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RE: Neandertaler:
in Mythologie & Weltgeschichte 30.11.2022 05:57von Adamon • Nexar | 15.954 Beiträge
https://www.grenzwissenschaft-aktuell.de...edacht20210909/
Späte Neandertaler auf der Schwäbischen Alb waren geschickter als gedacht:
Mittelpaläolithischer Kern aus der Heidenschmiede: Durch Zusammensetzen dieser Steinartefakte konnte das Forschungsteam das verzweigte Herstellungskonzept nachvollziehen.
Copyright/Copyright: Jens A. Frick / Universität Tübingen
Tübingen (Deutschland) – Neue Analysen von Funden aus der Mittleren Altsteinzeit auf der Schwäbischen Alb belegen, dass Neandertaler mit ausgeprägtem Arbeitsgedächtnis und viel Geschick an die Herstellung von Steinwerkzeugen gingen.
– Bei der folgenden Meldung handelt es sich um eine Pressemitteilung der Eberhards Karls Universität Tübingen
Neandertaler, die vor mehr als 45.000 Jahren auf der Schwäbischen Alb lebten, haben bei der Herstellung von Steinwerkzeugen anspruchsvolle Techniken mit verzweigten Arbeitsgängen verwendet. Das belegen Sammlungen steinerner Artefakte von der Fundstelle Heidenschmiede, aus denen ihre Vorgehensweise rekonstruiert werden konnte. Diese Forschungsergebnisse veröffentlichten Dr. Berrin Çep, Benjamin Schürch und Dr. Jens Axel Frick vom Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters sowie Dr. Susanne Münzel vom Institut für Naturwissenschaftliche Archäologie, alle von der Universität Tübingen, in der Fachzeitschrift PLOS ONE. Sie unterstreichen einmal mehr, dass die Neandertaler hochentwickelte Fähigkeiten besaßen.
Die Heidenschmiede, ein Felsdach oder Abri bei Heidenheim an der Brenz auf der östlichen Schwäbischen Alb, wurde 1928 von dem Amateurarchäologen Hermann Mohn als Fundstelle von frühen Menschen bearbeiteter Steine und Knochen entdeckt und ausgegraben. „Seit dem Erscheinen einer ersten Publikation über die Funde 1931 ruhte die Forschungsarbeit weitgehend. Unsere Studie ist seither die erste detaillierte Untersuchung, die sich mit den zahlreichen Funden befasst und diese näher einordnet“, berichtet Benjamin Schürch. Die Knochen- und Steinwerkzeuge stammten aus dem Mittelpaläolithikum, der Mittleren Altsteinzeit, und seien mindestens 50.000 bis 42.000 Jahre alt. „In diesem Zeitraum lebten noch keine modernen Menschen unserer heutigen Art Homo sapiens in der Region. Es waren späte Neandertaler, die sich in der Heidenschmiede aufhielten.“
Einzelstücke wieder zusammengefügt
Aus Stein fertigten die Neandertaler unter anderem Klingen, Schaber, Keilmesser, zum Beispiel für die Bearbeitung von Leder, und auch Spitzen, die bei der Jagd zum Einsatz kamen. „Es war bekannt, dass sie verschiedene Konzepte zur Herstellung solcher Werkzeuge nutzten“, sagt Berrin Çep, die Erstautorin der neuen Studie. Sie hat versucht, einzelne Stücke wieder zusammenzufügen, um genauer zu verstehen, wie die Menschen in der Heidenschmiede vorgegangen sind. „In einzelnen Fällen ist es uns gelungen, im Detail nachzuvollziehen, wie aus sogenannten Kernen zunächst weitere Grundformen, wie zum Beispiel Abschläge und Klingen, gefertigt und diese zu Werkzeugen weiterverarbeitet wurden“, sagt Çep. „Solche Rekonstruktionen sind an den Höhlenfundstellen der Neandertaler auf der Schwäbischen Alb nur selten möglich, da in der Regel nicht das ganze Material des Herstellungsprozesses am Fundort zurückbleibt. Auch wurden bei forschungsgeschichtlich frühen Grabungen häufig nicht alle Funde erfasst.“
Erster Beleg aus dieser Region
„Anhand der Zusammensetzungen der Steinartefakte konnten wir nachweisen, dass die Neandertaler an der Heidenschmiede ein verzweigtes Herstellungssystem angewendet haben. Ein einzelnes Ausgangsstück wurde nach verschiedenen Konzepten, von denen die Menschen ein ganzes Reservoir kannten, in getrennten Arbeitsgängen bearbeitet“, erklärt Schürch. Solch anspruchsvollen Fertigungsprozesse seien aus der Mittleren Altsteinzeit bisher erst selten nachgewiesen worden. „Für die Schwäbische Alb ist es der erste Beleg“, setzt Jens Axel Frick hinzu. Wer das Rohmaterial aus Stein bearbeitet hat, musste in der Lage sein, von Vornherein zu bedenken, dass Teile des Steins mit einer anderen Technik weiterbearbeitet werden können. „Das erfordert eine ausgeprägte dreidimensionale Vorstellungskraft, Kreativität und geistig flexible Planung“, sagt Berrin Çep.
