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Dämonenkrankheiten:

in Dämonen: 02.02.2010 21:22
von Atlan • Nexar | 13.761 Beiträge

"Dämonenkrankheiten":

Aus: http://www.enctype.de/Daemonen/uns.htm


'Ob ich nun an einen Dämon des Luftreichs glaube oder an einen Faktor im Unbewussten, welcher mir einen teuflischen Streich spielt, ist völlig irrelevant. Die Tatsache, dass der Mensch von fremden Mächten in seiner eingebildeten Einheitlichkeit bedroht ist, bleibt nach wie vor diesselbe.'
(C.G. Jung - Archetypen dtv 1993)




Wenn man Dämonen und den Glauben an sie unter psychologischen Aspekten betrachtet, dann kommt man natürlich an Begrifflichkeiten wie Dissoziative Störungen, Schizophrenie, Besessenheit und multiple Persöhnlichkeitsstruktur nicht vorbei.

In früheren Epochen des menschlichen Seins, als Wissen noch ein geschütztes Privileg der jeweils herrschenden Kasten (Adel, Priester etc.) gewesen ist, wurde selbst das Krankheitsbild der Epilepsie oder auch der Katatonie als eine dämonische Besessenheit angesehen und die davon befallenen kamen nicht nur in Verruf, sondern wurden auch mit gänzlich verfehlten Mitteln wie z.B. einer im Rahmen eines Exorzismus stattfindenden gewalttätigen Austreibung zwangskonfrontiert; was schlimme Folgen sowohl für die physische, als auch für die psychische Konstitution nach sich zog.
Personen die an psychischen Störungen litten wurden ebenfalls desöfteren Opfer solcher kirchlichen Aktivitäten und auch deren Leiden verschlimmerten sich dabei stets und nicht wenige wurden in den Selbstmord getrieben.

So teilte z.B. Johann Joseph Gassner (Pfarrer zu Klösterle im Bistum Chur-18 Jhr.), der sich als Heiler von Krankheiten im Auftrag des Herrn sah, die ihm zur Wunderheilung anvertrauten bzw. zwangsübergebenen Menschen und ihre jeweiligen Leiden in drei Kategorien ein:
Circumsessi - von Dämonen Angefochtene
Obsessi oder maleficiati - von Dämonen Verzauberte
Possessi - von Dämonen Besessene

Viele dieser 'Kranken' wurden so gründlich von ihm geheilt, daß bleibende psychische Schäden an der Tagesordnung waren. Natürlich war sowohl im Falle dieses Wunderheilers, als auch in allen vergleichbaren Fällen religiös geprägten Eiferertums, das Spiel mit der Angst der eigentliche Beweggrund für solche Exzesse; denn nur wer Angst vor dem scheinbar Unerklärlichen hat, ist nur allzu gerne bereit, sich in die Arme eines vermeintlichen Glaubens, seines dazugehörigen imaginären Gottes und dessen jeweiligen Repräsentanten im Diesseits zu flüchten.

In der aufgeklärteren Gesellschaft des 20.Jhr. und des heute sind die Erkenntnisse über psychische Störungen erheblich weiter fortgeschritten und alle die Krankheitsbilder, welche ehemals auf dämonische Besessenheit schließen ließen, werden nun mit rein psychologischen bzw. medizinischen Augen betrachtet.

Doch wenden wir uns diesen unterschiedlichen Krankheiten an Seele, Geist und Körper einmal näher zu und betrachten ihre Symptome unter dem Aspekt, der damals auf dämonischen Befall schließen ließ.

Die Epilepsie ist eine neurologische Anfallserkrankung,die eine paroxysmale (anfallsartige) kortikale (von der Gehirnrinde ausgehend) Entladung elektrischer Potentiale bewirkt, die zu einer schnellen Abnahme des normalen Membranpotentials führt, und so einen Anfall auslöst. Die Anfälle selbst sind durch unterschiedlichr lang andauernde Veränderungen der Hirnfunktion gekennzeichnet, die die Motorik, das Sprechvermögen und Bewußtsein vorübergehend beeinträchtigen. Dabei kann es u.a zu Zuckungen des ganzen Körpers kommen und in extremen Fällen auch zur Schaumbildung vor dem Mund.

