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#1

Interpretiere: Das Gute:

in Lichtwelt: 09.02.2010 10:57
von Atlan • Nexar | 14.588 Beiträge

Aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Gute

Unter dem Begriff des Guten werden im Allgemeinen die moralischen bzw. ethischen Werte verstanden, die es anzustreben gilt, die wünschenswert und richtig sind. Gegenbegriffe sind das Böse, das Schlechte und das Übel.

Im allgemeinen Sprachgebrauch bedeutet das Wort sowohl gut im moralischen Sinn, als auch gut im Sinne von qualitativer Hochwertigkeit. Es lassen sich also sowohl Begriffe wie Freundschaft, Ehrlichkeit, Treue und Fleiß wie auch Gesundheit, Kraft, Wohlstand und Schönheit als gut bezeichnen.

*

Philosophische Definitionen:

Verschiedene philosophische Theorien verstehen die Begriffe des Guten unterschiedlich. Ein allgemeiner Konsens besteht nicht. Das Wort gut wird in einigen Theorien in spezifischem Sinne als technischer Terminus nicht nur im Gegenstandsbereich der Ethik im engeren Sinne verwendet, sondern beispielsweise auch zur Auszeichnung bestimmter Dinge.

Das ontologisch Gute:

Einige traditionelle Theorien über die Strukturen der Wirklichkeit (Ontologie) bezeichnen bestimmte Typen von Entitäten oder sogar jedwedes Seiende als gut. Letzteres begründet sich für einige klassische Positionen darin, dass alles Seiende existiert, weil dies Gottes gutem Willen entspricht.

Im Rahmen solcher Theorien ist gut also nicht etwa nur eine Eigenschaft von bestimmten Handlungen, sondern eine ontologische Kategorie. Die Verwendung von gut bezeichnet beispielsweise in einigen Positionen der antiken Philosophie nicht nur einen ethischen Aspekt, sondern auch etwa "richtige", etwa harmonisch strukturierte oder zweckmäßige Beschaffenheit einer Sache, oder eine zweckhafte Einreichung der Natur überhaupt: ein Messer beispielsweise ist ein gutes Messer, wenn es scharf ist und bei Benutzung nicht in Teile bricht.

Das moralisch Gute:

Moralphilosophisch betrachtet wird, was gerechtfertigterweise gut zu nennen ist, durch die jeweilige ethische Theorie festgelegt. Da ganz verschiedene ethische Theorien vertreten wurden und werden, gibt es keinen allgemeinen Konsens darüber, wie der Begriff gut zu verwenden ist. Einige ethische Theorien beispielsweise bezeichnen diejenigen Güter oder Handlungsziele als "gut", welche dem Wesen des Menschen entsprechen, das oft unterschiedlich bestimmt wird, klassischerweise oft als leiblich und geistig dimensioniert. Viele Theorien betonen, dass überhaupt nicht kontextunabhängig ausgezeichnet werden kann, was gut ist, sondern solche Urteile beispielsweise von Zweck und Standpunkt abhängig sind. Beispielsweise ist ein stumpfes Messer für ein Kind (aus Sicherheitsgründen) gut, hingegen für einen Erwachsenen (zum Schneiden eines Brotes) schlecht.



Beginn der Abhandlung De Bono („Über das Gute“) Alberts des Großen, Köln, Dombibliothek, Codex 1024, fol. 1r


Dateianlage:
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"Die Erlösung kann nicht verdient, nur empfangen werden, - darum ist sie die Erlösung". -

"Es ist alles Illusion, - was nicht aus mir selber spricht,
- denn es ist ein Zusatz, - dieses Eine nicht". -

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#2

RE: Interpretiere

in Lichtwelt: 09.02.2010 10:59
von Atlan • Nexar | 14.588 Beiträge

Aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Idee_des_Gu..._Idee_des_Guten

Die Idee des Guten:
Das Gute, die Ideen und die Erscheinungen:

Die Ideen/Formen untereinander haben insofern teil aneinander, als eine bestimmte Idee allen anderen Ideen übergeordnet ist. Das Gute (agathón) ist die höchste Instanz. Es ist ein Überseiendes und transzendiert das Sein. Es ist die höchste Idee, da die „gewöhnlichen“ Ideen aus ihr hervorgehen. Die Idee des Guten verleiht den Ideen ihr Sein und Wesen. Da alle Ideen auf die eine Idee des Guten zurückgeführt werden, besteht also eine Beziehung zwischen dem Einen und dem Vielen. Das Gute an sich ist eins mit der göttlichen Vernunft[25] und damit eins mit dem Demiurgen, welcher gemäß den Ideen alles aufs Beste gestaltet hat:[26]

„Das Göttliche aber ist das Schöne, das Weise, das Gute und was sonst derartig ist. Von diesen nun nährt und kräftigt sich der Seele Gefieder am meisten, vom Häßlichen aber und Bösen und was sonst von jenem das Gegenteil ist, schwindet es und vergeht.“

– Platon, Phaidros[27]

Die Idee des Guten gewährt den Dingen ihre Erkennbarkeit, dem Erkennenden seine Erkenntnisfähigkeit, allem Seienden sein Sein, und überhaupt allem den Nutzen, sogar der Gerechtigkeit, indem sie Ziel und Sinn von allem ist.[28] Die Idee des Guten ist der Grund der Wahrheit und des Erkennens. Das Gute ist im Reich der Vernunft wie die Sonne im Reich des Sichtbaren. Wie die Sonne den Dingen nicht nur das Vermögen, gesehen zu werden, verleiht, sondern auch ihnen selbst Werden, Wachstum und Nahrung gibt, ohne selbst ein Werden zu sein, so verleiht das Gute dem Erkennbaren nicht nur das Erkanntwerden, sondern auch sein Sein und Wesen, ohne selbst ein Sein zu sein.[29]

„Du wirst wohl einräumen, glaube ich, daß die Sonne den sinnlich sichtbaren Gegenständen nicht nur das Vermögen des Gesehenwerdens verleiht, sondern auch Werden, Wachsen und Nahrung, ohne daß sie selbst ein Werden ist? ... Und so räume denn auch nun ein, daß den durch die Vernunft erkennbaren Dingen von dem eigentlichen Guten nicht nur das Erkanntwerden zuteil wird, sondern daß ihnen dazu noch von jenem das Sein und die Wirklichkeit kommt, ohne daß das höchste Gut Wirklichkeit ist, es ragt vielmehr über die Wirklichkeit an Hoheit und Macht hinaus.“

– Platon, Politeia[30]

Als höchste, absolute Idee hat das Gute sein Sein und Wesen aus sich heraus (Aseität), nicht erst durch Teilhabe. Auf Grund der ursächlichen Funktion der Idee des Guten ist es das höchste Ziel des Philosophen, die Idee des Guten zu erkennen, und laut der Politeia Voraussetzung dafür, Philosophenherrscher zu werden. Wer einmal die Einsicht in das Gute gewonnen hat, kann nicht mehr wider besseres Wissen handeln. Das Gute wird damit zu einem absoluten Orientierungspunkt für das praktische Handeln. Das überseiende Gute stiftet als absoluter Urgrund[31] das Reich der Ideen und ist dabei selbst jenseits des Seins, jenseits aller Bestimmungen[32] und schlechthin unbedingt[33]. In Platons ungeschriebener Lehre wird das Wesen dieses Urprinzips auch als das Eine bezeichnet.[34] Aus der Idee des Guten als des hén, des Einen, leitete Platon zunächst die Zweiheit (dyás) des Einheitlichen und des Mannigfaltigen (tautón und tháteron) oder des Maßes und des Unendlichen (péras und ápeiron, das heißt ungerade und grade) ab, um dann weiter das System der übrigen Ideen und Zahlen so anzufügen, dass sie eine Stufenfolge des Bedingenden und des Bedingten bilden. Die Erfassung der Idee des Guten ist deshalb als Ausgangspunkt von allem die höchste Erkenntnis (mégiston máthēma).[35] Als solche ist sie aber auch nur mit Mühe zu schauen (mógis ophtheisa).

Das Reich der Ideen:

Im Licht des überseienden Guten erkennt die Vernunft das Reich der Ideen/Formen, die werdelos über allem Werden stehen. Es ist der ewige Bestand eines Reiches der Wesenheiten: die Gerechtigkeit an sich, die Schönheit an sich, das Pferd an sich. Diese reinen Wesensbestimmtheiten sind als solche an sich selbst und bestehen für sich selbst jenseits der Welt der Erscheinungen.[36] Die Ideen bilden untereinander ein einiges und in sich selbst gegliedertes Ganzes, das frei ist von Zufall und Veränderung. Das Reich der Ideen setzt deshalb die Einheit der intelligiblen Welt voraus, es ist von seiner Struktur her eine Einheit in Vielheit.[37] Die Ideen sind die Ur- und Musterbilder (parádeigma), deren Abbilder (eídola, homoiómata) die vergänglichen Dinge sind, in denen die Ideen gegenwärtig sind. Insoweit besteht zwischen diesen eine Gemeinschaft (koinōnía). Die platonische Dialektik ist das Mittel, zur Ideenerkenntnis zu gelangen. Das Ziel besteht darin, das Wesen von etwas zum einen zusammenschauend zu erfassen und begrifflich zu bestimmen und zum anderen es auch wieder nach Begriffen, aus denen es zusammengesetzt ist, zerteilen zu können.[38]

Die Welt der Erscheinungen:
Methexis: Die Teilhabe der vergänglichen Dinge an den wahrhaft seienden Ideen

Zwischen der höheren Ideenwelt der unveränderlichen Dinge und der niederen Sinnenwelt der veränderlichen Dinge fand Platon ein Verhältnis, wie es zwischen Urbildern und ihren Nachbildungen besteht. Die vergänglichen Dinge haben ihr wahres Sein durch die Teilhabe (méthexis) an der jeweiligen Idee/Form. Der Demiurg als der Vater der Welt[39] hat aus der Materie die dingliche Welt gemäß der ewig seienden Idealwelt gestaltet. Die jeweilige vorgelagerte Idee ist in den durch sie ausgeformten real existierenden Dingen gegenwärtig (parousía). Die Materie für sich allein existiert nicht. Zur Wirklichkeit wird sie erst durch die Ideen erweckt, die in ihr anwesend sind.[40] Der Bestand und der Wesensgehalt der erscheinenden Wirklichkeit wird durch das Reich der Ideen bestimmt. Die Erscheinungen bleiben dabei aber hinter der vollen Bestimmung ihres Wesens zurück.[41]

„In schroffem, unausgeglichenem Gegensatz stehen sich gegenüber das „reine“, schlechthin unwandelbare Sein der Idee, und das fortwährend wechselnde, „auf alle Weise sich verhaltende“ Pseudo-Sein der Erscheinung: jenes das „Sein, welches immer ist“, dieses „umhergetrieben vom Werden und Vergehen“.“

– Natorp[42]

Das defizitäre Sein der Erscheinungen steht also dem wahren Sein der Ideen trotz ihrer Teilhabe gegenüber. Die ontologische Aufgabe des Sinnendings ist es, sich seiner Idee anzunähern und so seine Bestform (arete) zu gewinnen. Es handelt sich also bei den Ideen nicht um bloße gedankliche Abstrahierungen bzw. Generalisierungen aus dem vergänglichen Vielerlei der diesseitigen Realität. Vielmehr geht das Ideal der vergänglichen Weltwirklichkeit voraus. Plastisch vor Augen führt Platon diese idealistische Sicht der Dinge in seinen drei Gleichnissen: Sonnengleichnis, Liniengleichnis und Höhlengleichnis.

Ideenschau als Wiedererinnerung:

Ideen/Formen sind nicht über die sinnliche Wahrnehmung, sondern allein über die Vernunft zugänglich. Es handelt sich aber nicht um Gedankendinge (noêmata), sondern um in Gedanken Erkennbares (noêta). Die Ideen dürfen deshalb nicht als nur formale Allgemeinbegriffe missgedeutet werden. Aus der Seins- und Erkenntnisordnung des Liniengleichnisses wird deutlich, dass Platon dem Bereich der Ideen die noch über dem Verstand (dianoia) angesiedelte Vernunft (noesis, gelegentlich auch Wissenschaft, episteme) zugewiesen hat. Zu der Ideenlehre gehört auch die Lehre, dass die Seele eines Menschen vor der Geburt die Ideen geschaut hat. Wissen von den Ideen zu erlangen besteht demnach in einer Wiedererinnerung (anámnesis).[43] Wissen ist für Platon also nicht Abstraktion, gewonnen aus Erfahrung und Überlegung, wie es sein Schüler Aristoteles annimmt. Vielmehr ist für Platon etwa die Erkenntnis, dass zwei Gegenstände oder zwei Zahlensummen gleich groß sind, nur dadurch möglich, dass sowohl die Erkennenden als auch die wahrgenommenen Gegenstände an der Idee des Gleichen teilhaben. Die Erkenntnis kommt nach Platon dadurch zustande, dass wir ein vorgeburtliches Wissen apriorisch in unserer Seele besitzen, an das wir uns erinnern:

„Wie nun die Seele unsterblich ist und oftmals geboren, und, was hier ist und in der Unterwelt, alles erblickt hat, so ist auch nichts, was sie nicht hätte in Erfahrung gebracht, so daß nicht zu verwundern ist, wenn sie auch von der Tugend und allem andern vermag sich dessen zu erinnern was sie ja früher gewußt hat. Denn da die ganze Natur unter sich verwandt ist, und die Seele alles inne gehabt hat: so hindert nichts, daß wer nur an ein einziges erinnert wird, was bei den Menschen lernen heißt, alles übrige selbst auffinde, wenn er nur tapfer ist und nicht ermüdet im Suchen. Denn das Suchen und Lernen ist demnach ganz und gar Erinnerung.“

– Platon, Menon[44]

