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2000 Jahre Christentum - Pforten der Hölle:

in Die Unterwelt: 07.06.2010 23:42
von Adamon • Nexar | 13.573 Beiträge

Aus: http://www.ruhr-uni-bochum.de/relipaed/ref_VI.html

2000 Jahre Christentum – Folge 12: Pforten der Hölle

1. Ankündigung

Die Folge 12 – Pforten der Hölle wird im Klappentext als Darstellung des "Unheils"
der Kriege und Didakturen des 20. Jahrhunderts angekündigt.
Dem "verbrecherischen Staat" sollen im Sendebeitrag "Menschen mit christlichen Idealen"
gegenübergestellt werden.
Namentlich erwähnt werden sollen die Schicksale Maximilan Kolbes,
Dietrich Bonhoeffers, Edith Steins und der Weißen Rose.

Der Klappentext zeigt bereits eine grundsätzliche Struktur der Sendung auf:
Pforten der Hölle will die Rolle der Kirche und des Christentums im Ersten Weltkrieg,
in den kommunistischen und faschistischen Regimen Europas und im Zweiten Weltkrieg
chronologisch erörtern.

2. Inhalt und Struktur

2.1 Inhalt

Pforten der Hölle arbeitet, wie angekündigt, die einzelnen Themenbereiche ab
und stellt in besonderer Deutlichkeit die theologische Relevanz
der jeweiligen historischen Entwicklungen heraus.

In einem ersten Komplex beschäftigt sich der Sendebeitrag mit dem Ersten Weltkrieg.
Dabei werden die politischen und historischen Gründe dieser Entwicklung vernachlässigt.
Vielmehr steht der christliche Umgang mit der Realität im Vordergrund.
Es wird also nicht die Frage nach dem Warum, sondern primär die Frage nach dem Wie gestellt.
Wie gehen Christen mit der neuen Situation um?
Beispielhaft werden Militärgottesdienste aus dem ersten Weltkrieg
und selbstgefertigte Devotionalien gezeigt.

Ein zweiter Themenbereich beschäftigt sich mit der Oktoberrevulotion und dem Leninismus.
Um den Hass gegenüber der orthodoxen Kirche verständlich zu machen,
erklärt der Beitrag die Rolle der Orthodoxie als Machtinstrument während des Zarentums.
Es wird verdeutlicht, dass die Orthodoxie als Synonym für Machtmissbrauch zu jener Zeit steht.
Am Beispiel eines Strafgefangenlagers wird das individuelle Schicksal
des Christen während der Christenverfolgung dargestellt.

Der dritte Komplex präsentiert das Verhältnis zwischen Kirche und italienischem Faschismus.
Hierbei werden weniger individuelle Schicksale als politische
Entwicklungen in den Vordergrund gestellt.
Das Staatskonkordat zwischen P. Pius XI. und Mussolini,
sowie eine Segung nach dem Abessinienfeldzug geben Aufschluss über dieses Verhältnis.

Mit dem Thema Nationalsozialismus werden die Gegensätze
innerhalb der christlichen Haltung verdeutlicht.
Pforten der Hölle versucht die Strömungen innerhalb der Theologie darzustellen
. Dem Reichsbischof auf protestantischer Seite und dem Generalpräses
auf katholischer werden die Bekennende Kirche
und die kritische Haltung vieler Katholiken gegenüberstellt.
Der Sendebeitrag unterstreicht damit die krasse Polarisation i
nnerhalb des einen Christentums.

Mit einer weiteren Abart des Nationalismus, dem spanischen Faschismus unter Franco,
erörtert der Beitrag Zweckbündnisse zwischen Christen und Nationalisten zum Schutz der Kirche.
Gegen die kommunistische Bedrohung des Atheismus
verbündet sich die katholische Kirche Spaniens moralisch mit den Truppen Francos
und dies mit dem Segen des Vatikans, der Francos Sieg als Sieg des Katholizismus versteht.

