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Die Mythologie der Bäume:

in Pflanzen: 14.05.2010 00:08
von Adamon • Nexar | 14.588 Beiträge

Aus: http://www.papyrus-magazin.de/archiv/200...ythologie1.html

Die Mythologie der Bäume

von Dr. Lore Becker

Der Baumglaube in der Antike und bei unseren Vorfahren

Die Menschen in früher Zeit fühlten eine starke Identität zwischen Mensch und Baum. Wie der Baum steht der Mensch aufrecht da, mit den Füßen - Wurzeln zur Erde und mit der Kopf - Krone zum Himmel. Beide entwickeln sich, vergehen, wachsen, blühen, fruchten und gedeihen. Beide vereinen die polare Tiefe der Erde mit der des Himmels. Und dem Baum anheim gegeben, kann der Mensch spüren, wie er aus unterirdischen Erdenwurzeln seines dunklen Unbewussten in die lichtvolle, helle Atmosphäre des Bewusstseins aufsteigt, wie es ihm als Menschenwesen im Strom der ganzen Evolution zugemessen ist. Aus der Erfahrung dieses Werdens könnte der baum-meditierende Mensch auch heute noch seine Seelenkräfte regenerieren. Der Baum gehört zu den ältesten und am weitesten verbreiteten Archetypen der Menschen, also zu den Urbildern, die in uns verankert sind. Nach den Mythen mancher Völker stammen die Menschen von Bäumen ab. Noch im alten deutschen Volksglauben wurden die kleinen Kinder von den Bäumen geholt. Das Wort "Germanen" wird vom lateinischen "germinare" (auswachsen) abgeleitet.

Der Weltenbaum

Die Menschen haben ihre religiöse Erfahrung in das Bild des Weltenbaums gekleidet. Er ist einer der grundlegendsten und weitverbreitetsten Mythen, um den Bau des Universums und den Platz des Menschen darin zu erklären.

Bei den nordischen germanischen Völkern ist es die Esche Yggdrasil, die in der Edda als Achse und Stütze der Welt beschrieben wird: Sie erhebt sich seit Urzeiten aus den Abgründen der Unterwelt, ihr Stamm Midgard trägt die Erde, ihre Krone stützt das Himmelsgewölbe, ihre Zweige erstrecken sich bis zu den Gefilden der Seligen. Mythische Tiere, die das Leben der Welt erhalten, bewohnen den Baum. Odins Adler wacht im Wipfel und kämpft täglich mit dem Drachen Nidhögg, der unten an der Wurzel zu nagen versucht. Das Wasser, das Yggdrasil aus der Erde sog, wurde zu ihrem Saft, Sonnenstrahlen bildeten ihre Blätter, Blüten und Früchte. Durch sie kam das Feuer des Himmels herab, ihre wolkengleiche Krone ließ den Regen fallen. Ständig regenerierte sich in ihr der Kosmos wie in einer Quelle des Lebens, und der Baum gab Tausenden von Lebewesen Nahrung und Schutz.

Im religiösen Empfinden der Pharaonen thronten die Götter im Osten auf einer hohen Sycomore, deren Holz sie umgab und nährte. Im Westen entstieg die göttliche Kuh Hathor dem Laub des Baumes und begrüßte die Verstorbenen, und auf die Zweige der Sycomore setzten sich ihre Seelen in Gestalt von Vögeln. Ihr niemals verrottendes Holz gab Wohnung für ihre mumifizierten Körper. Durch die Vermittlung des heiligen Baums kehrten die Geister in den Schoß der göttlichen Welt ewiger Wesenheiten zurück.

Auch "die Dattel-, vor allem aber die Dumpalme erschienen dem Verstorbenen ... als Garant für die Versorgung mit lebensnotwendigen Dingen: Die Wedel sollten ihm ins Grabinnere Luft fächeln und gleichzeitig Schutz vor der sengenden Sonne bieten. Die Früchte lieferten Nahrung und mit ihren Wurzeln sollte die Palme Wasser an die Oberflä-che leiten. Diese lebenserhaltenden Eigenschaften der Dumpalme wurden noch durch ihre Verbindung zum Fruchtbarkeitsgott Min verstärkt. Weitere mit der Dumpalme verbundene Gottheiten sind Thot von Hermopolis, Thoëris und Hathor." (Schoske, S. 40)

In Mesopotamien war es der Kiskanubaum, der himmlischen Ursprungs ist. Seine Wurzeln reichen bis zum Urabgrund hinab, und in seinen Ästen wohnt der Gott der Fruchtbarkeit. Ziegen und Vögel und Schlangen begleiten den Baum, umgeben von geflügelten Wesen; denn sie streben dem Himmel, ihrem Ursprung, zu.
Im Industiefland wurde eine Feigenbaumart mit glänzenden und stets sich im Wind bewegenden Blättern, der Ficus religiosus, zum Weltenbaum. In seinem Laub zeigt sich die Baumgöttin. Der Ficus religiosus blieb in Indien der heilige Baum, unter dem Buddha seine Erleuchtung empfangen hat.

