RE: Der Affe: - 2
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#16

RE: Der Affe:

in Tiere: 07.01.2019 16:46
von Adamon • Nexar | 14.589 Beiträge

https://www.grenzwissenschaft-aktuell.de...en-neu20181110/

Erstmals beobachtet: Orang-Utans erfinden den Haken neu:


Symbolbild: Orang-Utan.
Copyright: hari-net (via Pixabay.com), CC0
Wien (Österreich) – Während es schon Menschenkindern unter acht Jahren schwer fällt, aus einem Stück Draht einen Haken zu biegen, um nach einem Körbchen mit Futter zu angeln, galt diese Fähigekeit als allein dem Menschen eigen. Kognitionsbiologen und Vergleichende Psychologen haben diese Fähigkeit Hakenwerkzeuge zu erfinden, nun erstmals auch bei Menschenaffen – den Orang-Utans – beobachten können.

Wie das Team um Isabelle Laumer und Alice Auersperg von der Veterinärmedizinischen Universität Wien und Kollegen um Josep Call von der University of St. Andrews aktuell im Fachjournal „Scientific Reports“ (DOI: 10.1038/s41598-018-34607-0) berichten, stellten die Affen – konfrontiert -mit einer Aufgabe, die das Herstellen von Hackenwerkzeugen bzw. deren Umkehr erforderte – schon beim ersten Versuch spontan Hakenwerkzeuge aus einem geraden Stück Draht her und bogen einen gekrümmten Draht in einer zweiten Aufgabe zu einem geraden Stoßwerkzeug zurück.

„Bereits in jungen Jahren stellen Kinder routiniert Werkzeuge her“, erläutert die Pressemitteilung der Veterinärmedizinischen Universität Wien und führt dazu weiter aus: „Die Aufgabe, auf die Idee zu kommen aus einem Stück Draht einen Haken zu biegen, um ein Körbchen mit Henkel aus einer senkrechten Röhre herauszuholen, gelingt Kindern unter acht Jahren aber nur selten. Wie britische ForscherInnen herausfanden, gelang es der Mehrheit der Kinder erst im Alter von acht Jahren, selbstständig ein Hakenwerkzeug zu erfinden. Nach einer Demonstration waren aber Kinder aller Altersklassen in der Lage selbst einen Haken zu biegen. Obwohl es ein offensichtliches Verständnis davon gibt, welche Art von Werkzeug benötigt wird und auch die Fähigkeit gegeben ist, ein funktionales Werkzeug herzustellen, scheint es ein kognitives Hindernis bei der Erfindung dieses zu geben.“

In ihren Experimenten stellten die Forscher um Laumer dieselbe Aufgabe erstmals einer Menschenaffenart. “Wir konfrontierten die Orang-Utans (im Zoo Leipzig)mit einem geraden Stück Draht und einer senkrechten durchsichtigen Röhre, die ein Körbchen mit Henkel, befüllt mit ihrem Lieblingsfutter, enthielt. In einer zweiten Aufgabe erhielten die Tiere ein um 90 Grad gebogenes Stück Draht und eine horizontale Röhre, die in der Mitte eine Belohnung enthielt“. Um an den Inhalt des Körbchens zu gelangen, mussten die Tiere also auf die Idee kommen die Spitze des Drahts zu einem Haken zu verbiegen, diesen in den Henkel einzuhängen und das Körbchen hochzuziehen. In der zweiten Aufgabe befand sich die Belohnung in der Mitte eines horizontalen Röhrchens. Um zu dem Futter zu gelangen, mussten die Tiere ein um 90 Grad gebogenes Drahtstück gerade biegen. Nur dadurch konnten sie das Futter aus dem Röhrchen herausstoßen.

Das Ergebnis: Mehrere Affen waren in der Lage beide Aufgaben zu lösen. Zwei Orang-Utans lösten sogar beide Aufgaben innerhalb der ersten Minuten des allerersten Versuchs. “Die Orang-Utans haben die Haken meistens direkt mit ihren Zähnen und dem Mund gebogen, während sie den Rest des Werkzeugs gerade gelassen haben. Danach führten sie es sofort richtig herum ein, hakten es in den Henkel ein und zogen das Körbchen hoch.”

