz Lessings war prägend für spätere westliche Reinkarnationslehren
etwa im Spiritismus, in der Theosophie und in der Anthroposophie.[30]

Im Jahr darauf publizierte Johann Georg Schlosser, der Freund und Schwager Johann Wolfgang von Goethes,
mit Über die Seelenwanderung die erste Schrift jener Zeit, die sich explizit und zustimmend mit dem
Thema befasste. Eine facettenreiche Debatte kam in Gang, an der sich unter Anderen
auch Goethe und Johann Gottfried Herder beteiligten und in deren Verlauf auch „indische“
(hinduistische) Quellen rezipiert wurden; sie begann sich gegen 1800 in der Belletristik niederzuschlagen.[31]

Auch im 19. Jahrhundert wurde das Thema weiter diskutiert.
Ein relativ prominenter Befürworter der Seelenwanderung im deutschen Sprachraum
war der Arzt Georg von Wedekind, der 1826 in einer protestantischen Kirchenzeitung und 1828
in dem Buch Über die Bestimmung des Menschen Christentum und Reinkarnation zu verbinden suchte.

Unter den Gegnern ragt der Philosoph Wilhelm Traugott Krug mit seinem 1836 publizierten
Glaubensbekenntnis über Seelenwanderung und Unsterblichkeit heraus.
Auch bedeutende Dichter wie Friedrich Hebbel und Heinrich Heine griffen das Thema auf.
In Frankreich verbanden die Frühsozialisten Charles Fourier und Pierre Leroux ihre politischen
Utopien mit Reinkarnationsvorstellungen, was unter anderem von George Sand literarisch aufgegriffen wurde.[32]


Einen bedeutenden Neueinschlag stellt die Reinkarnationslehre Arthur Schopenhauers dar,
die dieser 1844 im Ergänzungsband zu seinem philosophischen Hauptwerk Die Welt als Wille und Vorstellung
formulierte. Darin kombinierte Schopenhauer Elemente hinduistischer und buddhistischer Lehren
mit an Immanuel Kant und Georg Wilhelm Friedrich Hegel orientierten philosophischen Ansätzen.

Wiedergeboren wird nach dieser Ansicht nur der unbewusste Wille des Individuums,
der jeweils „einen neuen Intellekt erhält“.

Schopenhauers Philosophie und insbesondere die damit verknüpfte Reinkarnationslehre
hatte einen tiefgreifenden Einfluss auf den Komponisten Richard Wagner,
in dessen Werken das Motiv der Seelenwanderung allerdings nur zeitweilig zur Sprache kam
und später durch traditionell-christliche Formulierungen ersetzt wurde.

Zu den prominenten Rezipienten Schopenhauers gehörte auch der Dichter Wilhelm Busch,
der das Thema der Wiedergeburt des Öfteren aufgriff, ohne dabei selbst klar Stellung zu beziehen.[33]


Sehr folgenreich war das 1857 in erster und 1860 in erheblich erweiterter zweiter Auflage
erschienene Livre des esprits (Buch der Geister, deutsch 1868) des französischen Arztes
und Spiritisten Hippolyte Léon Denizard Rivail alias Allan Kardec,
in dem dieser den damals äußerst populären Spiritismus mit einer Reinkarnationslehre
zu einem Glaubenssystem verband, dem aus heutiger Sicht der Status einer alternativen Religion
zuerkannt wird.

Damit verlagerte sich (zunächst in Frankreich) der Diskurs über das Thema Reinkarnation
in den okkultistisch-esoterischen Bereich, womit eine erhebliche Popularisierung verbunden war,
während in der Wissenschaft mittlerweile ein radikaler Materialismus tonangebend war,
der derartige Themen im akademischen Bereich an den Rand drängte.
Auch die moderne Bezeichnung „Reinkarnation“ tritt bei Kardec erstmals nachweislich auf
(davor waren Bezeichnungen wie „Metempsychose“ oder „Palingenese“ üblich).[34]


Zur zeitweilig wichtigsten Institution bei der Verbreitung des Reinkarnationsgedankens entwickelte
sich die 1875 gegründete Theosophische Gesellschaft, nachdem in dem 1888 in London
erschienen Hauptwerk ihrer Mitbegründerin Helena Petrovna Blavatsky,
The Secret Doctrine (deutsch Die Geheimlehre, 1899),
die Reinkarnation zu einem integralen Bestandteil der theosophischen Lehre erhoben worden war.

