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Wahrsagung:

in Cumhachd - Damhain Alla: 01.02.2010 17:45
von Atlan • Nexar | 14.588 Beiträge

Das Gebiet des heutigen Iraks war schon immer ein
hoch kultiviertes und sehr umkämpftes Stück Land.
Die Region des Zwischenstromlandes war damals noch keine Wüste.
Die Menschen konnten auf fruchtbarem Boden bauen, leben
und eine Zivilisation zwischen den großen Flüssen aufbauen.
Etwa 10.000 v. Chr. hatten hier die Menschen bereits gelernt,
Ackerbau zu betreiben und Tiere zu domestizieren.
Dadurch hatten sie es geschafft,
sich aus dem steinzeitlichen Leben der Jäger und Sammler herauszulösen.

Einen großen Schritt stellte die Entwicklung der Schriftsprache dar, welche dabei half,
die komplizierten Gebilde der Regeln und Hierarchien, die sich immer mehr herausbildeten,
zu kontrollieren.

So entstand erstmalig ein Staat, in dem gegliederte Machtstrukturen zu finden waren,
die man schriftlich festhalten konnte.
Die Waffen wurden noch nicht aus Eisen hergestellt,
denn die Menschen lebten noch in der Bronzezeit.
Doch mit der Entstehung der Schriftsprache und der daraus resultierenden
Niederschrift von Gesetzen, formten sich auch
die Politik und die taktische Kriegsführung weiter aus.



Viele Völkerschaften lösten sich in der Zeit zwischen 3000 und 1000 v. Chr.
in ihrer Herrschaft über das Zweistromland ab.
Doch die Führer und auch die Geschichte dieser Völker,
wie der Sumerer, Hurriter, Kassiten oder Amurriter, sind eher schemenhaft,
denn die schriftlichen Quellen sind in ihren Überlieferungen
noch zu sporadisch und voller Lücken.

Eine weitere Volksgruppe waren die Chaldäer,
welche sowohl von den Aramäern, von ostarabischen Völkern
als auch von babylonischen Völkerschaften abstammten.

Sie haben sich in Mesopotamien niedergelassen und vermischt,
so dass ein genauer Ursprung nicht mehr ermittelt werden kann.
So wird die Bezeichnung „Chaldäer“ später gleichbedeutend mit
„Wahrsager“ oder „Sternendeuter“ verwendet.

In einigen Quellen wird erwähnt, dass die Weisen aus dem Morgenland,
die drei heiligen Könige, Chaldäer gewesen seien
– was vermutlich mit der neueren Bedeutung des Sternendeuters
mehr Gemeinsamkeiten hat als mit dem ursprünglichen Namen dieses Volkes.

Die erste Herrscherfigur, die man historisch greifen konnte, ist Sargon,
der um 2350 v. Chr. das Reich Akkad begründete – das erste Großreich in der Region.
550 Jahre später regierte in Babylon Hammurapi,
der durch seine Gesetzessammlungen, den „Codex Hammurapi“, bekannt wurde,
dem das Grundprinzip „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ zugrunde liegt.

Auf dieser Steinsäule fand man bereits Gesetze gegen Zauberei.
Die Beschuldigten wurden einem Gottesurteil überlassen und in Wasser geworfen.
Ertranken sie, stand ihre Schuld fest. Überlebten sie, wurde der Ankläger zur Rechenschaft gezogen.



Wann die Stadt Babylon gegründet wurde, ist nicht genau bekannt.
Sie soll eine der ersten Städte gewesen sein, die nach der Sintflut errichtet wurden.
Ihren Anfang hatte sie angeblich unter dem mythischen Jäger und König Nimrod,
doch durch die Bedeutung, die sie unter Hammurapi erreichte,
wurde ganz Mesopotamien von den Griechen Babylon genannt.


Das nächste Volk, welches die Herrschaft über Babylon übernahm, waren die Assyrer.
Durch jahrelange Kriegsführung machten sie ihren Einfluss geltend.
Ihre Waffen waren mittlerweile aus Eisen und nicht mehr aus Bronze.