Das Forschungsteam bescheinigt den Bearbeitern der Steine aus der Heidenschmiede insgesamt ein ausgezeichnetes Arbeitsgedächtnis. Die neuen Studienergebnisse untermauerten andere Untersuchungen, denen zufolge die Neandertaler große geistige Flexibilität und Anpassungsfähigkeit besaßen, gepaart mit handwerklichem Geschick. Zugleich lieferten die sichtbar gemachten verzweigten und durchdachten Herstellungsprozesse auch eine Erklärung dafür, warum im Mittelpaläolithikum eine große Formenvielfalt bei Steinartefakten zu finden sei.
© Eberhards Karls Universität Tübingen
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RE: Neandertaler:
in Mythologie & Weltgeschichte 05.12.2022 20:57von Adamon • Nexar | 15.954 Beiträge
Ist der Neandertaler wirklich ausgestorben ?
https://www.youtube.com/watch?v=xxDhzJnt3yE
Der Neandertaler in Uns:
https://archive.org/details/der-neandertaler-in-uns-arte
Neandertaler - Geheimnisvolle Ureinwohner Europas:
https://archive.org/details/neandertaler...nwohner-europas
Auf den Spuren der Neandertaler:
https://archive.org/details/auf-den-spur...andertaler-arte
Der Neandertaler, erster Künstler der Menschheit:
https://archive.org/details/der-neandert...menschheit-arte
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RE: Neandertaler:
in Mythologie & Weltgeschichte 10.02.2024 04:59von Adamon • Nexar | 15.954 Beiträge
https://www.grenzwissenschaft-aktuell.de...sapiens20231016
Ausgrabungen zeigen: Neandertaler waren genauso intelligent wie Homo sapiens:
Symbolbild: Rekonstruktion eines Neandertalers.
Copyright: Neanderthal-Museum, Mettmann (via WikimediaCommons) / CC BY-SA 4.0
Trient (Italien) – Eine aktuelle Analyse des Speiseplans des Neandertalers zeigt, dass unsere ausgestorbenen Cousins genau so intelligent waren, wie jene modernen Menschen, mit denen sie sich einen gemeinsamen Lebensraum teilten.
Wie die Archäologen João Zilhão von der Universidade de Lisboa, Diego Angelucci Università degli Studi di Trento und die Archäologin Mariana Nabais vom Katalanischen Institut für Humanpaläoökologie und soziale Evolution (IPHES) aktuell im Fachjournal „PLoS ONE“ (DOI: 10.1371/journal.pone.0292075) berichtet, waren Neandertaler zu symbolischem Denken in der Lage, konnten künstlerische Objekte schaffen, wussten, wie man ihren Körper mit persönlichem Schmuck dekorierte und hatten eine äußerst vielfältige Ernährung. „Hinzu kommt, dass wir aufgrund unserer Ergebnisse mit Sicherheit sagen können, dass sie gewohnheitsmäßig gekochte Nahrung zu sich nahmen. Diese Fähigkeit bestätigt, dass sie genauso geschickt waren wie die Homo sapiens.“
In ihrer Studie zeigen die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, dass es keinen Zweifel daran gibt, dass Neandertaler Feuer machen konnten und dass Feuer ein zentraler Bestandteil ihres täglichen Lebens war. Darin verglichen die Forschenden die Überreste von gezielten Feuern an der Gruta de Oliveira in Portugal und damit an einer der wichtigsten europäischen archäologischen Fundorte für das Mittelpaläolithikum.