Dieser Komplex beschäftigt sich wieder mehrheitlich mit einer politischen Ebene
und deutet das Schicksal der Christen im Bürgerkrieg nur vage an.

Das Thema Antisemitismus wird von Pforten der Hölle
abgetrennt vom Nationalsozialismus und somit gesondert behandelt.
Dabei werden sowohl politische Entwicklungen,
wie die geplante Veröffentlichung der Enzyklika Humani Generis Unitas,
als auch die Bedeutung der Massenvernichtung für einzelne Christen
wie Pater Maximilian Kolbe, ausführlich besprochen.

Der letzte Teil, der sich mit dem Zweiten Weltkrieg beschäftigt,
differenziert nicht mehr zwischen einzelnen Systemen,
sondern zeigt Entwicklungen in mehreren Ländern.
Das vorsichtige Wiedererwachen der russischen Orthodoxie
wird genauso erwähnt wie das Schicksal Dietrich Bonhoeffers
nur wenige Tage vor Ende des Krieges.
Mit den wiederkehrenden Bildern aus Hiroshima,
die auch zu Beginn der Folge zu sehen waren, schließt Pforten der Hölle
den Kreis von Krieg und Gewalt.

2.2 Die Struktur der Folge in Kürze

Themenbereich Bezug zur Theologie
Prozession und Einleitung
1. Weltkrieg Militärgottesdienste, Zeichen des Christentums als Hoffnungsträger
Oktoberrevolution und Leninismus
Rolle der orthodoxen Kirche während des Zarentums => Institutionalisierung,
Orthodoxie als Synonym für die Macht des Zaren und für das Elend im Land => Christenverfolgung
Italienischer Faschismus Staatskonkordat zwischen P. Pius XI und Mussolini

Christen kämpfen gegen Christen (Krieg in Abessinien)

Segnung der zurückkehrenden Soldaten
Nationalsozialismus Nationalsozialismus als Gegenreligion

Katholiken aufgrund preußischer Tradition eher staatskritischer als Protestanten,
aber: Rede des Generalpräses

Bekennende Kirche

Reichskonkordat zwischen P. Pius XI. und Hitler

Reichsbischof Müller als nationalsozialistischer Vorsteher einer Staatskirche
Spanischer Bürgerkrieg und Faschismus
Franco scheint die Hoffnung der spanisch katholischen Kirche
gegen den Kommunismus und Atheismus zu sein

=> P. Pius XI dankt Franco 1939 für seinen Sieg
Prozession (durchtrennt den Themenkomplex des Bürgerkriegs)
Antisemitismus in Deutschland und die Reaktion des Vatikans
geplante Enzyklika Humani Generis Unitas wird nicht veröffentlicht

der neue Papst P. Pius XII vermeidet offene Kritik an Massenvernichtung und Didaktur
=> evtl. Geheimverhandlungen zwischen dem Vatikan und Berlin?

Maximilian Kolbe tritt an die Stelle eines Familienvaters und geht für diesen in den Hungerbunker

2. Weltkrieg Stalinismus: Während des zweiten Weltkriegs erhält die Orthodoxie
der Sowjetunion wieder die Möglichkeit zur Existenz, indem sie sich zur Kriegsunterstützung
und zum Verzicht an Kritik entscheidet

In Deutschland wird der evangelische Theologe und Regimekritiker
Bonhoeffer kurz vor Ende des Krieges exekutiert

Geistlicher im zerstörten Hiroshima => Neue Perspektiven des Christentums?