Obwohl offenbar durch hinduistische und buddhistische Einflüsse mit angeregt,
ist Blavatskys Reinkarnationslehre in wesentlichen Punkten europäisch geprägt
und insbesondere mit neuplatonischen Ansätzen zu vergleichen.

So gilt ihr zufolge nicht das Aufgehen der Persönlichkeit im Nirvana als Ziel,
sondern im Gegenteil deren fortschreitende, selbstbestimmte Entwicklung im
Verlauf der Inkarnationen.

An Blavatskys Darstellungen knüpften andere Theosophen an,
wobei im deutschen Sprachraum Rudolf Steiner im Rahmen seiner Anthroposophie
das laut Zander „vermutlich wirkungsmächtigste Reinkarnationsmodell“ entwarf.[35]

Im späten 19. Jahrhundert entwickelte sich in Europa ein vermehrtes Interesse am Buddhismus
mit seinen Reinkarnationsvorstellungen, nachdem buddhistische Quellen in Übersetzungen vorlagen
und religionswissenschaftlich aufgearbeitet wurden.

Dazu trugen auch führende Vertreter der Theosophischen Gesellschaft wie Blavatsky,
Henry Steel Olcott und Charles Webster Leadbeater bei, die zum Buddhismus konvertierten
und diesen propagierten.

Vielfach wurde versucht, Elemente des Buddhismus mit westlichen Anschauungen zu verbinden,
während die Widersprüche zwischen der buddhistischen Karma-Lehre und der christlichen Tradition
wie auch dem westlichen Fortschrittsglauben erst allmählich deutlich wurden.

Im Falle des Hinduismus verlief die Entwicklung zunächst überwiegend in umgekehrter Richtung:
Bedeutende hinduistische Denker wie Vivekananda, Aurobindo Ghose und Sarvepalli
Radhakrishnan nahmen westliche Elemente in ihre Lehren auf und entwickelten einen Reformhinduismus,
während die Rezeption hinduistischer Lehren im Westen weit hinter der des Buddhismus zurückblieb.[36]

Ein Medienereignis, das in den 1950er Jahren speziell in den USA die öffentliche Aufmerksamkeit zeitweilig
auf das Thema Reinkarnation lenkte, war der „Fall Bridey Murphy“:
Die US-Amerikanerin Virginia Tighe berichtete unter Hypnose von einer früheren Inkarnation
als „Bridey Murphy“ im 19. Jahrhundert in Irland, sprach dabei selbst irisch und machte erstaunlich
detaillierte Angaben.

Ein Zeitungsbericht darüber löste in den USA ein regelrechtes „Reinkarnationsfieber“ (Zander) aus,
und etliche Angaben Tighes konnten bei Nachforschungen in Irland bestätigt werden.
Es ergaben sich jedoch auch Unstimmigkeiten, und schließlich konnte der Fall weitgehend dadurch
plausibel gemacht werden, dass Virginia Tighe in ihrer Jugend intensiven Kontakt
mit irischen Einwanderern gehabt hatte, darunter eine Frau mit dem Geburtsnamen Bridey Murphy.[37]

Mit der „empirischen Reinkarnationsforschung“ trat im 20. Jahrhundert ein neues Thema
in der Reinkarnationsdebatte in Erscheinung. Grundlage dieser Forschung, deren
renommiertester Vertreter der Parapsychologe Ian Stevenson war,
die aber daneben einen laut Zander „unüberschaubaren Strom“ publizierter „Forschungsergebnisse“
und „Beweise“ hervorgebracht hat, sind wie im Fall Murphy vermeintliche Erinnerungen an frühere Inkarnationen.
Derartige Untersuchungen stoßen jedoch selbst unter Parapsychologen auf massive Kritik,
und ernsthaftere Vertreter wie Stevenson sprechen nicht von Beweisen,
sondern lediglich von einer Hypothese.

Einen Schritt weiter geht die Reinkarnationstherapie, die versucht, „Rückführungen“
in vermeintliche frühere Inkarnationen psychotherapeutisch zu nutzen.[38]

Im späten 20. Jahrhundert entstanden neue Glaubensgemeinschaften und -richtungen,
in denen Reinkarnationsvorstellungen eine bedeutende Rolle spielen, darunter Universelles Leben,
das sich auf Gabriele Wittek beruft, und das Neuheidentum (Neopaganismus).[39]

Empirische Reinkarnationsforschung:


Die empirische Reinkarnationsforschung versteht sich als Parawissenschaft,
die versucht, wissenschaftlich die Frage nach der Existenz von Reinkarnationen zu beantworten.
Dazu werden Fälle untersucht, in denen Menschen behaupten, sich an frühere Leben zu erinnern.

