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#1

C.G. Jung:

in Die psychologische Interpretation: 29.04.2010 21:53
von Adamon • Nexar | 14.588 Beiträge

Aus: http://www.theologie-vision.eu/bewusst/jung1.htm

C. G. Jung unterscheidet in "Psychologische Typen" vier Bewusstseinsfunktionen, nämlich Denken, Fühlen, Empfindung und Intuition. Bei jedem Menschen dominiert in der ersten Lebenshälfte eine der vier Funktionen. Mit der dominierenden Funktion richtet sich der Mensch im Leben ein. C. G. Jung nennt sie "superiore Bewusstseinsfunktion". Diese wird unterstützt durch eine auxiliäre Funktion. Die beiden anderen Funktionen sind mehr oder weniger unbewusst. Sie bilden daher die unbewusste Disposition zu den beiden bewussten Funktionen und werden minore Funktionen genannt.

C. G. Jung unterscheidet zwischen wertenden und wahrnehmenden Bewusstseinsfunktionen. Wertend sind Denken und Fühlen. Denken wertet in Begriffen richtig und falsch, Fühlen nach "angenehm" und "unangenehm". Demgegenüber werten Empfindung und Intuition nicht sondern nehmen wahr. Die Empfindung nimmt mit den Sinnesorganen die Welt wahr wie sie ist, die Intuition die verborgenen Möglichkeiten, die in den Dingen liegen.


Nun ein Wort zu "Empfindung" für den Wirklichkeitssinn. Während Denken, Fühlen und Intuition soweit verstehbar sind, scheint mir der Begriff "Empfindung" erklärungsbedürftig. Für mich hat "Empfindung" eher etwas mit Fühlen zu tun als mit "Wahrnehmen". Deshalb benenne ich die Empfindung mit dem Begriff Wahrnehmung.

Jolande Jacobi zeigt am chinesischen Symbol Yin und Yang die Übergänge von der superioren über die auxiliären zur minoren Funktion. Als Beispiel nimmt sie einen Denker, dem sie Intuition als auxiliäre Funktion zuordnet. Das ist durchaus möglich, doch für meine Aufsätze ist die Wahrnehmung die auxiliäre Funktion zum Denken.

C. G. Jung unterscheidet aber nicht nur unter vier Bewusstseinsfunktionen sondern auch zwischen zwei Bewusstseins-Einstellungen, zwischen Extraversion und Introversion. Der extravertierte Mensch orientiert sich in erster Linie an der Aussenwelt, an den äußeren Bedingungen und Normen, am Zeitgeist, an dem, was gerade "in" ist, der introvertierte Mensch primär an seinen psychischen Bedingungen, an seiner Innenwelt mit ihren Bildern und Symbolen. Daraus ergibt sich eine differenzierte Klassifizierung in

extravertiertem Denken


extravertiertem Fühlen


extravertierter Empfindung


extravertierter Intuition

introvertiertem Denken


introvertiertem Fühlen


introvertierter Empfindung


introvertierter Intuition

Zu jedem Typ hat C. G. Jung im Buch "Psychologische Typen", Gesammelte Werke Band 7 einen Aufsatz geschrieben.

Es ist üblich, "Denken" mit "extravertiertem Denken" gleichzusetzen, "Empfindung" mit "extravertierter Empfindung", "Intuition" mit "introvertierter Intuition" und Fühlen mit "introvertiertem Fühlen". Doch was soll ich unter einem "introvertierten Denken" vorstellen? Ist es nicht ein Denker der Visionen? Ein Denker, der in einer Audition die Gottheit zu hören glaubt? Aus der Bibel kennen wir den Propheten Ezechiel. Eine moderne introvertierte Denkerin ist die Physikerin Maria Mayer. Sie entdeckte die Zahlenverhältnisse im Atom durch unbewusste Eingebung.

Weiter kann man sich fragen, wie sieht der introvertierter Empfindungstyp aus? C. G. umschreibt ihn wie folgt:

Auch das Empfinden, das seinem ganzen Wesen nach auf das Objekt und den objektiven Reiz angewiesen ist, unterliegt in der introvertierten Einstellung einer beträchtlichen Veränderung. Auch es hat einen subjektiven Faktor, denn neben dem Objekt, das empfunden wird, steht ein Subjekt, welches empfindet und welches dem objektiven Reiz seine subjektive Disposition beiträgt. ... Wenn z.B. mehrere Maler eine und dieselbe Landschaft malen mit der Bemühung, dieselbe getreu wiederzugeben, so wird doch jedes Gemälde vom andern verschieden sein, nicht etwa bloss vermöge eines mehr oder minder entwickelten Könnens, sondern hauptsächlich infolge eines verschiedenen Sehens, ja es wird an einigen Gemälden sogar eine ausgesprochenen psychische Verschiedenheit in der Stimmungslage und Bewegung von Farbe und Figur zutage treten. Diese Eigenschaften verraten ein mehr oder weniger starkes Mitwirken des subjektiven Faktors (GW VI, S. 428).