Orang-Utans teilen 97 Prozent ihrer DNA mit Menschen und gehören zu den intelligentesten Primaten. Sie haben ein menschenähnliches Langzeitgedächtnis, benutzen routinemäßig eine Vielzahl ausgefeilter Werkzeuge in der Wildnis und bauen jede Nacht aus Laub und Ästen aufwendige Schlafnester. Wie alle vier großen Menschenaffen sind sie vom Aussterben bedroht und stehen auf der Roten Liste der IUCN. Der natürliche Lebensraum beschränkt sich heute nur noch auf die Regenwälder von Sumatra und Borneo. „Der Verlust des Lebensraums aufgrund der extensiven Palmölproduktion, illegaler Handel und Wilderei sind die Hauptbedrohungen für in Freiheit lebende Orang-Utans. Palmöl ist das am häufigsten verwendete Pflanzenöl der Welt. Solange es eine Nachfrage nach Palmöl gibt und die Verbraucher weiterhin Produkte kaufen, die Palmöl enthalten, floriert die Palmöl-industrie. Laut eines Gutachtens des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) aus dem Jahr 2007 werden Orang-Utans innerhalb von zwei Jahrzehnten in freier Wildbahn ausgestorben sein, falls sich die derzeitigen Entwaldungstrends fortsetzen.“ sagt Isabelle Laumer.

“Der Haken-Test hat sich zu einem Standard-Test für die Prüfung der Innovationsfähigkeit von Werkzeugen in der vergleichenden Psychologie entwickelt.”, erläutert Auersperg und führt dazu weitre aus: „Die Tatsache, dass die Affen sehr schnell auf die Lösung gekommen sind, lässt vermuten, dass die Orang-Utans das Hakenwerkzeug aktiv als Lösung für dieses Problem gebaut haben.“

https://www.orangutan.de/

“Diese Fähigkeit bei einem unserer nächsten Verwandten zu finden, ist erstaunlich. In der menschlichen Evolution erscheinen Hakenwerkzeuge erst relativ spät. Erste archäologische Funde von Angelhaken und harpunenartigen, gekrümmten Objekten sind etwa 16.000 – 60.000 Jahre alt”, erklärt Josep Call von der Universität von St. Andrews.

Warum also ist die Erfindung eines Hakenwerkzeugs für jüngere Kinder so schwierig? “Folgestudien zeigten, dass die Probleme der Kinder die Aufgabe zu lösen, nicht darauf zurückzuführen sind, dass sie zu impulsiv wären, auf nichtmodifizierte Werkzeuge fixiert sind oder nicht in der Lage wären eine bereits verfolgte Strategie zu ändern. Die Aufgabe stellt ein komplexes Problem dar, zu dessen Lösung mehrere unbelohnte Teilschritte nötig sind, ohne dabei das Ziel aus den Augen zu verlieren.”, erklärt Laumer abschließend. “Komplexe Problemstellungen werden in bestimmten Arealen des medialen präfrontalen Kortex verarbeitet. Interessanterweise reift dieses Hirnareal bei Kindern erst später vollständig aus. Das könnte den Erfolg der älteren Kinder erklären.”

© grenzwissenschaft-aktuell.de


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#17

RE: Der Affe:

in Tiere: 07.01.2019 17:52
von Adamon • Nexar | 14.589 Beiträge

https://www.grenzwissenschaft-aktuell.de...lturen20181126/

Nicht (nur) menschlich: Auch Schimpansen besitzen soziale Kulturen:


Symbolbild: Schimpansen
Copyright: suju (via Pixabay.com), CC 0
Leipzig (Deutschland) – Soziale Kulturen galten bislang als eine dem Menschen einzigartige Fähigkeit. Eine aktuelle Studie über das Sozialverhalten von getrenntlebenden Gruppen von Schimpansen zeigt nun jedoch Unterschiede in eben diesem Sozialverhalten, wie sie über die Zeit hinweg stabil sind. Diese Unterschiede könnten das Ergebnis von kulturellem Lernen sein.

Wie eine internationale Forschungsgruppe um Prof. Dr. Daniel Haun vom Leipziger Forschungszentrum für frühkindliche Entwicklung (LFE) an der Universität Leipzig aktuell im Fachjournal „“Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America” (PNAS; DOI: 10.1073/pnas.1722614115)“ berichtet, haben sie über drei Jahre hinweg vier Gruppen von Schimpansen in der Chimfunshi Wildlife Orphanage in Sambia erforscht und während dieser Zeit verschiedene Aspekte ihres Sozialverhaltens untersucht – zum Beispiel, wie viele Individuen in temporären Kleingruppen zusammenleben, wie räumlich nah Individuen sich gegenseitig durchschnittlich sind und wie häufig sie gegenseitige Fellpflege betreiben.

