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Reclaiming / Rückgewinnung:

in Cumhachd - Damhain Alla: 01.02.2010 15:36
von Atlan • Nexar | 14.588 Beiträge

In den 70er Jahren entstand in den USA eine neue magische Strömung,
die unter dem Namen „Reclaiming“ bekannt wurde.
In erster Linie geht es darin um die Verbundenheit zur Erde, die Selbstentfaltung und die Emanzipation.

Eine bekannte Vertreterin dieser Richtung, welche diese auch maßgeblich geprägt hat, ist Starhawk.
Zusammen mit Diane Baker hielt sie 1980 in San Francisco ein Treffen ab,
wo sie den Teilnehmern die Werkzeuge und Schritte für
die selbstständige magische und spirituelle Arbeit nahe bringen wollte.
Doch die Begeisterung und die Nachfrage waren so hoch, dass es ein weiteres Treffen gab,
auf welches noch weitere folgten.

Später wurden dann aus den ersten Teilnehmern neue Lehrer und Ausbilder rekrutiert
und so wuchs eine kleine Gemeinschaft von Hexen heran,
die sich lose in einer nicht hierarchischen Struktur zusammenfand.

Erst 1982 wurden unter dem Namen „Reclaiming Collective“ Treffen veranstaltet.
So breitete sich diese Strömung immer weiter aus und es fanden ab 1985
nicht mehr nur Treffen in San Francisco und Umgebung statt,
sondern mittlerweile auch sogenannte Witchcamps in Vancouver oder Mendocino.

Später arbeitete das Reclaiming Collective mit der Kalifornischen Regierung zusammen
und konnte Anfang der 90er die ersten politischen Erfolge in Richtung Anerkennung
und Akzeptanz erzielen.

Als gemeinnützige Organisation bekam das Collective beispielsweise
eine Steuerbefreiung für das Geld, was die Workshops und Dienstleistungen einbrachten,
um weitere Kosten zu decken.

1994 bekam diese Strömung die staatliche Anerkennung,
eine selbsttätige religiöse Organisation zu sein.
Später kamen die Prinzipien der Einigkeit dazu, eine 1997 verfasste
Sammlung der wichtigsten Kernpunkte der Reclaiming-Tradition.
Einer der wichtigsten Inhalte ist es,
der Erde die gebührende Verehrung und Respekt zuteil werden zu lassen
.
Parallel dazu existierten bereits ähnliche Richtungen oder
bildeten sich im Laufe der Entwicklung heraus.
Vielleicht hat der eine oder andere Leser schon einmal etwas von Pandea oder der Feentradition gehört?

Die Feentradition beispielsweise ist dem Reclaiming bereits vorausgegangen.
Sie wurde von Cora Anderson (1915-2008) zusammen mit ihrem Mann Victor (gestorben 2001)
ins Leben gerufen und hat viele Hexen beeinflusst.

Cora selbst stammte aus einer familiären Tradition der Volksmagie und Heilung.
Ihr Großvater, ein Ire, der in die Vereinigten Staaten emigrierte,
soll ein Druide und ein sogenannter „Pflanzen- und Wurzeldoktor“ gewesen sein.

In dieser Tradition werden die Sternengöttin und ihre göttlichen Zwillingskinder verehrt
und der Glaube an eine Dreiteilung der menschlichen Seele gehegt.
So ist die Sternengöttin die Mutter aller Dinge und in ihren Kindern spiegeln sich die Polaritäten.
Im Vordergrund steht die Arbeit mit der sogenannten Feenenergie, aber auch mit Sexualmagie.
Die ekstatischen Züge, die diese Praktiken annehmen können,
finden wir auch im Reclaiming wieder.
So verwundert es auch nicht, wenn wir erfahren, dass Starhawk selbst Schülerin von Cora Anderson war.

Eine Richtung, die aus dem Reclaiming heraus entstanden ist, nennt sich Pandea.
Diese Bezeichnung ist eine Wortneuschöpfung und umschreibt einen Göttinnenglauben
bzw. eine Göttinnenspiritualität.
Wenn man das Wort auseinander nimmt, kommt man auf die Silben „pan“,
was im Griechischen „umfassend“ und „alles“ bedeutet, und „dea“,
was auch aus dem Griechischen stammt und „Göttin“ heißt.

Zusammengesetzt sagt dieses Wort, dass die Göttin überall und in allem zu finden ist.
Es ist Pantheismus, der besagt, dass das Göttliche immanent ist.
Das bedeutet, dass es in jedem Wesen, in jedem Strauch,
in jedem Stein oder Bach seine Gestalt einnimmt.