Bei den Chinesen stellt der Kienmon den Baum des absoluten Beginns der Welt dar, und durch den hohlen Stamm des Mandelbaums steigt das Tao, das universelle Prinzip und die kosmische Ordnung, in die Welt

In der hebräischen Kabbala nimmt diese Rolle der Baum Sefiroth ein.


Im Norden ist der Weltenbaum meist eine gewaltige Fichte oder auch eine Lärche. In Sibirien ist es der Birkenbaum, der dem Schamanen den Zugang zu den anderen Welten eröffnet. Beim Besteigen des Baums muss er neun Einkerbungen in das Holz auf dem Weg zum Wipfel machen, ehe er dann in der Trance auf Seelenreise gehen kann. Die Birke wurde später in der Gestalt der heiligen Brigitte (Birke = Bhirg), der Lichtmessjungfrau der nordischen Länder, christianisiert.

Auch in der Genesis spielen Bäume im Garten des Paradieses eine große Rolle, der Baum der Erkenntnis und der Baum ewigen Lebens, Spross aus der Wurzel Jesse, und im Christentum ist das Holz des Kreuzes mit erlösenden Eigenschaften assoziiert. "Der Schöpfungs- und Heilsplan der Bibel ist durchzogen von Theophanien im Zeichen des Baumes. Am Anfang steht die Schilderung des Paradieses als Garten Eden und in seinem Zentrum die zwei Bäume des Lebens und der Erkenntnis des Guten und Bösen inmitten der vier Ströme lebendigen Wassers. Durch die ganze Bibel zieht sich eine Symmetrie der Symbolik. So beschreibt Johannes im letzten Kapitel der Offenbarung das wiederhergestellte Paradies folgendermaßen: 'Mitten auf dem Weg auf beiden Seiten des Stroms des lebendigen Wassers wachsen Bäume des Lebens, die zwölfmal Früchte tragen und deren Blätter zur Heilung der Völker dienen.' (Off. 22,2)."

Baumglauben in der Antike

Alle antiken Religionen zeigen - oft versteckt unter späteren mythologischen Schichten - Baumgottheiten in ihrem Grundgefüge. Mars war ursprünglich ein Baumgott und Zeus auf Kreta wie auch Dionysos und Osiris. In der vorhellenischen Welt stand Rhea = Kybele, die Göttin der Eiche, mit ihrem Sohn und Geliebten, dem jungen kretischen Zeus, im Mittelpunkt des Baumkultes der minoischen Religion. Die Äste des heiligen Baumes hingen über einem Altar, vor dem mit Beschwörungen und rituellen Tänzen die Gottheit angerufen wurde. Die Archäologie besitzt zahlreiche Zeugnisse von diesem Kult. Ekstatische Tänze sollten das Wachstum der Pflanzen fördern. Das magische Begießen und Ausreißen von Bäumen, manchmal mit Menschenopfern verbunden, feierten den winterlichen Tod der Vegetation und intensivierten ihre jährliche Erneuerung aus der freigesetzten Energie magisch.

Dionysos ist ein Gott des Saftes. Andere Namen für ihn waren Endendros, "der im Baum Lebende", oder Bromios, "raschelnd" oder "erschauernd", für den Gott, den man in der Bewegung des Laubs und im Murmeln des Waldes zu fühlen glaubte oder auch im Röcheln und Brüllen der in Trance fallenden Anhänger bei ihren orgiastischen Kultfeiern. Man verehrte einen Efeu-Dionysos und einen Feigenbaum-Dionysos.