Was diese Höhle so außergewöhnlich macht, ist, dass die Ausgrabungen zwischen 1989 und 2012 systematisch und äußerst präzise durchgeführt und dokumentiert wurden. Die Gruta de Oliveira ist Teil des Almonda-Karstsystems, einem weitverzweigten Höhlennetzwerk in verschiedenen Höhen über einer großen Quelle, das in verschiedenen Perioden während der Vorgeschichte bewohnt war. Die ältesten Schichten der Gruta de Oliveira, die mehrere Gänge umfassen, datieren auf etwa 120.000 Jahre, die jüngsten auf etwa 40.000 Jahre: Es wird angenommen, dass Neandertaler diesen Ort vor etwa 100.000 bis 70.000 Jahren bewohnt haben.
Ausgrabungen in der Gruta de Oliveira.
Copyright: João Zilhão
In der Gruta fanden die Archäologen rund ein Dutzend Feuerstellen auf verschiedenen stratigraphischen Ebenen in einem Ausgrabungsbereich von etwa 30 Quadratmetern und sechs Metern Tiefe. Die unverkennbaren, schalenartigen, kreisförmigen Strukturen waren mit Überresten gefüllt.
Die Funde rund um diese Feuerstellen zeigen, dass die Bewohner der Höhlen hier ihr Essen kochten. „Wir fanden verbrannte Knochen, verbranntes Holz und Aschereste. Und der Fels darunter – so Angelucci weiter – ist von der Hitze gerötet worden: Dies ist ein entscheidendes Detail, denn es zeigt uns, dass die Struktur sich in einer primären Position befindet. Feuer ist ein fundamentales Element in ihrem täglichen Leben. Es macht den Ort gemütlich und hilft der sozialen Interaktion. Es vermittelte vermutlich schon damals eine grundlegende Vorstellung von ‚Zuhause‘, vermutlich auch für die Neandertaler.“
Die Analyse der Funde offenbart die Ernährungsgewohnheiten der Neandertaler: „Wir fanden die Überreste und verbrannten Knochen von gekochten Ziegen, Hirschen, Pferden, Auerochsen (ausgestorbene Bullen), Nashörnern und Schildkröten, die wahrscheinlich auf ihren Panzern platziert und auf heißen Steinen geschmort wurden. (…) Fleisch stand auf der Speisekarte in dieser Binnenhöhle, aber in anderen Ausgrabungen in Höhlen mit Blick auf das westliche Mittelmeer in der Nähe von Cartagena (Spanien) wurden Überreste von Fischen, Muscheln und Weichtieren, sogar gerösteten Pinienkernen gefunden.“
Damit stützen die neuen Untersuchungen die Ergebnisse einer bereits 2020 im Fachjournal „Science“ veröffentlichten Arbeit der Forschenden, die zeigt, dass Neandertaler eine vielfältige Ernährung hatten. Die nun vorgestellte Studie anhand der Funde in Portugal zeigt nun aber zusätzlich, dass sie Feuer verwendet haben, um dieses Essen zuzubereiten.