- Verwebe zu: Ritueller Tod & zweite Geburt:




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zuletzt bearbeitet 04.11.2014 07:27 | nach oben springen
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#3

RE: Re-Inkarnation:

in Das Erlöschen, - Trennung / Vereinigung: 13.05.2015 12:30
von Adamon • Nexar | 15.947 Beiträge

Ein Biologe „entdeckt“ die Reinkarnation:
https://archive.org/details/ein-biologe-...on-michael-nahm


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zuletzt bearbeitet 29.05.2023 00:17 | nach oben springen
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#4

RE: Re-Inkarnation:

in Das Erlöschen, - Trennung / Vereinigung: 31.12.2025 15:33
von Adamon • Nexar | 15.947 Beiträge

https://www.grenzwissenschaft-aktuell.de...che-gesundheit/

Studie zu Wiedergeburt: Beeinflussen Erinnerungen an
frühere Leben die psychische Gesundheit ?

Juiz de Fora (Brasilien) – Immer wieder erleben Menschen Erinnerungen an etwas, das sie für ein früheres Leben halten. In einer aktuellen Studie wurden nun die Profile von Erwachsenen analysiert, die solche „Erinnerungen an frühere Leben“ zu haben und haben diese auf mögliche Zusammenhänge mit psychischer Gesundheit, Glück und Religiosität/Spiritualität untersucht.


Symbolbild: Erinnerungen an ein früheres Leben.
Copyright: jarmoluk (via Pixabay.com) / Pixabay License

Wie das Team um Sandra Maciel de Carvalho von der brasilianischen Federal Universidade Federal de Juiz de Fora in der Juli-Ausgabe des „The International Journal for the Psychology of Religion“ (DOI: 10.1080/10508619.2025.2521573) berichten, widmeten sie sich weniger der Frage nach der Realität sogenannter Past Life Memories (PLM), sondern mit deren psychologischen Auswirkungen. Die Ergebnisse zeigen „eine hohe Häufigkeit von Symptomen psychischer Störungen, wobei Religiosität und Spiritualität Schutzfaktoren darstellten“.

Die meisten religiösen und spirituellen Traditionen weltweit teilen den Glauben an ein transzendentes Reich und/oder die Fortdauer des Lebens nach dem physischen Tod und Reinkarnation. Dieser Glaube ist unter der erwachsenen Bevölkerung von 35 Ländern auf sechs Kontinenten verbreitet, mit Anteilen von 38 % in Schweden bis 85 % in Indonesien.

Eine kürzlich durchgeführte Umfrage, die national repräsentative Stichproben in 22 Ländern auf allen Kontinenten einbezog, kam zu dem Schluss, dass es kein Land gibt, in dem die Mehrheit der Bevölkerung angab, nicht an ein Leben nach dem Tod zu glauben. Die Mehrheit antwortete auf diese Frage mit „Ja“ oder „Unsicher“. (Quelle: Bial Foundation)

Während es Studien zu Berichten über Erinnerungen an frühere Leben bei Kindern gibt, ist noch wenig über Fälle bei Erwachsenen und deren Auswirkungen auf die Betroffenen bekannt. Um diese Lücke zu schließen, analysierten Maciel de Carvalho und ihr Team das Profil von Erwachsenen, die angeben, PLM zu haben. Dabei bezogen die Forschenden auch soziodemografische Daten, Merkmale dieser Erinnerungen sowie deren Zusammenhang mit psychischer Gesundheit, Glück und Religiosität/Spiritualität mit ein.

Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der University of Virginia führte das Team zunächst eine Online-Umfrage unter einer Stichprobe von 402 Erwachsenen in Brasilien durch, die angaben, Erinnerungen an frühere Leben zu haben. In Brasilien glauben 66 Prozent der Bevölkerung an ein Leben nach dem Tod gibt. 33 Prozent glauben, dass Menschen in dieser Welt wiedergeboren werden.