Lorbeerkranz und Eichenlaub, Friedenspalme und Ölzweig haben eine tiefe symbolische Bedeutung beibehalten und sind göttliche Attribute aus mythischen Quellen. Sie symbolisieren Mut, Stärke, Unsterblichkeit, Ruhm, Ehre, Sieg und Frieden, Fruchtbarkeit, Erneuerung und Unsterblichkeit. Noch bei den Römern waren die Bäume beseelt, d.h., sie wurden von einer Nymphe bewohnt wie z.B. der Lorbeerbaum von Daphne, die Linde von Philyra, die Silberpappel von Dryope, der Nussbaum von Karya. Der römische Dichter Ovid hat ein ganzes Werk, die "Metamorphosen", ihren Verwandlungen gewidmet. Darin kann man alte Glaubens-inhalte, die zu seiner Zeit nur noch als Fabeln umgingen, finden.

Auch im Christentum wurde manches vom Baumglauben auf Christus umgedeutet und auf ihn bezogen wie Weinstock, Ölbaum, Feigenbaum, und die Toten wurden auf Lorbeerblätter gebettet als Zeichen für neues Leben.

Baumglaube bei Kelten und Germanen

Unsere germanischen und keltischen Vorfahren hatten nicht nur ihre heiligen Bäume, sondern verehrten ganze Wälder und Haine als heilig. Dem heiligen Hain und dem heiligen Wald bezeugte man seine Ehrerbietung, indem man ihn nur mit gefesselten Händen betrat, um seine Unterwerfung unter die Allmacht der Gottheit zu bekennen. Höchste Einweihung und religiöse Spiritualität konnte derjenige erlangen, der sich zur Meditation unter Einsatz seines Lebens in die Baumkrone hängte. So konnten auch Menschenopfer den Baumgottheiten dargebracht werden. Das war manchmal auch mit orgiastischen Feiern des winterlichen Todes und der frühjährlichen Auferstehung mit dem Steigen des Saftes wie bei den Feiern des Dionysos verbunden. Eine der ältesten Runensprüche lautet:

Ich weiß, dass ich hing
am windigen Baum
neun Nächte lang
mit dem Ger verwundet,
geweiht dem Odin,
ich selbst mir selbst.

Also selbst der Gott Odin muss sich an den Baum hängen, dem Tode ausgesetzt, um höchste Erkenntnis zu erlangen; der Meditierende und Einzuweihende muss auf die Steigerung seiner eigenen Energien verzichten und sie austilgen, um die kosmischen Einflüsse besser empfangen zu können.

Die Esche war dem Gott Odin geweiht, die Eiche dem Gott Donar, dem Donnergott. Noch Jahrhunderte lang fand das Gericht bei Germanen, Kelten, Slawen, Esten und Finnen im Schatten einer alten Eiche statt. Ein byzantinischer Historiker berichtet, dass im 10. Jahrhundert die christianisierten Russen zu einer großen Eiche auf die St. Georgsinsel kamen um zu opfern. Die Priester sangen ein Te Deum und verteilten Zweige des heiligen Baumes an die Anwesenden.

Die Priesterinnen und Priester unserer germanischen und keltischen Vorfahren, die Druiden, lebten an geheimnisvollen und versteckten Orten in heiligen Wäldern. Es waren würdevolle Menschen mit tiefer religiöser Begabung und ehrfurchtsvoller Naturverbundenheit. Sie kleideten sich in helles Leinen. Leider weiß man sehr wenig von der keltischen Religion. Doch ist überliefert, dass die Ausbildung zum Druiden lange Jahre dauerte und die Leviten sehr viel mündlich Überliefertes auswendig lernen mussten, was manche nicht durchhielten und deshalb wieder heimkehrten.

Es wird vermutet, dass die Feen und Weisen Frauen späte Abkömmlinge der gallischen Priesterinnen waren, die das Leben in Einsamkeit der Bekehrung vorgezogen hatten. Sie mussten sich in abgelegene Gegenden flüchten und in Höhlen oder Dolmen wohnen, also in alten Wohnstätten heidnischer Gottheiten, deren Kult sie heimlich aufrecht erhielten. Dort konnten sie sich geschützt fühlen, abergläubische Furcht hielt die Menschen vor solchen Plätzen fern. Sie kannten die geheimen Heilkräfte der Pflanzen, verschiedene Arten der Zukunftsdeutung und konnten Zauberbann über Feinde verhängen.

