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Der blaue Eisenhut:

in Cumhachd - Damhain Alla: 01.02.2010 17:09
von Atlan • Nexar | 14.588 Beiträge

Der Blaue Eisenhut gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse.
Sein lateinischer Name ist Aconitum napellus und ist im Volksmund unter anderem
als Mönchskappe, Sturmhut, Wolfstod, Venuswagen und Giftkraut bekannt.

Aconitum stammt von dem griechischen Wort akonitos ab,
welches soviel wie „unbesiegbar“ heißt.

Am Berg Akonitos soll Hekate den Eisenhut
aus dem Speichel des Cerberus gebildet haben.
Die griechische Bezeichnung für Wetzstein heißt Akone und Konos bedeutet soviel wie Kegel.

Napellus stammt von dem Wort Napus ab und bedeutet Rübe,
ein Hinweis auf die Form der Wurzelknolle.

In einer Niederschrift von Hieronimus Bock von 1359 fand man auch die Bezeichnung
Isenhütlin (Hut der Isis).
Im alten Ägypten war Isis die pflanzenkundige Göttin schlechthin und die Isiskulte
existierten bis zur Christianisierung bis nach Südgermanien hin.

In Norwegen heißt der Eisenhut Tyrhialm, das bedeutet, der Helm des Gottes Tyr.
In Niederösterreich nennt man den blauen Eisenhut auch Himmelsmutterschlapfen
und die Franzosen brachten diese Pflanze mit der blaublütigen Venus in Verbindung,
indem sie dem Blauen Eisenhut den Namen Char de Venus (Venuswagen) gaben.


Der Blaue Eisenhut ist in Mittel- und Westeuropa verbreitet,
nur findet man ihn am Häufigsten auf feuchten Weiden,
generell in höheren Gebieten bis zu 2500m, an Bachufern und in feuchten Wäldern.

Er wächst gut auf kalkhaltigen und humusreichen Böden.
In den Gärten findet man den blauen Eisenhut sehr häufig als Zierpflanze,
allerdings ist er in der Natur recht selten geworden und steht deshalb unter Naturschutz.

Rübenartige Wurzeln bilden die Grundlage, der bis zu 1,50m hoch werdenden Staude.
Die langstieligen Blätter am unteren Ende sind gefiedert, nach oben hin werden sie immer kleiner.
Der Spross ist aufrecht und glatt und am oberen Ende befinden sich
die charakteristischen, helmartigen, blau-violetten Blüten,
die dem Blauen Eisenhut seinen Namen geben.
Blütezeit ist von Ende Juni bis September.
Die Bestäubung erfolgt durch Insekten, wobei dies im Falle des Eisenhutes
hauptsächlich Hummeln sind.
Sie können sich auf den Blüten niederlassen, müssen aber,
um an den Nektar zu gelangen vollständig in sie hineinkriechen.

Den Blauen Eisenhut kennen viele Menschen, neben dem Fingerhut,
als eine der giftigsten Pflanzen in ganz Europa.

Giftige Bestandteile dieser Pflanze sind die Alkaloide,
die sich vor allem in der Knolle und im Samen konzentrieren.
In den Blättern sind sie etwas weniger vorhanden, aber dennoch in hochgiftiger Dosis.

Durch mehrfache Verästelung der Alkaloide entsteht Aconitin,
dies sorgt für die hohe Giftigkeit dieser Pflanze.
Schon 2-5 mg hiervon sind für einen Erwachsenen tödlich,
dies entspricht etwa 1-2g der getrockneten Knolle.
Aconitin wird auch über die Haut resorbiert und kann schon
beim Anfassen der Pflanze zu gefährlichen Vergiftungen führen.

Welche Vergiftungserscheinungen können auftreten,
wenn man mit dem Blauen Eisenhut in Kontakt kommt?
Die Haut beginnt an der betroffenen Stelle zu kribbeln und kann taub werden.
Wenn man die giftigen Bestandteile eingenommen hat, führt dies zu Erbrechen,
Durchfall, starker Nervosität, Herz-Rhythmusstörungen und Krämpfen.