„Die Gruppen zeigten die größten Unterschiede in der Anzahl an Individuen, mit denen sie Zeit verbringen, auch bekannt als die Subgruppengröße“, erläutert die Pressemitteilung der Leipziger Universität und führt dazu weiter aus: „Zwei der Gruppen formten signifikant größere Subgruppen als die anderen beiden Gruppen. Die geselligste Gruppe zeigte sich auch in den anderen Aspekten sozialer. Die Schimpansen in diesen Gruppen waren durchschnittlich räumlich näher beieinander und betrieben viel häufiger gegenseitige Fellpflege als die anderen Gruppen.“

Die Bedingungen in diesem Schimpansenschutzgebiet boten den Forschern die einzigartige Möglichkeit, kulturelle Unterschiede bei Schimpansen zu untersuchen. Während in früheren Studien meist Gruppen wilder Schimpansen miteinander verglichen wurden, die in unterschiedlichen Umgebungen leben und große genetische Unterschiede aufweisen, konnten die Forscher in Chimfunshi den Einfluss dieser Faktoren auf die beobachteten Verhaltensunterschiede zwischen Gruppen nicht ausschließen. Da die Schimpansen in Chimfunshi alle in derselben Umgebung leben und es keine systematischen genetischen Unterschiede zwischen ihnen gibt, haben Forscher so die Möglichkeit zu untersuchen, inwiefern andere Prozesse, wie soziales Lernen, Unterschiede zwischen Schimpansengruppen erklären können.

“Obwohl wir die Ursprünge dieser Unterschiede in dieser Studie nicht direkt untersucht haben, wissen wir, dass Schimpansen sozial voneinander lernen können und, dass Primaten ihr Sozialverhalten an ihren Kontext anpassen können“, erläutert Haun und führt weiter aus: „Die Individuen in den jeweiligen Gruppen haben möglicherweise Interaktionsmuster anderer Schimpansen beobachtet, wie die allgemeine Nähe und die Häufigkeit von Fellpflege und sie sozial gelernt.“

Hintergrund
In dem Schimpansen-Schutzgebiet Chimfunshi leben über einhundert gerettete Schimpansen und ihre Nachkommen. Das Forschungsteam arbeitet seit über zehn Jahren mit den Schimpansen und erforscht unterschiedliche Aspekte ihres Verhaltens und ihrer Kognition, wie zum Beispiel ihre Neigung zu Konformität, die Entstehung und Weitergabe von kulturellen “Trends” und ihr Trauerverhalten.

“Wir konnten über die Jahre eine große Variabilität im Verhalten der Schimpansen in Chimfunshi beobachten. Diese aktuelle Studie zeigt einen Teil des Ausmaßes und der Stabilität der Unterschiede in der allgemeinen Geselligkeit und bietet uns eine Grundlage, um zu verstehen, wie diese Unterschiede andere Verhaltensweisen wie Kooperation und Prosozialität beeinflussen könnten“, so Haun abschließend.

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#18

RE: Der Affe:

in Tiere: 22.02.2019 01:03
von Adamon • Nexar | 14.589 Beiträge

https://www.grenzwissenschaft-aktuell.de...prache20190214/

Schimpansen-Gesten folgen Regeln menschlicher Sprache:


Schimpansen
Copyright: Jeremy Weate (via WikimediaCommons) / CC BY 2.0
London (Großbritannien) – Ein internationales Forscherteam hat herausgefunden, dass die Gestik, mit der Schimpansen untereinander kommunizieren, den gleichen linguistischen Regeln folgt wie die menschliche Sprache.

Wie das Team um Raphaela Heesen von vom Centre for Research in Evolutionary, Social and Interdisciplinary Anthropology and der University of Roehampton aktuell im Fachjournal „Proceedings of the Royal Society B“ (DOI: 10.1098/rspb.2018.2900) berichtet, haben sie die Kommunikation von Schimpansen in freier Wildbahn beobachtet, analysiert und diese dann mit den Regeln menschlicher Kommunikation verglichen.