Der Nichtwissende hat selbst von dem, was er nicht weiß, demnach richtige unbewusste Vorstellungen, die angeregt durch Fragen zu Erkenntnissen werden können. Wenn Platon davon spricht, dass die Seele bereits vor ihrer Geburt an einem anderen Ort das geschaut hat, was aktuell in einem Prozess der Erkenntnis geboren wird, so verweist er damit auf das Reich der Ideen. Letztlich handelt es sich um eine Metapher, um das Wesen der theoretischen Leistung zu erklären. Hans-Georg Gadamer weist dabei darauf hin, dass Anamnesis nicht zu etwas Identischem zurückführt, sondern enthüllt, wie die Dinge wirklich sind:

„Die Freude des Wiedererkennens ist vielmehr die, dass mehr erkannt wird als nur das Bekannte. In der Wiedererkenntnis tritt das, was wir kennen, gleichsam wie durch eine Erleuchtung aus aller Zufälligkeit und Variabilität der Umstände, die es bedingen, heraus und wird in seinem Wesen erkannt.“

– Gadamer[45]

Gedankliches Erfassen wird so zu einer unmittelbaren Schau im Sinne eines nicht-diskursiven Ergreifens.[46] Die Erkenntnis des Seienden ist im Letzten nicht sprachlich, sondern ereignet sich dort, wo es jemandem gelingt, die Natur des einzelnen Seienden in dem, was es ist, mit der Seele zu berühren.[47]

Herleitung der Ideenlehre:
Die sokratische Definitionsfrage:

Platon entwickelte Überlegungen zu einer Existenz von Ideen vermutlich ausgehend von der sokratischen Was ist X?– Frage (Was ist das Schöne?, Gerechte? etc.), die im Zusammenhang der Entwicklung des Konzepts der Definition steht. Bereits Platons Lehrer Sokrates hatte sich intensiv darum bemüht, das absolut und für jedermann Geltende auf dem Gebiet der Ethik zu finden. Er wollte die Unhintergehbarkeit moralischer Normen aufzeigen. Wenn ein einzelner Mensch gerecht ist, so kann dies erfahren und erkannt werden. Was ist aber das allgemein Gerechte? Die Gestalt oder Idee hinter den vielen Einzelerscheinungen kann nur durch eine Erkenntnis a priori gefasst werden. Schon Sokrates suchte nach dem Allgemeinen und nach dessen Definitionen. Damit hat er für Platon einen wesentlichen Anstoß zur Entwicklung der Ideenlehre gegeben:

„Sokrates hatte die Frage angeregt: »Wie ist das Wissen möglich?« (Parmenides, Republik.) Er antwortete: »Nur durch allgemeine Begriffe.« Platon steigt nun die Frage auf: »Ist durch das Wissen eine Beziehung zum Sein gegeben? Wie verhält sich der allgemeine Begriff zur Realität?« Darauf antwortet Platon: »Es kann der allgemeine Begriff kein Wissen enthalten, wenn sein Gegenstand nicht etwas Reales wäre. Er muß ein noêma tou ontos und nicht tou mê ontos (des Seienden und nicht des Nicht-Seienden) sein. Die Ideen (eidê) sind also real.« Eidos (allgemeiner Begriff) und Ousia (substanzielles Dasein) sind hiernach der Kern der Ideen.“

– Kirchner[48]

Heraklit und die Eleaten:

Es wäre aber zu einfach gedacht, die Wurzeln der Ideenlehre ausschließlich bei Sokrates zu suchen. Ihre Entstehung verdankt sich vielmehr einem weit umfassenderen philosophischen Kontext. Beeinflusst wurde die Ideenlehre Platons auch durch die orphischen Mysterien, die pythagoreische Philosophie, die Lehre Heraklits vom Wechsel der Dinge und die Lehre der Eleaten vom unveränderlichen Sein. Platon integrierte diese Gedanken auf einem höheren Niveau und bildete eine neuartige Synthese: Die Gegenstände der Erfahrung sind durch stetige Veränderung und Wandel geprägt. Noch während von einer Erfahrungsvorstellung gesprochen wird, verschwindet sie und weicht einer anderen. Die in der Wahrnehmung erscheinenden veränderlichen Dinge besitzen also keine wahre, dauerhafte Realität. Die Gattungsbegriffe, Formen und Ideen, durch die wir das wahrgenommene Einzelseiende überhaupt erst denken können, sind dagegen nicht der Veränderung unterworfen. Diese sind also das wahrhaft Seiende.[49]

Die Mathematik:

Einfluss auf die Entwicklung der Ideenlehre hatten zudem die Gegenstände der Mathematik, insbesondere der Geometrie. In der sinnlich wahrnehmbaren, diesseitigen Realität gibt es nur mehr oder weniger unvollkommene einzelne kreisförmige Dinge, die definierende Beschreibung des Kreises ist ein Akt des mathematischen Verstandes, die Erkenntnis des Kreises an sich geht über die sinnliche Wahrnehmung hinaus:

„Aber soviel verstehe ich doch, du willst durch diese Gegenüberstellung feststellen, daß demjenigen, was durch die auf das Seiende und Gedachte gerichtete Wissenschaft der Dialektik betrachtet wird, größere Sicherheit und Deutlichkeit zukommt als dem von den mathematischen Fächern, also den sogenannten Künsten Erkannten, denen die Voraussetzungen zugleich das Erste und Oberste sind, und bei denen die Betrachtenden ihren Gegenstand zwar mit dem Verstand, nicht mit den Sinnen zu betrachten genötigt sind, aber, weil ihre Betrachtungsweise sie nicht aufwärts zu dem Ersten und Obersten führt, sondern sich auf bloße Voraussetzungen stützt, es dir nicht zu rein vernünftiger Einsicht über ihre Gegenstände zu bringen scheinen, obschon auch sie einer Vernunfterkenntnis mit Einschluß des Ersten und Obersten zugänglich sind. Mathematische Verstandeserkenntnis aber, und nicht Vernunfterkenntnis scheinst du mir das von den geometrischen und den ihnen verwandten Wissenschaften eingehaltene Verfahren zu nennen, da du sie für etwas Mittleres hältst zwischen bloßer Meinung und Vernunft.“

– Platon, Politeia[50]

Platons spätere Kritik an der Mathematikerzunft entsteht aus dem Gedanken heraus, dass die Mathematiker von Dingen, wie einer Gleichung oder Ungleichung, ausgehen, ohne diese Begriffe genauer zu hinterfragen und ihre Voraussetzungen näher zu untersuchen. Die Mathematiker interessieren sich nicht für den Kreis, den sie mehr oder weniger unvollkommen in der Natur finden oder selbst zeichnen. Bei der Geometrie handelt es sich nicht um empirische, sondern um ideale Gegenstände. Die Vollkommenheit der Kreisform beruht demnach nicht auf einem tatsächlichen, sondern auf einem geistigen Prinzip. Diesem kommt eine höhere Wahrheit zu als dem in der Natur gefundenen Abbild eines Kreises.[51] Dieses Verhältnis von Idee zu Abbild wird dann von Platon zunächst herangezogen, wenn es um das Sein an sich geht: das Schöne an sich, das Gute an sich, das Gerechte und das Fromme.[52] Schließlich wird dieses Verhältnis von Platon so weit verallgemeinert, dass hinter zahlreichen einzelnen empirischen Erscheinungen als Urbild eine Idee angenommen wird. Die Mathematik gewinnt so gegenüber der Philosophie eine propädeutische Funktion.[53] Sie vermag aber über die Zahlen hinaus nichts von der Seinsfülle und Qualität der Wirklichkeit zu erfassen. Die Ideenlehre wird damit zu einer „Überwissenschaft, die sich hinter den mathematischen Disziplinen auftut.“[54]

Kritik der Ideenlehre:

Platons Schüler Aristoteles hat die Ideenlehre als poetische Metapher und leeres „Gewäsch“ kritisiert und die Ideen/Formen als nicht seiende reine Abstrahierungen von den vielerlei existierenden Dingen bezeichnet.[55] Auf die Frage, was die ousia eines konkreten Einzeldings sei, antwortete Aristoteles in Metaphysik Zeta: die Form, das eidos.[56] Eidos ist für ihn die dem Ding innewohnende Formbestimmung.[57] Aristoteles bestimmte damit die Seiendheit als das sich in den Erscheinungen selbst entwickelnde Wesen. Er verzichtete darauf, etwas von den Erscheinungen selbst Verschiedenes, also eine „zweite Welt“, als ihre Ursache anzunehmen. Aristoteles lehrte, dass das im Begriff erkannte Sein der Dinge keine andere Wirklichkeit besitze, als die Gesamtheit der Erscheinungen, in denen es sich verwirkliche. Die Seiendheit (ousia) nimmt bei ihm den Charakter des Wesens (to ti ên einai) an. Es bildet den alleinigen Grund seiner einzelnen Gestaltungen und ist nur in den Einzeldingen selbst wirklich: Alle Erscheinung wird zur Verwirklichung des Wesens.[58] Im Gegensatz zu dem Gedanken einer Teilhabe (methexis) der Sinnendinge an der real unabhängig davon bestehenden Form bzw. Idee (eidos) wird im aristotelischen Sinn nur eine formale Abtrennbarkeit zugestanden und ein kausales und dynamisches Verhältnis angenommen: Ousia des Dinges ist für Aristoteles die innewohnende Form (eidos to enon), aus welcher in Verbindung mit der Materie das konkrete Wesen besteht.[59] Alles strebe danach, seine Form zu verwirklichen. Ousia ist damit für Aristoteles ein inneres Formprinzip und determiniert als solches das Wesenswas bzw. Sosein des einzelnen Seienden.[60] Der Unterschied zur platonischen Position liegt dabei in der Frage nach der realen oder nur formalen Abtrennbarkeit (chóriston) der Wesenheit oder Form vom Einzelseienden. So betonte Aristoteles:

„Ich meine, dass außer den einzelnen nicht ein Lebewesen existiert, noch existiert sonst etwas von dem, was sich nur im Begriff findet. Wenn man die Sache unter diesen Gesichtspunkten erwägt, so wird deutlich, dass nichts Allgemeines ein Wesen ist, und dass das allgemein ausgesagte kein individuelles Etwas ist, sondern eine Qualität bezeichnet.“

– Aristoteles, Metaphysik[61]

Die Kritik des Aristoteles wurde in scharfer Form von Giordano Bruno zurückgewiesen:

„Aristoteles unter den anderen, der das Eine nicht fand, fand auch das Wesen nicht und nicht das Wahre. Denn er erkannte das Wesen nicht als Eines; und obgleich er freie Hand hatte, die Bedeutung des der Substanz und dem Accidenz gemeinsamen Wesens zu erfassen und dann weiterhin seine Kategorien mit Rücksicht auf die Vielheit der Gattungen und Arten durch ebenso viele Unterschiede zu bestimmen, so ist er nichts desto weniger in die Wahrheit deshalb so wenig eingedrungen, weil er nicht bis zur Erkenntniss dieser Einheit und Ununterschiedenheit der bleibenden Natur und des bleibenden Wesens hindurch gedrungen ist, und als ein recht seichter Sophist mit boshaften Auslegungen und wohlfeilen Ueberredungskünsten die Meinungen der Alten verdreht und sich der Wahrheit widersetzt hat, vielleicht nicht so sehr aus Schwäche der Einsicht, als aus Missgunst und Ehrsucht.“

– Giordano Bruno[62]


Übersicht zur Ideenlehre


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#3

RE: Interpretiere

in Lichtwelt: 09.02.2010 11:41
von Atlan • Nexar | 14.588 Beiträge

Aus: http://www.zeit.de/2009/53/DOS-Altruismus?page=all

Altruismus
Wie kommt das Gute in die Welt?

Der Mensch ist gierig und egoistisch. Dachte man. Doch jetzt stellt sich heraus: Tief in unserem Gehirn entsteht der Trieb zu selbstlosen Taten, der unser Verhalten bestimmt.

© Win McNamee/Getty Images
Applaus für New Yorks Held der U-Bahn Wesley Autray: Der Mann rettete mit seinem selbstlosen Einsatz einem Fremden das Leben

Wesley Autrey wartete mit seinen beiden kleinen Töchtern auf die U-Bahn, als ein junger Mann neben ihm plötzlich zu zittern begann, sich verkrampfte und dann bewusstlos auf den Bahnsteig sank. Mehrere Passagiere eilten zur Hilfe, doch Autrey war schneller. Geistesgegenwärtig fragte er nach einem Kugelschreiber und klemmte ihn dem Fremden zwischen die Zähne, damit dieser sich bei seinem epileptischen Anfall nicht auf die Zunge bisse. Nach kurzer Zeit gingen die Krämpfe vorbei, der Epileptiker stand auf, und Autrey wollte seine Heimfahrt fortsetzen.


Ein Rumpeln kündigte den Zug an. In diesem Moment taumelte der Mann erneut. Er stolperte und fiel auf das Gleis. Autrey rief einer Wartenden zu, sich seiner Töchter anzunehmen, und versuchte, den Gestürzten wieder auf den Bahnsteig zu ziehen. Doch seine Hand glitt ab. Inzwischen fuhr der Zug ein, Autrey blieb keine Zehntelsekunde Zeit zum Nachdenken. Er sprang auf das Gleisbett, zerrte den Mann zwischen die Schienen und warf sich auf ihn. Schon fuhr der erste Waggon über beide, zwischen Autreys Scheitel und dem Zug blieben genau zwei Fingerbreit Luft.