Ein wichtiger Brauch der assyrischen Könige war die Löwenjagd.
Sie schien ein rituelles Duell darzustellen.
Der Löwe verkörperte sinnbildlich alle dunklen Mächte und war ein Symbol der Ishtar,
während der assyrische König als der Stellvertreter des Staatsgottes Assur galt.
So war es immer Sache des Königs, den Löwen zu besiegen.

Auch der Held und König Gilgamesh im gleichnamigen Epos trägt ein solches Löwenfell.


Den größten Schatz an überliefertem Material haben wir
dem letzten bedeutenden König der Assyrer zu verdanken.
Der durch seine Grausamkeit bekannte Assurbanipal (667-631 v. Chr.)
war ein sehr belesener und hoch gebildeter Mann.

Er schickte seine Schreiber in die Welt hinaus,
um sämtliche bekannte babylonische und sumerische Texte zu kopieren.
Es entstanden mehr als 30.000 Tontäfelchen,
unter denen sich auch das Gilgamesh-Epos befand.
Diese wurden in der Bibliothek von Ninive zusammen getragen,
die 1845 bei Ausgrabungen nahezu unversehrt gefunden wurde.
Während also das Wissen der klassischen Antike mit dem Untergang
der Bibliothek von Alexandria verloren ging, sind altorientalische Texte erhalten geblieben.

Erst 612 v. Chr. schlossen sich die Babylonier mit dem Bergvolk
der Meder zusammen und eroberten Ninive.
Unter König Nebukadnezar II. (624-582 v. Chr.) konnten sie ganz
Mesopotamien noch einmal in ihre Gewalt bringen.

Er schaffte es, seinem Reich eine
Zeit des inneren Friedens und des Wohlstands zu bescheren.
Seine berühmteste und in der Bibel als stark anmaßend verurteilte Tat war der Turmbau zu Babel.

Diesen errichtete man, um den Göttern näher zu sein.
Nach seiner Vollendung ragte er als 90 Meter hoher Tempel
des Hauptgottes Marduk über Babylon empor.

Der bekannteste Brauch war eine „Heilige Hochzeit“.
Einmal jährlich vereinigte sich der König als der Stellvertreter
dieses höchsten Gottes mit dessen oberster Priesterin,
um sich das göttliche Wohlwollen und den Segen für die Stadt zu sichern.
Ähnliche Riten und Bräuche werden auch dem Kult der Ishtar zugeschrieben.


In Babylon stand die Wiege der Magie, sagt man.
So kann man nicht leugnen, dass überlieferte Elemente des Zweistromlandes
unsere magische Kultur in gewisser Form geprägt haben.
Viele bereits dort genutzte und von anderen Kulturen übernommene Techniken
werden auch heute noch angewendet.
Noch viele hundert Jahre nach dem Untergang Babylons stand die Weisheit und Kunst
der babylonischen Magier in hohem Ansehen.
So kam nicht nur die Schrift aus dem Zweistromland,
sondern ebenfalls die hohe Kunst der Magie.

Nicht nur in der Bibliothek von Ninive fand man Beschwörungen,
sondern auch bei der Ausgrabung der Bibliothek des Kisir-Assur in Assur.
Dieser schien der Haus- und Hofmagier von Assurbanipal gewesen zu sein.

In seiner Bibliothek fand man etwa 1100 Texte,
von denen einige bisher noch nicht entschlüsselt wurden.
Man ist sich aber bereits sicher, dass es sich bei manchen Texten
um Ausbildungstexte für Magier und verschiedene Rituale, Zeremonien,
Vorschriften oder Beschwörungsformeln handelt,
die beispielsweise vor Krankheiten oder Haus und Hof vor Feinden schützen sollten.
Man hatte die Möglichkeit, schädliche Natureinflüsse abzuwehren.



Auch hat man Schriften über Pflanzen und Mineralien gefunden,
die sowohl deren Aussehen als auch deren Wirkung beschreiben,
sowie einer Reihe medizinischer Rezepte, teils magischer teils vernunftgeprägter Natur.