Nach Jahren der Analyse haben Sprachwissenschaftler herausgefunden, dass – unabhängig davon, welche Sprache gesprochen wird – jede Form der menschlichen Sprache spezifischen Regeln folgt. Zu diesen Regeln gehört unter anderem das „Zipfsche Gesetz“, das die Häufigkeit von Wörtern in einem Text zur Rangfolge in Beziehung setzt und laut dem Wörter u.a. umso kürzer sind, je öfter sie in einer Sprache verwendet werden. Ein anderes linguistisches Gesetz ist das „Menzerathsche Gesetz“, laut dem die Komplexität der direkten Bestandteile einer sprachlichen Einheit, also etwa die Silben eines Wortes, abhängig von der Komplexität der Einheit selbst ist.

Bei ihren Beobachtungen stellten sich die Sprachwissenschaftler um Heesen nun die Frage, ob ähnliche Gesetze auch auf die Gestensprache von Schimpansen anwendbar sind. Da Schimpansen nicht sprechen können, kommunizieren sie miteinander mittels Handgesten, Körperhaltungen, Gesichtsausdrücken und Vokalgeräuschen. Anhand von umfangreichen Videoaufnahmen wildlebender Schimpansen im Budongo Forest Reserve in Uganda gelang es den Forschern nun, etwa 2.000 Beispiele für 58 einzigartige und damit spezifische Gesten der Schimpansenkommunikation zu identifizieren.

Wie die Wissenschaftler feststellten, lassen sich die Regeln menschlicher Sprache auch auf die Verwendung von Gesten unter den Schimpansen anwenden, wenn etwa die meistgebrauchten Gesten eher kurz sind und längere Gesten meist von kürzeren Gesten unterbrochen werden.

Zum Thema

Die Beobachtung legt nahe, dass trotz der doch großen Unterschiede in der Art und Weise der Kommunikation zwischen Schimpansen und Mensch, beide Kommunikationssysteme dennoch gemeinsamen mathematischen Prinzipien folgen.

Erst im vergangenen Jahr hatten Forscher herausgefunden, dass menschliche Kleinkinder und Schimpansen ähnliche Kommunikationssysteme nutzen. Jetzt planen die Forscher ihre Untersuchungen auch auf anderer Arten auszuweiten, da beispielsweis Bonobos eine Vielzahl von Gesten nutzen, die auch Schimpansen zur Kommunikation verwenden.

© grenzwissenschaft-aktuell.de


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#19

RE: Der Affe:

in Tiere: 26.06.2019 10:23
von Adamon • Nexar | 14.589 Beiträge

https://www.grenzwissenschaft-aktuell.de...kultur20190227/

Forscher entdecken neue Schimpansen-Kultur:


Östlicher Schimpanse, Pan troglodytes schweinfurthii
Copyright: Rod Waddington (via WikimediaCommons), CC BY-SA 2.0
Leipzig (Deutschland) – Beim Studium von Schimpansen in der Region Bili-Uéré im Kongo haben Verhaltensforscher im Rahmen einer Langzeitstudie ein neues Verhaltensrepertoire der dortigen östlichen Schimpansen beobachtet und beschrieben.

Wie die Forscher um Thurston C. Hicks vom Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie gemeinsam mit Kollegen der Universität Warschau aktuell im Fachjournal „Folia Primatologica“ (DOI: 10.1159/000492998) berichten, gibt es unterschiedliche Kulturen, Gewohnheiten und Verhaltensmuster nicht nur beim Menschen, sondern auch bei Schimpansen, einem unserer beiden nächsten lebenden Verwandten: „Schimpansen haben eine ausgefeiltere und diversifiziertere materielle Kultur als jeder andere nichtmenschliche Primat. Ihr Verhalten variiert im tropischen Afrika in einer Art und Weise, die sich nicht immer durch die Beschaffenheit ihres Lebensraums erklären lässt.“

„Diese Verhaltensvielfalt besser zu verstehen, könnte auch bei der Erforschung unserer frühesten homininen Vorfahren und der Entstehung ihrer Traditionen von entscheidender Bedeutung sein“ erläutert die Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts.