Fünf Wagen rollten über ihn. Dann blieb der Zug stehen, und Autrey hörte das Schreien seiner Töchter. Als eine Rettungsmannschaft später die beiden Männer aus ihrem Gefängnis zwischen den Rädern befreite, tropfte Wagenschmiere von Autreys Mütze. Die Sanitäter stellten an dem Epileptiker nicht mehr als ein paar Prellungen fest; Autrey selbst verzichtete auf medizinische Hilfe. Ohnehin war er der Ansicht, nichts Besonderes geleistet zu haben: »Ich sah nur einen Menschen, der Hilfe brauchte. Da tat ich, was zu tun war.«

Stefan Klein
ist Biophysiker. Er wechselte dann aber aus der Forschung zum Schreiben, weil er »die Menschen begeistern wollte für eine Wirklichkeit, die aufregender ist als jeder Krimi«. Der 44-Jährige hat die Bestseller Die Glücksformel, Zeit. Der Stoff aus dem das Leben ist und Da Vincis Vermächtnis oder wie Leonardo die Welt neu erfand geschrieben.

Sein Einsatz in der Station an der 137. Straße von Manhattan an jenem 2. Januar 2007 machte Autrey dennoch zu einem landesweit gefeierten Helden. Der bis dahin unauffällige Vorarbeiter wurde in Talkshows und ins Weiße Haus eingeladen, Medien feierten ihn als Vorbild. Doch keiner schien zu bemerken, wie verstörend das Ereignis zugleich war: Was bringt einen Vater in Gegenwart seiner erst vier und sechs Jahre alten Kinder dazu, für einen Fremden sein Leben zu riskieren? Wie kann sich ein Mensch blitzschnell zur völligen Hingabe an einen anderen entschließen?

Für die Wissenschaft bedeutet Autreys Tat eine echte Herausforderung. Denn nach ihren traditionellen Erklärungen hätten die Vorgänge unter der 137. Straße nie stattfinden dürfen. In der Verhaltensforschung setzte sich während der vergangenen Jahrzehnte ein Menschenbild durch, das uns als zutiefst eigennützige Wesen beschreibt. Biologen sehen uns auf maximalen Fortpflanzungserfolg programmiert, Evolutionspsychologen auf das Erringen von Status. Ökonomen verstehen menschliches Handeln mehrheitlich als Streben nach Bequemlichkeit und Wohlstand. Alle Theorien beruhen auf der Annahme, jeder sei sich selbst der Nächste und Altruismus eine Illusion.

Warum geben wir Trinkgeld, wenn wir das Lokal nie mehr betreten?

Wie lässt sich dann aber erklären, dass sich immer wieder Menschen für andere selbstlos einsetzen und sogar wie Autrey ihr Leben dabei riskieren? Helden mögen selten sein, doch darf man sie einfach als Ausnahme wegdiskutieren? Im Zweiten Weltkrieg haben Hunderttausende unter Todesgefahr Juden vor dem Konzentrationslager bewahrt. Und überwältigend viele Menschen sind bereit, für andere Schmerzen zu ertragen.

Mehr als drei Millionen Deutsche haben sich registrieren lassen, um sich Knochenmark entnehmen zu lassen und damit einem unbekannten Leukämiekranken zu helfen. In den Vereinigten Staaten haben sogar Websites Zulauf, auf denen Freiwillige eine ihrer Nieren zur Transplantation an Fremde anbieten – ohne jede Gegenleistung. Diese Art der Organspende ist in Deutschland verboten.

Bei vielen wissenschaftlichen Rätseln ist es leicht zu verschmerzen, dass die Forschung an ihrer Lösung scheitert. Die schwer zu erklärenden altruistischen Akte aber werfen Fragen auf, die an jedes menschliche Zusammenleben und an unser Selbstverständnis rühren: Wie eigennützig, wie selbstlos können sich Menschen verhalten? Unter welchen Umständen stellen sie ihre eigenen Interessen zurück? Wie lässt sich das Engagement für andere fördern? Und: Hat Altruismus auch Schattenseiten?


Bereits im Alltag passen zahllose Situationen nicht zu dem Bild vom Menschen, der nur an sich selbst denkt: Warum geben wir Trinkgeld, auch wenn wir wissen, dass wir ein Lokal nie wieder besuchen werden? Schwer ist der Eigennutz auch zu erkennen, wenn Menschen jahrelang bettlägrige Angehörige pflegen oder ihr Geld Unbekannten in Not spenden.

Auch sähe Deutschland heute wohl anders aus, hätten vor zwanzig Jahren nicht Zehntausende Montagsdemonstranten zum Nutzen ihrer Mitbürger der Stasi die Stirn geboten.

Und die Bereitschaft, sich für andere einzusetzen, scheint zuzunehmen. Beispielsweise engagieren sich heute fast zwei Millionen mehr Menschen in einem Ehrenamt als noch vor zehn Jahren. Im Internet blühen ganz neue Formen von Kooperation und Selbstlosigkeit, bei denen Experten weltweit ihre Arbeitskraft verschenken. So entstanden beinahe über Nacht die zehn Millionen Artikel der Wikipedia und die kostenlosen Open-Source-Programme, die Konzernen wie Microsoft ernsthaft Konkurrenz machen.

Die Furcht, die Solidarität werde abnehmen, war unbegründet

Nach Jahren des Zynismus ist es offenbar schick geworden, sich mitfühlend zu geben. Hollywoodstars wie Brad Pitt und George Clooney organisieren Hilfe für Katastrophenopfer und kämpfen gegen den Klimakollaps. Mit Operation Walküre, John Rabe und den Epen um Che Guevara und die jüdischen Partisanen im besetzten Frankreich haben die Studios so viele Filme in so kurzer Zeit wie noch nie in die Kinos gebracht, die die Aufopferung Einzelner feiern.

Und das neueste Zuwachsgeschäft der Fremdenverkehrsindustrie heißt »Volunteering-Tourismus«: Viel beschäftigte Zeitgenossen buchen Urlaubsreisen, auf denen sie in südafrikanischen Kinderheimen oder brasilianischen Naturschutzgebieten arbeiten, statt am Strand zu bräunen.

Nicht zuletzt wählte das amerikanische Volk einen Mann zum Präsidenten, der trotz glänzender Abschlüsse der Columbia- und der Harvard-Universität eine Karriere als Wirtschaftsjurist ausschlug, um Sozialarbeiter und Anwalt in den Armenvierteln Chicagos zu werden. Barack Obamas Aufstieg zum mächtigsten Menschen der Welt ließ schlagartig alle verstummen, die der Ansicht waren, ein Altruist könne weder sonderlich intelligent sein noch Erfolg haben. Wer heute über »Gutmenschen« spottet, macht vor allem sich selbst lächerlich.

Die Befürchtung, dass die Solidarität in der Krise schwinden würde, bewahrheitete sich nicht; vielmehr nährte der Beinahezusammenbruch der Finanzwelt die Zweifel daran, ob ein allein auf Eigennutz gegründetes Wirtschaftssystem funktionieren kann. Skeptiker allerdings mögen in den jüngsten Bundestagswahlen den Beginn einer Gegenbewegung sehen: Zogen in den vergangenen drei Wahlkämpfen Parolen erst von gesellschaftlichem Aufbruch, dann von Sicherheit und Gerechtigkeit, machten diesmal Parteien das Rennen, die ihren Wählern mit betäubender Monotonie mehr Netto auf dem Konto versprachen.


Während die Gesellschaft ihren Glauben an das Prinzip Eigennutz bislang allenfalls zaghaft hinterfragt, ist in der Wissenschaft bereits ein Umschwung im Gang. Mehr und mehr Verhaltensforscher verabschieden sich von dem Dogma des stets egoistischen Menschen. Zum Umdenken brachten sie neue Möglichkeiten der Hirnforschung, der Evolutionsbiologie und der experimentellen Ökonomie, das menschliche Zusammenleben zu erforschen. So reift in der Zusammenarbeit der Disziplinen ein neues Menschenbild, das den Homo sapiens freundlicher erscheinen lässt als bisher.

Wie einflussreich die herrschende Vorstellung vom Wesen des Menschen sein kann, zeigte die jüngste Finanzkrise. Nicht die einzige, doch eine wesentliche Ursache des Debakels war die Überzeugung, dass allein sein Egoismus den Menschen antreibe. Üppige Boni verführten bekanntlich die Finanzakrobaten dazu, mit fremdem Geld aberwitzige Risiken einzugehen. Aber was brachte eigentlich die Banken und andere Unternehmen auf die ebenso teure wie gefährliche Idee, ihre Manager mit Millionenboni zu locken?

Die Gehaltsschraube begann sich erst in den achtziger Jahren zu drehen. Damals suchten amerikanische Wirtschaftswissenschaftler, mit der Bürokratenmentalität vieler Manager unzufrieden, nach neuen Mitteln der Motivation. In einer Reihe viel beachteter Aufsätze beschrieb der Harvard-Professor Michael Jensen den vermeintlichen Königsweg: Die Interessen der Führungskräfte seien mit denen der Eigentümer in Einklang zu bringen. Wenn also ein Chef den Firmengewinn steigere, solle er kräftig daran teilhaben. Ausdrücklich begründete Jensen diese Empfehlung mit seinem Bild des Homo sapiens. Die Natur des Menschen sei so beschaffen, dass jeder stets nach dem größtmöglichen Vorteil strebe.

Jensen stieß auf so begeisterte Zustimmung, als hätten Teile der Wirtschaftselite nur auf so einen Propheten gewartet. Zwar erinnerte der Forscher immer wieder daran, dass sich der Gewinn nicht unbedingt auf dem Konto auszahlen müsse: Macht, Anerkennung, Liebe und selbst das Gefühl, etwas für andere geleistet zu haben, könnten ebenso beflügeln. Aber dieser Teil seiner Botschaft ging unter, denn Regungen wie die Sehnsucht nach Zuspruch galten zu jener Zeit kaum als Gegenstand ernsthafter Forschung. So nistete sich in den Lehrbüchern, in Managerköpfen und schließlich in den Zirkeln der Macht die Überzeugung ein, der Mensch sei nur für eines bereit, alles zu tun – für Geld.

»Gier ist gut, Gier ist richtig«, verkündete Michael Douglas alias Gordon Gekko, Held des legendären Films Wall Street aus dem Jahr 1987. Zur Begründung bemühte der Spekulant die Biologie: »Gier ist der Kerngedanke der Evolution.« Damit formulierte Gekko das Credo der folgenden zwei Jahrzehnte, in denen selbst Kleinanleger zu zocken begannen und die Jagd nach Schnäppchen zum Volkssport wurde.

Doch wie jedes Suchtmittel, so hat auch Geld gefährliche Nebenwirkungen: Es fördert den Egoismus. Auf welch subtilen Wegen Euro und Dollar die Psyche verändern, zeigte vor Kurzem die US-Psychologin Kathleen Vohs. Sie manipulierte das Unbewusste ihrer Versuchspersonen mit Worträtseln, in denen immer wieder Begriffe wie »Gehalt« oder »Vermögen« vorkamen. Dann bat sie die Probanden um eine kleine Hilfeleistung, etwa ein paar heruntergefallene Stifte aufzuheben.


Das Ergebnis der Studie kann erschrecken: Die Versuchspersonen, die man mit Floskeln aus der Finanzwelt konfrontiert hatte, waren wesentlich weniger hilfsbereit als jene, die ein Rätsel mit neutralen Begriffen gelöst hatten. Auch waren Erstere weniger willens, selbst Hilfe in Anspruch zu nehmen oder für eine gute Sache zu spenden. Vohs vermutet, der bloße Gedanke an Geld rufe eine Illusion persönlicher Unabhängigkeit wach: Mit einem vollen Portemonnaie meinen wir eher, andere nicht zu brauchen, und erwarten umgekehrt auch von ihnen, ihre Probleme selbst zu lösen.

In einer zweiten Serie von Experimenten saßen die Versuchspersonen einem Poster mit Geldscheinen verschiedener Währungen gegenüber, betrachteten dieses Motiv als Bildschirmschoner oder sahen nur etwas Monopoly-Geld in der Ecke herumliegen. Und wieder waren die Probanden weniger zur Zusammenarbeit mit anderen bereit. Zudem äußerten sie weniger Lust, ihre Freizeit mit anderen zu verbringen, und rückten sogar körperlich von ihren Gesprächspartnern ab. Offenbar ist die egoistische Natur des Menschen auch eine sich selbst bestätigende Prophezeiung: Behandelt man Personen, als seien sie eigennützig, werden sie es.

Damit leisteten die Theorien über die grenzenlose Gier der Menschen genau dieser Gier Vorschub. Fraglos sind Geld und Machthunger starke Antriebe. Aber Menschen haben eben auch andere Motive: Mitgefühl etwa oder die Sehnsucht nach Lob und Zuwendung, nach Gemeinschaft und Sinn.

Warum haben Wissenschaft und Wirtschaft solche Beweggründe so lange ignoriert? Das Prinzip Eigennutz besaß auch deswegen so viel Anziehungskraft, weil es leicht zu verstehen ist, während die Ursachen für selbstloses Handeln lange im Dunkeln lagen.



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#4

RE: Interpretiere

in Lichtwelt: 09.02.2010 11:41
von Atlan • Nexar | 14.588 Beiträge

Der Gorilla Binti rettete ein Kind, das in sein Gehege gefallen war

Bereits Charles Darwin merkte an, dass Altruisten in der Evolution einen schweren Stand hätten: Wer die Anlage zum Einsatz für andere, nicht eng mit ihm verwandte Individuen in sich trage, müsse im Überlebenskampf gegen ruchlosere Artgenossen verlieren – die Altruisten stürben aus. Darwin selbst allerdings zweifelte an der Richtigkeit seiner Gedanken, hatte er doch auf seiner Weltreise bei allen Völkern Mitgefühl und Moralempfinden beobachtet. Doch weder er noch seine Nachfolger waren imstande, das Rätsel zu lösen. Stattdessen setzte sich unter dem Markenzeichen »evolutionäre Psychologie« die Überzeugung durch, dass Großmut und Fairness zwar existieren mochten – aber nur als raffinierte Tarnung, um die eigenen Interessen umso gerissener zu verfolgen.