Die meisten Teilnehmer der Stichprobe waren im mittleren Alter (41,6 Jahre), weiblich (79 %), hatten eine höhere Ausbildung (68 %), waren Spiritisten (54,5 %) und sehr oder mäßig spirituell (91 %). PLM begannen bei 82 % spontan, im Durchschnitt im Alter von 19,9 Jahren. 54 % berichteten von auffälligen Geburtsmalen oder -fehlern, 30 % von ungewöhnlichen und intensiven Neigungen oder Interessen (Philien); 71 % von Phobien in der Kindheit und ebenso 71 % von anhaltenden Phobien (71 %).

Die Ergebnisse der veröffentlichten Studie zeigen, dass die PLM-Merkmale bei den Teilnehmern der Stichprobe denen ähneln, die üblicherweise bei Kindern berichtet werden, mit Ausnahme der höheren Häufigkeit bei Frauen.

In dieser Stichprobe waren kindliche Philien und Phobien mit geringerem Glück und mehr Symptomen psychischer Störungen (46 %) verbunden, was auf einen anhaltenden psychologischen Einfluss im Zusammenhang mit PLM hinweisen könnte. Posttraumatische Belastungsstörung (36 %) stand im Zusammenhang mit Phobien. Religion/Spiritualität war mit größerem Glück und weniger psychischen Störungen assoziiert und könnte somit als Schutzfaktor wirken.

Laut Maciel de Carvalho „zeigt diese Studie, dass PLM bei Erwachsenen häufiger vorkommen können als bisher angenommen und zugleich aber auch mit erheblichem Leiden und Belastung verbunden sein können“. PLM könnten ein „relevantes Thema für die psychische Gesundheit darstellen, und es sind weitere Studien zu ihrer Häufigkeit, ihren Auswirkungen und einer angemessenen klinischen Behandlung erforderlich“, betont die Forscherin.

Recherchequelle: Bial Foundation

© grenzwissenschaft-aktuell.de


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RE: Re-Inkarnation:

in Das Erlöschen, - Trennung / Vereinigung: 01.01.2026 07:49
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https://www.grenzwissenschaft-aktuell.de...fruehere-leben/

GfA – Studie des Monats: Xenoglossie bei Kindern mit Erinnerungen an frühere Leben:

In Kooperation mit der Gesellschaft für Anomalistik e.V (GfA) stellt Grenzwissenschaft-Aktuell.de deren Rubrik „Studie des Monats“ vor. Die aktuelle Studie widmet sich dem Phänomen, dass einige wenige Kinder, die sich an mutmaßlich frühere Leben erinnern, auch Sprachen sprechen können, die sie nie erlernt haben.


ymbolbild: Kind.
Copyright/Quelle: Tuna Ölger via Pixabay
Die von dem amerikanischen Psychiater Ian Stevenson (1918 – 2007) begründete Forschung zu Fällen von Kindern, die sich an vorangegangene Leben zu erinnern scheinen, den sogenannten Cases of Reincarnation Type (CORT), ist faszinierend. Sie wird auch nach Stevensons Tod an der von ihm gegründeten Division of Perceptual Studies (DOPS) an der University of Virginia weitergeführt. Das dort angelegte Archive enthält inzwischen mehr als 2.000 dokumentierte Fälle. Zu den bemerkenswertesten, aber auch sehr seltenen Fällen gehören diejenigen, in denen Kinder fremde Sprachen sprechen können, ohne sie erlernt zu haben. Man bezeichnet dieses Phänomen als Xenoglossie. Die Autor:innen der Studie des Monats, die an der DOPS arbeiten, stellen einen Vergleich von CORT-Fällen mit und ohne Xenoglossie an. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob sich die Xenoglossie-Fälle durch bestimmte Merkmale auszeichnen.

Zwei Hypothesen werden geprüft: (1) Spielt das Bildungsniveau der Eltern und eine frühe Sprachentwicklung bzw. besondere Sprachbegabung der betroffenen Kinder eine zentrale Rolle („enhanced memory“ pathway)? Dies würde auf eine mögliche konventionelle Erklärung hindeuten. (2) Ist das Auftreten starker Emotionen bei den Rückerinnerungen sowie ein gewaltsamer Tod („emotion-trauma“ pathway) charakterisierend für diese Fälle? Dies würde eine anomalistische Deutung nahelegen.

https://journals.lub.lu.se/jaex/article/view/27464/24634


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