2.3 Die Drehbuchstruktur gemäß den Angaben des Autors




Kapitel des Autors Entsprechung in der oben aufgeführten Struktur
1. Für Gott und Vaterland 1. Weltkrieg
2. Roter Oktober Oktoberevolution und Leninismus
3. Pakt mit dem Faschismus Italienischer Faschismus
4. Das "braune Evangelium" Nationalsozialismus
5. Spanischer Bürgerkrieg Spanischer Bürgerkrieg und Faschismus
6. Vatikan und Holocaust
7. Die Todesfabrik Antisemitismus in Deutschland und die Reaktion des Vatikans
8. Totaler Krieg
9. Die Kirche des Diktators
10. Der Untergang
11. Hoffnung und Zweifel 2. Weltkrieg

Unterschiede zu der von mir erarbeiteten Struktur lassen
sich nur im letzten Teil der Folge erkennen.
Diese gravierenden Unterschiede sind aber insofern erklärbar,
als die verfilmte Version in diesem Teil nur noch ansatzweise dem Drehbuch folgt.
Während das Drehbuch auch einen Überblick auf die Nachkriegsentwicklungen
im Christentum geben will (Katholikentage, Kirchentage, Wallfahrten),
bleiben diese Aspekte im Film außen vor.

Originaltext: Vorgesehenes Ende für Pforten der Hölle gemäß dem Drehbuch

9. Hoffnung und Zweifel

Am 6. August 1945 endet der Krieg mit einer Katastrophe
- und einem Zeichen des kommenen Zeitalters.
Über Hiroshima und Nagasaki zündet die amerikanische Armee
die ersten Atombomben.
Hunderttausende verbrennen in wenigen Sekunden verbrennen.
Von nun an ist sie technisch möglich, die Selbstvernichtung der Menschheit,
ihrer Geschichte und ihrer Zukunft. Archiv

Farbfilmmaterial einer amerikanischen Atombombenexplosion,
aus dem Abwurfflugzeug (NA NWDNM-18-CS-9550 Nagasaki Burst Color)

(dumpfes Donnergrollen)
Kirchenglocken läuten den Frieden ein.
Der Krieg ist vorbei, die Schrecken werden langsam vergehen.
Die Menschen haben lange darauf gewartet. In den Trümmern einer zerstörten Welt
suchen sie Tröstung für Verluste, Vergebung der Schuld, Mut für den Neuanfang. Archiv

Eine Kirchenglocke, nah (Deutsche Wochenschau WIF 30/7 12.45, WIF 133/7 12.47).

(O-Ton Kirchenglocke Wochenschau)
Die Kirchen finden wieder großen Zulauf. Eine Wallfahrt nach Lourdes.
Ehemalige Kriegsgefangene machen ein Gelübde wahr.
Eine katholische Frohnleichnamsprozession in Deutschland, mitten in den
Trümmern. Die Menschen haben vieles nachzuholen.
Es ist eine Zeit der großen Erwartungen
- und des Nachdenkens über das Vergangene. Archiv

Wallfahrt nach Lourdes, Wallfahrer in gestreiften Anzügen
der Kriegsgefangenen (Dt.Wochenschau WIF 70/4 9.46), 1946

Archiv

Eine Frohnleichnamsprozession in einer zerstörten Stadt
(Stadtarchiv München; alternativ Deutsche Wochenschau
WIF 59/3 6.46 "Frohnleichnamsprozession in Köln 1946").
1945 verfassen Mitglieder der Bekennenden Kirche das "Stuttgarter Schuldbekenntnis".
- "Wir klagen uns an", heißt es dort, "daß wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet,
nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben." Archiv

Pastor Niemöller spricht in Diskussion zur Kriegsschuldfrage
(Dt. Wochenschau WIF 75/4 11.46).

(evt. O-Ton Niemöller aus Wochenschau)

Der evangelische Pastor Niemöller, 1946: [ O-Ton unbekannt] .
Die Kirche wird wieder Volkskirche - so scheint es.
Die Kirchentage sind gut besucht, in der Zeit kurz nach dem Krieg. Archiv

Katholikentag in Bochum, 1949, im Hintergrund Fördertürme
(Dt.Wochenschau WIF 224/1 ).49). Kardinal Frings verliest eine Botschaft des Papstes.