Schicksal des Baumkultes bei der Missionierung

Als die christlichen Missionare mit der Bekehrung der heidnischen Völker begannen, war es eine ihrer ersten Aufgaben, den Baumkult abzuschaffen und die heiligen Wälder zu zerstören. Das Konzil von Arles erließ im Jahr 452 Gesetze gegen die Anbetung von Bäumen, die Konzilien von Tour (567) und Nantes (568) wetterten gegen die Menschen, die an wilden Orten, tief im Wald verborgen, einen gotteslästerlichen Kult betrieben, und gegen die den Dämonen geweihten Bäume. Häufig tadelten die Geistlichen in ihren Predigten noch im Mittelalter manche ihrer Pfarrkinder öffentlich deswegen. Auch bei den Völkern im Norden hatten die Missionare große Mühe, den Baumkult auszurotten. St. Bonifazius ließ die dem Gott Thor geweihte Eiche von Geismar fällen, und 50 Jahre später zerstörte Karl der Große die Irminsul, einen gewaltigen Baumstamm, der das Himmelsgewölbe stützte. Der Kampf ging lange weiter. Noch im Jahr 1258 gab Bischof Anselm den Befehl, eine heilige Eiche zu fällen, und 1355 ließ Johannes I., Hochmeister des Deutschen Ritterordens in Preußen, eine Eiche zersägen, unter der sich das Volk zum Beten versammelte.

Auch die Gründung von Klöstern im tiefen Wald und die Lichtung und Rodung und Pflege des Waldes dienten dazu, die teuflischen Kräfte zu bannen und die Atmosphäre zu reinigen. Nach einer Notice archéologique von 1854 gab es im Département l´Oise noch 253 Bäume, die verehrt wurden: 74 Ulmen, 27 Eichen, 24 Weißdornsträucher, 15 Nussbäume, 14 Buchen, 14 Linden. Heilige Wälder waren in Gallien zahlreich und ausgedehnt. Jahrhunderte lang waren in ihrem Inneren die Heiligtümer und die heiligen Versammlungsstätten der Kelten geborgen. Manche Wälder waren personifiziert und vergöttlicht, so z.B. die Vogesen, der Schwarzwald, der Ardennenwald. Reminiszenzen an die Heiligkeit dieser Wälder lebten bis ins späte Mittelalter weiter. Manchmal wurden heilige Bäume auch christianisiert und Maria oder einem Heiligen geweiht. In der Bretagne hielten sich die alten Bräuche am längsten. Die Bretagne war damals mit undurchdringlichem Eichenwald ganz bedeckt und bot Flüchtlingen vor den Angeln und Sachsen Schutz. Sie lebten darin vielfach als Einsiedler, zwar christianisiert, aber gleichzeitig Erben der Druiden und der Barden und sogar Anhänger der alten keltischen Mythologie. St. Patrick, der im 5. Jahrhundert in Irland das Evangelium verkündete, hatte mit ihnen einen Bund geschlossen und manche von ihnen sogar als Priester geweiht.

Mythologie der drei heiligen Feigenbaumarten, die in Ägypten wachsen

Ficus Sycomorus oder Pharaofeige; ägyptisch Gammez

Die Sycomore war im Alten Ägypten beheimatet, wo sie zu den mächtigsten und weit ausladendsten Bäumen gehörte. Aus ihrem dicken Stamm von fast unverweslichem Holz wurden die Mumiensärge geschnitzt. Ihre Äste verzweigen sich zu einer hohen und breiten Krone. Ihre essbaren Feigenfrüchte, die nicht ganz so süß sind wie die der Essfeige (Ficus carnica), sitzen auf kurzen Stielen in ganzen Nestern über die Äste verteilt. Die Rinde ist in fleckigen und malerischen Mustern ausgebildet, der Stamm knorzig und gedrungen und verzweigt sich schon in Kopfhöhe in mächtige Äste. Schöne alte Sycomoren stehen in Maadi entlang dem Club. Auf dem Land werden sie immer weniger. Als Welten- und Lebensbaum ragt die Sycomore in der Mythologie mitten in einem mit dem Urgewässer Nun gleich zu setzenden See auf und stützt den Himmel und garantiert damit die Erhaltung der Schöpfung.

