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Zauberer:

in Zauber. - 17.11.2010 00:38
von Adamon • Nexar | 13.490 Beiträge

Definition:

Als Zauberer oder Magier werden Menschen bezeichnet,
deren Fähigkeiten aus der Perspektive des Beobachters nicht in Einklang
mit dessen bisheriger Interpretation der Umwelt stehen und sich von ihm auch nicht religiös deuten lassen.


Zauberer/zaubern:

Der Begriff „zaubern“ stammt von dem mittelhochdeutschen zouber, dem althochdeutschen zaubar
und wohl dem mittelniederländischen tover für "Zauberei" ab,
was sich vermutlich von dem altenglischen Wort teafor für "rote Farbe, Ocker, Rötel" ableitet,
die für das Schreiben von Runen verwendet wurde.

Da der Begriff „Runen“ in etwa „geheimes Wissen“ bedeutet, ist ein Zauberer daher ein „Wissender“.
In früheren Kulturen unterschied man bei der Wahrnehmung der Umwelt
nicht zwischen profanem und spirituellen, sondern interpretierte alles magisch,
so dass einem Wissenden stets auch magisches Wissen beigemessen wurde.
Die Bedeutung des Begriffs "Zauberer" als „Wissender“ ist identisch mit der bei den persischen Magiern,
dem lateinischen vates, den keltischen Druiden (Drui),
den Derwischen und den englischen wizards und witches.
Auch der altägyptische Gott Toth war gleichermaßen für Schrift, Wissenschaft und Magie zuständig.
Zauberer waren also ursprünglich Wissenschaftler und Intellektuelle.
Während die Begriffe „Zauberer“, „zaubern“ und „Zauberkunst”
auch für Zauberei im magischen Sinne stehen, verwendet man die Bezeichnung
Zauberkünstler ausschließlich für täuschende Unterhaltungskünstler.

Den meisten Religionen sind Berichte von Wundern und wundertätigen Menschen zu eigen;
auch werden alltägliche Geschehnisse wie Glück, Genesung von Krankheiten usw.
oft der Religion zugeschrieben. Beanspruchen Menschen Heilerfolge etc.
für sich, ohne dabei im Namen der herrschenden Religion aufzutreten,
werden deren Fähigkeiten in vielen Kulturen nicht als religiös,
sondern als etwas anderes, eben Zauberei interpretiert.

Bereits im Codex Hammurabi wurde Zauberei verboten,
woraus folgt, dass Zauberei etwas von der Religion verschiedenes war.
Auch in der ägyptischen Mythologie wurde zwischen Religion und Zauberei unterschieden,
wobei Priester jedoch durchaus gleichzeitig auch Zauberer sein konnten wie etwa Imhothep.

Im religiös toleranten Rom wurden die Dienste keltischer Seher bis ins 4.Jhdt akzeptiert,
bis schließlich eine staatliche Verfolgung gegenüber allem einsetzte, was der Staatsreligion widersprach.
Die römische Kirche übernahm dieses Konzept, diskreditierte andere Religionen als Aberglaube und Zauberei.
Insbesondere bei der Christianisierung der keltischen Gebiete wurden zwar vorgefundene
Strukturen übernommen, jedoch in christliche umdefiniert und die druidischen Wurzeln verbrämt.

So machte die christianisierte Geschichtsschreibung aus dem Druiden Myrddin
den heidnischen Zauberer Merlin, der sich nur scheinbar dem Christentum unterordnete.
Aus den bei den Kelten selbstverständlichen Druidinnen wurden Hexen.

Die unterschiedliche Bewertung ähnlicher Sachverhalte wird besonders deutlich
beim biblischen Wettstreit zwischen Simon Magus und Petrus,
von denen identische Taten berichtet werden.
In christlich geprägten Kulturen sind Hellseher, Astrologen und Geisterbeschwörer stark verbreitet,
was in der Bevölkerung oft nicht als unüberwindlicher Widerspruch empfunden wird.
Dennoch wird die Bezeichnung „Zauberer“ in diesem Zusammenhang stets abwertend verwendet,
zumal die Bibel Zauberei verbietet (Exodus 22,17 Denn die Zauberer sollst du nicht am Leben lassen.).
Der Gott der Bibel beansprucht als Schöpfer alleinige Macht über alles Übernatürliche.
Er beruft durch seinen (Heiligen) Geist Menschen mit übernatürlichen Gaben
(im Neuen Testament oft: Geistesgaben). Alle anderen übernatürlichen Gaben und Fähigkeiten werden abgelehnt.