(evt. O-Ton Wochenschau)
Die zerstörten Städte werden wieder aufgebaut.
Die Kirchen richten neue Strukturen auf, organisieren sich.
Aber erneuern sie auch das Christentum?
Nur wenige fragen ehrlich, wie es zu der Katastrophe kommen konnte.
Die Schuldfrage stellen nur die Unschuldigen.
Man ist zu sehr beschäftigt, mit Trümmern und Wiederaufbau,
mit Währungsreform und Wirtschaftswunder und längst schon mit dem Kalten Krieg.
Die Taten der eben vergangen Jahre werden verdrängt und weggeschoben. Archiv

Trümmerbilder aus Berlin, Wiederaufbau
(Landesbildstelle Berlin 299 "Rund um den Bahnhof Zoo" oder Deutsche Wochenschau)

Archiv

Der Wiederaufbau und die Einweihung von Kirchen
(Deutsche Wochenschau WIF 97/3 4.47 "Die zerstörte Paulskirche";
WIF 130/1 11.47 "Richtfest der Paulskirche").

Einzelne Nahaufnahmen von Arbeitern.
Eine Trauerfeier: Gedenken an die Toten des Konzentrationslagers Dachau.
Das Kreuz als Mahnmal. Ziehen die christlichen Kirchen und die Menschen darin
die Lehren aus dem Versagen der Hierarchien?
Wird das Christentum den Lasten der Vergangenheit und den Herausforderungen der Zukunft gerecht?
Wie sieht sie aus, die Gegenwart des Glaubens? Was wird die Zukunft bringen? Archiv

Messe in Dachau, ehemalige Häftlinge in gestreiften Anzügen, Weihe von KZ-Gräbern,
Trauerfeier, Kreuz als Mahnmal (WIF 240/2 1.50, NA NWDNM-111-ADC-4614
First Religious Services Dachau Germany 5.5.1945)

Abspann

3. Inhaltliche und formale Analyse

3.1 Anmerkungen zum Klappentext

Zu Beginn der Analyse möchte ich auf die Ankündigung, also den Klappentext eingehen.
Während die Folge Neue Welten von den Machern als Ausnahme in Bezug
auf das Nichtzutreffen des Klappentextes bezeichnet wird, so ist es interessant zu sehen,
dass auch Pforten der Hölle im Detail nicht korrekt angekündigt wird.
Weder Edith Stein noch die Weiße Rose werden in der Folge thematisiert,
obwohl sie im Klappentext namentlich erwähnt werden.
Das lässt vermuten, dass diese Themen aufgrund des Zeitrahmens
einer Folge ausgeklammert oder herausgeschnitten wurden.
Auch im Drehbuch zur Folge, das noch einige Variationen zum endgültigen Film
erkennen lässt, werden Edith Stein und die Weiße Rose nicht erwähnt.

3.2 Rahmenstrukturen

Mehr als fraglich ist der Sinn der die gesamte Sendereihe durchziehenden Prozessionssequenzen,
besonders weil die mittlere Sequenz in Pforten der Hölle sogar vollkommen unbegründet
den Themenkomplex des spanischen Faschismusses durchtrennt.
In keiner der drei Sequenzen dieser Folge wird etwas inhaltlich wesentliches genannt.
Stattdessen wird eine eher nebulöse Inhaltswiedergabe vorgetragen.

Die surrealistisch anmutende Prozessionsgesellschaft kann insofern nur als Denkpause
verstanden werden. Viel angemessener wirkt der Rahmen der Hiroshima-Bilder.
Die zerstörte Stadt, die sowohl zu Beginn als auch zum Ende der Episode gezeigt wird,
summiert die Gewalt des 20. Jahrhunderts und wird zum Synonym von Krieg.
Da Gewalt und Krieg den roten Faden von Pforten der Hölle bilden,
macht Hiroshima als Metapher dieses roten Fadens Sinn.

3.3 Bildmaterial und Schnitt

Pforten der Hölle ist die erste Episode, die auf Originalbildmaterial zugreifen kann.
Von diesem Umstand wurde großzügig Gebrauch gemacht.
Circa zwei Drittel der Bilder sind alten Filmen entliehen.