Neue Ergebnisse der Hirnforschung allerdings lassen eine solch pessimistische Sicht wenig plausibel erscheinen. Wäre nämlich selbstloses Verhalten einzig Folge unserer Erziehung und stünde der Sinn für Fairness und Anstand im Widerspruch zu unseren Instinkten, dann müssten allein die evolutionär jüngsten Teile des Gehirns für unsere freundlichen Seiten verantwortlich sein – jene Schaltungen der Großhirnrinde, denen der Mensch seine überragenden Fähigkeiten zur Selbstkontrolle verdankt.

Doch dies ist nicht der Fall: Wenn wir moralische Entscheidungen treffen, treten Regionen des Gehirns in Aktion, die wir von fernen Vorfahren aus dem Tierreich geerbt haben. Das sogenannte Reptilienhirn steuert unter anderem Triebleben und Emotionen. Also trägt das Gerechtigkeitsempfinden seinen Namen zu Recht: Es beruht nicht auf ausgefeilten Überlegungen, sondern auf Emotionen, wie man sie schon bei Tieren finden kann.

Zoologen haben denn auch in den vergangenen Jahren zahlreiche Belege dafür gesammelt, dass sich Tiere keineswegs immer nach der Maxime des größten eigenen Vorteils verhalten. Berühmt wurde die Gorilladame Binti, die 1996 im Zoo von Chicago ein Kleinkind rettete, das in ihr Gehege gefallen war, und den blutüberströmten Jungen einem Tierpfleger überreichte.

Gut dokumentiert ist die Angewohnheit der Weißbüschelaffen, ihr Futter mit fremden Jungen zu teilen. Diese südamerikanischen Primaten sind auch zu uneigennützigem Verhalten unter Erwachsenen fähig: In Experimenten arbeiteten sie, um einem Artgenossen einen Leckerbissen zu verschaffen – auch dann, wenn für sie selbst nichts dabei heraussprang. Schimpansen wiederum adoptieren fremden Nachwuchs und schlichten Streit in der Gruppe. Selbst Hunde haben einen primitiven Gerechtigkeitssinn, und Kojoten achten darauf, dass ein schwächerer Spielgefährte einen Startvorteil erhält.

Widerspricht die Sorge um das Wohl anderer nicht der Darwinschen Lehre, dem Daseinskampf in der Evolution? Nicht unbedingt. Computersimulationen weisen nach, dass sich unter bestimmten Voraussetzungen auch Individuen im Wettbewerb durchsetzen können, die ihr Eigeninteresse mitunter zurückstellen. Denn solche Geschöpfe sind ihren rein egoistischen Konkurrenten in einer überaus wertvollen Eigenschaft voraus: Sie können zusammenarbeiten.

Wenn Tiere beispielsweise gemeinsam für ihren Nachwuchs sorgen, können die Mütter einzeln auf Futtersuche gehen. Das verbessert den Ernährungszustand aller und ermöglicht es den Weibchen, bald wieder zu gebären. Auch sind die Familien in der Lage, untereinander Nahrungsmangel und -überschuss auszugleichen, wodurch sich die Überlebenschance aller Kinder verbessert. So übersetzt sich gemeinsame Brutpflege in evolutionären Erfolg.

Die Zusammenarbeit funktioniert allerdings nur, wenn die Tiere spezielle Fähigkeiten entwickeln: Beide Partner müssen imstande sein, die Welt mit den Augen ihres Gegenübers zu sehen. Auch müssen die Kooperationswilligen Schmarotzer entlarven, sonst beuten diese die Gutwilligen aus. Wer von anderen profitieren will, braucht also Talente wie Empathie und Gerechtigkeitssinn – Wesenszüge, die ein Individuum nicht einfach nach Bedarf an- und abschalten kann.

Eigenschaften wie Freundlichkeit, Sanftmut und Hilfsbereitschaft entstanden demnach, weil sie ihren Trägern im Konkurrenzkampf der Evolution einen Vorteil verschafften. Dennoch muss sich keineswegs jeder einzelne hingebungsvolle Akt lohnen, wie die oft etwas krude »evolutionäre Psychologie« es behauptet. Menschen springen nicht ins Wasser, um einen Ertrinkenden zu retten, weil sie irgendwann eine Gegenleistung erwarten. Der evolutionäre Vorteil liegt vielmehr darin, dass ein mit uneigennützigen Regungen begabtes Geschöpf sich meist erfolgreicher fortpflanzen wird als ein Schlawiner.

Tatsächlich zeigen sich Menschen auch im Experiment überraschend freigiebig, wenn sie keinerlei Belohnung, nicht einmal ein freundliches Lächeln als Anerkennung erwarten können. Um den Willen zur Selbstlosigkeit zu messen, erfand der deutsche Ökonom Werner Guth das sogenannte Ultimatumspiel: Einem Freiwilligen wird eine beträchtliche Summe als Geschenk angeboten. Behalten darf der glückliche Empfänger das Geld aber nur, wenn er einen Teil davon an einen unbekannten Mitspieler abgibt und dieser die Gabe akzeptiert. Wie viel er herausrückt, darf der erste Spieler selbst bestimmen.

Handelte es sich bei den Spielern um perfekte Egoisten, würde der erste so wenig anbieten wie möglich. Schließlich hat er von seinem Mitspieler nichts zu befürchten, denn die Wissenschaftler sorgen dafür, dass sich die Partner nie begegnen und noch nicht einmal wechselseitig ihre Namen erfahren. Und der zweite sollte in jede Offerte einwilligen – besser ein bisschen Geld als gar keines.

Aber fast niemand entscheidet sich so. Der Widerwille gegen schäbige Angebote ist dermaßen stark, dass die meisten zweiten Spieler empört ablehnen, sollen sie weniger als ein Viertel der Summe erhalten. Und ihr Gegenüber scheint es zu wissen: Angebote, die drastisch gegen das Gerechtigkeitsempfinden verstoßen, werden nur selten gemacht. In Gesellschaften wie der unseren teilen die meisten Spieler das Geld brüderlich, im Schnitt bekommt jeder die Hälfte.

Nur Altruismus kann erklären, warum die zweiten Spieler nicht auf jedes Angebot eingehen: Wichtiger als ihr persönlicher Gewinn ist ihnen offenbar, dass unter den Menschen halbwegs Gerechtigkeit herrscht – auch wenn sie selbst dafür Nachteile in Kauf nehmen. Der uneigennützige Wunsch nach Fairness ist so stark, dass man ein Menschengehirn massiv stören muss, um ihn vergessen zu machen. Genau das gelang einer Gruppe von Forschern um den Zürcher Ökonomen Ernst Fehr. Als sie die Köpfe ihrer Versuchspersonen mit starken Magnetfeldern bestrahlten und so die Funktion eines Zentrums im rechten Stirnhirn blockierten, brach der Egoismus sich Bahn. Mit einem Mal nahmen die Probanden auch die knickerigsten Offerten an. Ihr Gerechtigkeitsempfinden, das normalerweise die grenzenlose Gier unterdrückt, war abgeschaltet.

Kleine Kinder beißen, rauben, treten – und haben dennoch Mitgefühl

Leiden also besonders skrupellose Egoisten und notorische Glücksritter an einem Hirndefekt? Wohl nur in Extremfällen. Sicher ist hingegen, dass unsere Gene beeinflussen, wie egoistisch oder selbstlos wir handeln. Eineiige Zwillinge ähneln sich auffallend nicht nur im Ausmaß ihrer Freigiebigkeit, sondern auch darin, welche Angebote im Ultimatumspiel sie gerade noch als gerecht ansehen.

Auch das Verhalten von Kleinkindern spricht dafür, dass es tatsächlich so etwas geben könnte wie Gene für Altruismus. Eltern erleben ihre Jüngsten oft als Wesen mit zwei Naturen. Einerseits sind Kleinkinder Haudegen. Sie beißen, rauben, treten, und sei es nur, um anderen ein Spielzeug abzujagen. Die leidgeprüften Mütter und Väter wissen genau, wie schwer es fällt, einem Kind unter zwei Jahren soziales Verhalten beizubringen.

Umso erstaunlicher ist, wie mitfühlend und hilfsbereit sich diese kleinen Monster andererseits zeigen. Ein 20 Monate altes Mädchen schleppt der Mutter, die krank im Bett liegt, plötzlich seine liebsten Kuscheltiere herbei und legt sie ihr auf den Bauch. Auch sorgt sich das auf dem Spielplatz gewaltbereite Kind rührend um ein schreiendes Baby.

Solchen Altruismus der Kleinsten untersuchten Felix Warneken und Michael Tomasello am Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. Beispielsweise ließen sie 18 Monate alte Jungen und Mädchen beobachten, wie sich ein Erwachsener mit vollen Händen damit mühte, eine angelehnte Schranktür zu öffnen. Fast immer ließen die Kinder ihr Spielzeug im Stich und stießen die Tür auf. Und offenbar taten sie es nicht aus Freude daran, Schränke zu öffnen. Denn wenn sie sahen, dass der Erwachsene die Sache auch selbst machen konnte, blieben sie bei ihrem Spiel.

Auch schien der Wunsch nach Belohnung nicht wichtig. Im Gegenteil: Als die Forscher dazu übergingen, die Hilfeleistung einiger ihrer kleinen Versuchspersonen mit einem aufregenden Spielzeug zu bezahlen, waren diese Kinder bald weniger zuvorkommend als andere, die nie etwas bekommen hatten. Und schließlich verhielten sich Kleinkinder in allen Kulturen auf die gleiche Weise, so wie sie auch überall zu gehen und zu sprechen lernen. All dies spricht für Tomasello dafür, dass die Neigung zur Hilfeleistung uns angeboren, nicht anerzogen ist.


Die Bereitschaft, zu teilen, und der Gerechtigkeitssinn entwickeln sich später – mit etwa fünf Jahren. In seinen Experimenten dazu verteilte der Zürcher Ökonom Fehr an Kinder verschiedenen Alters Gummibärchen und Smarties; diese konnten sie, wenn sie wollten, mit anderen Kindern teilen. Dabei waren die Empfänger weder im Raum, noch konnten diese sich später bei den Spendern revanchieren. Unter solchen Bedingungen waren Dreijährige kaum bereit, Süßigkeiten herauszurücken. Von den Sechsjährigen dagegen gab immerhin schon ein Viertel etwas ab. Und von den Achtjährigen teilten 45 Prozent ihre Schätze. Eine ähnliche Quote stellt man auch unter Erwachsenen fest.

Allerdings hängt die Bereitschaft, zu teilen, viel stärker von den Umständen und den Gepflogenheiten einer Kultur ab als der spontane Entschluss, anderen zu helfen. Im Handelsraum einer Börse würde wohl selbst ein Mahatma Gandhi keine anderen als die eigenen Interessen verfolgen. So lautet die entscheidende Frage: In welchem Umfeld gedeiht die Gier, in welchem der Gerechtigkeitssinn?

Die Antwort suchte der US-Anthropologe Joseph Henrich in den entlegensten Winkeln der Welt. Für die größte Vergleichsstudie über den Egoismus der Völker erhoben seine Mitarbeiter Daten bei Studenten in Los Angeles, Tokyo, Jerusalem und auf der indonesischen Insel Java. Sie reisten zu ostafrikanischen Bauern und mongolischen Hirten, besuchten die Ureinwohner in den chilenischen Anden und am peruanischen Amazonas. Nur aus einem Dorf im Urwald Papua-Neuguineas mussten die Forscher unverrichteter Dinge abziehen, nachdem eine Frau das Experiment zu einem »Werk des Satans« erklärt und die Eindringlinge mit einem gezückten Messer bedroht hatte.

Überall ließen die Wissenschaftler ihre Probanden an einem Ultimatumspiel teilnehmen, bei dem stets eine Summe von zwei Tageslöhnen zu verteilen stand. Und überall zeigten sich die Menschen bemerkenswert freigiebig. In allen Industrieländern und auch in den Städten der Entwicklungsländer gab der eine dem anderen im Schnitt die Hälfte ab. Bei Stammesvölkern hingegen schwankte der Betrag, den beide Seiten als gerecht empfanden.

Die großzügigsten Menschen der Erde sind dieser Studie zufolge die Lamalera, Walfänger in Indonesien, die ihren Mitspielern regelmäßig fast zwei Drittel des Geschenks anboten. Am wenigsten freigiebig zeigte sich ein Volk namens Machiguenga im Regenwald Perus. Es streicht drei Viertel der Summe selbst ein, was die Mitspieler als völlig korrekt empfinden. Kein Volk jedoch benahm sich so, wie die traditionelle Wirtschaftswissenschaft es vorhergesagt hätte. Selbst die Machiguenga sind noch weit davon entfernt, reine Egoisten zu sein. So tief ist der soziale Instinkt in allen Menschen verwurzelt.

Doch was lässt nun die Lamalera so extrem großzügig handeln, und warum sind ausgerechnet die Machiguenga so knickrig? Um die Unterschiede zwischen den Völkern zu erklären, prüften Henrich und seine Kollegen alle möglichen Hypothesen von der Einwohnerzahl der Ansiedlungen über die Gesellschaftsform bis hin zur Fähigkeit der Menschen, ein Geheimnis für sich zu bewahren. Nichts davon taugte als Erklärung. Fündig wurden die Forscher erst, als sie untersuchten, in welchem Maß die Menschen in den einzelnen Kulturen miteinander handeln und mit anderen außerhalb des eigenen Clans zusammenarbeiten.

Die Machiguenga sind Individualisten. Jede Familie lebt für sich und weiß kaum etwas von den Freuden und Sorgen der anderen. Zu den raren Gelegenheiten, bei denen sich die Mitglieder verschiedener Clans treffen, gehört das Fischen. Gemeinsam versperren die Indianer Flüsse mit einem Damm und vergiften das Wasser; sobald aber die toten Fische an der Oberfläche treiben, rennt jeder los und versucht, so viel Beute wie möglich zu ergattern. Keiner stört sich an dem wenig sozialen Verhalten.