Als ich mich vor Jahren intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt habe, habe ich introvertierte "Empfindung" als das Erfassen des durchschnittlichen Erfahrungswertes der Menschheit begriffen. Dabei habe ich festgestellt, dass viele alttestamentliche Texte nach diesem Muster sind. Denn grundsätzlich wenden sich die Redaktoren dieser Texte gegen die mystischen Vorstellungen ihrer Umwelt und orientieren sich am allgemeinen Erfahrungsgut der Beduinen, die ihre Vorfahren gewesen sein sollen. Dieses Erfahrungsgut wird durch das patriarchalische Denken neu geordnet. Denn so wie ich die Bibel lese, waren die Beduinen, die sich zum altisraelitischen Stämmebund zusammenschlossen, matrilokal strukturiert. Das alte matrilokale System schimmert immer wieder durch die alttestamentlichen Texte. Die Autoren des Alten Testament bogen das matrilokal geprägte beduinische Erfahrungsgut ihrem patriarchalen Denken um.

Unsere modernen Exegeten fahren auf dem gleichen Geleise wie ihre alttestamentlichen Kollegen: Patriarchat sei einst das vorherrschende beduinische System gewesen, heisst es da und alle matrizentristischen Abweichungen werden notdürftig als Sonderfall des Patriarchats interpretiert. Als Beispiel möchte ich auf das freizügige Verhalten der Sunamitin in II. Könige 4 in meinem Aufsatz zu Römer 3,24-26 hinweisen.

In der jungschen Psychologie lässt sich nun weiterfragen, was ist unter extravertierter Intuition und extravertiertem Fühlen zu verstehen? Die extravertierte Intuition erfasst in einem Gegenstand, zum Beispiel in einem Bild, die symbolische Bedeutung, die ihm innewohnt. Wenn ich etwa in Salvador Dalis Bild "Weiche Konstruktionen mit gekochten Bohnen (Vorahnungen des Bürgerkrieges 1936)" betrachte und darin den Durchschnittswert menschlicher Erfahrung unter dem Patriarchat, das sich symbolisch im alttestamentlichen Gott Jahwe am Sinai (Horeb) manifestiert, würde ich dies meiner extravertierten Intuition zuschreiben. Extravertiertes Fühlen seinerseits bestimmt das Verhältnis eines Menschen zu seinen Mitmenschen, zum Beispiel Mütter, die sich für das Wohl ihrer Kinder zuständig fühlen, auch wenn diese bereits das Erwachsenenalter erreicht haben.
ANMERKUNGEN

*

C. G. Jung, Psychologie der Typen, Gesammelte Werke Band VI. Definition von "Empfindung" in Gesammelte Werke, Band VI, S. 463f
*

Jolande Jacobi, Einführung in die Psychologie von C. G. Jung
*

Maria Mayer in Der Mensch und seine Symbole, hrg. von C. G. Jung, S. 307
*

Bild "C. G. Jung" aus: dreamtalk.hypermart.net

korrigiert am 9.11.02

Text und Gestaltung: Esther Keller-Stocker, Horgen (Schweiz)

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#2

RE: C.G. Jung:

in Die psychologische Interpretation: 04.05.2010 21:42
von Adamon • Nexar | 14.588 Beiträge

http://www.erhoehtesbewusstsein.de/carl-...sen-des-lebens/

Carl G. Jung – Die 4 Phasen des Lebens:

Gründlich vorbereitet machen wir den Schritt in den Nachmittag des Lebens. Schlimmer noch, wir machen diesen Schritt mit der falschen Voraussetzung dass unsere Wahrheiten und unsere Ideale uns wie bisher dienen. Aber wir können den Nachmittag des Lebens nicht leben nach dem Programm des Morgen-Lebens, was war toll am Morgen, wird am Abend wenig sein und was am Morgen wahr war, wird am Abend eine Lüge geworden sein.” Carl Gustav Jung