Originaltext: Auszug aus den Drehbuchanweisungen zum Einsatz von Bildmaterial (Beginn der Folge)

Kreuz eines Soldatengrabes (Verdun, Fort Douaumont o.ä.).
Die Kamera fährt nach oben und zieht langsam auf. Immer mehr Kreuze kommen ins Bild.
Zuletzt ein unübersehbares Meer von Kreuzen.

Archiv

Blende in: frühes laufendes Material vor 1914 (teils Amateurfilme),
Sommerszenen, beginnend mit einer Fahrt (von Tram oder Zug, ZL BA 2707
Eine Fahrt durch Wien 1912/13), dann Straßenszenen, Biergarten, geselliges Leben
, Fabriken - auf den Bildern erkennt man auch die Armut und das Elend der Zeit.
(BA, Stadtarch. MÜ, Österr. Filmarchiv)

Archiv

Bewegtes Material vom östereichischen Thronfolgerpaar,
dann schnelle Montage aus Fotos von Sarajewo (BA 1044 Sarajewo 1914
) (Pistolenschuß, dann ein Schlachtfeldgewitter)

Archiv

Erdbrocken spritzen, eine explodierende Granate (nachgestelltes Mat.),
dann Sturm aus den Schützengräben, Bilder zeigen die Verwüstung des Schlachtfelds
. (BA 3192 Ein Kampftag an der Westfront etc.)




Modernes Bildmaterial, wie das der Stadt Rom und des Vatikans, dient lediglich der Auffütterung.
Auch der Einsatz computergestützter Animationen ist verhältnismäßig gering.
Lediglich die Positionen des russischen Lagers und Abessiniens werden
auf virtuellen Karten verdeutlicht. Auf nachgestellte Spielszenen wurde wohl
aufgrund des reichen Originalmaterials in Gänze verzichtet.

Die teils minderwertige "Schnittregie" der frühen Filme hat direkten Einfluss auf die Ruhe
oder besser Unruhe der einzelnen Szenen.
Nur selten werden solche Szenen ohne mehrere Schnitte gezeigt.
Ruhende Bilder sind nur selten zu sehen.
Der Beitrag macht sich diesen Umstand jedoch auch zu Nutze,
indem er diese schnellen Schnitte zur Dokumentation hektischer Kriegsszenen
(siehe Erster Weltkrieg) benutzt.

3.4 Sprache und Musik

Über eigentlich die gesamte Sendung dominiert die Stimme eines einzigen Erzählers.
Obwohl drei Männer und eine Frau als Sprecher in dieser Episode tätig sind,
kann nicht von einem wirklichen Sprecherwechsel gesprochen werden.
Lediglich einige wenige Zitate werden von anderen Männerstimmen übernommen,
nur die Prozessionssequenzen werden von der weiblichen Stimme moderiert.
Die Mischung aus zumeist Originalbildmaterial und stetig-monotoner
Erzählerstimme wirkt ermüdend. Auch die fast minütig-wiederkehrende
rhetorische Frage wirkt wenig auflockernd.

Originaltext: Katalog rhetorischer Fragen (aus dem Drehbuch zur Folge)

"Bilder aus Rußland um 1910: Bilder wie aus dem Mittelalter.
Was bleibt den Menschen, außer dem Glauben?"

"Bilder aus dem Leben der Kirchen - zur Zeit der Machtergreifung
. Ein Treffen evangelischer Jugendverbände:
Wer könnte sie noch von der Hitlerjugend unterscheiden?"

"Der "Führer" liebt den pseudosakralen Schwulst.
Der Nationalsozialismus als Gegenkirche. Was wird hier verehrt?"

"Rom, der Vatikan. Was sagt der Papst zum offensichtlichen Unrecht?
Nach eigenem Verständnis ist er die höchste moralische Instanz der katholischen Christenheit?
Muß er jetzt nicht seine Stimme erheben und den Widerstand stärken?"

"Hitlers scheinbarer Erfolg überwältigt auch viele Regimegegner.
Darf man sein Land kritisieren, wenn es im Krieg steht?"