Letzteres macht es klar, daß übereifrige Diener im Sinne des Herrn dies als klares Zeichen eines Dämons im Körper des Betroffenen sahen und da zudem die Sprechfähigkeit während einer epileptischen Attacke stark eingeschränkt ist, sprich die Laute oftmals verzerrt zu hören waren, wurde dies zusätzlich als Äußerungen des Dämons interpretiert.

Die Katatonie wird in zwei Kategorien aufgeteilt!
1. katatoner Sperrungszustand: Der Kranke ist erstarrt wie eine Statue, antwortet auf keine Frage, folgt keiner Anweisung und ist völlig von der Umwelt zurückgezogen. Dabei ist er hellwach. Meist sind mit diesem Zustand auch noch Sinnestäuschungen, Gefühls- und Denkstörungen verbunden;
2. katatoner Erregungszustand: Bezeichnung für eine schwere psychomotorische Erregung mit sinnlosem Umsichschlagen, das schnell die Kräfte des Kranken aufzehrt.

Hier wurde von dämonischer Bedrängung gesprochen, da man den Zustand des 'Umsichschlagens' als eine letzte verzweifelte Abwehrreaktion gegen dämonische Angriffe interpretierte und dem Unglücklichen mit religiöser Hilfe beistehen wollte.

Das Tourettesyndrom (Tic) ist eine Kombination von vokalen mit vielen verschiedenen motorischen Tics in chronischer Form (d.h. die Tics treten mehrmals täglich auf). Es unterscheidet zwischen motorischen, das sind unwillkürliche, rasche, wiederholte Bewegungen wie z.B. Augenblinzeln, Kopfwerfen, Schulterzucken, Grimassieren usw. und vokalen, plötzlichen einsetzenden Lauten wie z.B. Räuspern, Grunzen, Zischen, der Gebrauch von Schimpfwörtern oder die Wiederholung eigener Laute oder Wörter.

Hier ging man von einer totalen Übernahme des Menschen durch den Dämon aus, da dieser ja bereits mit seinen Grunzlauten aus dem Menschen direkt sprach und die anwesenden 'Helfer' beschimpfte. Menschen die davon betroffen waren, wurden schlimmsten exorzistischen Riten unterzogen, die nicht selten zum ihrem Tod führten.

Die Dissoziative Identitätsstörung (vormals Multiple Persönlichkeitsstörung) ist charakterisiert durch das Vorhandensein von zwei oder mehr (oftmals bis zu 100) unterscheidbaren Identitäten oder Persönlichkeitszuständen, die wiederholt die Kontrolle über das Verhalten der Person übernehmen. Für wenigstens einige Persönlichkeiten (auch als Alters bezeichnet) besteht dabei Gedächtnisverlust für bestimmte Ereignisse, während eine andere die Kontrolle innehat. Geraten Menschen in Extremsituationen, entsteht eine Art Reizüberflutung im Gehirn, ein Ausweg ist erforderlich. Menschen, die in der Lage sind gut dissoziieren zu können, dass heißt, die in der Lage sind, zusammengehörige Dinge im Bewusstsein voneinander zu trennen, finden hier seelisch ihre Rettung aus der fatalen Situation. Sie trennen das reale Geschehen von ihrem Bewusstsein ab und "denken" sich in eine andere Situation. Nicht selten kommt es dabei zu Erinnerungslücken, da ja eine 'andere Person' in dieser Zeit agiert hat.