Der östliche Horizont aber, der durch den täglichen Sonnenaufgang ein Ort der Wiedergeburt ist, wird von den beiden Sycomoren aus Türkis flankiert, zwischen denen der Sonnengott Re hervorgeht. Die Himmelsgöttin Nut, die mit der Baumgöttin gleichgesetzt wird, beschreiben die Pyramidentexte als fürsorgliche Mutter. Aber die Sycomore wird auch oft mit Isis und Hathor, den anderen pharaonischen Muttergottheiten, gleichgesetzt. Mit einem Arm und einer weiblichen Brust versehen, wird der Baum zum Sinnbild der nährenden Mutter. So war die Sycomore mit den göttlichen Mächten und der Hoffnung auf eine ewig währende Erneuerung an der Seite der Götter verbunden. Seit Thutmosis III. ist die Darstellung der Sycomore beliebt, aus deren Stamm herauswachsend und zwischen den Zweigen versteckt die Göttin mit ihren Gaben erscheint. Die Göttin kann dabei auch die Gestalt einer Dattelpalme annehmen.

Das Bild der Baumgöttin, die den Verstorbenen Speise und Trank direkt aus ihrer Hand anbietet, gibt Absicherung für die ewige Versorgung im Totenreich. Hier wird die pflanzliche Natur zu Gott selbst, der durch sie handelt, und alles wird zur Erscheinungsform des lebensspendenden Austauschs zwischen Gott und Mensch.
Die Abbildung auf der vorangegangenen Seite stellt diese Versorgung der Verstorbenen durch die Baumgöttin dar: "Hier ist es die Himmelsgöttin Nut, die als Baumgöttin auftritt: Rein menschengestaltig steht sie in einer großen Sykomore und beugt sich leicht nach rechts vor, der außen knienden Schedesenmut entgegen. Diese kniet am Boden und hält beide Hände mit nach oben geöffneten Handflächen zur Entgegennahme der göttlichen Gaben empor. Dabei handelt es sich um Wasser und Brot: Die Baumgöttin trägt in der erhobenen linken Hand einen Teller mit Rundbroten oder Kuchen, in der rechten Hand ein Libationsgefäß, eine Hes-Vase. Von dieser gehen zwei Wasserstrahlen direkt zum Mund der Verstorbenen, zwei weitere fließen in den Mund eines weiblichen Ba-Vogels, der mit gleichfalls erhobenen Händen zwischen Baumgöttin und Verstorbener als Verkörperung der Seele steht und teilhaben möchte an der Versorgung. Die Schlange unterhalb des Baumes ist ebenfalls eine Manifestation der göttlichen Versorgung, da Schlangen als Ammen sowie allgemein zur Darstellung des nährenden (und damit mütterlichen) Aspekts einer weiblichen Gottheit verwendet wird."

In den Tempellisten der griechisch-römischen Zeit wurden heilige Bäume aus dem ganzen Land festgehalten. Die großen Götter konnten mit diesen Bäumen in Beziehung gesetzt werden, so Hathor, die Herrin der Sycomore, Thoth, Herr der Dumpalme, Sachmet, die Herrin der beiden Akazien. Pyramidentexte bezeichnen den König als Horus, der aus der Akazie hervorgekommen ist, also göttlicher Abstammung ist.

Ficus Religiosa oder Bobaum, Bodbaum, Buddhabaum; englisch Peepul; ägyptisch Tin assnan oder Arak el-Hind

Der Bobaumm, Ficus Religiosa, ist ein majestätischer Baum mit hoch aufragendem, glattem Stamm, der bis zu 30 Meter hoch werden kann. Wir finden eine schöne Allee davon in Maadi, 18. Straße. Auch in Kairos Stadtteil Garden City gibt es am Nil entlang viele Bodbäume. Seine Blätter sind glänzend und sehr langstielig, an der Basis herzförmig und laufen aus in eine lang ausgezogene Spitze wie ein überfeinerter gotischer Spitzbogen. Sie bewegen sich beim kleinsten Windhauch. Im Frühjahr wirft diese Feigenbaumart ihre Blätter ab. Die sofort danach austreibenden jungen Blätter sind ganz dunkelrot, werden dann aber schnell grün. Seine Früchte sind sehr kleine, nur halbzentimetergroße Knubbelfeiglein und nicht essbar. Doch vergnügen sich die ägyptischen Flughunde daran und geben in den hohen Bäumen ihre Zwitscherkonzerte. Die Früchtchen sitzen ungestielt auf den Zweigen und haben braunrote bis braungrüne Farben.

Unter diesem Baum hat Buddha der Mythologie nach seine endgültige Erleuchtung empfangen. Als in der Frühe eine Frau aus dem Volk zum heiligen Baum mit einer Schale Milch als Opfergabe kam, reichte sie diese dem erweckten Buddha zur Stärkung, weil sie in ihm den Baumgott zu erkennen vermeinte.

