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Schrieb die Bibel eine Frau ?

in Die Christ-Welt: 12.01.2010 21:01
von Atlan • Nexar | 13.574 Beiträge

Nicht die ganze Bibel , aber einen Teil aus dem NT !!!
Das behauptet zumindest der amerikanische Literaturprof Doc Randel Helms von der Arizona State University in Tempe aber lest selbst :


Na dann will ich mal was dazu schreiben. Ich hangel mich mal durch den Text jener HP durch und klapper die einzelnen Punkte ab.

Es wird behauptet: „Sie [die Frauen] sind die ersten, die von der Existenz des Heilands erfahren, und die ersten, die ihn als Auferstandenen sehen“. Nun, sofern mit dem Wissen um die Existenz des Heilands gemeint ist, daß Maria weiß, daß sie mit dem Heiland schwanger geht, so ist dies auch bei Matthäus der Fall. Was das Sehen des Auferstandenen betrifft, so ist dies in allen Evangelien so.

Es wird behauptet: „Zu jedem Gleichnis, das mit einem Mann zu tun hat, erfindet Frau Lukas ein anderes, in dem eine Frau die Hauptrolle spielt“. Zu jedem??? Also auf das Gleichnis vom Sämann und dem vierfachen Acker (Lk8,4-15) folgt kein Frauengleichnis. Dem Gleichnis vom verlorenen Schaf (ein Mann sucht es) folgt in der Tat das Gleichnis vom verlorenen Groschen (eine Frau sucht diesen), welches nur bei Lukas vorkommt. Aber diesen zwei Gleichnissen schließen sich noch drei weitere an, nämlich das vom verlorenen Sohn (ein Mann und zwei Söhne), das vom ungerechten Verwalter (ein reicher Mann, dessen Verwalter und mehrere Schuldner; alles Männer) sowie das vom reichen Mann (!) und dem armen Lazarus (!) (alles in Lk15-16). Alle diese Gleichnisse kommen nur bei Lukas vor, wie eben jene „spezifischen“ Frauengleichnisse.

Es wird behauptet: „Frauen sind bei ihr die ersten, die glauben und predigen“. Das ist in allen Evangelien so.

Es wird behauptet: „Die Männer begreifen nicht, was es mit der Auferstehung zu tun hat, das müssen ihnen die Frauen erst erklären (24, 10-11) ("Die Apostel hielten das alles für Geschwätz und glaubten (den Frauen) nicht.")“ Auch dies wird nicht nur bei Lukas geschrieben, sondern überall in den Evangelien.

Es wird behauptet: „Frauen kümmern sich um das materielle Wohlergehen von Jesus und seinen Jüngern (Lukas 8, 3). Ohne die Frauen wären diese Wanderprediger offenbar verhungert - jedenfalls nach Lukas. Und diese Passage gibt es in keinem anderen Evangelium!“ Diese Passage nicht, aber daß Frauen Jesus folgen, und daß sie ihm dienen und materielle Zuwendungen leisten.

Es wird behauptet: „Bei Lukas kommen immer wieder Witwen vor, die ihr einziges, tragisch verstorbenes Kind betrauern“. Also wenn ich das recht sehe, dann geschieht dies ein einziges Mal, in Lk7,11-17.

Es wird gefragt: „Bei Markus 5,23 heißt es: "Meine Tochter liegt im Sterben." Bei Lukas 8,42 lautet die gleiche Szene: "Sein einziges Kind lag im Sterben." Wozu die Änderung?“ Ja, wozu? Von einer Evangelistin, die mit Frauen nur so um sich wirft, wäre nicht zu erwarten gewesen, daß sie das Geschlecht des Töchterchens unterschlägt.