Die Lamalera hingegen würden verhungern, zeigten sie sich ähnlich eigennützig. Der steile Vulkanfels unter ihren Dörfern bietet kaum Ackerland, und zum Walfang müssen von Anfang bis Ende alle zusammenhalten. Ihre mit Rudern und Palmsegeln angetriebenen Boote fahren in der Flotte aus. Jedes einzelne ist mit mindestens neun Mann besetzt. Nicht immer kann der Kapitän Rücksicht darauf nehmen, dass alle demselben Clan angehören, denn er braucht erfahrene Seeleute. Nur wenn Steuermann, Harpuniere und Matrosen präzise zusammenarbeiten, können sie den Wal stellen. Oft genug kentert bei der Jagd eines der Boote. Dann kommen die anderen zu Hilfe. Ist die Beute gefangen, wird das Fleisch nicht nur unter allen Besatzungsmitgliedern aufgeteilt, sondern auch die Bootsbauer und Segelmacher an Land bekommen ihre Ration nach einem genau ausgeklügelten Schlüssel ab. Wer die Regeln verletzt, wird von der Jagd ausgeschlossen und muss während des Banns hungern.

Offensichtlich ist es die unterschiedliche Lebensweise, die Menschen in Stammesgesellschaften hier großzügig, dort engherzig macht. Die Lamalera sind freigiebig, weil sie von Kindestagen an lernen, wie sehr sie einander brauchen. Die Machiguenga hingegen machen diese Erfahrung in weit geringerem Maß, denn im Urwald Perus muss jede Familie sich selbst ernähren. Generell stellte sich beim Vergleich auch der anderen Völker heraus, dass Menschen umso bereitwilliger teilen, je mehr sie auf Personen jenseits der Familie angewiesen sind – entweder weil sie mit ihnen Geschäfte machen oder weil ihr Lebensunterhalt von der Kooperation in der Gruppe abhängt. Notwendigkeit macht Menschen altruistisch.

Und umgekehrt war altruistisches Verhalten nie so notwendig wie heute. Nie zuvor haben Menschen so viel und über Kontinente hinweg gehandelt, haben sie so viel Austausch gepflegt und gemeinsam versucht, weltumspannende Probleme zu lösen, wie in unserer globalisierten und vernetzten Welt. Nie zuvor war jeder Einzelne so sehr von anderen, oft weit entfernten Menschen abhängig.

Umso wichtiger erscheint es, die Anlagen zu Großzügigkeit und Kooperationsbereitschaft zu fördern, statt egoistisches Verhalten zu begünstigen. Menschen setzen sich am bereitwilligsten für das Gemeinwohl ein, wenn sie wissen, wie sehr sie aufeinander angewiesen sind: Daher könnten Unternehmen in ihrem eigenen langfristigen Interesse gut beraten sein, statt in üppige Boni eher in ein gedeihliches Betriebsklima zu investieren. Und in der Politik mag es sich auszahlen, nicht nur auf Selbstverantwortung zu setzen, sondern auch die Solidarität in der Gesellschaft zu stärken, so wie es US-Präsident Obama mit seiner Gesundheitsreform derzeit versucht.

Selbstloses Verhalten ist nicht überlegt, sondern emotional gesteuert

Bloße Appelle an Moral und Gewissen dürften hingegen wenig fruchten. Schließlich belegen die neuen neurobiologischen Erkenntnisse, dass selbstloses Verhalten nicht so sehr bewusster Überlegung entspringt, sondern stark emotional gesteuert ist.

Auch Wesley Autreys Heldentat in der New Yorker U-Bahn legte ein eindrucksvolles Zeugnis ab von den Kräften jenseits der Vernunft, die Menschen füreinander einstehen lassen. Hätte sich Autrey bewusst entschieden, den Gestürzten vom Gleis zu retten, wäre er sicher nicht rechtzeitig vor dem Zug zur Stelle gewesen. Während nämlich die evolutionär alten Schaltungen in unserem Gehirn rasch Emotionen und Handlungen auslösen, arbeitet das Denken viel langsamer. So wie ein bedrohtes Tier instinktiv flieht, ließ vermutlich ein automatisches Programm Autrey zu Hilfe eilen.

Letztlich rühren Ereignisse wie das U-Bahn-Drama noch an weit tiefgründigere Fragen nach der Natur des Menschen. Denn sie deuten darauf hin, dass die Grenzen unseres Ichs viel weniger fest gefügt sind, als wir glauben. Davon ist jedenfalls Donald Pfaff überzeugt, der an der New Yorker Rockefeller-Universität die hirnphysiologischen Grundlagen des Altruismus erforscht. In bedrohlichen Situationen, aber auch in Momenten freudiger Erregung könne, so Pfaff, die sonst so deutlich erlebte Trennung zwischen »ich« und »den anderen« verschwimmen. Bisweilen würde sich diese Grenze sogar auflösen. So betrachtet hätte Autrey den Zug, der auf den Gestürzten zuraste, unwillentlich als Bedrohung für sich selbst wahrgenommen – und einfach so gehandelt, als müsste er seine eigene Haut retten.


Altruismus und Egoismus galten von jeher als unvereinbare Gegenpole des menschlichen Handelns. Im Licht der neuen Erkenntnisse aber stellt sich heraus, wie sehr beide einander bedingen und brauchen. Wenn Altruisten die eigenen Interessen vergessen, gehen sie unter; reine Egoisten allerdings sind in der Regel auch nicht lange erfolgreich. Darum würde man den menschlichen Empfindungen und fast all unseren Handlungen nicht gerecht, erklärte man sie allein durch Eigennutz oder aber ausschließlich durch die Sorge um andere. Oft ist nicht einmal klar auszumachen, wo die eigenen Belange aufhören und fremde beginnen. »Mitgefühl ist weder altruistisch noch eigennützig«, so hat es der amerikanische Neuroökonom Paul Zak formuliert. »In Wirklichkeit zeigt diese Regung, wie sehr wir gelegentlich die Bedeutung des Individuums überschätzen.«

Mitarbeit: Alexandra Rigos




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"Die Erlösung kann nicht verdient, nur empfangen werden, - darum ist sie die Erlösung". -

"Es ist alles Illusion, - was nicht aus mir selber spricht,
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#5

RE: Interpretiere

in Lichtwelt: 09.02.2010 11:58
von Atlan • Nexar | 14.588 Beiträge

Aus: http://www.zeno.org/Philosophie/M/Voltai...oralischen+Welt

Voltaire
Ueber das Gute und das Böse in der physischen und in der moralischen Welt
(Bien)

[17] Wir stehen hier bei einer der schwierigsten und wichtigsten Fragen. Sie umfaßt das ganze menschliche Leben. Weit wichtiger wär' es freilich, ein Heilmittel gegen unsere Uebel zu finden, allein es giebt keine, und wir sind leider auf das traurige Geschäft angewiesen, ihrem Ursprunge nachzuforschen. Ueber diesen Ursprung hat man seit Zoroaster und allem Anschein nach seit noch längerer Zeit [18] gestritten. Um diesen Mischmasch von Gutem und Bösem zu erklären, ersann man zwei Grundwesen, Oromazes, den Urheber des Lichts, und Arimanes, den Urheber der Finsterniß; ferner die Büchse der Pandora, die beiden Fässer des Zeus, Eva's verbotenen Apfelbiß und so manche andere Systeme der Art. Der berühmte Bayle, unser erster Dialektiker, dabei aber nicht eben unser größter Philosoph, hat hinlänglich dargethan, wie schwer es den Christen, die nur einen und zwar einen guten und gerechten Gott verehren, werden muß, die Einwürfe der Manichäer, die zwei Götter, einen guten und einen bösen, annahmen, genügend zu widerlegen.

So alt das System der Manichäer auch sein mag, so ist es darum doch seinem Wesen nach um nichts vernünftiger. Man müßte mathematische Lehrsätze construirt haben, um den Satz zu wagen: »Es giebt zwei nothwendige, höchste Wesen, beide unendlich und eins so mächtig, wie das andere, die sich einander bekriegt und sich endlich dahin vereinigt haben, daß über diesen kleinen Planeten das eine die Schätze seiner Güte, das andere den Schlund seiner Bosheit ausgießen soll.« Vergebens suchen sie durch diese Hypothese die Ursache des Guten und des Bösen zu erklären. Eher erreicht diesen Zweck noch die Fabel des Prometheus. Allein jede Hypothese, die uns dazu dient, über etwas Rede zu stehen, und die nicht überdies auf bestimmten Grundprincipien beruht, ist verwerflich.

Abgesehen von der Offenbarung, in Folge deren man Alles glauben muß, erklären die christlichen Lehrer den Ursprung des Guten und des Bösen nicht besser, als die Anhänger Zoroaster's.

Sobald sie sagen, Gott ist ein zärtlicher Vater, ein gerechter Herrscher; sobald sie mit jener Liebe und Güte, [19] mit dieser ihnen bekannten Gerechtigkeit nach menschlichem Maßstabe den Begriff der Unendlichkeit verbinden wollen, gerathen sie in die entsetzlichsten Widersprüche. Wie konnte dieser Herrscher mit der unendlichen Fülle der Gerechtigkeit nach unsern Begriffen, dieser Vater voll unendlicher Zärtlichkeit für seine Kinder, wie konnte dies unendlich mächtige Wesen Geschöpfe nach seinem Bilde ins Dasein rufen, um sie einen Augenblick darauf von einem bösartigen Wesen in Versuchung führen, um sie in der Versuchung unterliegen, um sie, die er doch unsterblich geschaffen, sterben zu lassen, um endlich ihre Nachkommenschaft mit Elend und Verbrechen zu überhäufen? Wir reden hier nicht von einem andern Widerspruch, der unserer schwachen Vernunft noch empörender erscheint. Wie kann Gott, der doch später das Menschengeschlecht durch den Tod seines einzigen Sohnes erlöst, oder der vielmehr, selbst zum Menschen geworden, für die Menschen stirbt, wie kann er, sag' ich, eben jenes Menschengeschlecht, für das er gestorben, fast ohne Ausnahme dem Schrecken ewiger Qualen preisgeben? Gewiß, betrachten wir dies System nur aus philosophischem Gesichtspunkte (ohne Beihülfe des Glaubens), so ist kaum etwas Entsetzlicheres und Abscheulicheres denkbar. Es macht Gott entweder zur Bosheit selbst, und zwar zur unendlichen Bosheit, die denkende Wesen geschaffen, um sie ewig unglücklich zu machen, oder zur Ohnmacht und Blödsinnigkeit selbst, die das Unglück ihrer Geschöpfe weder vorher zu sehen, noch zu verhüten vermocht. Wir haben es hier aber nicht mit dem ewigen Unglück zu thun, sondern nur mit dem Guten und Bösen, was wir hienieden erfahren. Kein einziger Lehrer so vieler Kirchen, die über diesen Punkt sämmtlich mit einander im Kampfe liegen, hat niemals einen Weisen zu überzeugen vermocht.

[20] Man begreift nicht, wie Bayle, der doch die Waffen der Dialektik mit so großer Kraft und Gewandtheit zu handhaben wußte, sich damit begnügen konnte, einen Manichäer, einen Calvinisten, einen Molinisten und einen Socinianer argumentiren zu lassen. (Man sehe im Bayle die Artikel Manichäer, Marcionisten und Paulicianer.) Warum läßt er nicht einen vernünftigen Menschen reden? Warum spricht er selbst, Bayle, nicht in eigner Person? Er würde sich weit besser über das ausgesprochen haben, was wir jetzt zu erörtern versuchen wollen.

Ein Vater, der seine Kinder tödtet, ist ein Ungeheuer. Ein König, der seine Unterthanen in die Falle gehen läßt, um einen Vorwand zu haben, sie zu bestrafen, ist ein fluchwürdiger Tyrann. Setzt ihr nun bei Gott dieselbe Güte voraus, die ihr von einem Vater, dieselbe Gerechtigkeit, die ihr von einem König fordert, so ist jeder Ausweg, euern Gott zu rechtfertigen, abgeschnitten; und verleiht ihr ihm unendliche Weisheit und Güte, so macht ihr ihn dadurch nur unendlich verhaßt. Ihr erregt den Wunsch, es möge kein Gott vorhanden sein; ihr gebt den Gottesleugner Waffen in die Hände, und dieser wird immer berechtigt sein, euch zu sagen: Es ist besser, gar keine Gottheit anzunehmen, als ihr gerade ein solches Verhalten aufzubürden, wie ihr es bei den Menschen strafen würdet.

Laßt uns also vor Allem einräumen: Es ziemt uns nicht, Gott menschliche Attribute beizulegen, es ziemt uns nicht, Gott nach unserm Bilde zu schaffen. Menschliche Gerechtigkeit, menschliche Güte, menschliche Weisheit, das Alles läßt sich unmöglich auf ihn übertragen. Mag man immerhin diesen Eigenschaften eine unendliche Ausdehnung geben wollen, immer bleiben es nur menschliche Eigenschaften,[21] deren Grenzen wir erweitern. Es ist nicht anders, als wollten wir Gott unendliche Dichtigkeit, unendliche Bewegung, unendliche Ründung, unendliche Theilbarkeit beilegen. Diese Attribute können einmal nicht die seinen sein.

Die Philosophie lehrt uns, daß diese Welt ihre Einrichtung von einem unbegreiflichen, ewigen, durch seine eigne Natur bestehenden Wesen empfangen haben muß; aber, wie gesagt, die Natur giebt uns keine Auskunft über die Attribute dieser Natur. Wir wissen, was es nicht ist, nicht aber, was es ist.

Für Gott giebt es nichts Gutes oder Böses, weder physisches noch moralisches.

Was ist das physische Uebel? Das größte aller Uebel ist unstreitig der Tod. Wir wollen jetzt sehen, ob der Mensch möglicher Weise unsterblich hätte sein können.