Da es hierbei auch zu unterschiedlichem Verhalten der Person bzw. Tonierungen ihrer Sprache kommt, wurde diese Phasen als Phasen der Besessenheit deklariert in denen der Dämon die Oberhand hat und die Versuche denselben auszutreiben waren scheinbar von kurzen Erfolgen gekrönt, da die Rückkehr der anderen (nicht besessenen Person) und deren Amnesie bezüglich des Exorzierungsgeschehens als Zeichen für das Zurückdrängen des Dämons gewertet wurden. Diese Menschen waren am schlimmsten von diesen 'freundlichen' Bemühungen selbsternannter Experten betroffen, da sie immer wieder in ein Stadium des alteregos fielen und somit wiederholt dem Austreibungswahn verfielen.

Wir können also feststellen, daß es für alle 'Besessenheitsanzeichen', die im Rahmen religiösen Eifers diagnostiziert wurden, reale psychologische und medizinische Erklärungen gibt und somit auch unterschiedliche wissenschaftliche Heilmethoden zu Verfügung stehen, die den Betroffenen helfen, anstatt sie, durch religiös motivierte Beweggründe, in eine noch tiefere Krise zu treiben bzw. sie damit fest an die jeweiligen Glaubensrichtungen binden zu wollen.

Bericht aus der TAZ über Exorzismus Exorzismus

Ein weiterer, neuzeitlicher Aspekt für dämonisches Treiben in der menschlichen Psyche ist das Phänomen des Amoklaufes .
Ursprünglich vom javanischen Wort amoak=töten stammend, ist dieser Begriff seit Mitte des 19. Jhr. ein Synonym für Gewalttaten einzelner Personen, die sich anscheinend ohne Motiv gegen eine Gruppe anderer Menschen richten. Nun stimmt diese Definition mit dem Ursprung des Wortes insofern überein, als das es eine Sitte bei bestimmten malayischen Völkern gegeben hatte, wo ein von Opium berauschter Mensch mit einem Dolch wahllos jeden, der ihm auf der Straße begegnete dahinmetzelte.
Der Nervenarzt und Psychiater Lothar Adler teilt in einer aktuellen Studie den Amoklauf in 4 Phasen ein:

1. Phase der Kränkungen, Depressionen und dem Rückzug aus der Umwelt
2. Phase eines explosionsartiger Angriffs
3. Phase einer mörderischer und lang andauernder Raserei
4. Phase des Versinkens in einen lange anhaltenden schlafähnlichen Zustand.


Natürlich stellt sich die Frage ob Amokläufe in der westlichen Kultur (Littleton, Erfurt usw.) tatsächlich diesem ursprüngliche malayischen Phänomen so einfach eins zu eins gegenübergestellt werden können; denn bei o.g. genannten Amokläufen wurde nachgewiesen, daß diese keineswegs im Drogenrausch, sondern als Folge des jeweiligen, unzulänglichen Schulsystems zustande kamen, welches wenig Wert auf die einzelnen Belange und Sorgen der Schüler legte und somit zumindest ein wichtigen Basisfaktor für die Taten darstellte.
Doch wer weiß - vielleicht waren diese Taten ja auch Taten von Menschen, die kurzzeitig einen Dämon in sich hatten, der sie als Werkzeuge für seine Boshaftigkeiten benutzte...so zumindest behaupten dies weite Teile der neokonservativen fundamentalistsichen Glaubensrichtungen in der heutigen USA.


Doch nicht nur psychische Krankheiten alleine waren und sind z.T. auch heute noch Grundlage für den Glauben, daß Dämonen überall in der Welt am Werke sind und die Menschen scheinbar verderben wollen. So ist die Sexualität stets ein willkommener Anlaß für Spießbürger und Leichtgläubige jeglichen Coleurs von dämonischem Treiben zu sprechen und all das was über deren eingeschränkten Horizont hinausgeht als pervers zu bezeichnen.

Quellen: psychosomatik.at; medizininfo.de; Uni Hamburg; Die Geschichte des Teufels (G. Rosskopf-Parkland Verlag)



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zuletzt bearbeitet 13.10.2014 00:45 | nach oben springen
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