Oft werden Reclaiming oder die daraus entstandenen Richtungen in eine Schublade
mit anderen Strömungen geschoben, die auch die Verehrung einer Göttin und
die Magie als Basis in sich vereinen.
So wird alles zusammen als Hexenkult bezeichnet oder sogar als esoterischer Feminismus.

In diesem Zusammenhang gibt es neben Starhawk noch andere bekannte Autorinnen,
die sich dieser oder einer ähnlichen Richtung der Spiritualität hingeben.

Zsuzsanna Budapest ist eine davon. In erster Linie kennt man sie als Vertreterin des weiblich orientierten Dianic.

„Wir glauben, dass das Göttin-Bewusstsein der Menschheit eine lang dauernde,
fruchtbare und friedliche Zeitspanne schenkte, während der die Erde als Mutter und
die Frauen als ihre Hohepriesterinnen verehrt wurden.“
(Zsuzsanna Budapest, Herrin der Dunkelheit – Königin des Lichts, S. 41)



Die Erde wird in vielen Mythen, Legenden, Geschichten und Traditionen als Mutter bezeichnet und verehrt.
Sie ist die Mutter allen Lebens, die uns ihre Kraft gibt, uns nährt und die Toten empfängt.
Sie ist die, die sich jedes Jahr erneuert und uns die Kreisläufe des Lebens diktiert.

Wir als Hexen arbeiten unter anderem mit der Energie, die sie uns schenkt.
Wenn wir Zauber wirken, gewinnen wir diese Energie aus der Erde,
ziehen sie hinauf und laden uns sozusagen selbst damit auf,
bevor wir ihr unseren Wünschen entsprechend Form geben oder etwas anderes damit aufladen.
Und nachdem die magische Arbeit getan ist,
entlassen wir die überschüssige Energie wieder in die Erde zurück.

Wir sind in jeglicher Hinsicht mit der Erde verbunden und diese Verbindung hat
unter anderem Miriam Simos, besser bekannt als Starhawk,
zu der Idee des Reclaiming Collective inspiriert.
Die Erde stellt uns ihre Kraft und ihre Gaben zu Verfügung.
Schulden wir ihr im Gegenzug etwas?

Viele kennen die Aussage, dass die Erde nicht auf uns Menschen
angewiesen ist,
wir aber umgekehrt auf sie.
In einem Witz beklagt sich die Erde, eine furchtbare Krankheit zu haben, die sich „Homo sapiens“ nennt.
Ein befreundeter Planet tröstet sie mit den Worten: „Keine Sorge, das geht vorbei“.

Wenn wir uns also der Erde so verbunden fühlen, als seien wir ihre Kinder,
schaffen wir auch ein Gefühl von Verantwortung.
Wenn wir uns diese Verantwortung bewusst machen können,
ist es in diesem Zusammenhang wünschenswert und wichtig,
auch einmal Dankbarkeit für die Geschenke zu zeigen, die man von Mutter Erde bekommt.
Ein Ideal ist es auch, die Erde gut zu behandeln, da sie uns mit allem Lebenswichtigem versorgt.

Starhawk hat die Erinnerung an die Erde als gegenwärtige Göttin in unsere Köpfe zurückgeholt.
In vielen Mythologien findet man die Göttin der Erde wieder:
Gaia wurde sie beispielsweise bei den Griechen genannt oder Danu bei den Kelten,
Nerthus im germanischen Bereich, Haumela auf Hawai oder Uraš bei den Sumerern.

Der Glaube daran ist also nicht erloschen, denn unsere Göttin ist die Lebenskraft in der Erde
und im Leben um uns herum. Wir leben nicht mit einer abstrakten, weit entfernten Gottheit.
Wir sind mit der Erde verbunden.
Die Erde ist Materie, wie auch unsere Körper, die durchzogen ist mit Energie.
Wir nutzen diese Energie, um Magie zu wirken.

Reclaiming geht davon aus, dass die Erde lebendig und somit alles Leben miteinander verbunden ist.
Und wenn die Göttin die Erde ist, ist sie immanent und zieht sich durch alle Kreisläufe,
denen wir und unser Planet unterworfen sind.

Es geht um Geburt, Tod und Wiedergeburt und den
dazwischen liegenden Zeiten des Wachstums und des Verfalls.

Als Hexen ist uns das Hier und Jetzt heilig,
der Körper in dem wir leben ebenso wie der Geist.