Es wird behauptet: „Niemand hat die Zustände in der Schwangerschaft so gut geschildert wie diese Autorin (1,42 und 1,46 ff.)“. Kunststück, wenn sonst niemand was über ne Begebenheit der schwangeren Elisabeth geschrieben hat. Die angegebenen Stellen führen klugerweise auch völlig in die Irre, es kann eigentlich nur Lk1,41.44 gemeint sein: Als Elisabeth den Gruß Marias vernahm, da hüpfte ihr Kind (Johannes der Täufer) in ihrem Leib vor Freude. Ist hier an ein ganz normales Treten gedacht, wie es in der Schwangerschaft halt vorkommt? Oder nicht eher an eine andere Regung des Kindes, eine wundersame, nichtnatürliche? Was ist daran also eine genaue Schilderung der Schwangerschaft? Und selbst wenn es nur als normales Treten gemeint wäre, was ist an einer Erwähnung solchen Tretens „so gut geschildert“? Und: hätte das kein Mann hinbekommen?

Es wird behauptet: „Niemand außer Lukas hat eine Frau von Jesus heilen lassen, die an Osteoporose litt (13,11) - eine typischen Frauenkrankheit“. Ja, wenns denn Osteoporose war. Das ist ne Alterserscheinung, ein osteoporöser gekrümmter Rücken. Früher lebten die Menschen damit nicht noch 18 Jahre wie jene Frau aus Lk13. Von der wird auch nicht gesagt, daß sie alt sei. Was also auch immer die Frau hatte, Osteoporose ist eine Möglichkeit, aber nicht grad die wahrscheinlichste. Und daß dies in der Antike mit ihrer geringeren Lebenserwartung als Frauenkrankheit aufgefaßt wurde, sei ebenfalls dahingestellt.

Es wird behauptet: „Die erste Person, die den Heiligen Geist empfängt, war Elisabeth, Marias Freundin (1,43)“. Das ist mal einfach so richtig.

Es wird behauptet: „ Wink . Die erste Person, die Jesus öffentlich erwähnt, ist eine Frau, nämlich die Witwe von Sarepta (4,26)“. Naja, der Prophet Elia wird im selben Vers noch vor der Witwe genannt.

Es wird behauptet: „Die erste Person, die von den Toten auferweckt wurde, war eine Frau (Apostelgeschichte 9,40)“. Kunststück, wo es außer der Apostelgeschichte des Lukas keine andere Apostelgeschichte im Neuen Testament gibt! Wer weiß, wer in einer Apostelgeschichte des Matthäus zuerst von den Toten auferweckt worden wäre.

Es wird behauptet: „ Wink . Die erste von Paulus in Europa missionierte Person ist eine Frau (Apostelgeschichte 16,14)“. Das ist aber nicht die erste missionierte Person aus Europa. In Apg2 wird dies berichtet, ohne Angabe des Geschlechts. Überhaupt werden halt Frauen UND Männer bekehrt. Und es erscheint mir doch recht willkürlich zu sein, hier auf den ersten in Europa bekehrten Menschen abzuheben. Wer war denn der erste außerhalb Jerusalems bekehrte Mensch? Der erste außerhalb Palästinas Bekehrte? Beides waren Männer. Das wird hier unterschlagen.

Es wird behauptet: „und die erste Person, die von Paulus exorziert wurde, ist ebenfalls eine Frau (Apostelgeschichte 16,1Cool“. Und die erste Person, die von einem anderen Apostel exorziert wurde? Die erste Person, die überhaupt exorziert wurde? Die Vorgehensweise scheint doch einfach zu sein: Man nehme eine Erzählung mit einer Frau und frage sich, als was dies das erste Ereignis sein könne.

Es wird behauptet: „Nur bei Lukas gibt es eine Prophetin (2,36)“. Wie gesagt, nur von Lukas gibt es im NT eine Apostelgeschichte, wo eine Prophetin überhaupt vorkommen kann.

