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Die weisse Frau in den Ruinen:

in Geister. - 19.05.2010 23:22
von Adamon • Nexar | 14.588 Beiträge

Lehnin, Brandenburg:

In unmittelbarer Nähe der Autobahn liegt zwischen Potsdam
und Brandenburg das Kloster Lehnin mit einer kleinen Ortschaft.
In dieser seen- und waldreichen Gegend gründeten um 1180
Zisterziensermönche aus dem thüringischen Ort Sittichenbach
ihr erstes Kloster in der Mark Brandenburg.

Nach der Auflösung des Kloster 1542 verfielen die Gebäude,
jahrelang wurde die Anlage als Steinbruch genutzt.
Dennoch blieben einige Gebäude wie das Kornhaus,
das Falkonierhaus und das alte Abthaus sowie die Klosterkirche weitgehend erhalten.

Ein Diakonissen-Mutterhaus, das seit 1911 im Kloster untergebracht ist,
kümmert sich heute um die Pflege der Gebäude.

Historisch ist über das Kloster wenig verbürgt,
dafür beschäftigen sich Sagen und Legenden um so mehr
mit ihm und seiner Gründung.

Danach soll Markgraf Otto von Brandenburg,
ein Sohn Albrechts des Bären, sich nach einem ausgedehnten
Ritt durch die dichten Wälder der Mark einmal zum Ausruhen
unter einen Eichbaum gelegt haben.

Er schlief ein und träumte von einer Hirschkuh,
die ihn mit dem Geweih aufspießen wollte.

Da spannte Otto einen Pfeil in seinen Bogen und erschoß das Tier.
Als der Graf von seinem seltsamen Traum erwachte, beschloß er,
an dieser Stelle eine Burg des Glaubens zu errichten.

Denn er deutete seinen Traum als eine göttliche Vision:
die Hirschkuh war das Sinnbild für die heidnischen Wenden,
die, aus dem Osten kommend, die Mark schon lange vor
den deutschen Eindringlingen besiedelt hatten.

Bald darauf bat der Graf die Zisterziensermönche aus Sittichenbach,
an dieser unwegsamen Stelle ein Kloster zu erbauen.
Die weißgekleideten Brüder mit dem schwarzen Skapulier trafen denn
auch bald ein, und so wurde das Kloster Lehnin – Hirschkuh
heißt im Slawischen Lanye – gegründet.

Der Stumpf der Eiche, unter der Otto seinen Traum empfing,
ist übrigens noch erhalten:
Die Stufen des Altars sind aus ihm gehauen.

Forscher halten diesen verkieselten Eichenstumpf für einen
vorchristlichen Kultgegenstand aus slawischer Zeit,
der auf diese Weise gewissermaßen unschädlich gemacht werden sollte.

Die Äbte dieser ersten Zeit hatten es nicht leicht,
wie das Schicksal des ersten Abtes Sibold,
der von heidnischen Slawen erschlagen wurde, zeigt.

Von ihm wird erzählt, daß er oft in Begleitung eines Mönchs
über Land ging, um das Christentum zu predigen.

An einem heißen Sommertag wollten sie in einem Fischerhaus Rast halten,
erregten jedoch bei ihrem Eintritt solche Scheu,
daß sich alle versteckten; die Frau kroch unter einen Backtrog,
auf den sich der Abt nichtsahnend setzte.
Die Kinder aber verließen unbemerkt ihre Verstecke,
liefen zum See und erzählten ihrem Vater,
in welcher Situation sie Mutter und Abt verlassen hatten.

Dieser rief die anderen Fischer zusammen und eilte zum Dorf.
Der Abt suchte zwar sein Heil in der Flucht, wurde jedoch
durch sein Übergewicht gehindert und rettete sich auf einen Baum.

Ein verlorener Schlüsselbund verriet jedoch sein Versteck
- das tobende Volk fällte den Baum und erschlug den am Boden Liegenden.

