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RE: Vampiren oder Menschensaugern... (1732)

in Vampirismen. - 19.01.2011 00:34
von Adamon • Nexar | 13.574 Beiträge

Nach: http://de.wikisource.org/wiki/Acten-m%C3...enschen-Saugern

"Reflections über die aktenmässige und umständliche
Relation von den Vampiren oder Menschensaugern":

(Um der besseren Lesbarkeit willen von AvE bearbeitet. -)

Wodurch die Ursachen, der an denenselben befundenen Unverweslichkeit, des Wachstums neuer Haare Nägel, Haut und des Barts, wie auch des aus denen selben fließenden frischen Geblütes, nicht weniger derer Vampiren Wirkungen, in die lebendigen Menschen, nebst der Execution an deren toten Körpern, und endlich des lauten Schreies, so ein solcher verstorbener Vampir bei der Exekution von sich gegeben hat, untersuchet, und aus der verborgenen Philosophie, an das Tages Licht gestellet werden.

...

Nachdem wir in der aktenmäßigen und umständlichen Relation, von den Vampiren oder Menschensäugern, welche in dem Königreich Servien, sich letzthin hervorgetan, unsere Meinung nur in genere eröffnet, und selbige vielleicht einem und den andern, die von dem Wesen und Wirkungen des Geistes, noch kein genaues Koncept haben, undeutlich geschienen, so sind wir bewogen worden, diese Casus mit einer Special-Untersuchung zu begleiten. Wir finden aber in denenselbigen hauptsächlich auf folgende Phœnomena zu reflektieren:

Erstlich auf die Unverweslichkeit derer in denen Gräbern gefundenen und doch gleichwohl schon längst verstorbenen Körper. Zum andern auf das Wachsen der Bart- und Haupt-Haare, ingleichen neuer Nägel und Haut 3.) auf das frische und fließende Geblüt 4.) auf der Vampire Wirkungen in die lebendigen Menschen, 5.) auf die beschehene Exekutionen an deren entseelten Körpern 6.) auf das Schreien des einen Vampiren, so er bei der vollstreckten Exekution von sich zu hören lasse.
[25]
§. 1.

Was die Unverweslichkeit derer entseelten Körper anbelanget, so ist allen Sterblichen bekannt, daß solche an den Vampiren so was außerordentliches sei, als wahrhaftig der Ausspruch ist, "daß der Mensch Erde sei und zur Erden werden müsse". Gleichwohl finden sich in unserer Relation viel Exempel, daß verwesliche Körper lange Zeit sind unverweslich geblieben. Uber der Ursache sind die Gelehrten, wie es zu gehen pflegt, nicht einerlei Meinung.

Uns ist aus der Philosophie und Schrift bekannt, haben auch solches bereits in angeregter Relation, mit mehrern angeführet, daß der Mensch aus drei Teilen bestehe: Leib, Seeel und Geist.

Durch die Seele verstehen wir, das unsterbliche Wesen, den Leib sehen wir, und der Geist ist ein Teil des allgemeinen Welt-Geistes, wovon wir oben gesagt haben, daß solcher nicht unter die Elemente zu rechnen sei.

Dieser menschliche Geist nun macht, so lange er in dem Körper ist, daß er wachsen und zunehmen, schwach und stark werden kann, welches von der unsterblichen Seele nicht gesagt werden kann, als deren Wesen keiner Veränderung unterworfen ist.

Inzwischen dependiret das [26] menschliche Leben allerdings von der Seele, dieweil ein Mensch kein Mensch mehr ist, wenn ihm ein wesentlicher Teil desselben abgehet, sondern er bleibt nur ein Leib.
Nun fragt es sich, ob ein Leib der keine unsterbliche Seele mehr in sich hat, dennoch lebhaft sein könne ?

Wir tragen, nach unserer Hypothese, kein Bedenken hierauf mit Ja zu antworten. Denn da der Mensch, ... schon, ehe noch die Seele gewesen, geschaffen worden, so hat er, wenn man ihn, an sich betrachtet, nicht anders sein können, als lebendig.