Schon zuvor konnten Verhaltensforscher bereits mehrere bei Schimpansen weitverbreitete Verhaltensmuster dokumentieren, darunter die Verwendung von Knüppeln in Zentralafrika, um Bienenstöcke zu öffnen, und langen Hilfsmitteln in Westafrika, um an verschiedenen Standorten nach Algen zu fischen.

Hintergrund: Der grenzwissenschaftliche Bezug
Während der Inhalt dieser Meldung zunächst rein biologischer bzw. verhaltenswissenschaftlicher erscheinen mag, ergibt sich ein direkter Bezug auch aus anomalistisch-grenzwissenschaftlicher Betrachtung, wenn man Zeugenberichten Glauben schenkt, die das Verhalten der angeblich in den Wäldern Nordamerikas, Russlands und Asiens lebenden, aufrechtgehenden und menschenähnlichen Großprimaten beschreiben, die als Bigfoot, Sasquatch, Almas, Yeti, Yeren und vielen weiteren Namen und Bezeichnungen bekannt sind. Auch diese sollen hier und da dabei beobachtet worden sein, primitive Werkzeuge benutzt und einfache Behausungen und Nester angelegt haben, sich durch das schlagen von Stöcken gegen Bäume und Steinewerfen bemerkbar machen, und sogar über eine – wenn auch primitive Form – der Lautkommunikation verfügen. Nicht zuletzt aus diesem Grund könnte also auch die hier vorgestellte Studie zu einem besseren Verständnis derartiger Sichtungsfälle führen. Derzeit stehen die Ergebnisse einer eDNA-Analyse von Materialproben aus möglichen Sasquatch-Nestern noch aus (…GreWi berichtete).

In seinem aktuellen Fachartikel beschreibt das Forscherteam um Hicks nun detailliert ein neues Verhaltensrepertoire östlicher Schimpansen (Pan troglodytes schweinfurthii) in der Region Bili-Uéré, wie es über ein mind. 50.000 Quadratkilometer großes Gebiet verbreitet ist.

“Über einen Zeitraum von zwölf Jahren haben wir Schimpansenwerkzeuge und -gegenstände in 20 Studiengebieten dokumentiert und Daten über Kot, Fütterungsreste und Schlafnester der Tiere gesammelt”, erläutert Hicks und führt dazu weiter aus: “Wir beschreiben ein neues Schimpansen-Werkzeugset: Lange Stöcke zum Sammeln von epigäischen Treiberameisen (Dorylus sp.), kurze Stöcke zum Sammeln von Stechameisen (Ponerinae) und zum Sammeln von Honig aus den Baumnestern stachelloser Bienen, dünne kurze Stöcke zur Extraktion von Ameisen der Art Dorylus kohli und stabile Stöcke, die die Tiere verwenden, um die unterirdischen Nester stachelloser Bienen zu erreichen.”

Hinzu dokumentieren die Forscher eine im Vergleich zu anderen Schimpansenpopulationen erweiterte Schlagtechnik, die mit der Nahrungsverarbeitung zusammenhängt: „Die Bili-Uéré-Schimpansen schlagen nicht nur hartschalige Früchte gegen Substrate (wie andere Schimpansenpopulationen auch), sondern sie öffnen mit Hilfe von Schlägen auch die Termitenhügel der beiden Arten Cubitermes sp. und Thoracotermes macrothorax, eine Nahrungsquelle, die Schimpansen in den meisten anderen Regionen Afrikas ignorieren. Östliche Schimpansen scheinen hingegen nicht auf die Termiten der Art Macrotermes muelleri zuzugreifen, nach denen Schimpansen einer Reihe anderer Langzeitforschungsstätten üblicherweise fischen.“

Die Wissenschaftler sehen zudem erste Belege dafür, dass östliche Schimpansen afrikanische Riesenschnecken und Schildkröten gegen Substrate schlagen. Beide waren als Nahrungsquellen für Schimpansen bisher nicht bekannt. „Außerdem ist es in dieser Region auch üblich, dass Schimpansen ihre Nester auf dem Boden bauen”, fügt Hicks hinzu.