Trotz aller Funde bleibt allerdings weiterhin unklar, wie die Neandertaler ihr Feuer entfachten: „Vielleicht haben sie es so gemacht wie in der neolithischen Zeit, indem sie Feuersteine gegeneinanderschlugen, um Funken auf einen Zunder zu werfen, wie zum Beispiel ein trockenes Nest. Dies ist eine prähistorische Technik, die bei der Untersuchung des Ötzis entdeckt wurde. Bisher haben wir jedoch keine Beweise dafür gefunden.“
Die Ausgrabung einer Reihe von Schichten, die 30.000 Jahre abdecken, gab den Archäologen jedoch die Gelegenheit, die Daten mit anderen Stätten in derselben Gegend zu vergleichen, die bis in das Jungpaläolithikum zurückreichen und eine jüngere Zeit umfassen, in der dann auch der Homo sapiens in der Gegend nachgewiesen wurde. „Wir haben keinen Unterschied festgestellt: Sie lebten in den Höhlen auf ähnliche Weisen. Ihre Fähigkeiten sind auch ein Zeichen von Intelligenz.“
Recherchequelle: Università degli Studi di Trento
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RE: Neandertaler:
in Mythologie & Weltgeschichte 08.07.2024 00:14von Adamon • Nexar | 15.954 Beiträge
Die Sprache der Neandertaler: Das FOXP2-Gen vs. Evolution:
https://www.youtube.com/watch?v=n7gS3peJ17M
Eine Neandertaler-Odyssee: Alles, was wir über die Neandertaler wissen:
https://www.youtube.com/watch?v=tq_hxgA688I
Wer waren die Neandertaler wirklich und warum Ihr Erbe noch in uns weiterlebt:
https://www.youtube.com/watch?v=1IPS5ri2aOs
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RE: Neandertaler:
in Mythologie & Weltgeschichte 31.12.2025 07:26von Adamon • Nexar | 15.954 Beiträge
https://www.grenzwissenschaft-aktuell.de...d-homo-sapiens/
Erste Bestattungen: Funde beweisen kulturellen Austausch
zwischen Neandertalern und Homo sapiens:
Künstlerische Darstellung des kulturellen und technologischen Austauschs zwischen Neandertalern und Homo sapiens in der Levante (Illu.).
Copyright: Efrat Bakshitz
Jerusalem (Israel) – Wissenschaftliche Untersuchungen von Funden aus der Tinshemet-Höhle belegen, dass hier Neandertaler und Homo sapiens im mittleren Mittelpaläolithikum der Levante nicht nur nebeneinander existierten, sondern auch aktiv miteinander interagierten.
Wie das Team unter der Leitung von Prof. Yossi Zaidner von der Hebrew University Jerusalem aktuell im Fachjournal „Nature Human Behaviour“ (DOI: 10.1038/s41562-025-02110-y) berichtet, belegen die Funde, dass die beiden Menschenarten Technologie, Lebensweisen und Bestattungsrituale miteinander teilten. „Diese Interaktionen förderten kulturellen Austausch, soziale Komplexität und Verhaltensinnovationen, darunter formale Bestattungspraktiken und die symbolische Nutzung von Ocker zu Dekorationszwecken.“
Kooperation war treibende kulturelle Kraft
Die Forschenden deuten die Ergebnisse dahingehend, dass menschliche Verbindungen – und nicht Isolation – die treibende Kraft hinter technologischen und kulturellen Fortschritten waren. Die Funde unterstreichen damit einmal mehr die Bedeutung der Levante als entscheidenden Knotenpunkt in der frühen Menschheitsgeschichte.
Schon lange gilt die am Ostufer des Wadis Beit Arif, unweit der Stadt Schoham gelegene Tinshemet-Höhle aufgrund ihrer Fülle an archäologischen und anthropologischen Funden als wichtiger Schlüssel zum Verständnis unter anderem der mittleren Altsteinzeit. Hier wurden unter anderem verschiedene menschliche Bestattungen entdeckt – die ersten Bestattungen aus dem mittleren Mittelpaläolithikum, die in den vergangenen fünfzig Jahren gefunden wurden.
Die Beweise dafür, dass Neandertaler und Homo sapiens in der Region nicht nur nebeneinander lebten, sondern auch Aspekte des täglichen Lebens, der Technologie und der Bestattungssitten teilten zeigen, dass ihre Beziehungen komplexer und möglicherweise sehr viel enger verflochten waren als bisher angenommen.