(Anm.: Diese These ist für mich nicht schlüssig, - "da der Mensch noch ehe die Seele gewesen, geschaffen wurde",
- würde bedeuten, "der Mensch käme zunächst seelenlos zur Welt"... - AvE. -)

Qualis enim causa talis effectus. Gott kann nichts totes schaffen, der das Leben selber ist.

Also muste in den Leib schon was Lebendes, das ist, ein Geist sein, sonst wäre derselbe nicht ein Leib, sondern ein Bild, Statue oder dergleichen etwas gewesen.

Der menschliche Leib besteht also, aus einen Geist, den er mit allen andern Körpern in der ganzen Natur gemein hat, und der mit dem allgemeinen Welt-Geist zusammenhängt.

Wenn nun gleich der Mensch sein eigentlich so genanntes Leben verliert, so behält er doch seine Vitalität, die er mit andern Körpern gemein hat.

Woher kommt demnach die Unverweslichkeit der Vampire ? [27]
- Es kann solche nicht anders deduciret werden, als von diesem Geist.

Wir haben oben gesagt, daß solcher gegen den allgemeinen Weltgeist zu consideriren sei, als eine Tropfen Wasser,
der von seinem Meere umgeben sei, durch dessen Kraft vermehrt, belebt, bewegt, und nutrirt wird.

Dieses Nutriment nun geschiehet, indem er Seinesgleichen zu sich zieht, und an sich sauget.

Wir wollen dieses mit einen raren Experiment, welches Robertus Fludd de Fluctibus L. 2. de Tritici Anatomia beschreibet, erläutern.

Es machte nämlich derselbe einen Spiritum aus Wanzen-Körnern, welcher weiß war und hell wie ein Kristall, da er ihn aber an das Licht brachte, hat er zwischen beiden eine solche Sympathie wahrgenommen, daß derselbe Geist, mit seiner magnetischen Kraft, eine formale Tinktur von den Licht an sich gezogen, welche dessen kristalline weisse Farbe in eine rubinrote innerhalb wenig Stunden verändert.

Woraus denn wie die multiplication in regno vegetabili so wohl, als animali zugehe, kan geschlossen werden, darum sagt der angeführte Engelländer, loco cit. Ideo sequitur | quod spiritus hic sibi & sui generis materiam assugat, & quod [28] materia, naturali quodam Appetitu, portionem lucis sibi requisitam ad ejus informationem attrabat. und an einen andern Ort: Hæc procul dubio est substantia ex qua sanguis animalis creatur.

Wie aber dieser Geist Seinesgleichen an sich ziehe, belehrt uns das Exempel des salis Tartari, welches den in der Luft verborgenen volatilischen Geist, mit einer magnetischen Kraft an sich zieht, bis es wegen der ätherischen Substanz die er an sich gesogen, so crud und flüssig wird, daß es in der Gestalt eines Liqueurs, wie gemein Wasser zu fliessen pflegt.

Wenn nun solchergestalt der Geist auch bei einen entseelten Körper ist, und sein Nutriment haben kan, so ist leicht zu erachten, warum, nach der Relation, die Vampir oder Menschen-Säuger lange nach ihren Tode eine Unverweslichkeit u. Lebhaftigkeit sehen lassen, und man braucht nicht zu sagen, das diese Leute an Gift gestorben, oder Opium bekommen hätten, welches Mutmassungen sind, die bei so vielen Leuten, nicht eintreffen können.
§. 2.

Das andere Phœnomenon so uns bei unserer Relation zu betrachten vorkommt, ist das Wachsen der Haare Nägel und Haut.

[29] Dieses alles rührt her, von eben dem Nutriment des Geistes, davon wir jetzt gehandelt haben, und von dessen Aktivität, mit welcher er sich bestrebt, zu seinen allgemeinen Geist zurückzukehren, oder was Neues zu operieren.

Es erzählt ob angeführter berühmter Autor ein kurioses Experiment, welches diese Wirkung des Geistes ungemein erklärt:

Nun komme ich, spricht er, auf die Raison, wodurch ich beweisen will, daß dieser Geist die Ursache alles Wachstums sei, welches ein Experiment ist, so denen Ungläubigen vielleicht unmöglich scheinen wird; weil ich aber weiß, daß es wahr ist, und ich es mit meinen Augen gesehen, so trage ich kein Bedenken, solches auf meine Treu und Glauben zu referieren.

