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#1

1. - Wie Wir philosophieren:

in Wieviel Philosophie braucht der Mensch ? 26.03.2016 15:21
von Adamon • Nexar | 13.574 Beiträge

Auszüge aus "Wieviel Philosophie braucht der Mensch"
von Werner Schneider, - Anaconda-Verlag,
ISB N 978-3-86647-149-8:

32:

Philosophieren muss, über alle methodische Gewissheit hinaus,
in´s Ungewisse zu denken wagen. -

Denn Philosophieren ist wesentlich "nicht das erlernbare Nachdenken dessen,
was andere vorgedacht haben", d.h. nicht ein blosses Hinterherdenken,
sondern "das eigenständig vorgehende Nachdenken über eine noch
unklare Sache". -

Philosophieren heisst gerade nicht, einen ausgetretenen Weg zu gehen,
sondern Wege zu suchen und zu bahnen. -

33:

Wichtig ist es, überhaupt einen Weg zu finden und zu bahnen,
und dies muss letztlich Jede/r, so gut Er/Sie kann, auf eigene Verantwortung
tun, d.h. nach bestem Wissen und Gewissen. -

Philosophieren ist der Versuch, mit Hilfe seiner Vernunft Klarheit
in die eigenen Wirklichkeitsannahmen und Normvorstellungen
zu bringen, sich sozusagen "am eigenen Schopfe aus dem Sumpf zu ziehen". -

35:

Die wohl älteste, selbst schon sehr schwierige Antwort auf die Frage
nach dem Ursprung des philosophischen Denkens besagt,
"das Staunen oder die Verwunderung sei der Anfang des Philosophierens". -

Dies könnte so verstanden werden, "dass irgend etwas Aussergewöhnliches oder
das Versagen des gewohnten Erklärens das philosophische Denken
ausgelöst habe". -

Aber wahrscheinlich meint der Verweis auf das Staunen nicht nur
die Entdeckung des (36) Seltenen oder das Erlebnis des Seltsamen
und auch mehr als den Schock der Erkenntnis der Nichterkenntnis. -

Vermutlich geht es um ein Erstaunen, wie es Kinder haben, die die Welt
sozusagen zum ersten Mal erleben, oder um die Entdeckung der
Nichtselbstverständlichkeit des bis dahin Selbstverständlichen,
also vielleicht darum, etwas überhaupt als solches wirklich zu entdecken. -

Möglicherweise geht es sogar um noch mehr, nämlich um die Erfahrung
der Erstaunlichkeit der Wirklichkeit als solcher, etwa die Schönheit
des "Kosmos", also um ein glückhaftes Aufgeschlossensein. -

Dieses Sichwundern entdeckt die Wirklichkeit als Wunder,
d.h. das Wunder des Seins: Dass dieses oder jenes existiert,
dass überhaupt etwas ist und nicht vielmehr nichts. -

Der Staunende ist jedenfalls beeindruckt, betroffen, ja sogar
erschüttert durch das, was Ihm aufgeht, was ihn vielleicht sogar überwältigt. -

Obwohl ihm im Staunen auch die eigene Endlichkeit schmerzlich offenbar wird
und er insofern eine "negative" Erfahrung macht, ist er doch von tiefer
Zustimmung zu der im Staunen als "positiv" erfahrenen Wirklichkeit
erfüllt und erfährt insofern zugleich eine Erweiterung seines eigenen Ich. -

(Anm.: Was Ich persönlich an dieser Stelle jedoch keinesfalls
bestätigen kann, - die philosophische Hinterfragung der von mir
wahrgenommenen Wirklichkeit offenbart mir keinesfalls
schmerzlich die eigene Endlichkeit, - ganz im Gegenteil, sie
offenbart mir Wege, wie mein Sein und SoSein diese Endlichkeit
zu transzendieren und zu überwinden vermag, - endlich ist
schliesslich alleine mein Leib, - also rein das Werkzeug und
keinesfalls das mit Ihm vollbrachte Werk. - AvE. -)



. - Was Du aufdeckst, - offenbart sich . -

"Die Erlösung kann nicht verdient, nur empfangen werden, - darum ist sie die Erlösung". -

"Es ist alles Illusion, - was nicht aus mir selber spricht,
- denn es ist ein Zusatz, - dieses Eine nicht". -

http://adamonstasy.weebly.com/
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#2

RE: 1. - Wie Wir philosophieren:

in Wieviel Philosophie braucht der Mensch ? 26.03.2016 16:45
von Adamon • Nexar | 13.574 Beiträge

36:

In der Tat, was immer Philosophieren in der Folge sein mag,
ohne irgendeinen Verlust oder Schmerz wird es kaum in Gang kommen. -

Die Erfahrung der Nichtigkeit aller Dinge bzw. das Ungenügen an allem
kann ein Bedürfnis nach einer besseren Wirklichkeit implizieren und
provozieren, das dann umgekehrt das Ungenügen selber erst wieder
möglich macht und ein radikales Denken entstehen lassen kann. -

Vielleicht verweist das Ungenügen an allem sogar auf ein
absolutes Bedürfnis oder Bedürfnis nach Absolutem, und
Philosophieren wäre dann dessen Ausdruck im Denken. -

(Anm.:Mglw. kann man die fehlende Hinterfragenstiefe der Umwelt
als Verlust oder Schmerz deuten, - Ich deute sie einfach als
fehlende Hinterfragenstiefe...