"Den Toten setzen die Überlebenden Kreuze auf die frischen Gräber.
Ist das alles, was von der christlichen Gesinnung geblieben ist?
Denken sie nicht darüber nach, was sie tun?"

"Mitten in Zerstörung und Verfolgung sind Gottesdienste wieder möglich.
Der Patriarch zelebriert die Messe. Darf die Kirche mit einem Staat kollaborieren
, der Menschen verfolgt?"

"Die zerstörten Städte werden wieder aufgebaut. Die Kirchen richten neue Strukturen auf,
organisieren sich. Aber erneuern sie auch das Christentum?"

Diese Fragen, die mit provokanter Intonation vorgetragen,
journalistisch kritisch wirken sollen, sind einer objektiven Berichterstattung abträglich
und fordern zu wilder Spekulation auf. Zu P. Pius XII. wird gefragt, ob er Juden
"vielleicht durch Gerheimverhandlungen retten werde".

Wenn schon die Redakteure nicht in der Lage waren, genaueres über die Verhandlungen
in Erfahrung zu bringen, so wird der Zuschauer kaum in der Lage sein,
dies für sich beantworten zu können.

Negativ konnotierte Begriffe wie "verschwanden auf rätselhafte Weise"
oder "verhängnisvolle Ehrbegriffe" treten in diesem Zusammenhang viel zu oft an den Platz
weitergehender Informationen.

Der dominierende Sprecher, der aufgrund der zahlreichen rhetorischen Fragen
und der provokativen Intonation eher belehrend wirkt, verdrängt die Hintergrundmusik weitestgehend.

4. Adressaten

Ein großer Pluspunkt dieser Folge ist zweifellos die gute Anbindung historischer
Entwicklungen an theologische oder kirchliche Konsequenzen.

Im Gegensatz zu manch vorhergehender Episode bleiben diesmal geschichtliche Fakten
nicht im Raum stehen und Pforten der Hölle verkommt zu keinem Zeitpunkt
zu einer profanhistorischen Wiedererzählung.

Pforten der Hölle bedient somit erfolgreich die Zielgruppe der theologisch Interessierten.

Um den Beitrag auf für das Christentum relevante Prozesse zu beschränken,
werden historische Begründungen für diese Prozesse teils ausgeblendet
(Warum kam es zum Ersten Weltkrieg?).
Dies kann aber nicht der Sendung angelastet werden,
da sie keinesfalls den Anspruch einer umfassenden geschichtlichen Abhandlung erhebt.

Kritisch ist jedoch zu prüfen, ob die fehlenden Informationen die Verständlichkeit
der dargestellten christlichen Zusammenhänge für nicht vorinformierte Adressaten erschweren.
Auch dies ist meiner Meinung nach zu verneinen.
Über weite Bereiche bemüht sich Pforten der Hölle um eine individuelle Perspektive.

Einzelschicksale wie das des Frontsoldaten, das des orthodoxen Geistlichen
in der Verfolgung oder des christlichen Regimekritikers im Nazigefängnis
wollen eher erklären, wie Christentum gelebt wurde,
als warum es so gelebt wurde.

Hintergrundinformation sind aufgrund dieser episodischen
Ausrichtung daher nicht unbedingt notwendig.

Ob diese Sendung jedoch für Schüler empfehlenswert ist, bleibt fraglich.
Die bereits erläuterte Schwäche der dominierenden Sprecherrolle,
die eine eintönige Präsentation zur Konsequenz hat,
dürfte für das Interesse der Schüler nicht unbedingt förderlich sein.



Dateianlage:
. - Was Du aufdeckst, - offenbart sich . -

"Die Erlösung kann nicht verdient, nur empfangen werden, - darum ist sie die Erlösung". -

"Es ist alles Illusion, - was nicht aus mir selber spricht,
- denn es ist ein Zusatz, - dieses Eine nicht". -

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zuletzt bearbeitet 04.12.2014 06:13 | nach oben springen
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