Einstmals rief mich mein Laborante, ... ins Laboratorium, und zeigte mir ein dünnes eisernes Blech, welches auf einen irdenen Topf gedeckt war, worin er einen Teil von denen Hefen, woraus nachgehends der Weizen-Spiritus, (davon vorher gedacht worden,) gemacht wurde, ungefähr 5. Wochen lang aufgehalten hatte:

Da ich denn observieret, daß dieser durchdringende Geist, aus den Topf worin er ein geschlossen war, hinaufgestiegen, [30] und den eisernen Deckel durchbohrt, auch seiner natürlichen Wirkung nach, so stark operiert, daß er 10000. Hälmigen, so dem Croco ähnlich waren, wie das aufgehende Gedräude, von den Eisen in die Höhe getrieben, und hervorkeimend gemacht, welche alle in der Länge einer kleinen Nadel gewachsen waren; welches Anschauen, uns Beide in nicht geringe Verwunderung setzte, und uns fest persuadirte, daß dieses allein dasjenige sei, was den Wachstum verursache.

Ich schliesse also mit den Philosophis: Quod fuit tale, est magis tale, und es ist daraus deutlich abzunehmen, das die tätige Krafft des Geistes, welcher bei den Vampiren ist, die einige warhafte wirkende Ursache sei, daß Ihnen neue Nägel, Haare und Haut gewachsen:

Und man braucht die Nägel und Haare nicht mit den Moos der Bäume zu vergleichen, oder zu sagen, daß die alte Haut aus Mangel der Transpiration abfalle; (Denn woher komt die neue Haut ?) oder sonst übel zusammenhängende Raisons zu fingieren. Doch wir lassen jeden glauben was er will.
§. 3.

Wir kommen nun auf das Geblüt, welches [31] frisch aus den Vampiren geflossen, und inwendig extravaliert gefunden worden.

Wenn dieses an einen einzigen der Vampire geschehen wäre, könte man ja wohl sagen: Wer weiß wie man mit dem Körper bei der Ausgrabung und Öffnung umgegangen ?

Aber da es bei so vielen observiert worden, muß wohl eine allgemeine Ursache sein, die diese Wirkung produziert. Das tote Körper geblutet haben, begehrt niemand leicht in Zweifel zu ziehen, aber daß das Geblüt so frisch, und so häufig, in- und ausser den Körper geflossen, ist was besonders.

Doch es ist leicht zubegreifen, wenn man weiß, was wir oben demonstriert haben, daß der Geist von dem allgemeinen Welt-Geist nutriert werde.

Es wäre also nur die Frage, wie dieses Nutriment flüssig werde daß es wie Blut fliesse; doch hierauf ist im vorhergehenden §. bei den Experiment mit den Sali Tartari geantwortet; Inzwischen wird der curiöse Leser zu wissen verlangen:

Wie dieses flüssige, eine Blutfarbe bekomme ? Es sagen zwar die meisten, es rühre die rote Farbe des Geblütes, bei den Menschen, von der Röte der Leber her, als deren Substanz sehr rot sei; gleich als wenn die Leber so [32] eine unendliche Röte hätte, daß sie eine unglaubliche Menge weissen Chili, ohne Abgabe ihrer Röte färben könne.

Wenn man auch solches zugeben wolte, so wäre wieder die Frage, wo denn die Leber diese rote Farbe, so dergleichen virtutem multiplicandi haben soll, herhabe ? Da die Substanz der Leber selber ihren Ursprung unstreitig vom Geblüte hat. Daher ist klar, daß das Principiatum diese Qualitäten nicht haben könne, welche nicht einmal in seinem Principio zu finden ist.

Denn wir sehen nicht, daß das Geblüt so eine unendliche Vermehrungskraft habe, daß es eine unendliche Farbe suo simili mitteile. Andere sagen es sei dieses, occulta Naturæ Proprietas. Wohlgegeben. Obscurum per obscurius.