Nach Angaben des Schweizer Psychologen Carl Gustav Jung, gibt es 4 Archetypen, 4 Stufen, die wir während unserer Lebenszeit durchlaufen, und diese Stufen sind:
1. DIE ATHLETEN-PHASE

In dieser Phase sind wir vor allem damit beschäftigt mit unserem Aussehen, mit der Art und Weise wie unser Körper aussieht. Während dieser Phase können wir stundenlang unsere Reflektion im Spiegel anschauen und bewundern. Unser Körper, unsere Blicke ist die wichtigste Sache für uns, sonst nichts.
2. DIE KRIEGER-PHASE

Während dieser Zeit, dieser Phase, ist unser Hauptanliegen, raus zugehen und die Welt zu erobern, unser Bestes zu tun, der Beste zu sein und am besten zu werden, machen was Krieger tun, und handeln wie Krieger. Das ist eine Phase, wenn wir ständig an Wege denken, wie wir mehr werden als jeder andere, eine Stufe des Vergleichs zu erhalten, diese um uns herum zu besiegen, damit wir uns besser fühlen, da wir mehr erreicht haben, weil wir die Krieger sind, die mutigen.
3. DIE AUSSAGE PHASE

In dieser Phase deines Lebens erkennst du, was du bisher erreicht hast, ist nicht genug um dich zu erfüllen, um glücklich zu sein… Du bist jetzt auf der Suche nach Möglichkeiten, eine Veränderung in die Welt zu bringen, um denen um dich herum zu dienen. Du bist jetzt mit Möglichkeiten beschäftigt um zu geben beginnen. Du erkennst jetzt, was du bis jetzt gejagt hast, Geld, Macht, Besitz etc. wird weiter in deinem Leben erscheinen, aber du ordnest es nicht mehr dem gleichen Wert zu, du bist nicht länger an diese Dinge gebunden weil du dich in einer anderen Lebenssituation befindest, in der du weisst, dass es mehr im Leben gibt als diese Dinge. Du erhältst sie, akzeptierst sie und bist dankbar, aber du bist bereit, sie jeder Zeit loszulassen. Du suchst nach Möglichkeiten um aufzuhören, nur an dich selbst zu denken, an Möglichkeiten sie zu empfangen und anzufangen auf ein Leben des Dienstes zu fokussieren. Alles was du in dieser Phase tun möchtest ist Geben. Du weisst dass Geben, Nehmen bedeutet und es Zeit ist, aufzuhören, selbstsüchtig, egoistisch und egozentrisch zu sein und du denkst an Möglichkeiten um den Bedürftigen zu helfen, diese Welt besser zu verlassen als sie war wenn du ankamst.
4. DIE PHASE DES GEISTES

Nach Jung wird dies die letzte Etappe unseres Lebens sein, eine Phase wenn wir realisieren, dass keine dieser 3 Stufen wirklich das ist wer und was wir sind. Wir realisieren, dass wir mehr sind als unser Körper, wir sind mehr als unsere Besitztümer, mehr als unsere Freunde, unser Land und so weiter. Wir kommen zu der Erkenntnis, dass wir göttliche Wesen sind, spirituelle Wesen, die eine menschliche Erfahrung machen, und nicht Menschen, die eine spirituelle Erfahrung machen. Wir wissen jetzt, das ist nicht unser Zuhause, und wir sind nicht das, was wir dachten, wir sind. Wir sind in dieser Welt, aber wir sind nicht von ihr. Wir sind nun in der Lage, uns aus einer anderen Perspektive zu beobachten. Wir sind jetzt in der Lage, aus unserem eigenem Geist auszutreten, aus unser eigenem Körper und verstehen wer wir wirklich sind, um Dinge zu sehen wie sie sind. Wir werden zu Beobachtern unseres Lebens. Wir sind uns bewusst, dass wir nicht das sind was wir bemerken, aber dass wir der Beobachter sind, von was wir bemerken.

Vor 2500 Jahren versuchte Lao Tzu uns das zu lehren, versuchte
uns zu lehren, wie man zu dieser letzten Phase des Lebens kommt, diese spirituelle Phase: ”Kannst du von deinem eigenen Geist zurück treten und um dadurch alles zu verstehen? Gebären und ernähren, haben ohne zu besitzen, handeln ohne Erwartungen, führen und nicht versuchen zu steuern: dies ist die höchste Tugend.”

Was sind deine Gedanken zu diesen 4 Phasen des Lebens, und in welcher glaubst du, du bist?



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