Sollte ein Körper, wie der unsrige, unauflöslich und unvergänglich sein, so dürfte er nicht aus Theilen bestehen; er dürfte nicht geboren werden, dürfte keine Nahrung zu sich nehmen können, dürfte keines Wachsthums und keiner Veränderung fähig sein. Man prüfe alle diese Fragen, die jeder Leser willkürlich ausdehnen kann, und man wird inne werden, daß der Satz, der Mensch könne unsterblich sein, einen Widerspruch enthält.

Wäre unser organischer Körper unsterblich, so würde der der Thiere es auch sein. Nun liegt aber am Tage, daß alsdann der Erdball so viele Geschöpfe gar bald nicht mehr würde ernähren können. Diese unsterblichen Wesen, die nur vermittelst der Erneuerung ihres Körpers durch die Nahrung fortleben, würden also aus Mangel an Stoff zu dieser Erneuerung umkommen. Das Alles ist ein Gewebe von Widersprüchen. Es ließe sich noch weit mehr [22] hierüber sagen; allein jeder richtig denkende Leser sieht ein, daß der Tod für alles Geborne unerläßlich war, daß er weder ein Irrthum Gottes, noch ein Uebel, noch eine Ungerechtigkeit, noch eine Züchtigung des Menschen sein kann.

Geboren um zu sterben, kann der Mensch so wenig den Schmerzen, als dem Tode entgehen. Sollte eine organische, mit Gefühl begabte Substanz nie Schmerz empfinden, so müßten sich erst alle Naturgesetze ändern; so dürfte die Materie nicht mehr theilbar sein, es dürfte weder Schwere, noch Bewegung, noch Kraft mehr geben, ein Felsblock müßte auf ein Thier fallen können, ohne es zu zerschmettern, es dürfte weder durch das Wasser erstickt, noch durchs Feuer verbrannt werden können. Ein für den Schmerz fühlloser Mensch wäre also ein eben so contradictorischer Begriff, als ein unsterblicher Mensch.

Das Gefühl des Schmerzes war nothwendig, um uns das Gesetz der Selbsterhaltung einzuschärfen und uns so viel angenehme Empfindungen zu verschaffen, als die allgemeinen Gesetze, denen Alles unterworfen ist, gestatten.

Empfänden wir keinen Schmerz, so würden wir uns alle Augenblicke verwunden, ohne es zu fühlen. Ohne den Anfang des Schmerzes würden wir keine Verrichtung des Lebens vollziehen, wir würden es keinem Andern mittheilen, wir würden kein Vergnügen kennen. Der Hunger ist ein beginnender Schmerz, der uns veranlaßt, Nahrung zu uns zu nehmen; die Langeweile ein Schmerz, der uns zwingt, uns zu beschäftigen; die Liebe ein Bedürfniß, das schmerzlich wird, wenn wir es nicht befriedigen. Kurz, jeder Wunsch ist ein Bedürfniß, ein beginnender Schmerz. Der Schmerz ist also die erste Triebfeder aller thierischen Handlungen. Jedes gefühlbegabte Thier muß dem Schmerz [23] unterworfen sein, wenn die Materie theilbar ist. Der Schmerz war demnach so nothwendig wie der Tod. Er kann also weder ein Irrthum der Vorsehung, noch eine Bosheit, noch eine Strafe sein. Hätten wir nur die Thiere leiden sehen, so würden wir die Natur nicht anklagen. Wären wir, selbst gefühllos, Zeugen des langsamen und schmerzhaften Todes der Tauben, auf die ein Sperber herabschießt, um nach seiner Bequemlichkeit ihre Eingeweide zu verzehren, und damit nichts Andres zu thun, als was wir selbst thun, so würde es uns nicht einfallen, darüber zu murren. Mit welchem Rechte aber sollen unsere Körper vor dem der Thiere etwas voraus haben und nicht wie diese zerrissen werden können? Etwa weil wir ihnen an Einsicht überlegen sind? Was hat aber hier die Einsicht mit einer theilbaren Materie zu schaffen? Müssen oder können einige Begriffe mehr oder weniger in einem Hirnschädel hindern, daß das Feuer uns verbrennt und daß ein Felsen uns zerschmettert?

Das moralische Uebel, worüber man so viele Bände geschrieben, fällt im Grunde mit dem physischen völlig zusammen. Dies moralische Uebel ist weiter nichts als ein schmerzhaftes Gefühl, das ein organisches Wesen dem andern verursacht. Räuberei, Beschimpfung etc. können nur für ein Uebel gelten, insofern sie ein solches verursachen. Da wir nun aber sicherlich Gott nichts Böses zufügen können, so zeigt uns die Vernunft (abgesehen vom Glauben, der ganz etwas Anderes ist) auf das sonnenklarste, daß es in Beziehung auf das höchste Wesen kein moralisches Uebel geben kann.

Da das größte aller physischen Uebel der Tod ist, so ist jedenfalls das größte moralische Uebel der Krieg. Er zieht alle Verbrechen nach sich: Schmähungen und Verleumdungen in den Kriegserklärungen, Treubruch in den [24] Verträgen, Raub und Verheerung, Schmerz und Tod in allen Gestalten.

Das Alles ist ein physisches Uebel für den Menschen, in Beziehung auf Gott aber sicher so wenig ein moralisches Uebel, wie die Wuth der Hunde, die sich untereinander herumbeißen. Es ist ein eben so falscher, als schwacher Gemeinplatz, zu sagen, nur die Menschen erwürgten einander. Die Wölfe, Hunde, Katzen, Hähne, Wachteln etc. liegen unter sich, unter ihrer eigenen Gattung im Kampfe; die Buschspinnen fressen einander auf; fast bei allen Thieren schlagen sich die Männchen um den Besitz der Weibchen. Dieser Krieg ist die Folge der Naturgesetze, der im Blute liegenden Dispositionen; Alles steht im Zusammenhange mit einander, Alles ist nothwendig.

Die Natur gab dem Menschen, Eins ins Andere gerechnet, ungefähr 22 Lebensjahre, das will sagen: von 1000 Kindern, die in einem Monat geboren werden, sterben die einen in der Wiege, andere leben bis zum 30., wieder andere bis zum 50., einige bis zum 80. Jahre, so daß sich, wenn man nun die Durchschnittsrechnung macht, für jeden etwa 22 Jahre ergeben.

Was ist nun wohl Gott daran gelegen, ob man im Kriege fällt oder an einem hitzigen Fieber stirbt? Der Krieg rafft weniger Menschen hinweg als die Blattern. Die Plage des Kriegs ist vorübergehend, die der Blattern dagegen herrscht beständig auf der ganzen Erde; und alle Plagen sind so combinirt, daß jene Durchschnittssumme von 22 Lebensjahren im Allgemeinen als stehend gelten kann.

Der Mensch beleidigt Gott, indem er seinen Nächsten tödtet, sprecht ihr. Wenn das ist, so sind die Regierer der Nationen entsetzliche Verbrecher; denn aus erbärmlichem Eigennutz, um nichtswürdiger Interessen willen, die sie [25] lieber aufgeben sollten, liefern sie eine unsägliche Menge von Ihresgleichen an die Schlachtbank und rufen obendrein Gott dabei an. Allein wie sollten sie (philosophisch gesprochen) Gott dadurch beleidigen? Wie die Tiger und Krokodile ihn beleidigen. Offenbar ist es nicht Gott, den sie quälen, sondern ihr Nächster. Nur dem Menschen gegenüber kann der Mensch schuldig sein. Ein Straßenräuber kann Gott nicht bestehlen. Was liegt dem ewigen Wesen daran, ob eine Handvoll gelben Metalls in Hieronymus' oder Bonaventura's Händen ist? Wir haben nothwendige Wünsche, nothwendige Leidenschaften, nothwendige Gesetze, um sie zu unterdrücken; und während wir uns auf unserm Ameisenhaufen um einen Strohhalm zanken, geht das Universum seinen Gang nach ewigen und unwandelbaren Gesetzen, denen auch das Atom, was wir Erde nennen, unter worfen ist.
Quelle:
Kandid oder die beste Welt. Von Voltaire. Leipzig 1844, S. 17-25.



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#6

RE: Interpretiere

in Lichtwelt: 09.02.2010 12:05
von Atlan • Nexar | 14.588 Beiträge

Aus: http://www.textlog.de/33447.html


Sechstes Kapitel,
"Der Wille und das Gute":

Was den Willen betrifft, so wurde bereits gesagt, dass er auf den Zweck geht. Doch meinen die einen, er gehe auf das Gute, die anderen, er gehe auf das gut Scheinende. Für die, welche das Gute als Gegenstand des Wollens bezeichnen, folgt aber dann, dass das, was jemand will, der nicht richtig wählt, nicht als gewollt gelten kann – denn wäre es gewollt, so wäre es auch gut, und doch wäre es unter Umständen schlecht –; dagegen für die, denen das gut Scheinende Gegenstand des Wollens ist, folgt, dass der Gegenstand des Wollens nicht von Natur ein solcher ist, sondern dass es für jeden dasjenige ist, was ihm so scheint. Das ist aber bei dem einen dies, bei dem anderen ist es das, und unter Umständen das Gegenteil vom ersten.

Wenn dieses also keinen Beifall findet, soll man da nicht sagen, schlechthin und in Wahrheit sei das Gute Gegenstand des Wollens, für den Einzelnen aber das ihm gut Scheinende? Für den Tugendhaften also sei es das in Wahrheit Gute, für den Schlechten aber jedes Beliebige, grade wie in Bezug auf den Körper denen, die sich wohl befinden, dasjenige gesund ist, was es in Wahrheit ist, dagegen den Kranken etwas anderes; und ähnlich ist es auch mit dem Bittern und Süßen, dem Warmen, dem Schweren u. s. w. Der Tugendhafte nämlich urteilt über alles und jedes richtig und findet in allem und jedem das wahrhaft Gute heraus. Denn für jeden Habitus gibt es ein eigenes Gutes und Lustbringendes, und das ist vielleicht des Tugendhaften unterscheidendster Vorzug, dass er in jedem Ding das Wahre sieht und gleichsam die Regel und das Maß dafür ist. Die Menge aber wird durch die Lust betrogen, die ein Gut scheint, ohne es zu sein. (1113b) Darum wählen sie die Lust, als sei sie ein Gut, und fliehen den Schmerz, als sei er ein Übel.



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#7

RE: Interpretiere

in Lichtwelt: 09.02.2010 12:10
von Atlan • Nexar | 14.588 Beiträge

Das Böse, das Gute, die Politik
Rede am Symposium des Lucerne Festival zum Thema «Verführung»

Die Verführung als Thema einer Rede liess mich spontan an Willhelm Reich denken, an Elias Canetti, „Masse und Macht“, an....

Meine Damen und Herren,

Sie wissen genau: Das ist geschwindelt. Beim Wort Verführung dachte ich zunächst an etwas Erotisches, das ich jetzt allerdings im Detail nicht preisgeben kann. Es sind ja auch Medien anwesend. Ich schätze allerdings, es gebe auch einige Wenige unter Ihnen, die bei Verführung zunächst an Erotisches denken. Dazu gehören auch die Werber, die das Sujet für die Musikfestwochen in Luzern schufen, den auftauenden Apfel. Gemeint ist offensichtlich der Apfel von Eva und Adam. Dieser hat allerdings mit Erotik gar nicht so viel zu tun, sondern kam ursprünglich vom Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen. Eva pflückte ihn verbotenerweise und bot ihn Adam an. Diesem wurde er zu heiss, weshalb er ihn in einer Tiefkühltruhe versorgte. Von dort holten ihn die Werber hervor und druckten ihn auf das Programmheft und die Plakate des Lucerne Festivals. Dort schmilzt er seither dahin und verführt zum Besuch der Musikfestwochen.

Deren Musik verführt ihrerseits. Ihre Saiten sprechen Seiten in uns an, die wir im Alltag zupanzern, wecken Emotionen, die der gebotene Diskurs unserer angeblich rationalen Politik nicht zulässt, regen an zu Phantasien, die das gesittete Leben durcheinander bringen könnten und darum rasch wieder tiefgekühlt werden müssen, wenn der Beifall zum Konzert verklungen ist.

Warum scheuen wir uns eigentlich, dazu zu stehen, dass wir uns gerne verführen lassen?

Führen

Geht es um das Gegenstück der Verführung, nämlich um Führung, sieht das ganz anders aus:

Wer für eine Exekutive kandidiert, muss sich seiner Führungsqualitäten rühmen, die er in der Wirtschaft, im Sport oder im Militär erworben hat. Sonst bleibt er chancenlos. Mütter, die in die Politik einsteigen wollen, müssen verzweifelt schildern, wie Kindererziehung und die Führung eines Haushaltes ebenso harte Führungsarbeit sei wie die Leitung eines Artillerieregimentes oder die Betreuung einer erschöpften Fussballmannschaft. Aktive Führung wird verlangt. Sie ist ein positives Markenzeichen. Führungsschwäche dagegen ist wohl einer der furchtbarsten Makel, die sich ein Politiker vorwerfen lassen muss.

Eigentlich ist das merkwürdig in einer Demokratie, und erst recht in einer direkten Demokratie, wo doch das Volk und nicht der Politiker der Souverän ist. Braucht ein Souverän Führer? Das letzte Wort hat doch das Volk, betreffe dies nun den UNO-Beitritt oder die Höhe der Kehrichtgebühren. Die Politiker sollen einen möglichen Weg vorbereiten, Kompromisse suchen an runden Tischen, mit Vernehmlassungen, sie sollen technische Fragen aufarbeiten, den Weg zeigen, der ihrer Meinung nach zu gehen ist. Aber ob dieser Weg dann auch beschritten wird, entscheidet das Volk. Die Führungsarbeit beschränkt sich auf die Rodungsarbeiten, die Zubereitung des Pfades. Führen heisst in der Politik meist nicht in erster Linie entscheiden. Die Entscheidung fällt der Souverän.