Wir antworten aber auf die Quæstion, daß die Kraft das Blut zu tingeiren, weder in der Leber, noch irgend einen Teile des menschlichen Leibes bestehe: Sondern in dem Welt-Geist selbst verborgen liege, welcher durch des menschl. Geistes magnetischer Kraft eingesogen wird.

Videlicet sagt der angeführte scharfsinnige Autor L. 2. de Mystica sanguinis Anatomia, quia pars Plantæ äerea, quæ nihil aliud essevitetur, quam [33] sal quoddam volatile, quæ in liquida sua substantia est, manifeste candida & limpida esse videtur, tametsi in suo occulto valde est rubedine tineta, imo magnetica quadam virtute intrinsicus & centraliter ei adnata, promta est, bujusmodi substantiam ad formam solar em undique in vastu mundi spiritu, invisibiliter delitescentem sibi attrahere & in se congregare, ac si esset materia quædam, in natura fæminea, quæ lucis formam avide affectat, eamque rapide ad se allicit.

Das Experiment, welches wir oben hievon angeführet, legt klärlich am Tage, daß da das durchsichtige und geistliche Wesen, derer Weizen-Körner an das Sonnenlicht gelegt worden, in wenig Stunden in eine rote Farbe verwandelt worden.

Daher demt zu schliessen, woher es komme, daß die Vampire frisches, fliessendes und blutfärbiges oder ordentliches Geblüt, bei sich haben können.


. - Was Du aufdeckst, - offenbart sich . -

"Die Erlösung kann nicht verdient, nur empfangen werden, - darum ist sie die Erlösung". -

"Es ist alles Illusion, - was nicht aus mir selber spricht,
- denn es ist ein Zusatz, - dieses Eine nicht". -

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RE: Vampiren oder Menschensaugern... (1732)

in Vampirismen. - 19.01.2011 00:36
von Adamon • Nexar | 13.574 Beiträge

§. 4.

Aus diesen allen werden wir nun leichtlich explizieren können: woher die schändliche Wirkung der Blutsauger bei den lebendigen Menschen komme.

Ist ein Geist Capable, aus den allgemeinen Weltgeist seines gleiche an sich zu saugen wie solches bisher demonstriert [34] ist, so kann er auch wohl dasjenige Tröpflein, welches von diesen geistlichen Welt-Meer, in einen lebendigen Menschen ist, an sich ziehen.

Wie demnach eine feindselige Hexe, den Strahl ihrer Augen auf ein Kind richtet, mit der festen Intention selbiges zu behexen, und das Kind dadurch gleich behexet, oder beschrien wird, also ist es auch mit andern magischen Operationen des Geistes.

Also sagt man von der Eltern Fluch, daß er insgemein begleibe. Warum?
Er gehet von Hertzen, i.e. er geschieht durch eine heftige Bewegung des Geistes.

Wenn ein Geist seine Ideen auf gewisse Menschen richtet, vel ad bene dicendum vel ad maledicendum aut agendum fangen selbige gleich an, verborgen in ihnen zu operieren.

Gleich wie aber dieses unter den lebendigen Menschen geschieht: so kann der Geist eines Menschen auch nach dessen Tod, seine schädliche Intention und impression die er in Articulo Mortis gehabt, in eines lebenden Menschen Geist exerzieren.

Denn der Geist ist ein Wesen so da lebt, und nach Ideen agiert, als worinnen er von den Körper wesentlich unterschieden, und weilen ihm also die Ideen essential sind, werden sie auch durch den Tod nicht extirpiret, sondern [35] sie agieren nach ihrem Konzept fort, bis sie gestört werden.

Haben nun die Vampiren bei ihrem Leben die scharfe Impression gehabt, daß sie Menschen-Sauger werden müsten, oder sie sind von andern Vampiren durch Bestreichung mit dem Blut, mit der gleichen Ideen imprægnirt worden, so bewerkstelligen sie diese Impression nach ihren Tode, und imprimiren dem Geist so sie aussaugen gleichfalls die Idee Menschen-Sauger zu werden, wie etwa eine Mutter, so mit einen Kinde schwanger gehet ihre monströse Ideen dem Kinde imprimieren kann.