Der Baum ist mit dem Fächer seiner unterirdischen Wurzeln, seinem schmalen Stamm und seinem weit ausgebreiteten Laub das vollkommene Abbild der Erleuchtung, des E-wachens, der Sammlung latenter Energien, die zur geistigen Verwandlung nötig sind. Deshalb wird in den ältesten buddhistischen Texten nicht Buddha selber als der große Erwecker bezeichnet, sondern der Bodhibaum. Die ältesten Darstellungen des Buddhismus zeigen niemals den meditierenden Buddha, sondern nur den Baum Bo, der sich vor ihm erhebt.

Im hinduistischen Glauben, der viel älter ist als der Buddhismus, genügte es, den Baum zu berühren, um die eingeschlafene Erinnerung an frühere Leben zu wecken.

Ficus Benghalensis oder Indischer Feigenbaum; indisch Banyan; ägyptisch Tin Banghali

Er gilt als Sinnbild wuchernden Lebens und üppiger Fülle, Wohnstatt der Schöpfergötter. Bei ihm ist die Bildung von aus den Ästen wachsenden Luftwurzeln sehr stark ausgeprägt, aus denen eine große Menge von sekundären Stämmen entstehen kann, die den ursprünglichen Stamm umgibt und mit ihm verbunden ist. Er kann einen Radius bis zu 600 Metern bedecken. Unter seinem Schatten finden in Indien Märkte statt. Aber auch Obdachlose und Yogis finden Unterschlupf zwischen seinen verschlungenen Luftwurzeln.

Wir kennen auch in Kairo sehr schöne Banyanbäume wie z.B. im Manial-Garten, im Garten beim Gezirah-Turm, auf der Corniche und in vielen Gärten Maadis.
Gerda Gollwitzer schreibt in ihrer "Botschaft der Bäume", dass der Baum Jahrhunderte lang die "Große Mutter" repräsentierte, aus der alles Lebendige entspringt und in die alles Leben wieder einmündet. Er verkörpert den Rhythmus des Werdens und Vergehens im Jahreslauf wie im Lebenslauf. Die emotionale Religio, die den Menschen mit dieser uralten Quelle verband, ist verschüttet. So ist es heute unerlässlich, den Archetypus "Baum" über die Erkenntnis ins Bewusstsein zurück zu heben und neu zu beleben. Verbunden damit ist die Neuentdeckung der Natur in uns selbst, unseres Körpers und unserer Seele, vorbildhaft veranschaulicht im Archetypus Baum, der eingespannt zwischen Erde und Himmel in Wechselbeziehung mit allen Elementen wächst wie auch der Mensch. Es wäre an der Zeit, anhand einer neuen Verinnerlichung des Baumes unsere Wurzeln neu einzugraben und zu einem tieferen und echteren Verhältnis zur Natur und damit auch zu uns selbst vorzudringen.


. - Was Du aufdeckst, - offenbart sich . -

"Die Erlösung kann nicht verdient, nur empfangen werden, - darum ist sie die Erlösung". -

"Es ist alles Illusion, - was nicht aus mir selber spricht,
- denn es ist ein Zusatz, - dieses Eine nicht". -

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#2

RE: Die Mythologie der Bäume:

in Pflanzen: 20.05.2010 05:18
von Adamon • Nexar | 14.588 Beiträge

25.April - Baumtag - Tag des Baumes:


Andere Festtage dienen der Erinnerung, der Tag des Baumes weist in die Zukunft." (Julius Sterling Morton 1872)
Wer einen Baum pflanzt,
wird den Himmel gewinnen.
(Konfuzius)

Der "Tag des Baumes (engl. "Arbor-Day") - in den Ländern der Erde an unterschiedlichen Tagen gefeiert - dient dazu, auf die Bedeutung des Waldes für Mensch und Wirtschaft hinzuweisen und auf die Verantwortung des Menschen dem Baum gegenüber.
Am 25. April 1952 pflanzte der erste Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, Prof. Dr. Theodor Heuss, zusammen mit Innenminister Dr. Robert Lehr, Präsident der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), im Bonner Hofgarten einen Baum. Diese Aktion war der Startschuss für den „Tag des Baumes“ in Deutschland. Das Motto lautet: Tag des Baumes - "verschenken, pflanzen, begießen, schützen Sie einen Baum!"