So kann man also davon ausgehen, dass schon in Mesopotamien
die Arbeit mit Magie eine gewisse Popularität genoss.
Das Wirken von Magie stand also in der Öffentlichkeit,
wobei dies auch durch Gesetze geregelt wurde.
Schwarze Magie war verboten und diejenigen, die Schadenszauberei betrieben,
wurden gesetzlich zur Verantwortung gezogen und verurteilt.

Viele der gefundenen Texte aus der Bibliothek Kisir-Assurs beschäftigen
sich mit der Arbeitsweise der sogenannten Beschwörer.
Kisir-Assur hatte zusammen mit seinem Schüler und Neffen, Kisir-Nabû,
von den wichtigsten Beschreibungen, die es über babylonische Rituale gab,
Abschriften angefertigt und diese gesammelt.

So können wir heute erfahren, dass die Hauptaufgabe der Beschwörer darin bestand,
den König und seine Beamten zu schützen, deren Wohlergehen zu sichern
und alles Unheil von König, Land und Volk abzuwenden.

Wenn also ein Fest zu Ehren des Staatsgottes stattfand,
hatte Kisir-Assur die Aufgabe, dafür zu sorgen,
dass die Durchführung aller Riten ordnungsgemäß verlief,
um den Gott günstig zu stimmen.

Davon zeugen Beschreibungen von Festen, Vorschriften für die Reinheit der Tempel,
besonders im kultischen Sinne, vielerlei verschiedene Bitt- und Sühnegebete
oder eine Reihe recht komplizierter Bade- und Reinheitsvorschriften für den König selbst.

Ritualanleitungen mit Titeln wie „Damit der, der ihn sieht, sich freut“
hatten den Zweck, den persönlichen Erfolg des Königs zu steigern.
Von der Hoffnung auf militärischen Erfolg erzählen Waffenweihen, Abwehrrituale
wie „Damit der Pfeil des Feindes nicht herankomme“
oder Maßnahmen zur Verminderung von Seuchen im Lager,
sowohl magisch als auch medizinisch.
Aber auch für den Alltag hatten die Zaubertafeln Kisir-Assurs Rituale,
wie „Um ein zänkisches Weib mit seinem Mann zu versöhnen“ zu bieten.

Andere Texte wiederum geben Auskunft, wie man Häuser, Paläste und
Tempel vor Krankheitsdämonen und Feinden schützen kann.
So vergräbt man zum Beispiel Figuren von Schutzgeistern unter Türschwellen.
Auch Kisir-Assur führte solche Rituale nicht nur als Auftrag aus, sondern auch privat,
wie die Figürchen der guten Geister, die man unter seinem Haus gefunden hat, beweisen.
Auf einer dieser Figuren steht „Tritt ein, Geist des Heils! Verschwinde, böser Geist“, geschrieben.

Durch die Sammlung verschiedener Omen hatten die Beschwörer die Möglichkeit,
vorzeitig den Zorn der Götter zu erkennen, bevor er in ein spürbares Unheil umschlug.
Um die Götter rechtzeitig zu besänftigen, hatten sie
eine umfangreiche Sammlung von „Löseritualen“ zu Hilfe.


Auch das Thema Medizin gehörte zu den Aufgabenbereichen
von Kisir-Assur und seiner Schüler.
Die Babylonier glaubten, ein Kranker sei von Dämonen oder Totengeistern besessen,
die den Menschen packen und fesseln, und setzten also Krankheit mit Besessenheit gleich.

Das Kindbettfieber beispielsweise wurde dem Wirken der Dämonin Lamashtu zugeschrieben.
Da überrascht es sicher auch nicht, dass zahlreiche Beschreibungen
von exorzistischen Ritualen in Kisir-Assurs Bibliothek gefunden wurden.
Manche Praktiken zum Zwecke der Heilung verbinden Gebete und Opfer,
um die Götter zufrieden zu stellen und Manipulationsmagie,
die einigen Praktiken des Voodoo gar nicht unähnlich zu sein scheint.
Auch Rituale zur Abwehr von Schadensmagie gab es in
der riesigen Sammlung der Bibliothek zu verzeichnen.