Anhand der Untersuchungen von vier Schlüsselaspekten – Steinwerkzeugproduktion, Jagdstrategien, symbolisches Verhalten und soziale Komplexität – argumentiert die Studie, dass verschiedene Menschengruppen, darunter Neandertaler, Prä-Neandertaler und Homo sapiens, hier bedeutungsvolle Interaktionen führten. Offenbar waren Neandertaler und modernen Menschen also weniger Konkurrenten um Ressourcen, sondern vielmehr Nachbarn oder sogar friedliche Kooperationspartner.
„Dieser Austausch ermöglichte die Weitergabe von Wissen und führte zur allmählichen kulturellen Angleichung der Bevölkerungen.“ Die Forschenden vermuten weiter, dass diese Interaktionen soziale Komplexität und Verhaltensinnovationen förderten. „So begannen beispielsweise um 110.000 v. Chr. in Israel – zum ersten Mal weltweit – formale Bestattungsrituale, vermutlich als Folge verstärkter sozialer Kontakte.“
Tinshemet-Höhle schlüssel zur mittleren Altseinzeit
Ein bemerkenswerter Fund in der Tinshemet-Höhle ist die extensive Nutzung von Mineralpigmenten, insbesondere Ocker, der möglicherweise für Körperbemalung verwendet wurde. Diese Praxis könnte dazu gedient haben, soziale Identitäten und Unterschiede zwischen Gruppen zu markieren oder aber auch zu verbinden.
Die Anhäufung menschlicher Bestattungen in der Höhle werfe spannende Fragen über ihre gesellschaftliche Rolle auf. „Diente sie als spezieller Bestattungsplatz oder sogar als Friedhof? Falls ja, würde dies auf gemeinsame Rituale und starke Gemeinschaftsbindungen hindeuten. Die Platzierung bedeutender Artefakte – darunter Steinwerkzeuge, Tierknochen und Ockerstücke – in den Grabgruben könnte zudem auf frühe Vorstellungen eines Lebens nach dem Tod hindeuten.“
Fund in der Tinshemet-Höhle.
Copyright: Marion Prévost
Prof. Zaidner beschreibt das heutige Israel als einen „Schmelztiegel“, in dem verschiedene Menschengruppen zusammentrafen, interagierten und sich gemeinsam entwickelten. „Unsere Daten zeigen, dass menschliche Verbindungen und Interaktionen der Populationen schon immer entscheidend für kulturelle und technologische Innovationen waren“, erklärt er.
Die an der Studie beteiligte Dr. Marion Prévost hebt die einzigartige geografische Lage der Region an einem Kreuzungspunkt der menschlichen Migration hervor. „Während des mittleren Mittelpaläolithikums führten klimatische Verbesserungen zu einem Anstieg der Bevölkerungsdichte und intensivierten die Kontakte zwischen verschiedenen Homo-Arten.“
Der ebenfalls beteiligte Prof. Israel Hershkovitz fügt hinzu, dass die vernetzten Lebensweisen verschiedener Menschengruppen in der Levante auf tiefe Beziehungen und gemeinsame Anpassungsstrategien hinweisen. „Diese Funde zeigen ein dynamisches Wechselspiel, das sowohl durch Kooperation als auch durch Konkurrenz geprägt war.“
Von weiteren Ausgrabungen in der Tinshemet-Höhle erhoffen sich die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen noch tiefere Einblicke in die Ursprünge der menschlichen Gesellschaft.
Recherchequelle: Hebrew University Jerusalem
© grenzwissenschaft-aktuell.de
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RE: Neandertaler:
in Mythologie & Weltgeschichte 31.12.2025 17:09von Adamon • Nexar | 15.954 Beiträge
https://www.grenzwissenschaft-aktuell.de...ernen-menschen/
Frühester Nachweis der Vermischung zwischen Neandertalern und modernen Menschen:
Tel Aviv (Israel) – Wie ein Schädelfund in der Skhul-Höhle im Karmel-Gebirge zeigt, sind sich Neandertaler und moderne Menschen schon vor 140.000 Jahren nicht nur begegnet, sondern haben miteinander auch Kinder gezeugt.
Die Schädeldecke und der Unterkiefer des Skhul-Kindes (Skhul I).