Etwa 30.000 verschiedene Baumarten wachsen auf der Erde und einige dieser Bäume hatten schon immer eine besondere Bedeutung für den Menschen. Als Sitz der Götter, Reich der Feen, Hexen und Dämonen unserer Ahnen, Orte des Gerichts, verkörpern sie Kraft und Fruchtbarkeit, bieten Bäume uns mit ihrem Blätterdach im Sommer den erfrischenden schattigen Ruheplatz, spenden mit ihren Früchten Nahrung, liefern durch ihre Stämme Brenn- und Bauholz; nicht zu vergessen den Sauerstoff, den sie produzieren. Ohne den Sauerstoff, ohne ihr Filtersystem für Luft und Wasser könnten wir nicht leben.

Erst wenn
der letzte Baum gerodet,
der letzte Fluss vergiftet,
der letzte Fisch gefangen ist,
werdet ihr feststellen,
dass man Geld nicht essen kann!
(Erkentnnis der Creek Indianer, die von Greenpeace oft zitiert wird)

In germanischen, keltischen, indianischen und anderen Schöpfungsmythen findet sich sogar der Glaube, dass es die Bäume waren, aus denen die Götter Menschen erschufen.
Wir Menschen können in ihren Wurzeln, dem Stamm, ihrer Krone, ihrem Blühen, Fruchtbringen und Verlieren der Blätter Parallelen zu unserem eigenen Leben entdecken.

Die Juden feiern ein "Neujahrsfest der Bäume -Tu Bi'Schwat, oder jüdisches Rosch ha - schana lellanot, an dem mit einem bestimmten Gebet Bäume für seine Angehörigen und Freunde gepflanzt werden. Der Brauch, am Hochzeitstag oder bei der Geburt eines Kindes entweder im eigene Garten oder in der Heimatgemeinde symbolisch für den Anfang ein Bäumchen zu pflanzen, ist sicher noch einigen bekannt,auch der Brauch, bei einer Hochzeit einen Baumstamm zu zersägen (symbolisch: Hindernisse beiseiteräumen).
Im keltischen Baumkreis verbinden sich "Baumkenntnisse, uralte Zeiteinteilung und praktische Menschenkenntnis, gewürzt mit magischem Pfeffer und spirituellem Salz" (Michael Vescoli).

Kann es etwas Schöneres geben als die Jahreszeiten eines Baumes?
Ein Baum steht in Schönheit von Jahr zu Jahr und behält seine Anmut und Würde. Seine Geheimnisse sind mitten in ihm, und er erzählt nichts von Menschen und ihren vorübergehenden Erlebnissen. Wir lernen etwas, wenn wir einen Baum betrachten. Ständig beschneidet er sich selbst, fortgesetzt wirft er alles Übermässige ab. Wenn er an einer schwierigen Stelle wächst, sendet er tiefe Wurzeln hinab, um nach einem festen Halt zu suchen. Jedes Blatt ist einzigartig und schön - doch es dient auch dazu, giftige Stoffe aus der Atmosphäre zu entfernen, und sendet einen sauberen Duft aus, um uns vor der Hitze zu schützen. Neben einem Baum zu sitzen oder unter einer Eiche auf der Erde zu liegen ist der Gipfel des Genusses.
(Die weisen Frauen der Cherokee)

Nur der Einsame findet den Wald; wo ihn mehrere suchen, da flieht er,
und nur die Bäume bleiben zurück.
(Peter Rosegger)

Die Wälder werden immer kleiner, das Holz nimmt ab, was wollen wir anfangen? Oh, zu der Zeit, wenn die Wälder aufhören,
können wir sicherlich so lange Bücher brennen,
bis wieder neue aufgewachsen sind.
(Georg Christoph Lichtenberg)

Wüsst ich genau, wie dies Blatt
Aus seinem Zeig hervorkam,
Schwieg ich auf ewige Zeit still,
denn ich wüsste genug
(Hugo von Hofmannsthal)

Planst Du ein Jahr, so säe Korn.
Planst Du ein Jahrtausend,
so pflanze Bäume.
(Kuan Chung, chinesischer Minister)

Man kann auch mit den Bäumen sprechen. Der Druide Douglas Monroe, erklärt die in seinem Buch "Merlins Lehren". Denn jeder der einen Baum fällt, sollte vorher den Baumgeist um Erlaunis fragen und eine kleine Spende interlassen ( indem man einen neuen kleinen Baum, in der Nähe pflanzt, damit sich der Baumgeist neu ansiedeln kann) !!!