Niemand zweifelte an der Wirksamkeit dieser Ritualsammlung,
denn die Schriften schienen von den Kenntnissen aus der Zeit vor der Sintflut
und von göttlichen Offenbarungen zu zeugen.
In den Rezepten, die erhalten sind, werden verschiedene Medikamente genannt,
die sowohl äußerlich als auch innerlich angewandt wurden.

Zudem kommt eine lange Liste an Pflanzen und Steinen hinzu,
von denen sich die meisten heute nur schwer identifizieren lassen.
Oft wurden den verwendeten Pflanzen Decknamen gegeben.
So kann man kaum mehr sagen, ob die verwendeten Medikamente
aus diesen Pflanzen und Steinen eine pharmakologische oder
eine eher magische Heilwirkung hatten.

In den Rezepten wird beschrieben, dass die Zutaten für ein Medikament
oft Tränken wie Bier, Milch, Wein, Wasser oder Öl beigesetzt wurden,
doch selbst Pillen, Zäpfchen und Tampons wurden damals schon hergestellt und verwendet.

An den vielen akribisch gesammelten Schriften kann man erkennen,
dass die Beschwörer nicht nur für die Magie,
sondern auch für die Medizin ein wissenschaftliches Interesse hegten
und somit Magie und Ritual dafür nutzten,
um die Ordnung der Welt aufrecht zu erhalten.

Doch auch nicht nur unter den Beschwörungspriestern,
sondern auch unter dem einfachen Volk waren die magische Praxis
oder Bräuche zur Abwehr von bösen Geistern, Dämonen und anderem Übel zu finden.

So wurden nicht nur Figuren, oft auch in Form von Hunden,
unter Türschwellen vergraben, sondern auch kleine Applikationen
von Blut an Türpfosten angebracht.
Eine ähnliche Praxis wird auch in der Bibel beschrieben.
Zum Osterfest wurde gemeinschaftlich ein Lamm geschlachtet und verspeist.
Das Blut dieses Lammes verwendete man dann dazu, die Türen zu beträufeln (2. Mose 12:7).

Neben Figuren und Puppen, die sich nicht nur auf Schutz-,
sondern auch auf Fruchtbarkeits-, Liebes-, Schadens- und Heilzauber beziehen konnten,
erfreuten sich auch Amulette großer Beliebtheit.
Daran kann man erkennen, dass auch die sympathiemagische Praxis
recht ausgeprägt gewesen zu sein schien.

In den archäologischen Funden, die am besten erhalten waren,
gab es vorrangig Figuren, die auf Fruchtbarkeits- oder Liebeszauber schließen lassen.
Die Darstellungen reichen von Objekten in Form männlicher Glieder bis hin
zu Püppchen mit übergroßen Geschlechtsteilen.

Auch heute findet man in der iranischen Mythologie Zauberer.
Diese Zauberer werden Yatas genannt und ihre Techniken sind Gaukelei und Verwandlung.
Die weiblichen Gegenstücke bezeichnet man als „Pairikas“ oder auf neupersisch „Paris“.
Sie gelten als schöne Zauberinnen, die den reinen Menschen
mit ihren Künsten zu verführen versuchen und
Gegnerinnen der wahren Religion sind.
Ähnliche Aussagen findet man auch in der Bibel.

Aber nicht nur die Magie und die Medizin, sondern auch
die Mythologie oder die Religion hatte im alten Babylon wissenschaftliche Charakterzüge,
die sich in der Sternenkunde widerspiegelten.
Die babylonische Religion setzte sich aus moralischen Werten,
transzendentem Verständnis und ritueller Praxis zusammen.

Die gesamten Grundzüge hatten die Babylonier mit einigen Änderungen
fast ausschließlich von den Sumerern übernommen.
So musste der amurritische Gott Marduk, dem mit dem Ausbau der Stadt Babylon
zum kulturellen und religiösen Zentrum ein besonderer Platz in der Götterwelt zuteil wurde,
erst durch einen neuen Mythos legitimiert werden, der besagte,
dass seine sumerischen Vorfahren, die Götter An und Enlil,
ihm eigenhändig die Macht übergeben hätten.

Die Babylonier glaubten, dass jeder der babylonischen Götter
einen kleinen und klar begrenzten Teil des Universums regierte,
wofür feste Gesetze und Regeln bestanden.