Daher gar wohl zu glauben, daß dergleichen Vampiren weil ihre Ideen communicable sind, ein ganzes Dorf aufreiben können.

Es ist also vergebens, wenn man sich bereden will, daß alle diese Sachen, bloss in der Einbildung der lebenden Menschen bestehen, daß diese Vampire vielleicht eines plötzlichen Todes gestorben; ja, daß vielleicht die Anverwandten selbst Schuld an denselben gewesen und daher von den bösen Gewissen geplaget würden.

Ein plötzlicher Tod aber, oder auch ein böses Gewissen, mache bei denen überbleibenden eine Traurigkeit, diese verursache eine Melancholie, diese veranlasse unruhige Nächte, wodurch die Kräfte geschwächt und Krankheit [36] ja endlich der Tod zu gezogen würde.

Alles dieses möchte man sagen wenn, diese Begebenheit einmal u. nur bei einen Körper, sich ereignet hätte.

Was will man aber vor eine raison geben, von denen vielen Exempeln, die nicht in einen Hause, nicht in einer Familie, und nicht an einen Orte sich zugetragen; sind diese Leute, so man Vampire nennet, alle plötzlich gestorben ?

Haben die Hinterlassene bei allen, Schuld an ihren Tode gehabt ? Und sind daher vom bösen Gewissen geplagt worden? Haben Sie sich deswegen alle zu Tode gegrämt ? Und warum haben Sie alle einerlei Krankheit bekommen ?

Ich könnte eine Exempel erzählen, so sich in einer deutschen Provinz, an einen von Adel zugetragen, welcher weit genung von Medwedia gewessen, und doch fast eben die Operation nach seinen Tod spüren lassen, wie die Vampire: Aber sein Geschlecht ist zu bekannt; daß ich billich von solcher Erzählung abstrahiere. Inzwischen will ich hier ob similitudinem Argumenti, eine Relation inserieren, von einen Vampir, der sich zwar in Ungarn, aber in den Rahmer-District, in einem Dorfe namens Kisolova, so weit genug von Medwedia liegt, anno 1725. gezeiget [37]

Worüber der Käyserl. Provisor damals folgendes an die Administration nach Belgrad einberichtet: Vide, M. Ranfftii duas Exercitationes, de Masticatione mortuorum in Tumulis in 80 Lipsiæ apud August Martini.

Nachdem bereits vor 10. Wochen ein in dem Dorffe Kisolova, Rahmer district, gesessener Untertan, Nahmens Peter Plogojowiz, mit Tode abgegangen, und nach Rätzischer Manier zur Erden bestattet worden, hat sichs im ermeldten Dorf Kisolova geäussert, daß innerhalb 8. Tagen, 9. Persohnen, so wohl alte, als junge, nach überstandener 24. stündiger Krankheit also dahin gestorben, daß als sie noch auf dem Tod-Bette lebendig lagen, sie öffentlich ausgesaget, daß obemeldeter vor 10. Wochen verstorbener Plogojowitz zu ihnen im Schlaf gekommen, sich auf sie geleget und gewürgt, daß sie nunmehr den Geist aufgeben mussten.