Zum Thema

Obwohl sich die Verhaltensweisen der Schimpansengruppen auf beiden Seiten des Uele-Flusses und über zwei sehr unterschiedliche Typen von Lebensräumen (Mosaik Lebensraumtypen (Mosaik aus Savanne und tropischem Regenwald im Norden und tropischer Feuchtwald im Süden) hinweg stark ähneln, stießen die Forscher auch auf geografische Unterschiede im Verhalten der Tiere und fanden unterschiedlich häufig Werkzeuge zum Fischen nach epigäischen Treiberameisen, im Süden fanden sie keine Werkzeuge zum Graben nach Honig. Lange Stöcke zum Fischen nach Treiberameisen und Stätten, wo Früchte aufgeschlagen wurden, kamen ausschließlich nördlich des Uele-Flusses vor.

“Heutzutage scheint es uns, als hätten wir schon alles entdeckt, was es zu entdecken gibt. Was für eine schöne Überraschung, nun eine neue Schimpansenpopulation mit ihrem interessanten Verhaltensrepertoire beschreiben zu können! Das zeigt uns, dass noch längst nicht alles dokumentiert ist und wir noch sehr viel mehr über unsere natürliche Umwelt lernen können”, sagt Ko-Autor Hjalmar Kühl, ein Ökologe am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie und am Forschungszentrum iDiv.

“In der überentwickelten Welt von heute gibt es nur noch verschwindend wenige Möglichkeiten, eine große intakte Menschenaffenkultur zu erforschen, die sich über Zehntausende von Waldkilometern erstreckt”, sagt Hicks. “Wir brauchen solche natürlichen Laboratorien, um zu verstehen, wie sich eine materielle Kultur unter gesunden, gedeihenden Hominiden-Populationen verbreitet. Ansonsten wird es uns schwerfallen, die Innovationen unserer eigenen Vorfahren in den Waldgebieten Afrikas vor Millionen von Jahren besser zu verstehen.”

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RE: Der Affe:

in Tiere: 25.11.2020 05:49
von Adamon • Nexar | 14.589 Beiträge

https://www.grenzwissenschaft-aktuell.de...pansen20200525/

Termitenfischen: Forscher beobachten kulturelle Vielfalt bei Schimpansen:


Schimpansen in La Belgique, Kamerun.
Copyright: KMDA / MPI -EVA PanAf

Leipzig (Deutschland) – Anhand der Beobachtung von zehn Schimpansengruppen und ihrer Art und Weise an die Termiten zu gelangen, können Verhaltensforscher erstmals 38 verschiedene Elemente beschreiben, aus denen sich verschiedenen Verhaltensweisen des Termitenfischens zusammensetzen. Bislang waren Forscher von nur zwei unterschiedlichen Formen dieser Praktik ausgegangen. Wie sich erneut zeigt, findet die Übertragung kultureller Merkmale von Generation zu Generation nicht nur bei uns Menschen statt. Auch Schimpansen verfügen über eine große Vielfalt an kulturellen Verhaltensweisen und Werkzeuggebrauch.

Wie das Team um Christophe Boesch vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie aktuell im Fachjournal „Nature Human Behaviour“ (DOI: 10.1038/s41562-020-0890-1) berichtet, waren einige dieser Verhaltensweisen bereits zuvor durch einige wenigen Langzeitforschungsstationen bereits gut dokumentiert, doch sei über die gesamte kulturelle Vielfalt verschiedener Schimpansenpopulationen nur wenig bekannt.

Um diese Vielfalt besser zu verstehen, haben Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen im Jahr 2010 das Projekt „Pan African Programme: The Cultured Chimpanzee“ (PanAf) ins Leben gerufen, innerhalb dessen anhand eines standardisierten Protokolls an über 40 Standorten in Afrika Kamerafallen platziert, Proben gesammelt und ökologische Daten aufgenommen wurden.

Während bislang davon ausgegangen worden warm dass das Angeln von Termiten nur in zwei Formen vorkommt und mithilfe eines oder mehrerer Werkzeuge durchgeführt wird, um aus oberirdisch oder unterirdisch gelegenen Bauten Termiten zu holen, erlaubten es die neuen Beobachtungen für jeden einzelnen Schimpansen der beobachteten Gruppen einen Katalog von Verhaltensweisen (Ethogramm) zu erstellen. Dabei identifizierten Boesch und Kollegen 38 verschiedene Elemente, aus denen sich die verschiedenen Verhaltensweisen des Termitenfischens zusammensetzen. Die Forscher beobachteten, dass in jeder dieser Schimpansengruppen ein Teil dieser Elemente genutzt und zusätzlich auf unterschiedliche Weise kombiniert wurde. „Darüber hinaus haben Angehörige derselben Gemeinschaft im Vergleich zu Schimpansen aus anderen Gruppen beim Termitenfischen mehr dieser Verhaltenselemente gemein und kombinieren diese auf eine jeweils einzigartige Weise“, erläutert die Pressemitteilung des Instituts.