Auch kann Ich keine Nichtigkeit der Dinge feststellen,
- die Dinge sind, was sie sind, - als solches erfüllen sie
ihre Funktion, - darüberhinaus wüsste Ich nicht, was Ich
von Ihnen verlangen sollte. -

Und "ein Ungenügen an Allem" muss Ich auf eine ungenügende
Aufmerksamkeit meiner Selbst zurückführen, - jenseits einer
Solchen kann Ich ein Solches nirgendwo erkennen. - AvE. -)


. - Was Du aufdeckst, - offenbart sich . -

"Die Erlösung kann nicht verdient, nur empfangen werden, - darum ist sie die Erlösung". -

"Es ist alles Illusion, - was nicht aus mir selber spricht,
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#3

RE: 1. - Wie Wir philosophieren:

in Wieviel Philosophie braucht der Mensch ? 26.03.2016 17:40
von Adamon • Nexar | 13.574 Beiträge

39:

Offensichtlich gehört zur Philosophie mehr als Leiderfahrung,
nämlich auch irgendeine geistige Aktivität, wenn auch zunächst
nur als Re-Aktion. -

Das Philosophieren erfordert Energie, also Kraft oder Willen:
Nicht nur Sensibilität, sondern auch geistige Selbstbehauptung,
- nicht nur dumpfes oder bescheidenes Ertragen des Schicksals,
sondern auch Rebellion dagegen, also gerade keine Wehleidigkeit. -

Betroffenheit alleine macht noch keinen Philosophen,
der reine Schmerz kann sogar denkohnmächtig machen. -

Erschütterung kann also höchstens am Anfang der Philosophie stehen. -

Es bedarf ausserdem der Kraft, sich der Erschütterung der Wirklichkeit
(40) auszusetzen, sich damit geistig auseinanderzusetzen,
also das als entsetzlich erfahrbare Unbegreifliche auszuhalten,
nicht zu verdrängen und nicht zu beschönigen, sondern durchdenken
und begreifen zu wollen. -

Der Philosoph muss seinen Schmerz durchdenken können. -

Selbst das Staunen, das zunächst sprachlos macht, wird in der
Philosophie nicht als Erfüllung akzeptiert - es ist der Anfang,
mglw. aber auch das Ende der Philosophie. -

Nachdem sich ihm das Selbstverständliche und Vertraute aufzulösen
begonnen hat, muss der Philosoph die Arbeit der Negation
aus eigener Kraft durch Analyse fortsetzen. -

Philosophen sind keine stillen Duldner, sie sind nicht nur
demütig, sondern auch hochmütig. -

Der Philosoph leistet geistigen Widerstand, behauptet sich selbst
gegen die Wirklichkeit, wie sie sich ihm zeigt,
und zwar in der Absicht, sie zu begreifen, sie gewissermassen
geistig zu bewältigen. -

Er wagt es, aufgrund seiner Erfahrungen mit der sog. Wirklichkeit
geistig zu brechen, über die Wirklichkeit, wie sie zu sein scheint,
hinauszudenken, das Wirkliche auf das Mögliche hin zu überschreiten,
destruktiv und produktiv in hypothetischen Möglichkeiten zu denken,
also in intellektueller Imagination eine andere Wahrheit zu avisieren. -

41:

"Die Krise des Menschen muss eigenes Denken aktivieren". -

Mit anderen Worten:

Philosophie beginnt erst da, wo sich jemand,
aufgrund der äusseren Umstände wie der eigenen Kraft,
die Freiheit nimmt, sowohl selbstständig als auch
grundsätzlich zu denken, sich auch im anscheinend
Grund- und Sinnlosen noch denkend zu behaupten. -

Verwebe zu: 2. - Es darf gedacht werden:



Dateianlage:
. - Was Du aufdeckst, - offenbart sich . -

"Die Erlösung kann nicht verdient, nur empfangen werden, - darum ist sie die Erlösung". -

"Es ist alles Illusion, - was nicht aus mir selber spricht,
- denn es ist ein Zusatz, - dieses Eine nicht". -

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