So trug auch jeder die Verantwortung für ein großes Reich,
wie Erde, Himmel, Luft oder Wasser, oder für einen Himmelskörper,
wie Sonne, Mond oder Sterne, oder für einen Teil der Erde, wie Flüsse,
Ebenen oder Gebirge, oder für eine Stadt oder einen Staat.
Selbst bestimmte Werkzeuge wie Pflüge oder Spitzhacken
unterstanden einem eigenen Gott sowie jeder Babylonier einen eigenen Schutzgott besaß,
zu dem er betete.

Und an der Spitze aller dieser Götterfiguren fand man Marduk als Stammesgott der Amurriter.
Vor Hammurapis Regentschaft hatte Marduk eher nur eine kleine unbedeutende Rolle inne.
Doch wenn man von der Geschichte des babylonischen Schöpfungsepos „Enuma elish“ ausgeht,
erhielt Marduk die Herrschaft über das Universum und alle Götter, nachdem er Tiamat,
die als eine Urgöttin des Chaos bekannt ist, geschlagen hatte.
Aus ihrem Körper gestaltete er Himmel und Erde,
regelte den Lauf der Gestirne und schuf den Menschen.

Sowohl Ea, der Gott der Weisheit, Beschwörung und Magie,
als auch der Mondgott Sin gehörten neben Marduk zu den wichtigsten Göttern.
Schamasch, Gerechtigkeits- und Sonnengott, war ebenso Teil des Pantheons
wie Ishtar, die dynamische, ehrgeizige und grausame Liebes- und Kriegsgöttin,
Adad, ein Wind-, Sturm- und Flutgott und Nabu, Marduks Sohn und Herold
und Schreiber der Götter, dem eine nahezu ebenso starke Verehrung zuteil wurde
wie seinem Vater. Neben den Göttern des Himmels und einigen engelhaften
Geistern gab es außerdem die Götter der Tiefe sowie
zahlreiche Ungeheuer, Teufel und Dämonen.


Je näher man also den Himmelsgöttern kommen wollte,
umso höher musste man steigen. So dachte zumindest Nebukadnezar II.,
als er den Turm zu Babel erbauen ließ.
Wie oben schon beschrieben, war dieser Turm 90 Meter hoch,
von dem aus man die Sterne sehen konnte.
Die Babylonier glaubten, die Sterne erzählten Geschichten
aus dem Reich der Unsterblichen.

In diesem Turm war nicht nur ein Marduk-Tempel,
sondern auch eine Astronomieschule untergebracht.
Diese Wissenschaft hatte ihre Blütezeit von 650 bis 50 v. Chr.,
doch wurde sie schon seid ungefähr 2000 v. Chr. betrieben.
Es wurde genau Buch über Auf- und Untergänge aller Gestirne und Planeten geführt.
Alle Bewegungen und Erscheinungen am Himmel wurden penibel protokolliert und ausgewertet.

Zudem wurden Besonderheiten notiert, wie die Ab- oder Zunahme
der Diebstähle auf dem Markt, das Preisverhalten wichtiger Lebensmittel,
das Erscheinen von Regenbögen oder das Ausbrechen von Feuer.

Man glaubte, die Himmelskörper würden die Geschicke der Menschen beeinflussen.
Deshalb wurde beispielsweise nie eine militärische oder politische Entscheidung getroffen,
ohne vorher die Sternendeuter zu Rate gezogen zu haben.
Dieser Glaube trug der Priesterklasse große Macht zu.
Es gab keinen Tempel, der nicht eine eigene Sternwarte hatte.

Auch in der Bibel werden die Babylonier als Astronomen, Astrologen und Wahrsager erwähnt.
Das Wort „gaserin“ oder „gezar“, welches in der aramäischen Schrift benutzt wird,
hat weniger mit Himmel zu tun als mit dem Teilen von Dingen.
Die Grundbedeutung ist „Heraushauen“, „Herausteilen“ und wird hier
vermutlich auf die Astrologen bezogen sein, die den Himmel in Felder einteilten.
In einigen deutschen Übersetzungen wird das aramäische Wort mit
„Wahrsager“ wiedergegeben (Daniel 2:4 - 7:28).