Quelle/Copyright: Tel Aviv University
Wie das Team um Prof. Israel Hershkovitz von der Tel-Aviv University und des französischen Forschungszentrums CNRS aktuell im Fachjournal „L’Anthropologie“ (DOI: 10.1016/j.anthro.2025.103385) berichtet, zeigt der bereits vor 90 Jahren in der Höhle gefundene Kinderschädel eindeutige Spuren beider Menschentypen. Die nun angewandten neuen Methoden belegen zudem eindeutig, dass es sich um ein echtes „Mischkind“ von Homo sapiens und Neandertaler handelt.
Auf den ersten Blick sieht der Schädel aus wie der eines frühen Homo sapiens. Vor allem die Form des Kopfes erinnert stark an moderne Menschen. Doch bei genauer Analyse fanden die Forscher auch typische Neandertaler-Merkmale: etwa am Innenohr, am Unterkiefer oder im System der Blutgefäße im Kopf.
„Dieses Fossil ist der älteste Beweis für eine Vermischung der beiden Menschengruppen“, sagt Studienleiter Prof. Hershkovitz. „Bislang war das berühmte ‚Kind aus dem Lapedo-Tal‘ in Portugal der älteste Fall – doch das ist 100.000 Jahre jünger.“
Bisher dachten Wissenschaftler, die Neandertaler seien erst vor rund 70.000 Jahren aus Europa in den Nahen Osten gezogen. Doch neue Funde zeigen: Neandertaler lebten schon viel früher dort – teils schon vor 400.000 Jahren. Gleichzeitig begannen Gruppen von Homo sapiens vor rund 200.000 Jahren, Afrika zu verlassen.
In Israel trafen beide Linien also schon früh aufeinander – und wie der Fund beweist, gingen sie auch intime Beziehungen ein, deren Folge gemeinsame Kinder und damit einhergehend eine genetische Vermischung war.
Dass wir modernen Menschen noch immer 2 bis 6 Prozent Neandertaler-DNA in uns tragen, war bereits bekannt. Doch bisher dachte man, dieser Austausch sei erst viel später passiert – vor 60.000 bis 40.000 Jahren. Der Fund aus Skhul verschiebt diese Geschichte dramatisch nach hinten: Schon 140.000 Jahre früher kam es zur Durchmischung.
Lange sah man Neandertaler und Homo sapiens als klar getrennte Spezies. Doch der Schädel des Skhul-Kindes zeigt, dass die Realität komplizierter war: Über viele Generationen hinweg lebten beide Menschengruppen Seite an Seite, teilten offenbar auch Kultur und Alltag – und gründeten gemeinsame Familien.
Am Ende gingen die Neandertaler im Homo sapiens auf. Ihr Erbe lebt bis heute in uns weiter – nicht nur in unseren Genen, sondern vielleicht auch in kulturellen Spuren. „Unsere Geschichte ist keine einfache Linie“, resümiert Hershkovitz. „Sie ist ein Netz von Begegnungen, Vermischungen und gemeinsamen Wegen.“
Recherchequelle: Tel-Aviv-University
© grenzwissenschaft-aktuell.de
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RE: Neandertaler:
in Mythologie & Weltgeschichte 01.01.2026 06:44von Adamon • Nexar | 15.954 Beiträge
https://www.grenzwissenschaft-aktuell.de...sch-absorbiert/
Studie: Neandertaler nicht ausgestorben, sondern genetisch absorbiert ?
Rom (Italien) – Noch immer gehört das Verschwinden der Neandertaler zu den ungelösten Rätseln der frühen Menschheitsgeschichte. Eine neue Studie liefert nun eine provokante Erklärungshypothese: Die Neandertaler könnten gar nicht im klassischen Sinne ausgestorben sein – sondern über lange Zeiträume hinweg vollständig in den frühen modernen Menschen aufgegangen sein. Entscheidend sei dabei nicht ein plötzlicher Zusammenbruch, sondern ein schleichender Prozess genetischer Durchmischung, der letztlich zu einer „Absorption“ führte.
Vergleich der Schädel eines Homo sapiens (l.) und eines Neandertalers (r.).