„Die Vielfalt der Techniken, die Schimpansen beim Angeln von Termiten anwenden, war für mich eine große Überraschung. Jede Gemeinschaft verfügt nicht nur über ihre ganz eigene Art des Angelns, sondern kombiniert auch eine Reihe verschiedener technischer Elemente in ganz eigenen Formen“, erklärt Christophe Boesch. „Die auffallendsten Beispiele dafür sind, wie die Wonga Wongue Schimpansen in Gabun sich normalerweise auf die Seite legen, um Termiten zu fischen, während die Korup Schimpansen in Kamerun sich auf den Ellbogen stützen und die Schimpansen aus Goualougo in der Republik Kongo beim Angeln sitzen.“

Da die Schimpansengemeinschaften in ähnlichen Lebensräumen mit Zugang zu den gleichen Ressourcen leben, konnten ökologische Unterschiede zur Erklärung der beobachteten Unterschiede weitgehend ausgeschlossen werden. „Das unterstützt die Annahme, dass Schimpansen in der Lage sind, Techniken des Termitenfischens zu imitieren, was über alternative Erklärungen hinausgeht, wie zum Beispiel, dass jedes Individuum das Termitenfischen jedes Mal neu erfindet“, erklärt Co-Autorin Ammie Kalan.

Ähnlich wie bei kulturell geprägten Verhaltensweisen beim Menschen drehe sich auch bei Schimpansen nicht alles um Effizienzsteigerung, sondern vielmehr darum, sich dem Verhalten der Gruppe anzupassen. Beim Menschen kann man dies in den verschiedenen Esskulturen in Asien beobachtet. „In Thailand und Japan zum Beispiel sind die Essstäbchen nicht nur irgendwie anders geformt, sondern auch die Art, wie sie gehalten werden, unterscheidet sich. Das erinnert sehr an das, was wir hier bei Schimpansen sehen: In La Belgique in Kamerun formen Schimpansen ihre Stäbchen, indem sie sie zerfasern, um eine lange Bürste zu erhalten. Dann legen sie das mit Termiten bedeckte Stäbchen während des Essens auf ihr Handgelenk. An einem anderen Ort in Kamerun namens Korup hingegen machen die Schimpansen überhaupt keine Bürste und benutzen ihren Mund, um den eingeführten Stock zu schütteln, während er sich im Erdhügel befindet“, erklärt Boesch.

Beim Menschen wurde kulturelle Vielfalt in Hunderten verschiedener Populationen dokumentiert. Dies erklärt, warum die Schimpansenkultur im Vergleich so begrenzt erscheint. „Was wir zuvor über Schimpansen wussten, stammte aus höchstens 15 Gemeinschaften“, sagt Co-Autor Hjalmar Kühl. „Durch das PanAf-Projekt konnten wir viel mehr Gemeinschaften untersuchen und dadurch mehr über den Reichtum der Schimpansenvielfalt und -kultur erfahren und konnten zeigen, dass es noch so viel mehr zu entdecken gibt.“

Weitere Analysen von Videos und anderen im Rahmen des PanAf-Projektes gesammelten Daten sind derzeit im Gange. „Das Angeln von Termiten und andere kulturelle Verhaltensweisen von freilebenden Schimpansen können aus erster Hand beobachtet werden, wenn man sich als Bürgerwissenschaftler auf Chimp&See anmeldet”, sagt Co-Autorin Mimi Arandjelovic.

“Auf Chimp&See können sich Bürgerwissenschaftler über eine Million Videoclips von Schimpansen, Gorillas, Elefanten, Büffeln, Leoparden und vielen anderen Arten ansehen, die im Rahmen des PanAf-Projektes in ganz Afrika aufgenommen wurden. Unter www.chimpandsee.org kann Jede und Jeder als Bürgerwissenschaftler dazu beitragen, Daten zu analysieren und bei weiteren Entdeckungen aus dem Freiland dabei sein.”

Quelle: Max-Planck-Gesellschaft
https://www.mpg.de/

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