War die Dosis an Giftbestandteilen zu hoch,
dann ist es sehr wahrscheinlich, dass der Tod eintritt,
wenn man nicht schnell genug ärztliche Hilfe bekommt.

In der Antike und im Mittelalter galt das Gift des Eisenhutes,
das Aconitin als das am Weitesten verbreitete Mordgift.
Der Prophet Mohammed bemerkte den stark bitteren Geschmack des Giftes
und entging so seinem frühzeitigen Ableben,
jedoch heißt es, dass er drei Jahre nach dem Giftanschlag an den Folgen des Giftes starb.
Der römische Kaiser Claudius und Pabst Hadrian VI sollen ebenfalls
Giftanschlägen mit Eisenhut zum Opfer gefallen sein.

Im alten Rom galt es durch Senatsbeschluss auf Grund seiner Funktion
als illegales Aphrodisiakum, Anaphrodisiakum und Abortivum und damit
als verbotenes Zaubermittel, demzufolge wurde es untersagt, Eisenhut anzubauen.

Den Griechen war es ebenfalls in der damaligen Zeit nicht gestattet
Eisenhut anzupflanzen, allerdings durfte er noch in den staatlichen Gärten gezogen werden.
Der Römer Plinius der Ältere bezeichnet den Blauen Eisenhut
in seiner Naturalis historia als vegetabilisches Arsenik (pflanzliches Arsen).

Laut der griechischen Sage entstand der Blaue Eisenhut aus dem Speichel des Cerberus,
welcher von Herkules am Hügel Akonitos in Pontros aus der Unterwelt geholt wurde.

Eine andere Legende sagt, dass der Eisenhut das herunter getropfte Blut
des Prometheus sein soll, der im Kaukasus an einen Felsen gekettet dafür büßte,
dass er den Menschen das Feuer gebracht hatte.

Im alten Griechenland richtete man Schwerverbrecher mit diesem Gift hin,
da der Tod als besonders grausam galt.
Aufgrund der wirklich sehr hohen Giftigkeit und der schnellen Wirkung
vom Blauen Eisenhut auf das Nervensystem, wurde er auch als Pfeilgift verwendet;
zum einen im Krieg und zum anderen aber auch als Hilfsmittel bei Jagden.
Laut dem griechischen Arzt Dioscurides wurde die Wurzel zur Wolfsjagd genutzt.
Man spickte rohes Fleisch mit der Knolle der Pflanze, die Wölfe fraßen es und starben.

Aus Mitteleuropa ist die Verwendung des Eisenhuts neben Tollkirsche,
Bilsenkraut, Schierling und anderen psychoaktiven Pflanzen in der Flugsalbe bekannt,
die den Hexen verhelfen sollte, mit ihren Besen zum Hexensabbat zu reiten.

Diese Salbe wurde entweder auf dünnen Hautschichten direkt aufgetragen
oder der Stiel des Besens einrieben, wodurch die Substanzen
durch die Schleimhäute der Genitalien in den Körper gelangten.
Die starken Vergiftungserscheinungen und die damit verbundenen Halluzinationen
führten dazu, dass die Betroffenen den Eindruck gewannen, wirklich zu fliegen.

Magisch kann man den Eisenhut darüber hinaus recht vielfältig verwenden.
Da er mit den griechischen Unterweltsmythen in Verbindung steht,
lässt er sich für schamanische Reisen nutzen.

Seine englische Bezeichnung "wolfsbane" deutet auf
die Anwendbarkeit bei Tierverwandlungen hin.

Laut einer russischen Legende versteckte sich der Teufel,
als er aus dem Himmel vertrieben wurde in einer Blüte des Eisenhutes.
Deshalb gilt er auch als eine Pflanze, die unsichtbar macht.

Darüber hinaus eignet er sich generell als Schutzpflanze und soll,
wenn man ihn mit Blut in Verbindung bringt, zur Abwehr dienen.

Dass man bei seinem Einsatz äußerste Vorsicht walten lassen sollte,
versteht sich von selbst.
Von jeder oralen Aufnahme ist dringend abzuraten,
in Verbindung mit Räuchermischungen dagegen eignet sich der Blaue Eisenhut
zur Reinigung, Erdung und Beruhigung.