Naturwissenschaftler mit teilweise christlicher Prägung und Techniker
wie Albertus Magnus, Nostradamus oder Gutenberg
wurden von ihrer unverständigen Umwelt häufig der Zauberei verdächtigt.

Mit Beginn der Neuzeit setzte die Hexenverfolgung ein.
Nicht zuletzt deshalb sind in den Märchen Hexen und Zauberer
meist auf der Seite des Bösen zu finden (z.B. bei Hänsel und Gretel).

Verhältnis von Zauberern zur Politik („Hofmagier“):

In vielen Kulturen haben sich Machthaber auf Druiden, Medizinmänner und Schamanen gestützt,
um ihren Machtanspruch religiös zu festigen.
Druiden waren daneben auch als Kundschafter und Berater tätig und ersannen
Kriegslisten wie das Einnebeln von Kampfplätzen durch Verbrennung von Eschenholz.
Auch nach Christianisierung der ehemals keltischen Gebiete fuhren viele Fürsten zweigleisig,
indem sie die Heilkünste, Horoskope und Prophezeiungen der Druiden in Anspruch nahmen.
Da die Druiden sehr gelehrt waren, die schönen Künste wie etwa Musik pflegten
und im Volk nach wie vor Ansehen genossen, vermittelten sie nunmehr als Barden
ihrem jeweiligen Mäzen hohen Status. Selbst Karl der Große hielt sich einen Hofastrologen,
obwohl er konform mit der Kirche seinen Untertanen Astrologie verbot.
Das französische Synonym für Zauberer enchanteur (english: enchanter) erinnert an deren kulturelle Funktion.
Prominentestes Beispiel für einen Zauberer als politische Integrationsfigur ist Merlin,
dessen Mythos im 12.Jhdt in der Artussage dazu benutzt wurde,
um den Inhaber des walisischen Drachenthrons zu legitimieren
und der Nation eine identitätsstiftende Nationalgeschichte zu bieten.

Bis ins 17.Jhdt erwarteten Adelige auch von christlichen Wissenschaftlern
Zukunftsvorhersagen etwa mittels der an sich unchristlichen Astrologie.
In den letzten Jahrhunderten bewegten sich einzelne Zauberer
im Dunstkreis der Macht wie Cagliostro, Rasputin und Hanussen.
Noch im 20.Jhdt versprachen sich Staatslenker westlicher Nationen
etwa von Astrologen taktisch verwertbare Informationen.


Verhältnis von Zauberern im magischen Sinn zu Täuschungskünstlern:

Da Zauberern und insbesondere religiös akzeptierten Wundertätern sowie Priestern
eine hohe soziale Stellung zuteil wird, ist die Versuchung naheliegend,
sich diesen Status durch Täuschungsmanöver zu erschleichen.
Antike Tempelmagier, Fakire und Hellseher arbeiteten oft mit Tricks oder
nutzten ihren Wissensvorsprung über Naturgesetze.
Der berühmteste Scharlatan war „Graf“ Cagliostro.
Um der Hexenverfolgung mit Aufklärung zu begegnen verfasste Reginald Scot 1584 A Discovery of Witchcraft,
welches erstmals die Tricks der Gaukler offenlegte, um wenigstens diese zu schützen.
Unterhaltsam auftretende Zauberkünstler, die bis ins 19.Jhdt durchaus offen ließen,
welcher Natur ihre Fähigkeiten waren, fühlten sich traditionell zur Enthüllung ihrer Meinung
nach betrügerischer Wundermenschen herausgefordert:

An dem viktorianischen Geisterbeschwörer Daniel Dunglas Home rieben sich
die prominenten Illusionisten John Henry Anderson und John Nevil Maskelyne.
Starzauberer Harry Houdini machte die Enttarnung von betrügerischen Spiritisten
zu seiner Lebensaufgabe. Auch der deutsche Zauberer Fredo Marvelli demaskierte
mit Vorliebe falsche Hellseher. New Age-Magier Uri Geller sieht sich seit über drei Jahrzehnten
mit dem Illusionisten James Randi konfrontiert, der die Existenz echter Zauberer bezweifelt
und zum Begründer der Skeptiker-Bewegung wurde.