„Alle Akte der Liebe und Freude sind meine Rituale.“,
heißt es in der Offenbarung der Sternengöttin.

Was uns aber heilig ist, das zerstören oder verderben wir nicht.
Wenn die Erde, unsere Körper, die Liebe und die Freude uns heilig sind, sind sie auch zu schützen.
Doch in dem Moment, in dem wir etwas lieben und schützen wollen,
greift auch Respekt und Verantwortung.
Daraus ergibt sich eine spirituelle Verpflichtung gegenüber der Erde.
Diese Verpflichtung, kombiniert mit der Verbindung aus magischem und politischem Handeln,
sowie Heilung bildet die Basis der Praxis des Reclaiming.

Eines der Ideale ist es, eine Geisteshaltung zu besitzen, die Fragen stellt
und die schöpferische, spirituelle und intellektuelle Freiheit ehrt.
Denn unsere höchste spirituelle Autorität finden wir in unserem Inneren und nicht im Außen.
Was heilig ist, lassen wir somit von uns selbst festlegen und nicht von anderen Personen.

Reclaiming ist eine neuheidnische Strömung, die sich kontinuierlich weiterentwickelt.
Die Anhänger dieser Strömung bezeichnen sich selbst natürlich als Hexen.
Es wird die Erde verehrt und die Kreisläufe des Jahres und unserer Lebenszyklen werden rituell gefeiert.
Die Gestaltung und Ausführung der Riten ist von Gruppe zu Gruppe recht unterschiedlich.
So kommt es vor, dass in einer Reclaiminggruppe beispielsweise ein Götterpaar verehrt wird
und in anderen die Göttin.

Diese Rituale orientieren sich oft hauptsächlich in Richtung Heilung,
egal ob es die persönliche, kollektive oder die Heilung der Erde ist.

Deswegen wird im Reclaiming der Versuch gemacht,
individuelle Selbstbestimmung mit sozialer Verantwortlichkeit zu verbinden.
Auch sagt man, dass jede Person Magie als die Kunst,
das Bewusstsein willentlich zu verändern, ausüben kann.
So wird der Versuch gemacht, nicht nur die persönlichen, sondern auch die kollektiven Fähigkeiten
durch Unterricht und Praxis zu fördern,
um jedem das gleiche Fundament mit auf seinen Weg zu geben.

Die Reclaiming-Tradition ehrt die wilde Natur und räumt dem Dienst an der Erde
und der Gemeinschaft gleichsam mit Frieden und Gewaltfreiheit einen hohen Stellenwert ein.
Niemandem soll geschadet oder ein Leid zugefügt werden.

In diesem Zusammenhang scheint es also nicht verwunderlich,
wenn ziemlich viele Reclaiming-Anhänger auch politisch aktiv sind und sich so
auch für Gerechtigkeit, egal ob es dabei um Wirtschaft, Rassen,
Geschlechter oder andere Themen geht, einzusetzen versuchen.

Reclaiming verneint Unterdrückungssysteme oder Herrschafts-
und Kontrollstrukturen jeglicher Art.
Die meisten Reclaiming-Anhänger verfolgen den Feminismus und versuchen,
so gut es geht Machtstrukturen zu analysieren.
Es wird zudem gesagt, dass alle Geschlechter, Rassen, sexuelle Orientierungen,
Menschen aus verschiedenen Lebenssituationen und unterschiedlichen Fähigkeiten
willkommen sind und so die Reclaiming-Szene
mit ihrer nahezu unerschöpflichen Vielfalt bereichern.

Die Reclaiming-Anhänger versuchen zudem,
sowohl einen leichten Zugang zu ihren öffentlichen Ritualen als auch
einen angemessenen Schutz zu bieten.
Das Prinzip ist simpel, jeder sollte die Möglichkeit haben, einen Zugang zu bekommen,
was neben den öffentlichen Ritualen auch die gerechte Bezahlung von
in Anspruch genommenen Dienstleistungen, abhängig vom Einkommen, betrifft.

Reclaiming steht für die Arbeit, Kulturen und Gemeinschaften zu erhalten und zu erschaffen,
welche die Welt verkörpern und helfen können, eine nachhaltige Lebensgrundlage zu bilden,
nicht nur für zukünftige Generationen, sondern auch für uns selbst.

Das Ziel ist es, gemeinsam die Wunden der Erde und der Völker, die auf ihr leben,
zu heilen oder wenigstens zu mindern, denn alles was lebt, hat Achtung verdient.