Es wird behauptet: „Lukas erlaubt sich sogar einen subtilen Scherz mit den Männern in folgender Passage: Bei Matthäus 24,40-41 ist die Rede von "zwei Männern, die auf dem Feld arbeiten." Lukas in 17,34-35 dagegen spricht von "zwei Männern, die in einem Bett liegen."“. Ja, dieser Scherz ist sehr subtil. Es wird geschildert, wie dereinst von zweien eine Person errettet wird, die andere verworfen. Bei diesem überaus ernsten Thema kann Lukas es sich nicht verkneifen, noch einen Scherz anzubringen. Wers glaubt...

Es wird behauptet: „Sogar der "hochverehrte Theophil" aus dem Vorwort des Lukas-Evangeliums könnte eine Frau gewesen sein. Die männliche Form des griechischen Namens lautet Theophile, die weibliche Theophile, also mit einem "-" über dem e. Hätten Sie den Unterschied bemerkt? Der Kopist hat ihn vielleicht übersehen - und aus einer Theophila wurde ein Theophilus“. Na das ist ja der Gipfel an Unkenntnis. Diese Verwechslung geht nur, wenn man den griechischen Text in deutscher Umschreibung vor Augen hat, ansonsten aber keine Ahnung vom Griechischen. Im Griechischen gibt es zwei verschiedene Buchstaben, die im Deutschen mit „e“ wiedergegeben werden. Das Epsilon sieht aus wie ne kleine „3“, nur spiegelverkehrt. Das Eta sieht aus wie ein kleines „n“, nur daß der letzte Haken nach unten verlängert wird. In deutscher (oder englischer) Umschreibung wird das Eta oft als „e“ mit Haken oder Querstrich geschrieben. Und wäre der Theophilos eine Theophile gewesen, dann würde diese in der Tat mit einem Eta am Ende geschrieben. Redet man den Theophilos aber an (Vokativ), dann wird aus ihm ein Theophile mit Epsilon. Theophile und Theophile kann man im Griechischen gar nicht verwechseln. Nur wer davon keine Ahnung hat, der meint, das Strichlein in der Transskription sei eben auch im Griechischen ein Strichlein (was es aber gar nicht gab!). Hier war jemand am Werk, der einfach NULL Ahnung hatte.

Alles in Allem bleibt von all den Belegen nur ein kümmerlicher Rest. Daß Lukas Frauen etwas häufiger erwähnt als andere Evangelisten, das ist schon seit langem bekannt. Aber er erwähnt halt auch sehr viele Männer, die bei den anderen Evangelisten nicht vorkommen. Aus solchen Feststellungen kann man sicher etwas zur Intention, zur Aussageabsicht des Evangelisten in Erfahrung bringen. Aber daß Lukas eine Frau gewesen sein soll, das kann man daraus nicht folgern.

*

Übrigens läßt sich schon ab und zu was über eine(n) Verfasser(in) aus dessen/deren Texten herauslesen. Gerade bei den Evangelien, wo prinzipiell dasselbe niedergeschrieben ist, kann man aus den Abweichungen die Intention der Verfasser herausfinden. Oder wenn in einem Evangelium ein Landstrich, durch den Jesus gerade zieht, mit vielen Details vorkommt, von einem anderen Landstrich aber gerade mal die Ortsnamen (wenn überhaupt) erwähnt werden, dann kann man schon schlußfolgern, welchen Landstrich jene(r) Verfasser(in) gut kennt (Heimat?) und welchen nicht.

Im Alten Testament gibt es zwei bedeutende Erzählungen, in denen Frauen eine beachtliche Rolle spielen. So beachtlich, daß die Annahme weiblicher Verfasserschaft sehr gut möglich ist. Da ist zum Einen das Buch Ruth. Hier handeln vor allem die beiden Frauen Naomi und Ruth. Die Welt ist zwar eine Männerwelt, und Boas, der schließlich Ruths Gemahl wird, spielt eine nicht unwesentliche Rolle, aber letztlich agieren die Männer nur so, wie es von den beiden Frauen arrangiert wird. Dies ist kein Manipulieren, wie es aus Männerperspektive oft einer Frau angedichtet wird, zum Vergleich etwa die Rolle der intriganten Isebel, Gemahlin von König Ahab, in 1Kön21. Vielmehr dominieren die beiden Frauen positiv das Geschehen, und der Blickwinkel liegt ganz bei diesen Frauen.