Manchen getarnten Zauberkünstlern gelang es,
in Laborversuchen Parapsychologen von ihren zauberischen Fähigkeiten zu überzeugen,
siehe Projekt Alpha. Zu den klassischen Streitfragen unter den Zauberkünstlern gehört die Diskussion,
inwieweit es ethisch vertretbar ist, zu Unterhaltungszwecken als echter Gedankenleser
oder Hellseher zu posieren und hierdurch irreführende Referenzen für insoweit aufgeschlossene zu schaffen.

Zaubersprüche:

Während praktisch in allen Kulturen magische Beschwörungsformeln praktiziert wurden,
spielte bei den Kelten das gesprochen Wort eines Druiden eine besonders gewichtige Rolle.
So konnten Druiden auf einem Kampfplatz eine drohende Schlacht durch ein entsprechend autoritäres Wort verbieten.
Flüche von Druiden waren eine sehr ernstzunehmende Strafe,
und die Verbannung vom gemeinsamen Opfer (dem Vorläufer der Exkommunikation)
das Ende der jeweiligen gesellschaftlichen Existenz.
Der geheimnisvolle Nimbus der druidischen Verbalmagie rührte auch von dem Umstand her,
dass die Druiden keinerlei Schrift verwendeten, es sich also um Geheimwissen handelte.
(Die Druiden selbst benutzten auch nicht etwa Runen, was nicht ausschließt,
dass diese „für den Privatgebrauch“ für magische Zwecke benutzt wurden.)
Wie Tacitus schreibt, verfehlten die eindrucksvollen Verfluchungen des Gegners
vor Schlachten durch furiose Druidinnen nicht ihre einschüchternde Wirkung.

Siehe auch: Merseburger Zaubersprüche

Von Zauberern wurde stets die Erfüllung primärer Bedürfnisse verlangt wie Heilung von Krankheiten,
Vorhersage und Beeinflussung des Wetters, Prophezeiungen aller Art und Begünstigung in jeder Lebenslage.
Hierzu war oft ein Opfer erforderlich.
Neben ihren magischen Fähigkeiten betätigten sich Zauberer aller Kulturen als Ratgeber,
Lehrer, Richter, Wissenschaftler und Künstler.
Viele Praktiken waren Zauberern vorbehalten,
setzten etwa eine abgeschlossene Druidenausbildung voraus,
während andere Praktiken wie die Verwendung von Amuletten etc.
auch von Laien durchgeführt werden konnten.

Berühmte Zauberer:

Merlin:

Kirke:

Zauberer in Sagen und Überlieferungen:

* Imhotep
* Dedi
* Circe
* die drei Magier aus dem Morgenlande
* Simon Magus
* Merlin
* Taliesin
* Hermogenes

Historische Zauberer:

* Albertus Magnus
* John Dee
* Roger Bacon
* Michael Scotus
* Abraham von Worms
* Agrippa von Nettesheim
* Johann Faust
* Alessandro Cagliostro
* Daniel Dunglas Home
* Grigorij Rasputin
* Mina "Margery" Crandon
* Erik Jan Hanussen
* Aleister Crowley
* Uri Geller

Zauberer in klassischer Literatur:

* Prospero Der Sturm (Shakespeare)

- Verwebe zu: Ausserordentliche Persönlichkeiten:



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"Die Erlösung kann nicht verdient, nur empfangen werden, - darum ist sie die Erlösung". -

"Es ist alles Illusion, - was nicht aus mir selber spricht,
- denn es ist ein Zusatz, - dieses Eine nicht". -

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zuletzt bearbeitet 01.11.2014 23:13 | nach oben springen
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