Gleichwie denn hierüber die übrigen Untertanen sehr bestürtzt, in solchen nochmehr bestärkt worden, da des verstorbenen Peter PlogojowizWeib, nachdem sie zu vor ausgesagt', daß ihr Mann zu ihr gekommen, und seine Opanki oder Schuhe begehrt, von dem Dorf [38] Kisolova weg, und sich in ein anderes begeben; sintemahl aber, bei dergleichen Personen, so sie Vampyri nennen ) verschiedene Zeichen, als dessen Körper unverwest, Haut Haar Bart und Nägel an ihm wachsend zu sehen sein müssten, als haben sich die Untertanen einhellig resolviert, das Grab des Peter Plogojowiz zu eröffnen, und zu sehen, ob sich wirklich obbemeldete Zeichen an ihm befinden, zu welchem Ende sie denn sich zu mir hieher verfügten, und nebst Andeutung vor erwähnten Casus mich samt den hiesigen Poppen oder Geistlichen ersucht, der Besichtigung beizuwohnen; und ob ihnen schon erstlich solches Factum reprobiret, mit Meldung, daß ein solches vorher an eine löbliche Adminstration untertänig gehorsamst berichten, und derselben hohe Verfassung hierüber vernehmen müste, haben sie sich doch keinesweges hierzu bequemen wollen, sondern vielmehr die kurze Antwort von sich gegeben; ich möchte tun, was ich wollte, allein wofern ich ihnen nicht verstatten würde, auf vorherige Besichtigung und rechtlich Erkenntnis mit den Körper nach ihren Gebrauch zu verfahren, müsten Sie Haus und Gut verlassen, weil bis zu Erhaltung einer gnädigsten Resolution [39] von Belgrad wohl das ganze Dorf (wie schon unter türkischen Zeiten geschehen sein solte) durch solchen üblen Geist zu Grunde gehen könnte, welches Sie nicht erwarten wolten. Da denn solche Leute weder mit guten Worten noch Bedrohungen von ihrer gefassten Resolution abhalten konnte, habe ich mich mit Zuziehung des Grudisker Poppen, in gemeldetes Dorf Kisolova begeben, den bereits ausgegrabenen Körper des Peter Plogojowiz besichtiget, und gründlicher Warheit gemäß folgendes befunden:

Daß erstlich von solchen Körper und dessen Grabe nicht der mindeste, sonsten den Toten gemeiner Geruch verspürt, der Körper, ausser der Nasen, welche etwas abgefallen, ganz frisch, Haar und Bart, ja auch die Nägel, wovon die alten weggefallen, an ihn gewachsen, die alte Haut, welche etwas weisslich war, hat sich hinweg geschält, und eine neue frische hervorgetan, das Gesichte, Hände und Füsse und der ganze Leib waren so beschaffen, daß Sie in seinen Lebzeiten nicht hätten vollkommener sein können.

In seinem Munde habe nicht ohne Erstaunen, einiges frisches Blut erblickt, welches der gemeinen Aussage nach er von denen durch ihn Umgebrachten gesogen; [40] in summa, es waren alle Indicia vorhanden, welche dergleichen Leute (wie schon oben bemerket) an sich haben sollten.

Nachdem nun sowohl der Popp als ich dieses spectacul gesehen, der Pöbel aber mehr und mehr ergrimmter als bestürtzter wurde, haben, sie gesamte Untertanen in schneller Eil einen Pfeil gespitzet, mit solchen den Toten-Körper zu durchstechen, an das Herz gesetzt, da denn beyi solcher Durchstechung nicht nur allein häufiges Blut, so ganz frisch, auch durch Ohren und Mund geflossen, sondern noch andere wilde Zeichen, welche wegen hohen Respekt umgehe) vorgangen; sie haben endlich oftermeldten Körper, in hoc casu, gewöhnlichen Gebrauch nach zu Aschen verbrennet, welches denn einer hochlöbl. Administration hinterbringen, und anbei gehorsamst untertänigst bitten wollen, daß wenn hierinnen einen Fehler begangen haben sollte, solchen nicht mir, sondern dem vor Furcht ausser sich selbst gesetzten Pöbel beizumessen.
Käyserl. Provisor in Gradisker
District


Da nun dergleichen Casus sich an verschiedenen Orten zutragen, so muß wohl eine andere wirkende Ursache sein, als [41] die angegebene Traurigkeit über den schnellen Tod derer Verschiedenen.

Solche ist, wie gedacht, nichts anders als die Ideen der Geister, womit sie sich untereinander Afficiren, welche auf verschieden Weise excitiert werden können, dergestalt, daß sie auf dieses und nicht auf jenes Objekt sich richten.

Daher kommen alle Erscheinungen der Toden, welche doch der eine, dem sie angehen wahrnimmt, der andere nicht, und wodurch öffters die Lebendigen sehr gequält werden, daher begibt sichs, daß oft Leute, die ein starkes Commerce zusammen gehabt, einander bald im Tode folgen.