Es ist von Sternbeschauern die Rede, die Ereignisse aus den Bewegungen
der Gestirne deuten können. Man könnte sie Omen-Astrologen nennen.
Zusätzlich existierten aber auch jene, die monatliche Voraussagen trafen,
indem sie vermutlich den Mond zur Basis ihrer Beobachtungen machten.

Aber die Babylonier teilten nicht nur den Himmel in Stücke,
wenn sie ihre Omen verkündeten, sondern auch die Leber von Opfertieren (Hesekiel 21:26).
Die Leber wurde als eine Art kleines Abbild des Himmels betrachtet.
Aus der Zeit Hammurapis wurde in Babylon ein Lebermodel mit Himmelsunterteilung
in einer Tempelschule gefunden, was uns schlussfolgern lässt,
dass die Leberschau als eine besondere Form der Astrologie gelten musste.



. - Was Du aufdeckst, - offenbart sich . -

"Die Erlösung kann nicht verdient, nur empfangen werden, - darum ist sie die Erlösung". -

"Es ist alles Illusion, - was nicht aus mir selber spricht,
- denn es ist ein Zusatz, - dieses Eine nicht". -

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#2

RE: Wahrsagung:

in Cumhachd - Damhain Alla: 01.02.2010 17:46
von Atlan • Nexar | 14.588 Beiträge

Wenn man also die Bibel als historische Quelle betrachtet, wurden in ihr viele Formen der magischen Arbeit erwähnt, verteufelt und verurteilt oder einfach nur protokolliert. So kann man im Alten Testament als Spiegel dieser Zeit viele Methoden finden, wie man Zukunftsschau betreiben könnte. Oft sind es nur Erwähnungen, dass etwas stattfindet und nicht wie. So liest man von der Wahrsagerei aus einem silbernen Becher (1. Mose 44:5), sich wahrsagen zu lassen (1. Chronik 10:13), man liest von Totengeistern und Beschwörern (Jesaja 8:19), von der Weissagung durch das Werfen von Pfeilen oder der Leberschau, dem Befragen von Holzstücken und von Rauch- und anderen Opfern (Hosea 4:12-13). All diese Praktiken finden zwar Erwähnung in der Bibel, werden aber als Abkehr von Gott dargestellt. Die einzige Weissagung oder Prophetie, das einzige Wunder, welches gut für den Menschen ist, geschieht nur durch oder im Sinne des Herrn. So findet man darin nicht nur die Erwähnungen von Wahrsagerei, sondern auch das Verbot, als Gottgläubiger damit in Berührung zu kommen (3. Mose 19:26, 31 und 20:6). Die Zauberer oder Giftmischer dürfen nicht am Leben gelassen werden (2. Mose 22:17), denn diese Zeichendeuter, Hellseher und Geisterbeschwörer sind nicht in Gottes Sinn (5. Mose 18:9-14), weshalb er als alleinige Schöpferkraft „die Weisen zurücktreibt und ihre Kunst zur Torheit macht“ und Schande und Spott über die Seher und Wahrsager kommen soll, weil sie Lügen verbreiten, denn der Herr ist der Hirte, der die Menschen führt und nicht die Zeichen, die sie deuten (Jesaja 44:24-25; Micha 3:6-7; Sacharja 10:2).
Babylon hatte also viele Zeichendeuter, nur vermochten sie eines dennoch nicht. Die Zeit der Perserherrschaft nahte, doch wenn es Anzeichen dafür gab, wurden sie übersehen. Im 8. Jahrhundert v. Chr. sagte der Prophet Jesaja den Untergang Babylons voraus und forderte die Sterndeuter auf, ihre Stadt und ihren Staat zu retten:
„Du [Babylon] hast dich müde gemacht mit der Menge deiner Pläne. Es sollen hertreten und dir helfen die Meister des Himmelslaufs und die Sterngucker, die an jedem Neumond kundtun, was über dich kommen werde!“ (Jes 47:13)