Deswegen tragen wir eine große Verantwortung uns selbst, anderen Menschen,
der Erde und der Natur gegenüber.
Stellen wir uns also die Erde als lebendiges Wesen vor, mit welchem wir interagieren.
Sobald wir nun Verantwortung übernehmen, sollten wir auch aus dieser Verantwortung heraus Magie wirken.

Das würde bedeuten, dass die Erde uns ihre Kraft zur Verfügung stellt
und somit Interesse daran hat, keine negativen Auswirkungen daraus zu haben
oder sogar davon zu profitieren.

Mit dem Bewusstsein, dass es eher Nutzen als Schaden bringt,
ist es vielleicht einfacher, von der Erde Energie zu nehmen, um damit Magie zu wirken.

Im Umkehrschluss kann man also davon ausgehen,
dass Zauberei auch aus anderen Energiequellen heraus leichter funktionieren kann,
wenn wir mit diesen Energiequellen ebenso sorgsam umgehen, wie mit der Erdenergie.

Im Buch „Progressive Witchcraft“ schreiben Janet Farrar und Gavin Bone
„Das erste, das Magie verändert, ist das Selbst“.
Egal womit auch immer wir magisch arbeiten, unser Selbst ist daran beteiligt.
Die Magie, das Arbeiten, Wachsen und Entwickeln mit ihr macht Stärken
und Schwächen sichtbar und zwingt uns, uns damit zu beschäftigen.

Wir leiten die Kräfte, die wir nutzen, durch uns selbst hindurch.
Es wäre daher unrealistisch zu erwarten, dass uns diese Formen von Energie unverändert lassen.

Die Magie hat eine Wechselwirkung mit unserer eigenen Lebensenergie;
vermeintlich positive Wirkungen verändern uns ebenso, wie vermeintlich negative.
Nur geht es im Reclaiming nicht um Negatives oder die Angst davor,
es geht um den Mut, dies zu überwinden.

Jeder, der diesen Weg geht, sollte sich bewusst sein,
dass das Ziel der ursprüngliche oder besser gesagt natürliche Zustand ist.
Reclaiming wird mit Rückgewinnung übersetzt.
Man holt sich zurück, was naturgegeben ist, man verleugnet es nicht
und man fordert es im gleichen Maße auch für die Erde zurück.
Das ist ein wichtiger Punkt, durch den man erkennen kann,
warum unter anderem so viele Reclaiming-Anhänger politisch aktiv sind.

Vielleicht findet man sie bei Protesten gegen Atomkraft,
egal ob diese nun zur Versorgung oder als Waffe eingesetzt wird, wieder.
Oder Anti-Kriegskampagnen, denn Gewehre oder gar größere Artillerie sind
genauso wenig naturgemäß, wie der Mann, der den Auftrag hat, diese Geräte zu bedienen.

Reclaiming bedeutet, den Mut zu haben für sich selbst, seine Ziele und seine Ideale,
aber auch für seine Fehler einstehen zu können, aktiv zu werden, um die Welt,
die Mutter Erde auf der wir leben, besser und vor allem natürlicher und ursprünglicher zu gestalten.

Doch ohne die dazugehörende Liebe und dem Respekt und der Verantwortung,
die damit verbunden sind, kann man den Mut für
die großen oder die kleinen großen Taten wahrscheinlich nicht aufbringen.

Deshalb erscheint es umso wichtiger und logisch zugleich, zu wissen,
was man tut, wer man ist und was man kann, um Magie sinnvoll einsetzen zu können.
Und dieses Wissen trägt ein großes Potential an Eigenverantwortung in sich.
Je mehr Macht man hat, umso verantwortungsvoller sollte man damit umgehen.
Die Erde schenkt uns ihre Gaben, sie ist unsere Mutter, das Fundament auf dem wir stehen.

Und jegliches Potential, was wir in uns tragen, ist die Basis, auf der wir bauen können.
So finden wir Liebe, Freude, Verantwortung und Respekt immer erst bei uns selbst,
bevor wir es in der Welt finden oder es mit ihr teilen können.



Elaine

Quellen:

Starhawk & Simos, Mit Hexenmacht die Welt verändern, 1991
Zsuzsanna Budapest, Herrin der Dunkelheit – Königin des Lichts, 2006
Janet Farrar & Gavin Bone, Progressive Witchcraft, 2005
http://www.reclaiming.de
http://www.reclaiming.org
Die Offenbarung der Sternengöttin

http://www.witchvox.com

- Vernetze zu: forum.php?forum=57



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zuletzt bearbeitet 04.05.2014 19:47 | nach oben springen
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