Darum so geschehen solcher Sachen viel, sagt Theophr. Paracelsus P.2. de virtute Imaginativa, die dem Menschen groß anzusehen sind. Dabei sollt ihr aber das Geschicht merken, zu einen Beispiel:

Eine Frau die im puerperio liegt, und soll sterben, ist sie dem Tod, gram und feind, und stirbt in Neid und Haß über den Tod und wird dahin gerissen, oder fantasiert: Ich wolte das alle Welt mit mir stürbe, etc. und itzt generirt sich, (fährt er fort) ein gemeines Land-Sterben.

Was man nun in einen Exempel zu affirmiren kein Bedenken findet, das kann man auch in mehrern nicht negieren. Man gebe nur [42] acht, mit was vor einen Affekt, einer stirbt, und wenn man hernach von seines Geistes Erscheinung hören sollte, so wird man finden, daß dessen Wirkung jederzeit, mit dem angemerkten Affekt übereinkommen werden.
§. 5.

Was ist nun vor ein Mittel dergleichen Wirkung zu begegnen? Kein anders als das die Philosophie selbst vorschreibt: Tollatur Causa, Tolletur Affectus.

Man suche des erscheinenden Geists Ideen zu stören, welches die Leute zu Medwedia nach der Zeugen Aussage, probat befunden haben. In Hercule Sax. C. XI. lieset man, daß einstmals die Pest in gantz Polen grassiert, woran in den Dorfe Rhezur ein Weib gestorben und begraben worden. Worauf die Pest angefangen, in denen benachbarten Häussern zu wüten.

Gleichwie man nun gemutmasst, daß diese Frau eine Hexe gewesen, als habe man sie ausgegraben, den Kopf mit einen Spaten abgestochen und wieder begraben. Da denn die Pest aufgehört habe. Unsere von den Vampiren angefochtene Medwedier machen es noch besser, sie schlagen nicht nur denen Körpern einen Pfahl durchs Herz, sondern verbrennen Sie gar zu Asche; wodurch die Wohnung des Geistes auf einmahl zerstört, und der Geist also mit seinen Ideen, turbiert wird.
[43]
§. 6.

Aber bei dergleichen Exekution finden wir nach unserer Relation eine wunderbare Begebenheit, nämlich daß ein Vampir einen lauten Schrei getan, da ihm der Pfahl durchs Herz gestossen worden.

Was soll man hiezu sagen? Es fällt mir hierbei ein, was Paracelsus sagt:

in Fragm. de virtute imaginativa: Man müsse den Menschen teilen, in 2. Leiber, (i. e. Geist und Körper in den so wir sehen, und in den, den wir nicht sehen: Der Leib sei ein Teil, des, so in ihm sei, und wirke, sei der andere Teil. Also sind z.E. die Ohren ein Teil, das Gehör, der andere Teil, ingleichen sei die Zunge ein Teil, die Stimme der andere Teil.

Womit er sonder Zweifel anzeigen will, daß der Geist auch solche Dinge wirke, die wir sonst bloß dem Körper zuzuschreiben pflegen: Die Sonne hat einen Schein, der ist nicht greiflich, gleichwohl brennt er Häusser ab, macht Feuer, Kohlen, Asche...

Die Einbildungs-Kraft des Geistes, möchte wohl mit der Sonne verglichen werden, und man darf sich nicht befremden lassen, daß durch selbige Wirkungen entstehen die leidlich sind, da dergleichen sich in andern Dingen äussert. [44]

Zur Erläuterung dessen... eine Historie, welche sich hieher schickt und zu Zeiten des oft erwähnten Roberdi Flud, zugetragen, anzuhören:

Es hatte einer zu Paris, nicht weit von le Temple, die Chymische Anatomie des Blutes unternommen, und hiezu das Blut, so aus vieler Leute Armen gelassen war, und er von einen seiner Freunde bekommen hatte, 2. Jahr lang in einen wohlvermachten Topf, putrecren lassen. Den Anfang zu seiner Operation, machte er an einen Sonnabend ungefähr um 9. Uhr; die ganze Woche über hielte er, gehöriger massen unterschiedene Gradus vom Feuer, und setzte also sein Vorhaben beständig fort.