Doch der Blaue Eisenhut ist nicht nur als Giftpflanze bekannt,
sondern hat auch eine gewisse Heilwirkung.
Blauer Eisenhut wirkt narkotisierend und schmerzlindernd, nervenstärkend,
appetitanregend, verdauungsfördernd, stimulierend, anaphrodisierend,
beruhigend und fiebersenkend.

Plinius berichtete damals schon, dass man ihn
zur Linderung bei Augenleiden einsetzen konnte.
Später gewann er auch an Ansehen in der Volksmedizin
und wurde bei Erkältungen, Schmerzen, Schlaflosigkeit, Gicht, Rheuma
und bei Entzündungen im Verdauungstrakt, sogar auch bei Wurmbefall angewandt.

Tinkturen und Salben werden heute noch gelegentlich von Ärzten verordnet.
In der ayurvedischen Medizin wird eine entgiftete Zubereitung
gegen Vergiftungen im Verdauungssystem eingesetzt,
welche zum Erbrechen führt und damit schädliche Substanzen
sozusagen aus dem Körper spült.

In der Homöopathie wird Aconitum ab der vierten Potenz (D4)
bei Fieber, Ischias und Schmerzen generell verwendet.
Es heißt, dass Aconitum D4 bei ersten Erkältungserscheinungen
einen grippalen Infekt verhindern kann, wenn man drei bis fünf Mal
am Tag fünf bis zehn Tropfen einnimmt.


Im Ostasiatischen Raum gibt es zwei Pflanzen,
die dem Blauen Eisenhut sehr ähnlich, jedoch um einiges giftiger sind:

Aconitum ferox und Aconitum japonicum.

Auch dort wurden diese Pflanzen zur Jagd verwendet, hauptsächlich auf Bären und Elefanten.
Diese beiden Pflanzen wurden dem hinduistischen Gott Shiva zugeordnet.

Beim Quirlen des Urozeans drangen sämtliche Giftessenzen nach oben,
die anderen Götter fürchteten sich und gingen zum meditierenden Shiva
um ihn um Hilfe zu bitten.
Dieser nahm das Gift zu sich, doch seine Frau ängstigte sich um ihn
und drückte ihm den Hals zu, so dass ihm das Gift im Hals stecken blieb
und diesen blau färbte. Dadurch rettete Shiva alle Geschöpfe vor dem Gifttod.
Nur etwas Gift tropfte von seiner Hand und ist heute
im Aconitum ferox und anderen Giftpflanzen vertreten.

Es gibt in Indien eine tantrische Gruppierung, Aghoris genannt,
welche die Aconitum ferox als tantrisches Rauschmittel nutzen,
indem sie die getrockneten Blätter der Pflanze rauchen.
Die erwähnten Aghoris stehen im Dienste Shivas.


Im Kräuterbuch des Tabernaemontanus steht folgendes:

"Es ist diß Kraut (vor allen anderen Gewächsen / das ärgste Gifft / dann es) also gifftig
/ daß auch der beste Theriak oder Mithridat (damaliges Gegengift)
nichts dargegen schaffen kan / derowegen diejenigen /
so diß Kraut im Garten wachsen haben / fleißig achtung geben sollen /
damit diß gifftige und tödliche Kraut nicht unter andere Kochkräuter genommen werde /
dann es den Menschen in kurzer Zeit ums Leben bringe."

Frei übersetzt:

"Dieses Kraut ist so giftig (das wirksamste Gift von allen),
dass auch das beste Wundermittel nichts dagegen machen kann.
Deshalb müssen diejenigen, die das Kraut im Garten wachsen haben,
sehr aufpassen, damit das giftige und tödliche Kraut nicht unter
die anderen Kochkräuter gerät, denn es würde die Menschen
die es nehmen in kurzer Zeit töten"


Danu


Quellen:
M. Pahlow, Das große Buch der Heilpflanzen, 2004
Müller-Ebeling, Rätsch, Storl, Hexenmedizin, 1998
S. Golowin, Die Magie der verbotenen Märchen
Storl, Kräuterkunde, 2002

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zuletzt bearbeitet 28.04.2014 12:39 | nach oben springen
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