Einen Weg suchen heisst allerdings auch, die Richtung bestimmen. „Richtung“ und „richtig“ sind die selben Wörter und das zeigt schon die Gefahr, welche mit „führen“ verbunden ist. Wissen denn diejenigen, die führen, den richtigen Weg? Oder massen sie sich da etwas an?

Dennoch, Führungsarbeit muss geleistet werden. Niemand, der Mühe hätte mit Führung als Prinzip in der Politik.

Verführen

Wie aber steht es mit der Verführung? Um zu ihr zu stehen, braucht es doch einige rechtfertigende Anläufe.

Der Brockhaus definiert die Verführung kurz und bündig als eine kriminelle Tat.

Der Duden ist etwas differenzierter, weist aber dennoch vorwiegend auf ihren pejorativen Gehalt. Sie bestehe darin, jemanden zu etwas Unklugem, Unrechtem oder Unerlaubtem zu bringen.

Der negative Beigeschmack von „verführen“ entspricht anderen Wörtern mit der Vorsilbe „ver“, also sich versprechen, verdrehen, (verkehren sage ich als Verkehrsminister besser nicht, sonst verstimme ich wieder einige...). Es wird damit ein falscher Gebrauch ausgedrückt. Verführen hiesse also schlecht führen, falsch führen.

Wen wundert es da, dass es keinen Politiker gibt, der von sich sagen würde, er wolle und könne seine Wähler und Wählerinnen verführen.

Und dennoch: Es gibt, wie überall, auch in der Politik Verführer und Verführte:

Wie immer bei negativ besetzten Eigenschaften entdecken wir sie zunächst bei den anderen, ich zum Beispiel bei den „Populisten“.

Böse Verführer: Die Populisten

An sie geht der Vorwurf, das Volk zu verführen.

Populismus ist genau gesehen eine Erscheinung der gegenseitigen Verführung: Der Populist lässt sich durch eine Stimmung „im Volke“ verführen, nimmt dessen unartikulierte Wünsche und Verwünschungen auf, formuliert sie zu eigenen Parolen und lässt sich dann tragen von den begeisterten Massen. Er verleiht denjenigen eine Sprache, die ihre Gefühle nicht ausdrücken können, spricht aus, was gefühlt wird, und verführt so seinerseits wiederum „das Volk“, indem er dieses glauben lässt, es gäbe in der Tat einfache Lösungen für komplexe Probleme und er, der Verführer, kenne sie. Er verschweigt oder verdrängt, dass seine Lösung nicht machbar ist, er unterdrückt die ganze Wahrheit zu Gunsten der halben Wahrheit, die bequemer und billiger ist. Er hat mit diesem Vorgehen Erfolg und so kann sich „das Volk“ wiederum mit dem Starken und Erfolgreichen identifizieren. Verführer und Verführte teilen sich den narzisstischen Gewinn.

Sich auf das Volk zu berufen, sollte ja eigentlich nicht negativ sein. Populismus hat dennoch einen negativen Beigeschmack, wohl deshalb, weil der Populist sich ständig auf das Volk beruft, ja, ihm und seiner bereits festgelegten Meinung hinterher rennt. Der Populist will nur dorthin führen, wo er annimmt, das Volk befinde sich bereits. Und das ist nicht Führung, sondern Anpassung. Derjenige, der führt, riskiert im Gegensatz zum Populisten Unpopularität, weil sein Ziel unter Umständen nicht identisch ist mit demjenigen „des Volkes“ und er darum viel Ueberzeugungsarbeit leisten muss.

Doch wer ist „das Volk“?

Zwischenfrage: Wer ist den eigentlich „das Volk“? Gehört der Verführer auch zum Volk? Ganz alle gehören ja nicht dazu. Die Linken und Netten jedenfalls nicht. Die Milliardäre? Die Kunstschaffenden? Und die Ausländer? Gehören die Politiker dazu? Oder gehören die zur classe politique?

Diese Fragen zeigen, dass etwas nicht aufgeht, wenn man sich auf „das Volk“ beruft. Offenbar gibt es da doch einen Graben zwischen Volk und Verführer, zwischen populus und Populist.

Dieses Volk sind offenbar nicht die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger, nicht der Souverän in unserer Demokratie, sondern blosse Legitimationsbasis für die Verführer und zugleich die verführte Masse.

Gibt es gute Verführer?

Weil Verführung immer etwas Doppeldeutiges an sich hat, versuchte ich auch ein positives Beispiel zu finden. Als guter Verführer kam mir dabei spontan der Bundesrat in den Sinn und das folgende Beispiel:

Militärgesetzvorlage 2001. Abstimmungsgetöse. Die Rechte war dagegen, ein kleiner Teil der Linken ebenfalls. Als sozialdemokratischer Bundespräsident wandte ich mich gegen die diffamierende Kampagne der Rechten und setzte die Kampagne mit der Nein - Parole gleich. Ich errichtete der zweifelnden Linken so eine moralische Barriere, für die Vorlage zu stimmen, weil sie sich sonst im Lager der (rechten) Gegner befunden hätte. Der Appell war aber eine verführerische Verkürzung, denn die linken Gegner führten eine eigene Kampagne.

Diese Intervention scheint für die knappe Annahme der Vorlage entscheidend gewesen zu sein, eine Verführung zu einem, wie ich meine, richtigen und guten Resultat also. Das wurde allerdings heftig als unstatthafte Manipulation angeprangert. Wäre es eine Manipulation gewesen, wäre das Vorgehen verwerflich, weil der Manipulator sein Gegenüber als Manövriermasse betrachtet. Der Verführer jedoch sieht in ihm einen Spielpartner. Als Partner habe ich vor einem Jahr die Linke auch betrachtet, welche im Begriff war, sich in das falsche Bett zu legen.

Eine Manipulation ist das also nicht gewesen. War es eine Verführung? Ein Verführer bringt ja sein „Opfer“ definitionsgemäss zu etwas Unerlaubtem, Verwerflichem. Kann denn ein Politiker aus seiner eigenen Sicht ein Verführer sein? Er selber hat ja nie ein unmoralisches Ziel – das sehen nur seine Gegner so. Allenfalls gesteht er, eine List anzuwenden. Die List gehört ja seit je zur Auszeichnung eines guten Generals. Warum sollte sie also nicht auch einen guten Politiker auszeichnen?

Die aktive Verführung erfolgt in aller Regel intuitiv, im Glauben, für die eigene gute Sache alle Register, auch die emotionalen, ziehen zu dürfen, um dem Guten zum Durchbruch zu verhelfen. Vielleicht auch deswegen bezeichnet sich kaum einer als Verführer, sondern versteht sich als Führer mit einem legitimen Anspruch.

Professionelle Verführer: PR-Berater

Dennoch gibt es die professionellen Verführer, die auf ihre Arbeit stolz sind: PR-Profis, Werbeagenturen, die in Zusammenarbeit mit Meinungsforschern ausklügeln, welche Saiten gezupft werden müssen, damit sich die Resonanz einstellt.

In wenigen Tagen stimmen wir über das Elektrizitätsmarktgesetz (EMG) ab. Meinungsforscher haben herausgefunden, dass die meisten Leute empfänglich sind für folgende Argumente: Wir brauchen eine geordnete Marktöffnung, müssen der Wirtschaft helfen, die Konsumenten schützen und umweltfreundlichen Strom fördern. Entsprechend habe ich meine Referate aufgebaut.

Ich ersuche bei dieser Gelegenheit auch Sie um ein Ja, denn wie sonst haben Sie die Garantie, dass künftig bei geöffneten Märkten genügend Strom für die Mikrophone, welche Reden und Musik verstärken, vorhanden ist? Das EMG ist – genau gesehen - hauptsächlich ein Kulturförderungsgesetz! (.... so jedenfalls würde mir wohl eine PR-Agentur raten, vor einem Publikum von Musikliebhabern und Rednern zu argumentieren....)

Verführt werden

Verführung als solche ist kaum Gegenstand tagespolitischer Diskussionen, ausser eben als Straftatbestand oder in Zusammenhang mit Radio- und Fernsehwerbung: Gegen sie wurde im Parlament argumentiert, sie verführe und solle daher nicht oder nur in engsten Grenzen zugelassen werden. Sie verleite zu Bedürfnissen, die die verführten KonsumentInnen im Grunde genommen gar nicht hätten.

Diese Argumentation, Werbung schaffe künstlich Bedürfnisse und verführe jemanden dazu, Dinge zu konsumieren, die er eigentlich gar nicht wolle, übersieht die Bereitschaft der Menschen, sich Suggestionen hinzugeben, den Erfahrungshorizont auszureizen, etwas Neues kennen zu lernen, kurz, sich verführen zu lassen. Es gibt die Bereitschaft, sich einen Weg zum schnellen Geld ebnern zu lassen mit Visionen der besonderen Art. Geld und Reichtum sind verführerische Kräfte, welche dazu verleiten können, die üblichen Normen unserer Existenz zu überschreiten. Aber da gehören auch Essen und Trinken, Schönheit und Anerkennung, Eitelkeit und Geltungsdrang dazu. Ohne sie wäre unser Leben arm und reizlos, auch wenn all dies zur Sucht werden und die Menschen zerfressen kann.

Jede Verführung spricht etwas in uns an, das uns fehlt, eine Sehnsucht, einen Traum, den wir gerne verwirklichen möchten, eine Grenze, die wir überschreiten möchten. Das kann auch eine Utopie sein. Grenzen zu sprengen, die Grenzen zwischen Volk und Aristokratie, die Grenzen der Apartheid, des eisernen Vorhanges, das waren zunächst Visionen, zu denen kritische politische Anführer verführt haben, denn das jeweils herrschende System erlaubte nicht, diese Grenzen in Frage zu stellen.

Verführung ist in diesem Sinne auch die Chance der Veränderung, der Hoffnung, des Aufbruches.

Kopf und Bauch

Dennoch – vielleicht deswegen - zeigt sich in der Politik eine grosse Reserve gegenüber allem Verführerischen. Schon gar nicht akzeptiert ist verführerische Werbung durch den Staat. Er hat aufzuklären, doch verführen darf er nicht. Er soll nicht in die Tasten der Gefühlsklaviatur greifen. Das zeigte sich damals auch an den empörten Reaktionen gegen meine Intervention beim Militärgesetz.

Ich halte diese Reserviertheit gegenüber emotionaler Ueberzeugungsarbeit nicht für angebracht. Sie geht davon aus, der Mensch funktioniere hauptsächlich nach Kriterien des Verstandes. Diese Ueberbewertung der vermeintlichen Rationalität in der Politik erlebten wir schon bei der Diskussion um das Frauenstimmrecht: Die Frauen, so wurde befürchtet, könnten sich bei Wahlen und Abstimmungen „bloss“ emotional verhalten - im Gegensatz zu den Männern, welche selbstverständlich nach rein sachlichen Kriterien handeln.

Es ist kein Ideal, sich nur gerade von der Ratio leiten zu lassen. Guillotine und Rassengesetze sind auch mit ihr begründet worden. Politische Diskussionen, Vertragsverhandlungen in der Wirtschaft oder zwischenmenschliche Auseinandersetzungen erfolgen vordergründig zwar argumentativ, also rational, sind aber in Tat und Wahrheit immer auch von Glaubensüberzeugungen und Ideologien überlappt.

Der Mensch, und da gehören die Männer auch dazu, besteht aber aus Bauch und aus Kopf, aus Gefühl und Verstand, gleichgültig ob er einkaufe oder politisiere. Die Ueberbewertung der Rationalität in der Politik ist eindimensional, beschränkt, einäugig. Es gibt nicht nur den rationalen Diskurs mit These, Antithese und Synthese. Das Leben ist keine Geometriestunde und die Politik schon gar nicht. Es gibt auch die Rationalität der Emotionen, und es gibt die Vernunft des Herzens, wie Pascal es ausdrückte. Le coeur a ses raisons que la raison ne connaît point.

Der Politiker muss also rational denken und handeln, darf den Kopf nicht verlieren, soll aber seine Emotionen wahrnehmen, zu ihnen stehen, sie auch berücksichtigen. Aber wenn er eine Sache umsetzt, dann weder allein auf der Basis der Sachlogik noch allein gemäss der Logik des Herzens, sondern im Zusammenspiel aller Kräfte.

Verführung, Narzissmus, Abhängigkeit

Das ist nicht leicht, denn es bedeutet, der Verführung zu widerstehen, populär zu entscheiden und geliebt zu werden.

Was in der Erotik schön und angenehm ist, kann in Politik und Wirtschaft gefährlich werden. Das beginnt zunächst im Kleinen, bei uns selber, bei den Sorgen um uns und unser Image:

Wie wirke ich? Es ist gerichtlich verboten zu vermuten, des Kanzlers Haare seien gefärbt. Die NZZ schrieb, die meinen seien geföhnt. Soll ich die Wiederholung dieser unwahren Ungeheuerlichkeit verbieten lassen? Wie würde das wohl wirken?

Wie trete ich auf? Wie kleide ich mich? Ich gebe zu: Die Kleider- und Krawattenwahl für einen Auftritt in der Arena nimmt mir mehr Zeit als die inhaltliche Vorbereitung.

Wie gewinne ich die Zuhörer? Welche Worte wähle ich für welches Publikum? Wie weit darf der Versuch gehen, die Sprache und das Denken des Zuhörers zu erahnen, damit ich mit ihm eine gemeinsame Ebene für den Dialog finde? Wo beginnt die Anbiederung, die Unterwerfung, indem ich ihm nach dem Munde rede? Die „captatio benevolentiae“ war schon bei den alten Römern nur erlaubt als Einstieg, als Türöffnung in den Raum der Zuhörer, nicht aber als Unterwerfung.