Am folgenden Freitag zu Mitternacht, als dieser Laborante, oben im Hause in seinen Zimmer, so gleich an seinem Laboratorio war, auf den Bette lage und schlummerte, und der Mond ganz helle in das Zimmer schiene, entstunde plötzlich ein grausames Brüllen, so eines Ochsen oder Löwens Brüllen nicht ungleich, worüber der Laborante so erschrak, daß ihm an ganzen Leib ein kalter Schweiß ausbrach: Er lag daher im Bette ganz still und rührte sich nicht. [45]

Nachdem dieses Brüllen im Laboratorio aufgehöret hatte, wurde er augenblicklich zwischen selbigen und dem Fenster eines Nebels gewahr, der anfänglich in eine Oval-Forme zusammen gezogen, allmählich aber eine völlige menschliche Gestalt anzunehmen schiene, und nachdem solche noch einen ganz lauten Schrei getan, verschwand.

Ob nun gleich dieses einigen unglaublich scheinet, so haben doch, nicht nur die in denen nächsten Zimmern logierte Edelleute, sondern auch der Wirt und die Wirtin selbst, so im untersten Stock des Hauses gewohnet, ja auch die Nachbaren auf der andern Seite der Gasse, so wohl das Brüllen, als das Geschrei gehört, darüber auch etliche aus den Schlaf erwacht sind.

Der Laborante sagte, das wäre sein Trost gewesen, daß der Bischof, von welchen er dieses præparierte Blut, nebst den Arcano erhalten, ihm vorher gesagt hätte, daß wenn einer von denjenigen Menschen, aus welchen solches Geblüt gelassen worden, zur Zeit der Putrefaction stürbe, dessen Geist, bei des Laboranten objecto, oft mit einer Beunruhigung zu erscheinen pflegte.

Folgenden Tages, so der Sonnabend war, nahm der Laborante die Retorte von seinen [46] Ofen, schlug sie sachte mit einen Schlüssel entzwei, und fande darin vom Blut, ein Caput mortuum, oder vielmehr einen rechten Toten-Kopf, so an Gesicht, Augen, Nasen, Mund und Haaren, die etwas dünn und Goldfarb waren, einen Menschen Kopf vorstellte.

Diese Sache haben viele Zeugen mit Augen gesehen, nehmlich der Herr von Bourdelone, Ober-Secretarius des Duc de Guise, der dem Autori davon geschrieben, und ihn veranlasst, daß er dieser und anderer Affairen halber nach Paris gereist, allwo er die Konfirmation gehöret, von Mons. Menanton, der selbigen Zeit in eben dem Hause gewohnt, von einem Doctore Medecinæ, als dessen Hospire, und vielen andern Leuten.

Und diese Begebenheit wird mit einer Geschichte, die sich, in den ganz neuern Zeiten, bei einen berühmten Chymico, zu Leipzig, zu getragen, bestätigt, welcher Türken-Köpfe kommen lassen, um damit eine Chymische Operation vorzunehmen:

Da denn einstmal ein solches Geheul und Getöse im Laboratorio erstanden, daß alle die umstehende davon gelaufen, und diese Operation unterbrochen worden. Woraus erhellet, daß der Schrei, welchen der eine [47] Vampir, als dessen Geist durch den ergrimmten Geist der Medwedier, in der Execution gequälet wurde, von sich hören lassen, eben nichts gar unerhörtes sei und daß solches von dem Commerce welches die menschlichen Geister vermittelst des allgemeinen Welt-Geistes miteinander haben, herrühren könne.

Natura enim Naturam lætatur & dolet. Ubrigens heisset es mit dem Buch der Weisheit am 9. hierinnen bildlich:

„Welcher Mensch weiß Gottes Rat ?
„Oder wer kann denken, was Gott will ?
„Denn der Sterblichen Gedanken sind
„mißlich, und unsere Anschläge sind gefähr-
„lich. Denn der sterbliche Leichnam be-
„schwert die Seele, und die irdische
„Hütte den zerstreuten Sinn".

(Bearbeitung: AvE)



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zuletzt bearbeitet 11.11.2014 17:17 | nach oben springen
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