Doch danach brachte Nebukadnezar II. diese Stadt zu ihrer vollen Blüte. In der Bibel scheint er einen schlechten Ruf inne zu haben, was vermutlich an seinem Eroberungszug gegen Jerusalem gelegen hat. Er belagerte und eroberte die Stadt, setzte einen eigenen Stadthalter ein und ließ sowohl den Tempel verbrennen, die Tempelgeräte fortschaffen als auch Gefangene mit nach Babylon nehmen. Unter den Gefangenen war auch der Prophet Daniel. Auch nach Nebukadnezars Tod behielt Babylon seinen Glanz, bis sich Jesajas Prophezeiung erfüllte. Regent der letzten Jahre dieser Epoche war Belsazar, vermutlich ein Enkel Nebukadnezars. Eines Abends, wahrscheinlich der 5. Oktober 539 v. Chr., hielt Balsazar ein großes Festmahl ab, als an der Wand des Palastes eine Schrift erschien: „Mene mene tekel u-parsin.“ Letztendlich war es Daniel, der diesen Spruch übersetzen und dem König erklären konnte, was er bedeute: Gott hat dein Königtum gezählt und beendet. Du wurdest auf einer Waage gewogen und für zu leicht befunden. Dein Reich wird geteilt und den Medern und Persern gegeben. (Daniel 5:25-28). In derselben Nacht wurde Belsazar getötet.
So zog 539 v. Chr. Kyros II. von Persien in Babylon ein. Er wurde vom Volk freudig begrüßt, denn Belsazar und sein Vater wollten den Marduk-Kult durch einen anderen Gott ablösen lassen. Der König der Perser fand die Sympathie des Volkes, indem er Marduk wieder als Stadtgott bestätigte. Auch ließ er die durch Nebukadnezars Eroberung Jerusalems im Exil lebenden Juden und Israeliten in ihre Heimat zurückkehren. Seine Beamten durchsuchten die babylonischen Schatzkammern nach dem verschleppten Tempelgerät und gaben es den Juden zurück. So herrschten die persischen Großkönige ungefähr 200 Jahre lang maßvoll, bis sich schließlich auch sie zu gottgleichen Despoten entwickelten.


Durch den jungen Alexander, den König von Makedonien, wurde das Persische Reich und somit Babylon erobert. Doch mit dem Ende seiner Regentschaft 323 v. Chr. fand es durch die Streitigkeiten unter seinen Männern und die daraus entstehende Zersplitterung des Reiches seinen Untergang. Die gesellschaftlichen Strukturen wandelten sich und zurück blieben nur noch die Überlieferungen, die davon zeugen, was für eine große Ära die Zeit der Sternendeuter und Babylon war.


Noch im 1. Jh. v. Chr. berichtete Diodor, ein römischer Geschichtsschreiber, voller Bewunderung: „Sie studieren die ganze Zeit ihres Lebens. Sie beschäftigen sich viel mit der Wahrsagekunst und versuchen, die Abwendung der üblen Dinge und die Erfüllung der guten zu erreichen."
Lilye


Quellen:

Wachturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft, Einsichten über die heilige Schrift, Bd. 1 + 2
Mircea Eliade, Geschichte der religiösen Ideen, Bd. 1, 2002
Württembergische Bibelanstalt, Bibel oder die ganze heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments – Nach der deutschen Übersetzung Martin Luthers, 1947
http://www.hermes-astrologie.com/history1.htm (Stand: 15.02.09)
http://www.das-hexennet.net/geschichte_mesopotamiens.htm (Stand: 17.02.09)
http://de.wikipedia.org/wiki/Astrologie#..._der_Astrologie (Stand: 15.02.09)

http://www.israswiss.ch/shalom/lechaim/5...5c510e2233.html (Stand: 21.02.09)
http://www.uni-heidelberg.de/fakultaeten...ung/gelehr.html (Stand: 05.03.09)
http://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/...ec3ff17d39/#h13 (Stand: 05.03.09)

Bildquellen:
Bertelsmann Lexikon, Bertelsmann Lexikothek Verlag GmbH, Bd. 2 (Grundriss Babylon)
Albert S. Lyons, Der Blick in die Zukunft – Das große Buch vom Wahrsagen, 2004 (Tontafel)

- Vernetze zu: forum.php?forum=34


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