Die Gefahr des Narzissmus, die Abhängigkeit des Politikers vom Mainstream ist erst der Anfang. Sie führt zwangsläufig zu weiteren Abhängigkeiten und in letzter Konsequenz zur Korruption, zunächst zu einer moralischen, später oft zu einer strafrechtlichen. Denken wir an die Berater, die Rasputine von Verwaltungsräten und Behördenmitgliedern, denken wir an Gefälligkeiten gegenüber Medien, um sie bei Laune zu halten, und denken wir an das Umgekehrte, an Gefälligkeiten von Medien gegenüber Politikern, um zu einer Indiskretion zu gelangen. Das kann korruptive, ja mafiöse Ausmasse annehmen.

Doch die rigide Forderung nach gesellschaftlichen Verhältnissen ohne Elemente der Verführung wäre eine Verkennung des homo politicus, der condition humaine. So findet sich denn der Politiker immer wieder in einem eng geflochtenen Gewebe gegenseitiger Verführung.

Der ethische Diskurs um die Verführung dreht sich um ihr Ziel und den Weg dazu

Wir sind nun einige Kurven gefahren von bösen über gute zu professionellen Verführern. Ist jetzt Verführung eigentlich legitim oder nicht?

Zunächst ist Verführung ein Faktum. Wir verführen und wir lassen uns verführen. Ob wir das als negativ oder positiv empfinden, hängt einerseits von unserer Bewertung des Zieles der Verführung ab und zudem vom Weg, welcher eingeschlagen wird und den Mitteln, die benützt werden. Es gibt legitime, zweifelhafte und verwerfliche Wege. Wo ist die Grenze zwischen einer List und einer Manipulation? Wann kippt Charme in Nötigung? Das Wort Verführung meint meist beides, und deswegen oszilliert dieser Begriff, schwingt er hin und her zwischen legitim und illegitim. Verführung spielt an den Grenzen dessen, was den Menschen als erlaubt und von den überlieferten Normen her als richtig und tunlich erscheint. Wer sich mit Verführung befasst, muss sich darum mit Unterscheidungen, Grenzziehungen und Grenzüberschreitungen befassen.

Wohin führen? Zu was verführen? Gut und Böse

Eine der grundlegenden Unterscheidungen – so alt wie die Menschheit – ist der Unterschied zwischen Gut und Böse, der ethische Diskurs also.

Die Geschichte unserer Kultur beginnt mit dem Paradies, dann mit einer Verführung, dann mit dem Sündenfall. Seither suchen wir unaufhörlich, aber erfolglos nach der Erkenntnis zwischen Gut und Böse.

Schon in der Tagespolitik gibt es den Unterschied zwischen Gut und Böse.

Kampagnen erfolgen im Namen des Guten gegen das Böse, die Antiraucherkampagne oder der Kampf gegen Drogenkonsum. Alle Sucht, alle Laster sind von Bösem. (Als Verkehrsminister kann ich das verstehen: Ich denke natürlich auch sehr viel an die bösen Laster auf der Strasse und möchte sie alle auf die gute Schiene bringen...)

Es gibt die gute SVP in Bern, die böse in Zürich, wobei das in der Zürcher SVP umgekehrt gesehen wird. Der Tagesanzeiger warf der SP im Zusammenhang mit ihrer Stellungnahme zum Börsencrash vor, für sie, die SP, seien die Kleinen immer die Guten und die Grossen immer die Bösen, egal, was sie tun. Wer für das EMG einsteht, ist in den Augen der Gegner „kein richtiger, kein reiner Sozi“ mehr (also böse).

Das mögen harmlose Kleinigkeiten sein, die an Don Camillo und Peppone erinnern. Sie können jedoch zu Glaubensgefechten ausarten und von da zu den eigentlichen Glaubenskriegen führt ein direkter Weg:

Die „Achse des Bösen“

Nordkorea, Irak und der Iran bilden gemäss Bush eine „Achse des Bösen“. Tony Blair findet das auch. Ronald Reagan nannte früher die Sowjetunion ein „Imperium des Bösen“. Bush und Reagan haben sich öffentlich zum Christentum bekannt, und beide folgten einer bestimmten Interpretation der christlichen Sündenlehre. Sie legt ihnen einen unerbittlichen, ja gnadenlosen Kampf zwischen Gut und Böse nahe. Der amerikanische Film (von dem her Reagan kam), vom klassischen Western bis zum „Krieg der Sterne“, baut auf diesem Gegensatz von Gut und Böse auf und gipfelt regelmässig in der unausweichlichen Konfrontation zwischen dem guten Helden und den Mächten der Finsternis. Diese Ideologie verfolgt den Anspruch, das Gute habe zu siegen. Sie bestärkt die Krieger mental, möglichst bedingungslos an das Gute zu glauben.

Sie gibt die reine Lehre vor, die Reinheit des Guten, das wir anstreben sollen. Wer vom Bösen befallen ist, muss von einem Exorzisten behandelt werden, auch er eine beliebte Filmfigur in Hollywood.

Im Zusammenhang mit der Achse des Bösen ist von neuen Kreuzzügen gesprochen worden, ausgerechnet von einem Europäer, von Berlusconi. Wieder wollen Ritter ohne Furcht und Tadel die Welt erlösen von allem Bösen.

Einmal abgesehen davon, dass diese Kreuzzüge schon einmal verloren wurden: Lehren uns die Erfahrungen mit den Religionskriegen nicht, dass Kreuzzüge grundsätzlich verwerflich sind? All die Religionskriege brachten und bringen bis heute unendlich viel Leid und konnten kaum je von innen heraus, von religiösen Führern, überwunden werden. Meist haben erst politische Herrscher sie beendet, Politiker, die Toleranz aushandelten oder verordneten, etwa 1598 im Edikt von Nantes nach dem Hugenottenkrieg, oder 1648 im Westfälischen Frieden nach 30-jährigem Krieg.

Mauer oder Krieg

Der bedingungslose Glaube an das Gute und der Anspruch, auf der guten Seite zu sein, führen entweder zu einer Mauer zwischen Gut und Böse - oder zum Krieg.

Der Gute und der Böse spielen nicht miteinander Schach und anerkennen keine Spielregeln. Sie tauschen auch nicht die tieferen Gründe miteinander aus, warum sie je auf der einen oder anderen Seite, genauer, warum sie beide auf der guten Seite zu sein glauben. Jeder ist auf der guten Seite. Jeder ortet das Böse auf der anderen Seite, den Alkohol und die sexuelle Freizügigkeit, die andere Gesellschaftsordnung, den anderen Glauben. Jeder glaubt an das Gute.

Mit dem Glauben hat denn auch der Unterschied zwischen Gut und Böse sehr viel zu tun.

Es war das bedingungslose „Entweder – Oder“ zwischen Sozialismus und Kapitalismus, welches zum eisernen Vorhang und zur Berliner Mauer führte. Ein Zaun wird derzeit im Nahen Osten errichtet.

Es war die Glaubensfrage zwischen Christen und Moslems, und innerhalb der Christen zwischen orthodoxen Serben und katholischen Kroaten, die zum Krieg auf dem Balkan führte. Es ist dieser heilige Glaube, welcher stets zu ausweglosen Feindschaften, zum Krieg und Gewalt führt, der Glaube, jemand, eine Religion, eine Weltanschauung, eine Politik sei ausschliesslich böse und die andere sei ausschliesslich gut. Es gibt Leute, in deren Köpfe brennt ein heiliger Scheiterhaufen, der ständig auf Opfer wartet. Sie wollen kein Gespräch, sondern nur deklarieren. Wenn der Gesprächspartner ihnen nicht beipflichtet oder ihrem Glauben nicht beitritt, ist er böse, unwert. Solch fromm-verblendeter Fanatismus betrachtet Menschen als Werkzeuge, als Instrumente, als Transportmittel für Selbstmordanschläge. Dort, wo der Mensch als Mittel zum Zweck eingesetzt wird, haben alle Totalitarismen ihre Wurzeln, und zwar in allen Kulturen. Das ist der gemeinsame Nenner von Fundamentalismus, Rassismus und Nationalismus.

Wenn es heute schon beinah antiamerikanisch, also böse ist, Kyoto zu erwähnen, oder wenn es als verdächtig gilt, historische Zusammenhänge aufzuzeigen oder auf die Verteilung des Reichtums in der Welt hinzuweisen, wenn als pazifistisch abqualifiziert wird, wer statt von einem gerechten Krieg gegen den Irak lieber von einem gerechten Frieden im nahen Osten spricht, so nähern wir uns wieder jenem bedingungslosen Entweder - Oder.

Das Böse ist im Guten und das Gute im Bösen

Wissen wir, was das Gute ist, was das Böse ist? Gibt es die scharfe Trennung?

Vom Bösen ist auch im Guten und vom Guten ist im Bösen, denn in uns Menschen gibt es das Gute nicht absolut und auch das Böse existiert nicht in Reinkultur. Es gibt auch, wie Mephisto sich ausdrückte, jene Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft. Und es gibt auch die Bereitschaft, sich von der anderen Seite, - also meist vom Bösen, denn wer steht nicht zunächst mal auf der guten Seite? – faszinieren, beeinflussen zu lassen. Coca-Cola Werbung stellt in den Augen fundamentalistischer Islamisten eine verführerische Gefahr dar. Nur Stunden nach dem Fall der Zwillingstürme in New York waren erste Bin-Laden Witze im Internet anzutreffen. Und wie ist es mit den heimlichen Phantasien, worin denn die angekündigten neuen Terroranschläge Bin Ladens gegen die USA bestehen könnten? Sympathy for the devil!

„Liebe deine Feinde!“ Heisst das nicht: Versuche, dich hineinzudenken, hineinzufühlen in die Situation der anderen, zu begreifen, warum sie so denken und fühlen?

Wenn wir von einem Dialog der Kulturen sprechen und ihn ernsthaft führen wollen, müssen wir auch anerkennen, dass in anderen Kulturen andere Werte gelten. Zum Beispiel wird der Mensch in asiatischen Kulturen nicht in erster Linie als ein Fordernder, der Rechte hat, begriffen - sondern als einer, der zunächst in der Schuld der Gemeinschaft steht und eine Pflicht zu erbringen hat. Das ist etwas radikal anderes, als wenn wir unseren Individualismus mit der Aufforderung relativieren: „Fragt nicht nur, was euch der Staat bringen muss, sondern, was ihr ihm bringen könnt.“

Wir sollten solche Unterschiede zunächst einmal zu erahnen und dann zu begreifen versuchen, bevor wir uns in Belehrungen ergehen. Diese werden nämlich bald einmal imperativ und dann imperialistisch. Und nicht selten versteigen sie sich am Ende zur Anmassung, zur Anmassung von Dingen und Entscheidungen, die unsere nicht sind. Der Apfel von Adam und Eva steht nicht für Erotik oder Sex, sondern für Anmassung.

Wer das Böse ausrottet, rottet die Freiheit aus

Die angemasste Erkenntnis von Gut und Böse verführt dazu, sich als Herren über Gut und Böse zu fühlen, Götter zu spielen.

Der Kampf gegen das Böse ist die gefährliche Verführung gut gemeinter Politik. Der verheerendste Glaube ist, es sei gut, das Böse ausrotten zu wollen. Das Böse ausrotten wollen, heisst in letzter Konsequenz, die Freiheit auszurotten.

Diese Erkenntnis, die Warnung davor, Richter über Böse und Gut zu spielen, ist nicht gleich zu setzen mit einem pazifistischen Appell gegen Terrorismusbekämpfung. So wie die damalige NATO-Intervention im Balkan sehr wohl moralisch zu legitimieren war, ist der Kampf gegen Terror auch eine Notwendigkeit für Menschlichkeit in allen Kulturen und Religionen. Ein „Kampf gegen das Böse“ mit seiner absoluten moralischen Motivation und Ueberheblichkeit ist jedoch etwas anderes und hat auch andere Konsequenzen.

Nicht die reine Güte wollen wir anstreben, weil wir es nicht können, sondern zu unserer Unvollkommenheit stehen, müssen wir. Wir sind unserem Wesen nach fehlerhaft und müssen daher fehlerfreundlich sein. Wir können das Gute nicht erreichen; wir müssen uns mit dem Besseren begnügen. Diese Erkenntnis könnte zumindest eine Voraussetzung für Frieden sein.

In das Paradies gelangen wir nicht mehr. Der Apfel ist gepflückt. Aber wenn wir uns dem paradiesischen Frieden wenigstens nähern wollen, sollten wir den Apfel vom Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen wieder zurück in die Tiefkühltruhe legen.

Es bleibt uns die Gewissheit, dass er von dort ja doch wieder herausgeholt wird. Denn ewig bleibt

- die Verführung.



. - Was Du aufdeckst, - offenbart sich . -

"Die Erlösung kann nicht verdient, nur empfangen werden, - darum ist sie die Erlösung". -

"Es ist alles Illusion, - was nicht aus mir selber spricht,
- denn es ist ein Zusatz, - dieses Eine nicht". -

http://adamonstasy.weebly.com/
zuletzt bearbeitet 18.10.2014 23:25 | nach oben springen
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#8

RE: Interpretiere

in Lichtwelt: 09.02.2010 12:12
von Atlan • Nexar | 14.588 Beiträge

Darüberhinausreichende Einblicke in "das Gute":

"Die Metaphysik und das Gute":
http://books.google.at/books?id=0Jb1pKG_...page&q=&f=false


"Werden wir nicht müde, das Gute zu tun":
http://www.zenit.org/article-17474?l=german

- Verwebe zu: topic.php?id=896



Dateianlage:
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"Die Erlösung kann nicht verdient, nur empfangen werden, - darum ist sie die Erlösung". -

"Es ist alles Illusion, - was nicht aus mir selber spricht,
- denn es ist ein Zusatz, - dieses Eine nicht". -

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zuletzt bearbeitet 19.10.2014 01:22 | nach oben springen
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