Copyright: hairymuseummatt/DrMikeBaxter (via WikimediaCommons) / CC BY-SA2.0
Wie Andrea Amadei von der University of Rome Tor Vergata, Giulia Lin von der ETH Zürich und Simone Fattorini von der University of L’Aquila aktuell im Nature-Fachjournal „Scientific Reports“ (DOI: 10.1038/s41598-025-22376-6) zunächst erläutern, konkurrieren seit Jahren unterschiedliche Hypothesen um die Gründe für das Verschwinden der Neandertaler miteinander: demografische Schwäche, Umweltveränderungen, Konkurrenz mit Homo sapiens oder genetische Vermischung. In ihrer Studie haben sich die Forschenden vornehmlich auf den letzten Punkt konzentriert. Mithilfe eines neuen mathematischen Modells simulierten sie, wie wiederkehrende, kleine Einwanderungswellen früher moderner Menschen (Homo sapiens) in Neandertalerpopulationen langfristig deren Genpool dominieren konnten. Über Zeiträume von 10.000 bis 30.000 Jahren sei damit nahezu ein vollständiger Austausch möglich gewesen.
Die Modellierung basiert auf der Theorie der „neutralen Drift“. Diese geht davon aus, dass viele genetische Veränderungen nicht durch natürliche Selektion bestimmt sind, sondern durch zufällige Verschiebungen der Häufigkeit bestimmter Allele. Selektive Vorteile oder katastrophale Ereignisse spielen im Modell bewusst keine Rolle – ein deutlicher Gegensatz zu vielen bisherigen Erklärungsversuchen, die etwa Klimaschocks oder Seuchen bemühen.
Laut den Forschenden zeigt ihr Ansatz, dass ein kontinuierlicher Zustrom von Genmaterial einer zahlenmäßig überlegenen Art ausreichen könnte, um eine andere Bevölkerungsgruppe genetisch zu verdrängen, ohne dass diese abrupt verschwindet. Das Ergebnis passe zudem zu archäologischen Daten und zur bekannten genetischen Situation: Menschen in Europa und Asien tragen bis heute Anteile von Neandertaler-DNA. Diese Tatsache wurde bislang meist als Hinweis auf gelegentliche Vermischung interpretiert – das neue Modell legt hingegen nahe, dass die genetische Integration deutlich umfassender war.
Die Studie fügt sich in eine wachsende wissenschaftliche Tendenz ein: Das Bild eines dramatischen, raschen Aussterbens der Neandertaler wirkt zunehmend überholt. Stattdessen scheint sich abzuzeichnen, dass die Übergangsphase zwischen beiden Menschenarten fließender verlief. Bereits genetische Analysen der letzten Jahre hatten klar gezeigt, dass sich Homo sapiens und Neandertaler mehrfach begegnet und vermischt hatten. Die neue Forschung stützt diese Erkenntnisse nun mit einer theoretischen Grundlage, die erklärt, wie ein solcher Prozess über Jahrtausende schließlich zur vollständigen Integration führen kann.
Allerdings räumen die Autoren auch ein, dass weiteren offene Fragen bleiben. Selbst wenn die genetische Absorption ein zentraler Mechanismus gewesen sein sollte, könnten zusätzliche Faktoren den Rückgang der Neandertaler beschleunigt haben – etwa lokale Nahrungsknappheit, Krankheiten oder soziale Konkurrenz mit zunehmender Ausbreitung des modernen Menschen. Die Studie beansprucht daher nicht, alle Punkte abschließend zu klären, sondern präsentiert ein plausibles Grundmodell, das die bekannten Daten konsistent zusammenführt.
Auch für andere archaische Menschenformen wie die Denisova könnte der Ansatz relevant sein. Deren Spuren sind ebenfalls nur noch im Erbgut moderner Bevölkerungen erhalten, während sie selbst im späten Pleistozän verschwanden. Der Mechanismus einer allmählichen genetischen Verdünnung durch wiederkehrende Einwanderungswellen könnte somit auch dort eine Rolle gespielt haben.
Recherchequelle: Scientific Reports
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