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#3

RE: Die Mythologie der Bäume:

in Pflanzen: 08.06.2010 03:23
von Adamon • Nexar | 14.588 Beiträge

"Das keltische Baumorakel":


Hier möchte ich das „OGHAM“ vorstellen. Es ist das einzigartige Alphabet der keltischen Druiden. Es wurde in der Magie und zum Wahrsagen eingesetzt, diente dem geheimen Austausch und wurde in Gedenksteine geritzt. Seine Herkunft ist rein keltisch und man fand es ausschließlich auf den britischen Inseln, wo es höchstwahrscheinlich schon mehrere tausend Jahre vor Christus entstand.

Im Vergleich zu anderen Schriften besteht das Ogham nicht aus verschiedenen einzelnen – sondern aus Gruppen von fünf Buchstaben (Fews & Fedha genannt). Diese Gruppen werden durch eine, zwei, drei, vier oder fünf Linien wiedergegeben, die sich über oder unter der Grundlinie Druim befinden – oder sie schneiden. Bei aufrecht stehenden Steinen nahm man die Kante des Steins als Grundlinie, die man hier Arris nannte. Ogham wurde von links nach rechts geschrieben oder (auf aufgestellten Steinen) von unten nach oben.

Ursprünglich gab es vier Buchstabengruppen. Zur Wiedergabe von Diphthongen fügte man später noch eine weitere Gruppe von Zeichen hinzu.

Für die Kelten war die Sprache ein machtvolles Werkzeug, das nicht nur dem täglichen Informationsaustausch diente, sondern auch für magische Zwecke benutzt wurde. Jedes einzelne Zeichen im Ogham - Alphabet hat seine eigene Kraft, und zwischen allen Wörtern, die denselben Anfangsbuchstaben haben, besteht eine magische Verbindung. Deshalb ist jedem Buchstaben ein ganz spezieller Baum, eine Vogelart, ein Handwerk, eine Farbe und noch eine ganze Reihe von nicht überlieferten Bedeutungen zugeteilt.



Den Großteil des Wissens, das man heute über die Ogham – Schrift hat, verdankt man dem Manuskript: „The Book of Ballymote“, welches aus dem 15. Jahrhundert stammt.



Ogham wurde bis weit nach der Entstehung des Christentums praktiziert, und wurde noch im 17. Jahrhundert zur Chiffrierung von Botschaften verwendet (Graf von Glamorgan an König Charles I von England)



Am Beginn des 18. Jahrhunderts durchlebte das Wissen der Kelten eine außergewöhnliche Wiederkehr – und auch heute noch besteht großes Interesse daran, da viele Menschen Religionen ablehnen und sich für eine persönliche Spiritualität entscheiden, die auf altem Wissen basieren, und nicht auf theologischen Lehren fundiert. Bei den Kelten gab es keine heilige Schrift!



Die Kelten ehrten die Natur, und ganz besonders die Bäume hatten einen sehr hohen Rang. Sie galten als die Hüter der Heilung, des Wissens und der Weisheit. Um Zugang zu diesen Kräften zu bekommen, brauchten sie nur ihr Herz zu öffnen und ihrer Intuition zuzuhören um sich von der Natur führen zu lassen.

Das Ogham ist ein Schlüssel zu Selbstfindung und hält das Wissen, das wir in unserem tiefsten Inneren tragen, lebendig: das Wissen um unser wirkliches, wahres und spirituelles Wesen.

Der Ogham – Kalender:

Das Ogham wird zwar oft Baumorakel genannt, aber es enthält auch sechs Pflanzen, die überhaupt keine Bäume sind: Efeu, Mistel, Stechginster, Brombeere, Heidekraut und Schilfrohr. Warum die Kelten den Efeu mit aufnahmen, ist offensichtlich: er ist untrennbar mit den Bäumen verbunden, und eine alte Efeupflanze ist selbst schon fast ein Baum.

Auch die Mistel ist eine „baumnahe“ Pflanze, denn sie wächst ausschließlich in Bäumen. Schilfrohr, Stechginster, Heidekraut und Brombeere wachsen dort wo keine Bäume sind. Also nehmen sie in der heiligen keltischen landschaftlichen Welt, sozusagen den Platz der Bäume ein.

Dreizehn der Ogham – Zeichen ergaben auch einen Kalender, der sich mit dem Mondlauf orientierte.

Dazu:
http://ogham.abhyanga.de/


Dateianlage:
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