Mord und Totschlag begleiteten das Kloster bis zu seiner Auflösung
durch die Jahrhunderte.
Dabei stand der Konflikt mit den ansässigen Slawen fast immer im Mittelpunkt.

Aber auch Prahlsucht und Liebeslust herrschten inner- und außerhalb
der klösterlichen Mauern, wie in den Chroniken zu lesen ist.

Eine märkische Sage erzählt die Geschichte von einem Edelfräulein,
das noch Jahrhunderte nach einer Tändelei mit einem armen
Klosterbruder als Weiße Frau in den Ruinen herumspuken soll.

Bald ist sie allein, bald erscheint sie am Arm eines Mönches.
Oft zeigt sie sich gar nicht, und doch bemerkt man ihre Anwesenheit
durch allerlei kleine Unfälle, zum Beispiel dadurch,
daß das Bier in der Wirtschaft sauer wird, und dergleichen mehr.


Saarbrücken, Saarland:

Das auf steil abfallendem Sandsteinfelsen gelegene spätbarocke
Schloß über dem linken Saarufer wurde mehrfach um- und nach
Zerstörung wiederaufgebaut.

Heute beherbergt es neben der Kreisverwaltung Teile des historischen Museums.
Um die ehemalige Residenz ranken sich mehrere Sagen:
Im nahen katholischen Lothringen erzählten man von einem Saarbrücker Fürsten,
der nach der Einführung der Reformation 1575 zum Luthertum
übergetreten war und die katholischen Kirchengüter für sich eingezogen hatte.

Zur Strafe konnte er nach dem Tod keine Ruhe finden:
Als man seinen Sarg aus dem Tor trug,
soll er an einem Fenster des Schlosses erschienen sein
und seinem eigenen Leichenzug nachgesehen haben.

Es heißt auch, der Teufel habe ihn geholt und sei unter
großem Gestank mit ihm im Schloß erschienen.
Sein Nachfolger machte jedoch dem Spuk ein Ende,
indem er den toten Fürsten von zwei Barfüßermönchen in ein Faß bannen ließ,
das dann im Bunte, einem Nebenarm der Saar, versenkt wurde.

Im Nordflügel des Schlosses, wo die Frauengemächer lagen,
soll sich früher eine weißgekleidete Dame gezeigt haben,
die unheimliche Rufe ausstieß.

Angeblich handelte es sich um den ruhelosen Geist einer Fürstin,
der die wechselnden Geliebten ihres Gemahls den Rang abgelaufen hatten.
Das Mätressenwesen hatte an den absolutistischen Fürstenhöfen
im Europa des 18. Jh. eine festen Platz und war durchaus
auch von politischer Bedeutung.

Für die verschmähten Ehefrauen scheint dies nicht selten bitter gewesen zu sein.

Ein Beispiel aus dem Saarland ist Fürstin Wilhelmine Sophie
Eleonore von Schwarzenberg, die erste Gattin Ludwigs von Nassau-Saarbrücken.

Dieser hatte ein Verhältnis mit der früheren Kammerzofe Katharina Kest (1753-1829),
genannt "Gänsegretel von Fechingen", die ihm sieben Kinder schenkte.
Zwecks Legalisierung ihrer Beziehung kaufte er ihr einen Adelstitel
und die Baronie Dillingen, die später zum erblichen Herzogtum erhoben wurde.

Als das einfache Bauernmädchen zur "Madame la Duchesse" aufstieg,
zog die regierende Fürstin sich 1774 in das nicht weit von Saarbrücken
entfernte Lustschloß "Monplaisir" auf dem Halberg zurück,
wo sie bis zu ihrem Tod lebte.

Dazu:
http://www.brandenburg-info.com/potsdam/f_lehnin.htm



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"Die Erlösung kann nicht verdient, nur empfangen werden, - darum ist sie die Erlösung". -

"Es ist alles Illusion, - was nicht aus mir selber spricht,
- denn es ist ein Zusatz, - dieses Eine nicht". -

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zuletzt bearbeitet 26.05.2014 00:21 | nach oben springen
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