Oder man nehme Debora aus dem Richterbuch. In Ri4 werden die Ereignisse um die Prophetin und Richterin Deborah als Erzählung geschildert, in Ri5 besingt ein Lied die Geschehnisse. Beide Ereignisdarstellungen weichen inhaltlich etwas voneinander ab, stimmen aber im Wesentlichen überein. Im Lied dominieren wie im Buch Ruth Frauen die Ereignisse, sowohl auf der Seite der "Guten", der Israeliten (Debora und Jael), als auch auf der Seite der "Bösen" (die Mutter des gegnerischen Feldherrn und ihre Dienerinnen). Die besungenen Schlachthelden sind zwar Männer, aber in einer männlich dominierenden Welt ist das kaum verwunderlich. Selbst die Charakterisierung der "Bösen" erfolgt nicht durch Herabwürdigung der - männlichen - Feinde (anderenorts nennt man die männlichen Feinde "alles, was gegen die Wand pißt"). Vielmehr wird geschildert, wie sich die Feinde ihre Beute speziell an Israelitinnen vorstellen: ein bis zwei Schöße pro Krieger (Ri5,30). Die gefangene Frau wird zur sexuell verfügbaren Ware degradiert. So kritisiert kein Mann seine Kriegsgegner; ein Mann würde kritisch anmerken "Die nehmen UNSERE Frauen", aber nicht "Für die ist ne Frau nur ne Vagina".

In Ri4 dominieren ebenfalls Debora und Jael. Aber ihre Dominanz wird aus der Sicht des Richters und Feldherren Barak geschildert. Er macht sich auf, um von Debora Zuspruch zu erhalten, und weil er nicht ohne Debora in den Kampf ziehen wollte, spricht Debora nicht ihm die Tötung des gegnerischen Feldherren zu, sondern der Frau Jael. Die Frauen sind also Staffage für die Handlungen des männlichen Helden. Gerade die Erzählung Ri4 verdeutlicht den anderen, den weiblichen Blickwinkel von Ri5.

Auch im Buch Judit, das in der evangelischen Bibel oft nicht vorkommt, da es nur als apokryphe Schrift geführt wird, ist die positive Heldenrolle von einer Frau besetzt, eben von Judit. Aber diese Frau wird ganz in der Frauenrolle einer männlich dominierten Welt geschildert. Wahrscheinlich wurde dieses Buch auch von einem Mann geschrieben (vielleicht auch "nur" von einer Frau, die die männliche Sichtweise verinnerlicht hat; das kann man ja kaum unterscheiden). Nicht jede Erzählung, in der eine Frau eine bedeutende und positive Rolle spielt, muß halt von einer Frau stammen. Dazu muß man schon schauen, aus welcher Perspektive die Frau und der gesamte Kontext geschildert wird. So ist die Rolle von Maria und Elisabeth im Lukasevangelium auch eher die von typisch demütigen Hascherln, wie Männer sie sich vorstellen. Lukas wird wohl ein Mann gewesen sein...

Ich hoffe, ich habe aufzeigen können, daß man aus einem Text schon etwas über die Person erfahren kann, die diesen Text abgefaßt hat. Und daß es nicht unmöglich ist, auch eine Frau als Verfasserin für wahrscheinlich zu halten. Von Frauen verfaßte Lektüre in der Bibel? Sehr wahrscheinlich! Richterbuch Kapitel 5 und Buch Ruth sind wahrlich gute Anwärter dafür.



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"Die Erlösung kann nicht verdient, nur empfangen werden, - darum ist sie die Erlösung". -

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